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Samstag, den 15. März 1890

©rurf u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

I. SS.: PH. Reuß.

Der Geistliche und die Ureste.

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auch schlechte Lektüre die Sitten, ertödtet den kindlichen Glauben und die Treue und Verehrung gegen die Kirche. Wer könnte Gift einnehmen, ohne daß es ihm schadete? Der große Bischof Konrad Mar­tin nannte deßwegen die schlechte Presse „eine der furchtbarsten Waffen des Seelenverführers, des Geistes der Lüge, des Lügners von Anbeginn". In letzterer Zeit hat sich mancherorts eine sogenannte farblose Presse aufgethan, welche jeder Partei und Konfession genehm sein will. Auch diese ist-verderblich, da sie oft, besonders in den Feuilletons, bedenklich ist, und in ihren Spalten Schriften, Versammlungen rc. empfiehlt, welche die Katholiken ihrem Glauben ent- stemden und jedenfalls Gleichgiltigkeit verbreiten. Da auch von ihnen das Wort des Herrn gilt: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir fammelt, der zerstreut", so muß der Geistliche auch solche Zeitungen fern zu halten suchen und dagegen auftreten.

»le m niederen Hütten gefunden werden", sagte der Fürstbischof von Breslau, Förster, in seinem Fasten- hlrtenbriefe vom Jahre 1872. Durch ihre Einwirkung auf die Meinungen ist die Macht der Presse so groß daß selbst mächtige Regierungen damit rechnen müssen' Durch die Zeitungen wird jetzt die sogenannte öffent­liche Meinung zumeist gemacht. Wer weiß nicht, wie viele Menschen sich in ihren Ansichten ganz nach der Zeitung richten? Und selbst urtheilsfähige Leute können sich deren Einflüsse auf die Dauer nicht entziehen Deswegen konnte der jetzige Kardinal Paulus Melchers m feinem Hirtenbriefe des Jahres 1872 mit Recht Men : „Sage mir welche Zeitungen und Zeitschriften Du liesest, und ich werde Dir sagen, wer Du bist" Bei diesem großen Einflüsse der Presse kann der Prie­ster sich nicht gleichgiltig und unthätig derselben gegen- , über verhalten. 9 9

Unter die, em Titel bringt die ,Kobl. Volksztg.' folgende dem „Pastor Bonus“ entnommene Abhand­lung von Jul. Kohorst in Lobberich:

„Die Presse ist gegenwärtig ein Hauptmoment der öffentlichen Thätigkeit, namentlich die Zeitblätter, die

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

milien verdränat sind, in ntoi Sn/4i rt <41 m. «»X - Katholiken, welche schlechte, kirchenfeindliche Blätter lesen. Wie nun der tägliche schlechte Umgang gute Sitten verdirbt, so verdirbt

Frau Margareth.

Novelle von I. v. Dirking.

(3. Fortsetzung.)

3.

Im Adler vermehrt sich der Trubel und Margareth hat ihre liebe Roth, einen Ausgang zu gewinnen. Die erste beste Thür ist ihr willkommen. Sie schlüpft in einen Hostaum; ein Fenster im Hinterhause steht weit offen, dumpfe, regelmäßige Schläge tönen herüber, es wird Holz gehackt. Der betäubende Duft einer qualmen­den Tabakspfeife erfüllt die Luft. Jetzt tritt eine Pause ein — und gleich darauf gellen harte Laute durch die Stille und bannen Margareth's Fuß an den Boden. „Ist das nicht Sophiens Stimme?"

„Pfui, Rettemeier, Ihr raucht wie ein Schornstein, und der Geruch von dem scheußlichen Rolltabak ver­pestet die Luft," zürnte sie überlaut.

„Nun hör' mal Einer," kicherte eine alte dünne Stimme, „als ob Unsereins Portoriko schmauchen könnte; Ihr seid heute wieder gut aufgelegt und gar , spaßig, Mamsell Sophie?"

„Spaßig — macht keine Flaußen, Alter! — Vater, schickt mich. Ihr sollt direkt in die Waldwiese, und das Heu schütteln. Sputet Euch, aber laßt die Pfeife zu Hause marsch, hört Ihr?" rief sie barsch.

