JM 58.
Mittwoch, den 12. März 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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keine Rede sein kann.
Mit sicherer Hand übernahm er, ein echter Römer, durch die Kraft seines Willens, durch die Energie und Ausdauer seines Handelns, das Steuer und wurde der Vater des Volkes, der für das geistige und weltliche Wohl sorgte, der Retter des Vaterlandes, der Engel des Trostes.
Es würde zu weit führen, sagt der Verfasser des Artikels in den .Historisch - politischen Blättern', die Thätigkeit des Papstes in allen seinen einzelnen Handlungen darzustellen. Noch weniger kann es Aufgabe einer Skizze sein, alle Darlegungen einer derartigen Abhandlung zu wiederholen. Wir beschränken uns daher darauf, hier den Schluß des Artikels vorzuführen, in welchem der Verfasser, indem er eine Parallele zwischen dieser Centenar-Feier und der am Pfingstfeste verflossenen Jahres in Rom stattgefundenen, so überaus skandalösen Giordano-Bruno-Feier zieht, die mehr oder minder ausführlich dargelegten Großthaten des Papstes in kurzen Zügen rekapitulirt.
Als Gregor, so schließt der Verfasser seine Abhandlung, am 12. März 604 in einem Alter von 64 Jahren starb, wurde eine der glänzendsten Erscheinungen in der Reihe der Päpste, einer der gewaltigsten römischen Bischöfe, unter dem. das Papstthum zur höchsten moralischen Macht im Abendlande sich erhoben, dem die Geschichte mit Recht den Namen des Großen beilegt, in der Gruft der St. Peterskirche beigesetzt.
* Wie verlautet, sind noch nicht alle Differenzpunkte zwischen Kaiser Wilhelm und dem Fürsten Bis-
Zn Pfingsten des vorigen Jahres errichtete zu Rom marck hinsichtlich der Fragen des internationalen Ar-
der fanatische Haß gegen alles Kirchliche, Geistliche und beiterschutzes beigelegt, wenngleich von einer Krisis
Göttliche die Statue eines abgefallenen ketzerischen ' - • ~ ■ - ■ - Mönches, eines Mannes, der in der Geschichte gebrand- markt ist durch seine cynische Frivolität, seine rohe Polemik, seine revolutionäre Vernichtung alles Positiven, Heiligen und Göttlichen. Zum Spotte steht dieses Monument dort für Kirche und Papst als eine Schande für Rom und Italien, als Schmach für Recht und gute Sitte, als Hohn auf alle christliche Wissenschaft und Bildung.
größter Wohlthäter ein glänzender Stern unter den Gelehrten durch seine Wissenschaft, ein Segen der Kirche als Reformator der Disziplin und Lithurgie, ein Apostel der Welt ist durch seine Missionsthätigkeit. Und wenn auch nicht die Hand eines Künstlers in Erz oder Marmor dieses Bild schafft, aere perennius (dauernder als Erz), steht das Monument in dem ruhmvollen Andenken, in der begeisterten Verehrung, in der glühenden Bewunderung der katholischen Christenheit.
Zu jenem Denkmale Bruno's zogen sie hinauf, wenige Hunderte in wild lärmendem, dämonisch-bachan- tischem Zuge mit den Fahnen der Revolution, und um dasselbe erschollen die Reden und Lieder des Fluches und der Verwünschung, des Frevels und der Gottlosigkeit.
Das ehrenvolle Andenken unseres großen heiligen Papstes Gregor I. feiern aber am 12. März Millionen, die unter der Fahne des auferstandenen Christus stehen, feiern es in den frommen Gebeten des Glaubens, mit den Opfergaben der Liturgie, bei welchen die Gesänge und Hymnen gregorianischen Chorals ertönen, im dankbaren Preise Alles dessen, was Wissenschaft und Kunst, kirchliches Leben und christliche Kul- - tur dem Papstthume verdanken, in dem unerschütterlichen Vertrauen auf den göttlichen Schutz, welcher der Erlösungs-Anstalt für alle Zeiten verheißen ist: Christus vincit, Christus regnat, Christus impcrat! Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht!
Pfarrer E.
Deutsches Keich.
Berlin, 10. März.
Papstes Gregor I. des Großen.
(Nach den.Historisch-politischen Blättern.')
Jeder Zeit lesen wir gerne im Buch der Geschichte, besonders aber dann, wenn im Umlaufe der Zeiten die Säkular-Feier eines großen Mannes, der im Mittelpunkte seiner Zeit gestanden, ihr die Signatur gegeben, unseren Blick in die Vergangenheit zurücklenkt.
