Schlüchtern, wurde in den Gründerjahren in Betrieb gekommen und hielt sich an zehn Jahre, bis die Katastrophe eintrat und sie bezw. ihre Aktionäre verkrachten.
* Hanau, 27. März. Bei der heutigen Wahl zur Handelskammer erhielten die meisten Stimmen die Herren: F. Cannthal, A. Deines, Ernst Döring, Wilh. Fues, M. Fürth, G. Gustine, Karl Hosse, Louis Houy, Karl Lucan, Ernst Schönfeld, Jul. Steinheuer, Ernst Zimmermann. Es hatten nur 28 Wahlberechtigte abgestimmt.
* K a s s e l, 29. März. Die Soldaten haben jetzt ihren Osterurlaub erhalten. Auf dem Bahnhofe sieht man massenhaft die schmucken Vaterlandsvertheidiger. Auf ihren kecken, fröhlichen Gesichtern kann man die Helle Freude lesen, daß es nun aus der engen und strengen Kaserne auf einige Tage wieder heim „zu Muttern" geht. Sie wissen, daß ihnen dort zwar nicht wie dem heimgekehrten verlorenen Sohne ein Kalb geschlachtet wird, daß ihnen aber doch „selbstgebackener" Kuchen und sonstige Herrlichkeiten winken.
* Arolsen, 27. März. Unser Bahnbau geht nun rasch seiner Vollendung entgegen. Der Oberbau ist auf der ganzen Linie fertig, ebenso ist der innere Ausbau und die Einrichtung des Bahnhofsgebäudes fast vollendet, außen ist man mit der Herstellung des Bahnstiegs beschäftigt. Dieser Tage waren mehrere Mitglieder der Eisenbahndirektion im Direktions-Salonwagen von Elberfeld hierhergekommen, um den Bau einer Besichtigung zu unterwerfen. Wie die ,Frtzl. Z? hört, ist der Termin der Eröffnung der Bahn definitiv auf den 1. Mai festgesetzt worden. Die an dem Bahnbau beschäftigten hier wohnenden Beamten werden hier bleiben, um sofort die Vorarbeiten für den Weiterbau nach Corbach zu beginnen.
* Frankfurt, 29. März. Wie der ,Frkf. Ztg/ mitgetheilt wird, ist in der am 10. März d. I. in Genua abgehaltenen Eisenbahndirektoren-Konferenz zur Feststellung der Grundlagen für den neu zu erstellenden deutsch-italienischen Personentarif unter Anderem beschlossen worden, mit Rücksicht auf den bedeutenden Verkehr zwischen Frankfurt a. M. und Mailand nunmehr auch Retourbillets mit 20tägiger Giltigkeitsdauer zwischen diesen Städten, sowie weiter auch einfache direkte Fahrkarten 3. Klasse von Frankfurt a. M.-Hauptbahnhof nach Mailand einzuführen. Ebenso sollen direkte Fahrkarten zwischen Bologna und Berlin, Mannheim-Florenz, Heidelberg-Neapel, Karlsruhe-Savona, Baden-Turin, Freiburg-Venedig und Ventimiglia, Stuttgart-Florenz, Rom und Neapel eingeführt werden.
* Wiesbaden, 27. März. Heute Abend konstituirte sich hier ein „Verein zur Beschaffung billiger Kohlen". Der Zweck des Vereins soll dadurch erreicht werden, daß die von den Mitgliedern benöthigten Kohlen gegen Baar und direkt von den Zechen bezogen werden. Bis heute Abend hatten sich an 200 Mitglieder eingezeichnet.
* Aus dem Oberlande wird der ,Eis. Tages/ geschrieben: Die schon viel bekämpften Spinnstuben sind mitunter der Schauplatz wirklich trauriger Exzesse. Ein Vorkommniß bei solchem Spinnstuben-Leben mag der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben. Vor kurzer Zeit sitzt eine größere Anzahl junger Burschen und Mädchen im Orte Kaltenwestheim noch am späten Abend zusammen. Scherze, gegenseitige Reibereien und Stichelreden sind an der Tagesordnung. Da ergreift der anwesende Bursche K. ■ plötzlich einen in der Nähe stehenden Bierseidel und versetzt mit demselben einem andern jungen Manne einen Schlag wider die Stirne, und zwar mit solcher Wucht, daß das Glas in tausend Stücke zerspringt und eine große klaffende Wunde entsteht. Der alsbald bewußtlos gewordene Verletzte erhält auch noch einen die Unterlippe spaltenden Messerstich und ein zur Hilfe herbeigeeilter Freund des Verletzten trägt ebenfalls einen bis an den Schädelknochen gehenden beträchtlichen Messerstich am Hinterkopfe davon. Ob K. auch die beiden Messerstiche geführt hat, das wird die bereits eingeleitete Untersuchung klarlegen, Thatsache ist es, daß er bei der Affaire sein Taschenmesser hervorgezogen hatte. Die beiden Verletzten haben mehrere Wochen hindurch das Zimmer hüten müssen, sie haben heute noch an den ihnen beigebrachten Verwundungen zu leiden und ist noch nicht außer Frage gestellt, ob sie bleibende Nachtheile davontragen. Der Held jenes Abends, K., ist bereits vor wenigen Jahren als ganz jugendlicher Bursche wegen einer schwern Körperverletzung mit 10 Monaten Gefängniß bestraft worden, auch seine jetzige That wird, davon sind wir überzeugt, der gehörigen Ahndung nicht entgehen.