„Oho, ist das Euer Ernst?" gab der Alte betroffen zurück. „Fangt nur keine neue Moden an, indem Ihr

Es kann nämlich der Priester nicht gleichgiltig zu- Den, wie aus den Herzen der Gläubigen Glaube und Sittlichkeit immer mehr herausgerissen wird. Da ist Abwehr heilige Pflicht. Er muß warnen vor den schlechten Zeitungen auf der Kanzel, in den Vereinen wie auch im Privatverkehr und ermahnen, die kirchen- feliidlichen Zeitungen abzuschaffen. Wenn er öfters in

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ausbleiben. Durch' das Einschreiten der Geistlichkeit ist es ja schon vorgekommen, daß kirchen- femdliche Zeitungen so viele Abonnenten verloren, daß ste ihr Erscheinen einstellen mußten.

Alle diese offen oder versteckt kirchenfeindlichen oder angeblich nentralen Blätter soll der Geistliche durch gute zu ersetzen suchen nach den Worten des heil. Vaters Leo XIII.: „Setzet der schlechten Presse die katholische mtgegen." Der edle Bekenner-Bischof Johann Bernard Vrinkmann sagte in seinem Fasten - Hirtenbriefe von 1872: „Geliebte! Es ist unsere heilige Pflicht, daß wir die gute Presse nach Kräften unterstützen. Wir haben das Vertrauen zu allen guten Katholiken, beson­ders zu dem ehrwürdigen Klerus der Diözese und den- jenlgen Diözesanen, welche vermöge ihrer Stellung auf - ihre Umgebung Einfluß auszuüben im Stande sind daß sie eingedenk ihrer Pflicht nach Möglichkeit gegen - > die schlechte Presse wirken uud in ihreii Kreisen gute

t S Dre Wmke des hochw. Bischofs sind vor- »und beachtenswerth. Es ist bekannt, wie gern Papst Leo es steh wenn auch die Priester thätig sind für die Presse; solche Geistliche pflegt er immer beson­ders auszuzeichnen und zu ermuntern. Und selbst hohe Würdenträger der Kirche achten es nicht unter ihrer Wurde, für die Zeitungen mit der Feder thätig zu sein, wie ,a in Rom selbst Kardinäle der ,Voce' Bei­ttage liefern; dasselbe ist auch von den Bischöfen in Nordamerika und England bekannt. Deshalb darf kein Geistlicher verschmähen, dasselbe zu thun. Wenn er für die katholische Zeitung, die in seinem Orte ver- breitet ist, dann und wann etwas schreibt, so gewinnt er dadurch auch Einfluß auf dieselbe: was ihm bei mancherlei Verhältnissen und Vorkommnissen recht dien- luh sein kann. Wenn die katholische Zeitung nur auf Korrespondenteii aus Laien-Kreisen angewiesen ist, so herrschen ost Berichte über Vergnügungen und Lustbar­keiten ganz vor es schleichen sich Empfehlungen von Vergnügungen, Vereinen u. s. w. bedenklichen Charak-

em. Das Alles wird vermieden, wenn der • Östliche die Berichte und Korrespondenzen aus seinem Orte besorgt. — Wir schließen mit den Worten mit welchen der hochw. Bischof Dr. Fr. Doppelbauer seinen schon erwähnten Erlaß schließt: „Bei der Liebe zu unserem Heilande und zu unserer heiligen Mutter, der SÄ bitte ich Sie, meine Worte zu beherzigen, Ihrer Pflicht der katholischen Presse gegenüber eingedenk zu mächtige Phalanx edler Männer, apostolischer Priester, thätig eintritt. Kämpfen wir für die Wahrheit, für die Kirche und für unser liebes Vaterland. — Gott wird mit uns sein!"

tagsblatt zu verbreiten und dasselbe, wo er kann, zu empfehlen; es gibt deren ja ganz vortreffliche. Gute Sonntagsblätter bringen großen Nutzen, tragen zur Er­bauung bei und regen oft mächtig zum Guten an, wie die Erfahrung lehrt. Mit der Empfehlung aber darf man sich nicht begnügen, man kann noch mehr thun. Der hochwürdigste Bischof von Linz sagt in seinem Er­laß, den er vor einiger Zeit an den Klerus richtete, über die Unterstützung der katholischen Presse: „Sie mögen auch, hochw. Herren, soweit Ihnen dieses mög­lich ist, für die katholischen Zeitungen schreiben." Der Bischof fährt dann fort: „Würde im Durchschnitt jeder Priester nur ein Viertelstündchen wöchentlich verwenden für die katholische Presse, was könnte geleistet werden! Viele aus Ihnen haben auch Fachkenntnisse, die An­deren mangeln: sollten diese ein vergrabenes Talent sein? Auch wird man keine langen Leitartikel von Ihnen beanspruchen — mit kurzen Notizen über lokale Ereignisse werden Sie der katholischen Presse große Dienste leisten. Jeder Seelsorger ist auch der gebo­rene Korrespondent des Ortes, in welchem uns das bischen Tabak mißgönnt. Ich bin nun bald 70 Jahre alt und 60 davon in diesem Hause und habe Euch treu gedient; aber mein Pfeifchen hat Niemand belästigt. Man fühlt die Arbeit nicht so in den alten Knochen, wenn man eine Hand voll Tabak zu Gemüthe führt — und ich bin ein Methusalem gegen Euch."