Ein solcher Mann, der unter den preiswürdigen Päpsten im 6. Jahrhundert des Verfalles und Versinkens der alten Cäsaren-Stadt in Schutt und Barbarei den Ruhm hat, der größte zu sein, ist Papst Gregor I. SeinWedächtniß, zugleich die 13. Säkular-Feier seines 13 Jahre dauernden Pontifikates feiert unsere heilige Kirche am 12. März. Nicht Akkomodation an den Geist der Zeit, der es liebt, Jubiläen zu feiern, ist unsere Centenar-Feier; nicht darum handelt es sich zunächst, in menschlicher Weise das Lob eines großen Mannes zu verkünden. Unsere Feier trage einen weihevolleren Charakter an sich, sie sei wie ein hell glänzender Stern, der in das Dunkel unserer Tage leuchtet, wie eine Bürgschaft, daß das Göttliche trotz aller Stürme ewig dauere — wie eine frohe Botschaft des Segens und der Kultur, welche das Papstthum den Völkern vermittelt, wie ein geschichtliches Zeugniß für die völkerrettende und beglückende Aufgabe der christlichen Religion.
Ueberaus traurig war die Zeitlage, als Gregor I. den päpstlichen Stuhl bestieg. Es wüthete die Pest; aus den Sümpfen Egyptens aufgestiegen, war sie in Byzanz erschienen und den Spuren des Krieges nachgegangen, auch in Rom eingebrochen. Die Kranken starben, von Schlafsucht niedergedrückt oder von Fieberhitze verbrannt; Angst und Furcht war unbeschreiblich. Es raste die Kriegs - Furie der wilden Langobarden durch das Land und sengte, mordete, zerstörte. Hunden gleich zusammengekoppelt, wurden die Römer von den Feinden fortgeführt, um nach Gallien in die Sklaverei verkauft zu werden. Hungersnoth bedrängte das unglückliche Volk; die Tiber überschwemmte die Stadt, zerstörte Häuser, Tempel und Monumente, auch die Kornspeicher der Kirche. Ein altes Wrack war die Kirche, wie Gregor selbst sich äußert, in welches die Wellen, überall eindrangen und dessen vom Sturme hin und her gerüttelten Planken keuchend den Schiffbruch ankündigten.
In solcher Zeit war es, daß Klerus und Volk 590 den ehemaligen Präfekten der Stadt, Regionar-Diakon der römischen Kirche, Gesandten am byzantinischen Hofe, den Abt von St. Andrea, Gregor, einen Mann, dessen Herz vom Feuer der göttlichen Liebe brannte und auf dessen Stirne der Stempel des Genius thronte,
Nun denn — das sei das Werk der Centenar-Feier des großen Gregor in der ganzen katholischen Welt, daß dem berüchtigten Monumente Giordano Bruno's gegenüber das Ehren-Denkmal unseres Gregor sich erhebe, jenes Mönches, Priesters, Papstes, der durch den Adel seiner Geburt und seines Geistes ausgezeichnet, eine Leuchte der Kirche als Papst, der Ruhm Rom's als Retter der Stadt, der Stolz Italiens als sein träger Fliegen und das Gezirp eines Rothkelchens, das vor ihr auf- und niederhüpfend sein rostfarbenes West- chen putzt und die kohlschwarzen Aeugelein neugierig auf die Trauernde richtet, unterbricht die schwüle Stille.
Drunten im Dorfe senken sie den Sohn des Hauses hinab in die kühle Gruft. Von Lippspringe, wo er Heilung zu finden gehofft, hatte man seine Leiche herüberkommen lassen, und Jedermann zerbrach sich den Kopf, wie es möglich sei, daß ein Bischen Husten einen Riesen unter die Erde bringen könne. Wie ein Blitzstrahl, der jäh aus heiterm Himmel in einen Eichbaum führt und ihn bis in die letzte Wurzelfaser spaltet, war es über den jungen Grönbauer gekommen, in der Blüthe seiner Jahre, in der Fülle seiner Kraft, j Er war der Tradition seines Hauses gemäß und als echter Sproß eines riesenhaften Geschlechtes, dessen mannhafte Jugend sich gern mit ihrer Kraft gebrüstet, Gardist gewesen und hatte im letzten Herbst das Manöver mitgemacht, von dem er verwandelt, an Leib und Seele gebrochen, heimgekehrt war. Und nun hatte I er das Geheimniß seines Kummers mit ins Grab genommen.