* Gießen, 28. März. Das Resultat der im ersten hessischen Wahlkreise vorgenommenen Reichstagsersatz- wahl ist für die Stadt Gießen: Dove (frs.) 1331, Heyllgenstädt (nl.) 497, Prinz Solms zu Braunfels (kons.) 45, Orbich (Soz.) 428 und Pickenboch (Antis.) 114 Stimmen. — Das Endergebniß der heutigen Reichstagsnachwahl ist Stichwahl zwischen Dove (steif.) und Plckenbach (Antis.). — Die wegen Ermordung ihres Vaters bezw. Stiefvaters zu 12 Jahren Gefängniß tiejw. zum Tod verurtheilten Johannes Kretschmar und Johann Georg Häuser aus Babenhausen haben nach neunen Meldungen nunmehr ihre That eingestanden; durch ihre Aussagen aber ihre Mutter, die Wittwe des Ermordeten, derart belastet, daß auch sie jetzt gefänglich emgezogen und das Verfahren gegen sie eingeleitet ist.
* Mainz, 28. März. Der Zustand des Hauptmann Salm hat sich während der Nacht den Umständen nach derart gebessert, daß sogar Hoffnung vorhanden ist, den bedauernswerthen Offizier, wenn keine besonderen Umstände eintreten, am Leben zu erhalten. Die Kugel im Rücken ward noch nicht gefunden. Gestern Nachmittag traf die Mutter des Hauptmanns, von Aachen kommend, hier ein; ihr allein ist es gestattet, ihren Sohn zu besuchen. Die Leiche des Premierlieutenants Stoll wurde gestern Nachmittag 5 Uhr von Soldaten des 117. Jnf.-Regmts. in dem Rochushospital abgeholt und nach dem Militärlazareth verbracht, von wo aus die Leiche heute Morgen in aller Stille nach dem Friedhof befördert wurde. Schon seit Freitag befand sich Lieutenant Stoll in Mainz, um seinen Mordplan gegen den Hauptmann Salm auszuführen. lieber das Motiv der unseligen That durchschwirren die verschiedenartigsten Gerüchte die Stadt, von welchen folgende Version den meisten Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat. Der bei seinen Kameraden als sehr excentrisch bekannte Lieutenant Stoll, der aus einer wohlhabenden Familie in Heidelberg stammt, hatte die Absicht, von den Pioniren zu der Infanterie überzutreten — oder, wie er sich öfters selbst ausdrückte, den schwarzen mit dem rothen Kragen zu vertauschen. Zu diesem Behufe trat er im verflossenen Jahre zur Dienstleistung in das 118. Infanterie- Regiment und wurde der Kompagnie des Hauptmanns Salm zugetheilt. Nach Absolvirung dieses Kommandos trat Stoll, der an der Grenze stand, Hauptmann zu werden, wieder zu den Pioniren zurück. Stoll glaubte nun, daß er durch einen Bericht des Hauptmanns Salm in seiner Saniere behindert worden, wodurch ihn ein glühender Haß gegen den Hauptmann erfüllte, der ihn schließlich zu der unseligen That getrieben.
Vermischtes.