„Ach so", gab Sophie spitz zurück, „Euer ewiges Pochen auf Euer Alterthum hat man bald satt; für unfern Lohn und Kost gibt's am Ende jüngere Kräfte in Fülle."

„Ah!" unterbrach sie der alte Knecht zitternden Tones, „das ist grausam hart; das könnt Ihr nicht so meinen, Sophie! denn wie viel hundert Mal hab ich Euch, als Ihr Kind wart, auf meinem Rücken Berg auf und ab reiten lassen. An Eurem Vater schon hab' ich mich dazumal müd und matt geschleppt, und —" Krachend fällt die Thür ins Schloß; mit einem lauten Stoßseufzer sinkt der alte Knecht auf den Holzklotz nieder. Kopfschüttelnd, bis auf den letzten Blutsttopfen empört, hastet Margareth weiter. Vom Gartenausgang beim Adler läuft ein Feldweg nach dem nächsten Wald. Margareth fehnt sich nach Sammlung und Ruhe, nach Waldeinsamkeit. Und erst als der rauschende Wald sie in seine schützenden Arme nimmt, läßt sie das Auge sinnend und forschend umherschweifen. Würzige Düfte erfrischen ihre Sinne. In den Laubkronen über ihrem Haupte blitzt und flimmert es grüngoldig; an den Ge- sttäuchen nicken farbenprächtige Blüthen und Beeren;

Deutsches Deich.

Berlin, 13. März.

* Aus Anlaß des Geburtstages des Prinzregenten von Bayern fand bei den Kaiserlichen Majestäten ein größeres Diner statt. Heute Vormittag ließ sich der Kaiser auf dem inneren Schloßhofe Artilleriebeschirrungen vvrstellen. — Der Fürst und die Fürstin von S ch a u m - burg-Lippe sind heute Mittag von Berlin wieder abgereist. — Aus Anlaß des Todestages weiland Kaiser Alexander 11. von Rußland fand heute Vormittag in der Kapelle des hiesigen russischen Botschaftshotels eine größere Feierlichkeit statt.

* Als deutsche Delegirte (nicht als Delegitte der einzelnen Bundesstaaten) werden an der internatio­nalen Arbeiterschutz-Konferenz in Berlin theilnehmen: Staatsminister Freiherr v. Berlepsch, purpurrothes Geranke wiegt sich im Lufthauch und wie glühende Pfeile schießen die Sonnenstrahlen an den Baum­stämmen auf und nieder. Und auch mächtige Fels­blöcke, wildrauschende Wasserfälle birgt der Wald, der sich weit über den Gebirgskamm ausdehnt. Immer tiefer lockt es sie in den Forst hinein. Gelbbrüstige kleine Vögel huschen zirpend durchs Gezweig; junge Frösche quaken lustig darauf los und ducken sich blitz­schnell unter das perlgestickte Gezelte eines Fliegen­schwammes, als sich Fußtritte nähern.

Doch horch, was ist das? Margareth hält den Fuß an und lauscht. Eine seltsame altmodische Me­lodie wird in leisem Tone, als würde ein Kind in Schlaf gelullt, mit schläfriger Stimme gesummt:

„Schlaf, Kindchen, also wohl. Daß dich unser Herrgott hol' Auf einem güldnen Schlitten, Nimm deine Mutter mitten, Setze deinen Bater hinten d'rauf, So'fahren wir Alle zum Himmel auf."

Verwundert schaut Margareth sich um; dem Schall der Stimme folgend befindet sie sich bald in der Nähe einer Köhlerhütte, und jetzt dringt ein markerschüttern­der Schrei an ihr Ohr:

„Du bist's, Du bist's wahrhaftig!" tteischt es seitwärts, und um die windschiefe Ecke der elenden Baracke stürzt ein Weib auf sie zu, gebräunt, unkennt­lich von Zügen, mit fliegendem Haar und in dürftiger

____________ — - 17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung.

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