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K> Der unüberwindliche Wurm.

auch diesmal vorhanden sein, eine Abwehrmehrheit im Interesse der politischen Freiheit, der Volksrechte und der Sparsamkeit und eine Mehrheit für positive So­zial- und Wirtschaftspolitik. Es ist selbstredend müßig, schon heute über die Thätigkeit dieser beiden Majoritäten und, somit auch über die Haltung des Centrums in dieser oder jener Frage Betrachtungen anzustelleu. Diese Beschäftigung müssen wir den Or-

*) ist, wie bereits mitgetheilt, glänzend für das Centrum ausgefallen.

rend ein Theil der nationalliberalen Presse offen und laut gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht zu Felde zieht, vom „Alpdruck des allgemeinen Stimmrechts" redet, dem man die gewaltige Niederlage zu verdanken habe, winken einzelne Blätter, ihren unbesonnenen Kol- legiirnen energisch ab, zweifeln an ihrer „politischen Reife" und machen einen ersten Versuch, Anschluß an die Freisinnigen und sogar an die — Sozialdemokraten zu suchen. Doch darüber ein anderes Mal!

Guten Abend!" knurrte Herr Bär, packte die Fächer ein und schickte sie durch den Lehrling an Frau Haupt­mann Wallroth, Hochwohlgeboren.

* *

Den Knaben an der Hand war Doktor Schwarz die Treppe hinaufgegangen; auf dem Fuße folgte ihnen Gertrud. Sie jubelte innerlich, als der Doktor hinter der Thüre, die in Frau Klaras Wohnzimmer führte, [ verschwand. — Ein dumpfer Aufschrei schallte herüber. Gertrud rieb sich die Hände, das war der Anfang; sie packte im Geiste ihre Koffer; sicher war ihr Herr fortan gut aufgehoben.

„Klara!"

„Roland! so klang es durch den Raum. Sie stau- den sich gegenüber; Frau Klara zitterte an allen Gliedern.

„Es ist alles in Ordnung, aber wie seltsam Kind" rief Schwarz, die Situation beherrschend, daß der

uns zusammenführen muß; wußtest Du in der That nicht, daß Dein Jugendfreund mit Dir in einem Hause wohnt? Thränen, heiße, Helle Freuden- und Dankesthränen antworteten ihm.

„Ich habe Dir Vieles abzubitten, Dir Vieles zu erzählen, Roland lieber Roland", hauchte die junge Frau.

Er aber sagte: „Ein anderes Mal, Klara! Heute

Gertrud besaß nur eine Schwäche, sie betrieb das ehrenwerthe Geschäft des Horchens mit einer Virtuosität und mit einem Eifer, der einer besferen Sache würdig gewesen wäre. Heute aber war diese ihre leidige Ge­wohnheit ein wahres Glück.

War sie nicht Zeugin gewesen, daß der Knabe die Karte empfangen? Wer wußte, was solch' ein kleiner Thunichtgut nicht alles im Schilde führen und schließlich ausbrüten konnte.

Die gnädige Frau war nach Lenens Aussage ein wahrer Engel, Gertrud hatte oft gedacht, wie es wäre wenn ihr Herr sich in die schöne Wittwe verlieben, sie heimführen und den Kindern ein strenger — hier dachte I fte an Otto — und ein zärtlicher — das galt Klär­chen — Vater sein wird.

Der Mensch denkt und Gott lenkt! Eine Viertel­stunde später verließ Herr Bär unter vielen Bücklingen gegen Schwarz, gegen Gertrud und gegen den kleinen Mlssethäter sogar — aber hier aus purer Zerstreuung das Haus. Sein Geschäftsgang war ganz und verunglückt, das wußte er, ganz und gar und es ließ sich doch so schön an, so schön.

Sein Groll richtete sich gegen Speier, als dieser ehrenwerthe junge Herr, ihm mit der Frage: „Ge­lungen?" den Weg vertrat.