* Hildburghausen, 27. Marz. Die am 23. und 24, März stattgehabte Ausstellung der Zeichnungen unserer Fachschulen, die überaus zahlreich besucht war, hat uns ein umfassendes Bild der Tüchtigkeit unseres Technikums und des lobens- werthen Fleißes seiner Schüler gewährt. Wer als Fachmann diese Arbeiten voll und ganz hat würdigen können, wird es natürlich finden, daß unser Technikum bei dem weiteren Bekanntwerden solcher Leistungen, die den Schülern ihre Thätigkeit in ihren späteren Stellungen erleichtert und ihnen den Uebertritt in befferc ermöglicht, in seiner Frequenz, die bereits in diesem Wintersemester 300 überschritten hat, von Jahr zu Jahr zunehmen muß. Um aber seinen guten Ruf auch ferner bewähren zu können, find zunächst' die einzelnen Schulen vollständig von einander getrennt worden und es werden, sobald der Besuch in einer Klasse 30 bis 40 übersteigt, die betreffenden Klassen in je zwei Abtheilungen getrennt. Außerdem aber bürgt ein gemeinschaftliches aus 17 Fachlehrern bestehendes Lehrerkollegium dafür, daß selbst die minder wichtigen Disziplinen durch geeignete Kräfte besetzt sind. Der Ausfall der diesnialigen Reifeprüfungen bestätigt das oben Gesagte; haben doch alle 27 Kandidaten, 13 des Maschinenbaue und 14 des Baufachs, dieses Examen bestanden; 4 haben mit der Note „recht gut" und 14 mit der Note „gut" ausgezeichnet werden können. Leider muß auch bei dem Schluß dieses Semesters bedauert werden, daß mehrere der Absolventen in Folge der sich ihnen bietenden günstigen Anstellungen, die vor Beendigung der Prüfungen zu besetzen waren, diese angenommen und auf das Examen verzichtet haben. Sämmt- liche Absolventen treten gleich nach dem Verlassen der Anstalt in ihre neuen Stellungen, von denen einzelne mit 165 Mk., andere mit 150 Mk., 130 und 120 Mk. monatlich bezahlt sind; das geringste Gehalt beträgt 90 Mk. monatlich. Mehrfach hatten die jungen Leute zwischen zwei und mehr Stellen die Wahl und die Direktion hat sich mehrfach in die unangenehme Lage versetzt gesehen, den Wünschen nach Besetzung ron Stellen durch ibre Schüler nicht entsprechen zu könnncn. Für das nächste Semester, welches am 1. Mai beginnt (der für Schwächere eingerichtete Vorunterricht nimmt am 10. April seinen Anfang) sind, obwohl ein Sommersemester, das doch meistens weit schwächer besucht zu werden pflegt, schon über 200 Schüler angemeldet, sodaß wiederum Parallelklassen errichtet werden müssen. Erfreulicher Weise hebt sich der Besuch der Anstalt durch Ausländer ebenfalls nicht unwesentlich.
* Um 35 Pfennige zu ersparen,Hhat sich ein junger Gürtler von Cannstadt einer großen Gefängnißstrase ausgesetzt und dieselbe auch prompt erhalten. Der junge Mann wollte nämlich eine unbenutzt gelaßene und nach Ablauf des Lösungstages ungültig gewordene Eisenbahnfahrkarte von Cannstadt nach Eßlingen benutzen und hatte, damit der Schaffner nichts merke, das Datum abgeschnitten. Der Schaffner merkte aber die Fälschung und erstattete Anzeige, worauf das Schwurgericht zu Cannstadt den jungen Gürtler zu drei Monaten Gefängniß vcrurtheilte. Das Gericht behandelte dabei den Fall noch verhältnißmäßig glimpflich, indem es nur Fälschung, aber keinen Betrug annahm und zudem mildernde Umstände gelten ließ.
* Der Kriegsminister hatte vor einiger Zeit an die Gesellschaft deutscher Zahnärzte eine Anfrage gerichtet, ob die Zahnärzte für den Fall eines Krieges auch im Sanitätskorps bei der Heilung von Verwundeten, deren Verletzungen durch Schüsse in den Mund herbeigesührt seien, thätig sein würden. Die Gesellschaft hat jetzt mit einer Eingabe erwidert, welche bezweckt, die Ansicht des Ministers über die etwaige Stellung der Zahnärzte im Sanitätskorps kennen zu lernen. Man wünscht zu erfahren, ob die Zahnärzte den übrigen Aerzten beigeordnet oder untergeordnet werden sollen. Davon will man die Betheiligung im Kriegsfälle abhängig machen. Zum Mindesten soll eine angemessene Stellung der Zahnärzte im Sanitätskorps erstrebt werden.