Unter den schwarzverhüllten Gestalten der Frauen, die paarweise über den grasbewachsenen Pfad des Kirchhofes schreiten, zeichnet sich ein junges, blasses
Abgeordnetenhaus. Die zweite Etats- Lesung wird mit dem Etat der Bau-Verwaltung fortgesetzt. Die Anfrage des Abgeordneten Tramm (nat.- lib.), wann das Projekt des Rhein-Weser-Elbe-Kanals verwirklicht werden solle, wird vom Minister v. Maybach dahin beantwortet, daß er dem Unternehmen zwar mit Wohlwollen gegenüberstehe, daß aber die finanzielle Tragweite berücksichtigt werden müsse und vor Allem die anderen Kanal-Projekte erledigt sein sollen. Weiter werden Anfragen gestellt von Sombart (nat.-lib.) bezüglich des Kanal-Projektes Anklam-Demmin-Damgar- ten; von Szmula (Centr.) wegen eines Donau-Oder- Kanals, durch welchen Deutschland den englisch-italienischen Handel mit der Türkei zurückdrängen könne. Auf erstere antwortet Ministerial-Direktor Schulz, daß die Vorverhandlungen noch nicht abgeschlossen, und auf
Weib aus, dessen schmales, verweintes Antlitz tiefes Seelenleid verräth. Weil sie nicht den Trauermantel trägt, wie ihn die Weiber des Dorfes bei einem Be- gräbniß um die Schulter legen, — ein Stück glänzenden schwarzen Wollstoffes, der lang Herabfallmd das harte Kirchhofsgras streift, — so fällt sie sofdrt als eine Fremde auf, nach der manches Auge hinschielt, denn sie fesselt durch ihr auffallend hübsches, zierliches Aenßere. Aber sie schaut nicht einmal empor und lehnt wie ein Marmorbild am Leichensteine, als der Zug stockt, weil die Vorderstm der Reihe am Grabe angelangt sind. Vom Thurme dröhnen ein paar einzelne Schläge durch die Stille, wie ein dreifaches Amen zu dem Gebete des Priesters, und Alles sinkt in lautlosem Schweigen nieder. Schwankend gleitet der mit silbergleißendem Beschlag verzierte Sarg in die Tiefe; mit dumpfem Gepolter fällt das lockere Geröll vom Rande der offenen Grube auf den eingesenkten Kastm nieder. Während die Männer mit den Stricken sich zurückziehen, schwankt ein hochgewachsener junger Mann näher und starrt thränenlos, todesbleich in die Gruft hinab, wo die Sonne ihren fahlen, zuckenden Wiederschein aus dem Metallbeschlag des Sarges hervorlockt. Es ist der einzige Bruder des Verstorbenen; seine Hand zittert, als er Staub zu Staub hinabgleiten läßt, und nun füllen sich seine Augen mit Thränm.
§ Zur 1300jährigen Gediichtniß-Feier des zum Papste wählte Und nachdem die Bestätigung ’ - 3 " , - durch den byzantinischen Kaiser Mauritius eingetroffen,
da holte das Volk den Demüthigen, der sich der Würde entziehen wollte, aus seinem Verstecke außerhalb der Stadt und im Triumphe wurde er nach St. Peter geführt und dort am 3. September 590 zum Papste geweiht.
Frau Margareth.
Novelle von I. v. Dirking.
(Nachdruck verboten.)
1.
Brütend hängt die Julisonne über der Gegend. Kein Lüstchen weht, kein Blatt, kein Halm regt sich und der dunkle, herrliche Wald, der sich über Hängen und Höhm bis nahe an das int Thale gebettete Dorf hinzieht, steht wie gebannt. Auf dem Gehöfte des Grö n- bauern, das sich stattlich auf der Anhöhe ausbreitet, herrscht ein dumpfes Schweigen, denn sämmtliche Hausbewohner, mit Ausnahme der alten Magd, sind zum Leichenbegängnisse ins Dorf hinabgestiegen.
Von dorther dringm jetzt einzelne Töne des Grabgeläutes wie gedämpfte Klagerufe herüber, und in dem öden Hause wird es lebendig. Die alte gebeugte Magd erscheint im Thürrahmen, sinkt auf der Schwelle nieder und fährt sich wiederholt mit dem Schürzenzipfel über das von Thränen bethaute Gesicht. „O, Georg!" schluchzt sie, „so jung noch und schon so früh hinab unter den grünen Rasen."
Wieder lauscht sie: Der Glockenton verhallt und sie hält den Athem an, als könne sie die Worte des Priesters und das Gemurmel der Betendm vernehmen. Aber nur ein vereinzelter Hahnmschrei, das Summen