ließ. Die Antwort des Reichskanzlers ging dahin,
eingehen könne, zumal nicht am Ende seiner Minister-
lichen Behörden überlassen, antwortete der Minister, daß die Regierung doch nur eine sehr bescheidene Forderung gestellt habe, eine Forderung überdies, die zum Schutze der deutschen katholischen Minderheiten durchaus nothwendig sei. An der folgenden Debatte, die einen speziellen Fall zur Unterlage hatte, betheiligte sich außer dem Minister und dem Abg. Dr. v. Jazd- zewski noch der Abg. Dr. v. Stablewski, der namentlich einige von dem Minister über den polnischen Klerus gemachte Bemerkungen energisch zurückwies. Bei dem Titel „Bisthum Köln' klagte Abg. Bachem-Mülheim über die Schwierigkeiten, die bei der Genehmigung der Anlage neuer konfessioneller Kirchhöfe von den rhein-
rathung des Kultusetats fort. Die .Germania' bringt darüber folgenden Bericht: Bei dem Titel „Bisthum Ermland" wünschte Abg. Krebs-Braunsberg (Centrum) eine Aufbesserung der Beamten der bischöflichen Verwaltung. Als Minister v. Goßler erwiderte, daß hier staatsrechtliche Bedenken entgegenständen, die sich bei der Verhandlung über die Sperrgeldervorlage erörtern ließen, erklärte Abgeordneter Krebs, die weitere Behandlung der Angelegenheit bis dahin verschieben zu wollen. Abg. Dr. Windthorst jedoch betonte nochmals, daß diese Aufbesserung in Form einer Dotation von der Staatsregierung versprochen worden sei, und fragte au, wann die Regierung ihr Versprechen auslösen werde. Kultusminister v. Goßler verwies darauf nochmals auf die bevorstehenden Verhandlungen über die Spervgeldervorlage, die sicher das Mißtrauen des Vorredners zerstreuen würden. Abg. v. Strombeck (Centrum) glaubte, daß, nachdem das Versprechen jener Dotation bereits länger als 50 Jahre unerfüllt ge blieben sei, es endlich an der Zeit sei, die Erfüllung desselben eintreten zu lassen. Beim Titel „Gnesen und Posen" erklärte Minister v. Goßler auf eine Anregung des Abg. Dr. v. Jazdzewski (Pole), die Regierung halte daran fest, daß die Geschäftssprache in den Kirchenvorständen der ehemals polnischen Landestheile die Verkehrssprache des Ortes und nicht, wie der Erzbischof gewünscht hätte, die Muttersprache der Mehr
zeit; er müsse deßhalb um seine Entlassung bitten. Die Entscheidung des Kaisers ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt, wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach dahin lauten, daß die Demission angenommen wird. Graf Herbert Bismarck hat seine Entlassung gleichfalls eingereicht und ist ebenfalls entschlossen, seinen
die Feuerstelle über das brütende, grübelnde, tiefsinnige Weib, das ehemals stets keifend und ewig fröstelnd hier weilte und das nun wohl selber im Innern so lichterloh in Flammen stehen muß. Aber auch der Flickschneider, die wichtigste Person auf vier Meilen in der Runde, und in Ermangelung eines Wochenblattes als ländlicher Berichterstatter und Heirathsvermittler gar nicht zu entbehren, staunt ebenfalls, als er zum geheimen Botschafter ernannt wird; zum Botschafter der Kunde bringe, wessen Herkunft die Frau Mar- gareth sei.
Der vielseitige Manu weiß sich in der That nicht eines Schattens von Theilnahme zu entsinnen, den die ewig nörgelnde Alte selbst der grausigsten Darstellung einer Thatsache jemals zugewendet. Und nun?! Und jetzt ?! Das hat etwas Besonderes zu bedeuten — ganz Besonderes.
Und als der Schneider am folgenden Tage mit der Nachricht zu Stinen zurückkehrt, daß Margareth die einzige Tochter des feligen Försters Büscher aus Rüttngen fei, da trifft es die Alte fast wie ein Schag. Lange sitzt sie in dumpfem Brüten an der kalten Herdstelle, und als sie sich endlich erhebt, schwanke sie in die Kammer und sinkt vor ihrer Truhe nieder, wühlt lange in einem Chaos von verblichenem Flittertand und zieht ein altes Buch mit vergilbten Blättern hervor, in dem sie nach einer getrockneten Blume sucht.
ländischen Regierungen gemacht würden. Minister von daß er unmöglich auf das an ihn gestellte Ansinnen I Goßler erwiderte, daß er die noch schwebenden Fälle " *" r' einer befriedigenden Lösung entgegen führen werde.