* Ueber einen Fall von Scheintod berichtet die ,Köthener Zeitung" Folgendes: Der fünf Jahre alte Sohn des Arbeiters T. wurde Mittwoch früh von seiner Mutter leblos im Bette vorgefunden. Da der Körper schon kalt war, konnte nicht mehr an dem Tode des Kindes gezweifelt werden. Die Mutter zeigte den Todesfall beim Standesamte an. Der Körper des Kindes wurde in einer neben der Wohnung befindlichen Kammer auf ein Lager gelegt. Gestern Abend war die Mutter mit Feueranmachen in der Wohnstube beschäftigt, als sie plötzlich aus der Kammer ein leises Stöhnen vernahm und bald darauf den schwachen Ruf „Mutter" hörte. Erschrocken sprang die Frau von ihrer Arbeit auf, wagte jedoch nicht, die Kammer zu betreten. Da aber die Rufe nach der Mutter sich wiederholten,
faßte sich die Frau ein Herz und ging in die Kammer. Dor saß, halb aufgerichtet, der Knabe und hielt der Mutter bittend die Händchen hin. Der Knabe klagte, daß ihn friere, er verlangte nach seinem Bett. Das Kind befindet sich den Umständen nach wohl. Es ist anzunehmen, daß der Knabe von Starrkrampf befallen gewesen ist.
* Bon einem Opfer der Tollwuth wird aus dem Dorfe Welle in Posen berichtet. Dott verheirathete sich kurz nach Neujahr der älteste Sohn des Käthners Radocynski mit einem jungen Mädchen. Unter den jungen Eheleuten herrschte das größte Einvernehmen. Ungewöhnliches Kreischen und Lärmen weckte nun eines Nachts die in der angrenzenden Wohnung schlafenden Einwohner, doch da bald Ruhe eintrat, schliefen sie wieder ein. Abermals wurden sie durch lautes Aufschreien gestört, und wieder verstummte Alles. Morgens fand man die Thür verschlossen, und da jedes Klopfen vergebens war, drang man gewaltsam in's Zimmer. Dort wurde den Eintretenden ein schrecklicher Anblick zu Theil. Schnarchend lag der Ehemann, mit Blut besudelt und Schaum vor dem Munde, neben seinem tobten Weibe, das Bett war zerrissen und mit geronnenem Blut bedeckt, die Nase und Ohren waren der Frau abgebissen, Fingerglieder zerbiffen, die Brust zerfleischt. Offenbar hatte man es mit einem Irrsinnigen zu thun. Weitere angestellte Untersuchungen ergaben, daß der Ehemann vor kurzer Zeit von einem Hunde gebissen, und daß in dieser verhängnißvollen Nacht die Tollwuth zum Ausbruche gekommen war. Nach heftigem Kampfe wurde der Mann überwältigt; bald darauf starb er.
* (Gefälschte Eier.) Sogar Eier werden schon gefälscht Jemand, der Gelegenheit hatte, einen solchen Fälscher zu beobachten, schreibt in der .Deutschen Reichszeitung": Auf der einen Seite eines großen Raumes standen mehrere geräumige kupferne Behälter, die mit einer dicken gelben, klebrigen Masse angefüllt waren, in welcher ein Mann mit einem großen Stock herumrührte. Das wär das Gelbe in dem Ei, der Dotter. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich ähnliche Behälter, in denen das Weiße vom Ei fabrizirt wurde. Wie ich wahrzunehmen Gelegenheit hatte, wurde die Eischale aus einer weißen Substanz mittels eines Blasrohres hergestellt, ähnlich wie man Seifenblasen macht. Die feuchten Eischalen wurden in einem Ösen zum Trocknen gebracht und später gefüllt, zuerst mit künstlichem Eiweiß, darauf mit dem künstlichen Dotter und zuletzt wieder mit einer Portion Eiweiß. Die kleine yeffnung an dem einen End? ^itu mit weißem Gement verstopft — und die größte Errungenschaft der modernen Zivilisation, das künstliche Ei ist fertig. Dasselbe entbehrt nicht nur aller nahrhaften Stoffe, sondern ist selbst im ungekochten Zustand absolut unverdaulich und bringt das Leben der Personen, die davon genießen, in unmittelbare Gefahr. Die Ingredienzien sind an und für sich unschädlich, aber der Gummi, welcher bei der Herstellung des Dotter benutzt wird, gefährdet die Gesundheit in hohem Grade.
(Der Kegeljunge in der Schule.) Lehrer: Was ist eine Kugel? — Schüler: A elendes Ding, wenn's einem an's Bein fliegt!
Literarisches.
Wir machen unsere Leser auf ein besonders h $ vorragende Buch der katholischen Literatur, von dem soeben die 2. Auflage erschienen ist, aufmerksam. Es ist betitelt:
Winfrid oder das soziale Wirken der Kirche.
Von L. v. Hammerstein, 8. J., 352 S„ gr. 8», Preis Mk. 3.
Verlag der Paulinus-Druckerei in Trier und hat folgenden Inhalt:
Vorwort. Ein Krach. Katholizismus und Protestantismus als Grundlage d. menschl. Gesellschaft. Die Volksmissionen der Redemptoristen in Deutsch!. Jesuitenmissionen in Deutsch!. Katholizismus und Protestantismus als Grundlage der Volksmissionen. Missionen von Weltpriestern, Franziskanern, Lazaristen und Kapuzinern. Volkswirthschaftl. Unterricht ob. christl. Predigt? Die höchste soziale Frage. Die kathol. Orden. Die drei Ordensgelübde. Die Frauenfrage. Die Barmh. Schwestern v. hl. Karl Borromäus. Die Armen-Schwestern v. hl. Franziskus zu Aachen. Krankenpflegende Brüder. Der dritte Orden des hl. Franzisk. Don Bosco. Der Vinzentiusverein. Katholizismus u. Schule. Die verschiedenen Schulsysteme nach ihrem sozialen Wirken. Moderner Staat u. Protestantismus gegenüber d. Schule. Feuerprobe kathol. Religionsunterrichtes. Katholizismus u. höh. Bildung. Moralstatistische Kontroverse. Materielle Opfer. Aus den Missionen. Eine Benediktiner-Gründung. Kath. Missionäre in Nordamerika. Die Bauernvereine. Der kath. Gesellenverein. Die Arbeiterfrage: l. Gesetzgebung. II. Arbeitgeber. III. Arbeiter-Vereine. IV Presse. Die Marianischen Kongregationen. Der St. Raphael-Verein. Die Schwestern vom guten Hirten. Das kathol. Eherecht. Die kathol. Pfarrgemeinde. Der kathol. Gottesdienst. Die kathol. Hierarchie. Staatskirchenthum. Schluß.
Wir entnehmen der ,Deutschen Reichszeitung" folgende Besprechung :
„Schon lange hat Referent kein Buch mehr mit solcher Freude gelesen, als „Winfrid", den jüngeren Bruder des „Edgar", wie der geistvolle Verfasser sein Buch betitelt. Es führt das ganze soziale Wirken der katholischen Kirche zum zeitlichen und ewigen Wohl der Menschheit, wie es sich in unfern Tagen so vielgestaltig und großartig auf dem Gebiete der Bolksmission, der Heidenmission, der Schule, des Unterrichts, des Vereinswesens, der christlichen Barmherzigkeit offenbart, an dem Geistesblick des erstaunten Lesers vorüber, um ihm ihre — die ganze Menschheit mit all ihren Nöthen und Leiden umfassende — Thätigkeit zu zeigen. Referent erinnert sich an ein Wort des seligen Bischofs von Ketteler, es dränge ihn, wenn er von so nichtswürdigen Anklagen und Vorwürfen gegen die katholische Kirche höre, wie sie jetzt gang und gäbe sind, oft hinaus auf den Markt des Lebens, um da gegen die Vorurtheile anznkämpsen und den Gegnern die Wahrheit offen und klar darzulegen und ihnen zu sagen, welches Unrecht sie der Kirche Gottes anthun. Beffer aber, als jeder Andere, weiß der Jesuitenpater Freiherr v. Hammerftein, welche Vorurtheile gegen die katholische Kirche — bei den Protestanten herrschen. Er kam ja von drüben und hatte das unaussprechliche Glück, von der Gnade Gottes in die wahre Kirche zurückgeführt zu werden. Derselbe Drang also, der den großen Bischof von Mainz drängte, die katholische Kirche gegen alle ungerechten Angriffe und alle üblen Nachreden zu vettheidigen, drängt den Verfasser des „Winfrid", — man liest es aus jeder Seite seines Buches heraus, das großartige Schaffen und Bauen und Pflanzen der katholischen Kirche auf allen Gebieten des menschlichen Lebens in großen Bildern, den Lesern, vorab den protestantischen, dem Geistesauge vorzuführen, um sie mit Verehrung und Liebe gegen diese Kirche zu erfüllen. Und das thut er nicht mit bloßen Redensarten, um den Leser zu fangen, sondern mit unbestreitbaren Thatsachen, damft der Leser selbst unbefangen und frei urtheile. Wir wünschen darum dem Buche viele Leser und zweifeln nicht, daß es viel Gutes — auch außerhalb der katholischen Kirche stiften werde. Man freut sich ordentlich, wenn man das
I Buch liest, katholisch zu sein."