Zu dem Kapitel „Katholische Geistliche und Kirchen" liegt ein Antrag der Abgg. v. Huene und v. Strom- | b eck vor, der die Regierung zur Aufbesserung ungenügend dotirter katholischer Seelsorgestellen, zu deren Unterhaltung der Staat verpflichtet ist, aufzufordern, bezweckt. Abg. v. Strombeck (Centr.) stellte zur Begründung seines Antrages einen Vergleich zwischen den Forderungen für die katholischen Geistlichen und ihren Aufbesserungen seit 1870 mit denjenigen für die evangelischen an, welcher ergab, daß die katholischen Geistlichen weit schlechter gestellt sind. Redner erklärte, den evangelischen Geistlichen ihre Aufbesserungen nicht zu mißgönnen ; er verlange nur die gleiche Berücksichtigung für die katholischen Geistlichen. Minister von Goßler erwiderte, daß er zum Anträge selbst nicht Stellung nehmen könne, da er seine Tragweite noch nicht übersehe; übrigens habe er schon seither persönliche Zuschüsse aus einem anderen Fonds gewährt. Abg. Graf Limburg-Stirum beantragte eine Abänderung des Antrages, welche dessen Inhalt auch auf die protestantischen Geistlichen ausdehnt. Nachdem sich Abg. Frhr. v. Huene damit einverstanden erklärt hatte, wurde der so abgeänderte Antrag mit allen gegen die Stimmen einiger Freisinnigen (Rickert, Goldschmidt, Czwalina u. A. angenommen. Ueber das folgende Kapitel 116a „Bedürfnißzuschüsse und einmalige Unterstützungen, insbesondere für einen Bischof (Dr. Rein- kens, den altkatholischen „Bischof") beantragte Abg. Dr. Mosler (Centr.) gesonderte Abstimmung, um die ablehnende Haltung des Centrums zur Geltung zu bringen.' Das Kapitel wurde darauf gegen die Stimmen des Centrums und-der Polen angenommen. — Die Diskussion über Einzelnheiten des Universitätswesens, bot nichts politisch Bemerkenswerthes, abgesehen von einer kurzen Anfrage des Abg. v. Czarlinski (Pole) bezüglich der Stipendien für deutsche Studirende
heit des Kirchenvorstandes sei. Als Abg. v. Jazdzewski erwiderte, man möge die Entscheidung ruhig den kirch-
Abschied zu nehmen.
* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Be-
Frau Margareth.
Novelle von I. v. Dirkink.
(8. Fortsetzung.)
Dieses Döslein war ja vor langen Jahren ihr Eigenthum, das sie ihrem Herzliebsten selbst an seiner Uhrkette befestigt hatte. Wie kam Joseph zu diesem Schmuckstück; sie muß es wissen um jeden Preis. — Die eigene glückliche Jugendzeit lebt neu in ihr auf; die Fiebergluth der Erregung verschönt das Antlitz dieser alten Mumie sogar; wie ein Flor breitet es sich vor ihrm Augen aus. Nachdem sie ihren Joseph gründlich ausgehorcht und ihn unter einem Berg von Federbetten eingesargt hat, begiebt sie sich zur Sammlung der eigenen Gedanken an den Herd und hält hier eine stundenlange außergewöhnliche Bettachtung. Denn mcht einmal ihre gewohnte Kalkpfeife, die hinter dem Eisenblechthürchm in der blau- und weißgewürfelten Herdmauer, zwischen der Handposttlle und dem Fläschchen mit Hoffmannstropfen eingekeilt, des üblichen Rauchopfers harrt, wird heute zur Klärung der Ge- ' danken hinzugezogen. „Tabak macht scharfsinnig," pflegte Stine zu sagen, wenn sie ihr Pfeifchen im Munde, ihre Leute paffend und qualmend zum Tagewerk anttieb. In den nächsten Tagen aber staunt die Pfeife über ihre hartnäckige Verbannung; staunt das Gesinde über die seltene Windstille in der höherm Region, und staunt selbst
Deutsches Deich.
Berlin, 19. März.
* Das Hauptinteresse konzenttirt sich selbstverständlich fortgesetzt auf den Wechsel in der leitenden Person der Reichsgeschäfte. Als künftiger Reichskanzler werden der Reihe nach der frühere Chef der Admiralität General von Caprivi, der deutsche Botschafter in Paris Graf Münster, Staatsminister Graf Boetticher und Graf Eulenburg genannt. Was den Erstgenannten anlangt, so wird darauf hingewiesen, daß derselbe vor einiger Zeit eine mehrstündige Konferenz beim Kaiser hatte. Graf Münster hat am Dienstag Abend Paris verlassen, um sich nach Berlin zu begeben, ein Umstand, der wohl wesentlich dazu beigetragen hat, ihn als in Frage kommend anzusehen. Andere Unterlagen existiren für die aufgestellten Vermuthungen zur Zeit nicht. Was den Minister von Boetticher anlangt, so spricht für diesen die Wahrscheinlichkeit dann, wenn es sich bestätigt, daß das Auswärtige vom Ressort des Reichskanzlers abgelöst werden soll. — Als Nachfolger des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts Grafen Herbert Bismarck, der mit dem Kanzler auszuscheiden erklärt haben soll, werden der Botschafter in Konstantinopel von Redwitz und der Botschafter in London Graf Hatzfeldt genannt. Letzterer war der Vorgänger des Grafen Herbert Bismarck als Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Auch Graf Berchem wird genannt. Graf Bismarck würde angeblich als Botschafter nach Loudon gehen.
* Die Ankündigung, daß heute der ,Reichsanzeiger' die Demission des Fürsten Bismarck amtlich publi- ziren werde, erweist sich als unbegründet.
* Fürst v. Bismarck trifft, wie man hört, alle Vorbereitungen, um baldigst Berlin zu verlassen und nach Friedrichs ruh überzusiedeln, woselbst er auch am 1. April seinen Geburtstag zu verleben beabsichtigt.
* Der ,Rh. Kur.' will aus vorzüglicher Quelle folgende zuverlässige Mittheilung über den Rücktritt des Fürsten Bismarck erhalten haben: „Die Kanzler - krisis steht allerdings in Zusammenhang mit den Differenzen über die Arbeiterkonferenz und das sozialpolitische Programm des Kaisers, ist -aber erst dadurch akut geworden, daß der Kanzler das Präsidium des Staatsministeriums niederlegen und künftig jeder Minister für sein Ressort allein die Verantwortlichkeit tragen sollte. Gewissermaßen wollte also der Kaiser sein eigener Ministerpräsident werden oder doch diese Zwischenstelle künftig wegfallen lassen. Der Kanzler sollte über diese Frage, die ihm unannehmbar schien, bis Montag seinen Bericht einreichen, was jedoch nicht geschah, worauf der Kaiser noch am nämlichen Abend nach dem Berichte durch einen Adjutanten nachfragen
die sich verpflichten, in den Provinzen Posen und Westpreußen sich verwenden zu lassen. Hierauf vertagte sich das Haus auf morgen 11 Uhr.
* Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches zugegangen. Es handelt sich um Strafvorschriften gegen Verwendung bereits gebrauchter und entwertheter Postwerthzeichen, gegen Beschädigung von Rohrpostanlageu u. s. w.
* Von den durch Doppelwahl nothwendig gewordenen Ersatzwahlen zum Reichstage sind zwei vollzogen worden, in Meiningen und in Hamm-Soest. Nur die Meininger Wahl hatte ein endgiltiges Ergeb- niß, der Freisinn hat das am 20. Februar den Natio-
Eine Thräne fällt auf die zu Staub zerfallene Rose nieder und wie vom Zauber berührt, taucht vor Stinens Blicken eine andere Welt empor. Nicht mehr die dumpfe Kammer, nein, der grüne, dufttge Wald hält sie umfangen, wo auf der Schwelle des Forsthauses ein junger, schlanker, dunkler Mann in der kleidsamen Tracht des Waidmanns lehnt, eine Rose im Knopfloch. Und diese Rose ist die erste und einzige Liebesgabe, die sie, seine Braut, von ihm erhält. Denn er ist arm, aber stolz, und sie ist reich, reich und selbstbewußt.
Und als sie ihm damals das Medaillon mit ihren Haaren schenkt, sttäubt er sich es zu trogen — und an diesem Stolz scheitert endlich ihr junges Liebesglück.
Und die Lippen der sinnenden Frau pressen sich fester, denn der Zorn wallt in ihrem Herzen auf, indem sie jenes heimtückifchen Buben gedenkt, der zu der Zeit den falschen Zwischenträger gespielt hat, um die Trennung der Liebendm ins Werk zu setzen. Aber wäre der Geliebte nicht so stolz, so mißtrauisch gewesen, so wäre es einem Habichtsbauer trotz aller Schliche und aller Bosheit und Heimtücke nicht gelungen, ihrm Treubund zu zerstörm. Und diesem alten Fuchs könnte es heute noch einfallen, da Glück und Segen für seine Tochter ernten zu wollen, wo er vormals Gram und Kummer gesäet hat? O, die verkehrte Welt! Und Sttne sinnt und sinnt. Wie wäre
Freitag, den 21. März 1890.
17. Jahrgang
uldaer Zeitung
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