„Sie sind ein Esel, Speier merken Sie sich das!

unduldsam, so herrschsüchtig, so fanatisch kulturkämpf- erisch auftrat, hat in Baden seine schärfste Zurecht­weisung erfahren. Denn, falls die Stichwahl in Frei­burg ebenso günstig ausfällt, wie die übrigen, wird von den acht badischen Nationalliberalen, die nach den Septenatswahlen in den Reichstag einzogen, keiner zurückkehren, der badische Liberalismus hat, wenn man den Mandatsstand am Schluffe der Legislaturperiode zu Grunde legt, sieben Sitze, davon vier an die Centrumspartei, je einen an die Freisinnigen, Demo­kraten und Sozialdemokraten verloren. Diese fürchter­liche Niederlage wird jeder freiheitlich gesinnte Mann und jeder brave Katholik dieser unldudsamen Clique gönnen, welche seit Jahrzehnten den Musterstaat ter- roristrt und ihm selbst die einfachsten kirchlichen Frei- I heilen, wie z. B. die Seelsorgsaushilfe und die Ab­haltung von Missionen durch deutsche Ordenspriester, gewaltsam vorenthält.--

Die Augen der ganzen Welt sind jetzt wieder auf die Centrums-Partei und ihren greisen Führer Windt- horst gerichtet. Wohin man blickt in den ausländischen Zeitungsorganen, in befreundeten wie gegnerischen, liest man Worte der Anerkennung, ja des höchsten Lobes für den „unüberwindlichen Thurm". Man kann es dem ,Moniteur de Rome' gewiß nicht verargen, wenn er im Enthusiasmus über die Centrumstriumphe und über die maßgebende Stellung der Partei im kommen­den Reichstage etwas überschwenglich Windthorst als

I In verschiedenen Blättern wird bereits die Frage erörtert — und sie drängt sich gewissermaßen von selbst “UT — „tote unter den gegenwärtigen Parteiverhältnissen das Präsidium des neuen Reichstages zusammengesetzt werden solle. Die Nativnalliberalen, welche in der Rangfolge der Parteien auf gleicher Stufe mit den Sozialisten stehen, sind natürlich schon jetzt wuthent- brannt über das unerbittliche Zahlengeschick, welches sie aus dem Präsidium gänzlich ausschließt, und machen ihrer Verstimmung durch boshafte und höhnische Vor- schläge Luft. Habeant sibi! Das Centrum, welches man bekanntlich im letzten Reichstage aus dem Präsi­dium gänzlich zu verdrängen wußte, hat allerdings ver- moge der Zahl seiner Angehörigen, die sich mit Ein­schluß der Hospitanten auf 116 bis 117 belaufen wird natürlichen Anspruch auf die erste Präsidi enstelle' Wir vermögen eigentlich keinen Grund einzusehen, wes­halb das Centrum auf diese ihm gebührende Würde freiwillig verzichten sollte, sind aber selbstredend schon im Voraus mit Allem einverstanden, was die Fraktion beschließen wird. Den nationalliberalen Blättern aber, welche in ihrer bekannten Anmaßung schon jetzt dem ' Reichstage ihre Rathschläge über die Zusammensetzung des Präsidiums aufdrängen wollen, sei doch in Kürze begreiflich gemacht, daß die Majorität des Reichs- toges sich schon über diese Frage verständigen wird. Den Nationalliberalismus kann man hierbei sowohl in der einen wie in der andern Richtung entbehren.

Daß die liberale Presse die durch die Neuwahlen geschaffene innere Lage in den schwärzesten Farben schildern würde, war zu erwarten. Und so braucht man sich denn auch gar nicht zu wundern, daß jetzt in allen Blättern und Blättlein dieser Sorte das Schreck­gespenst der klerikal-konservativen Reaktion an die Wand gemalt wird. Die Jesuiten und Re­demptoristen werden zurückkehren, was gewiß vom gan­zen katholischen Deutschland mit freudiger Genugthiiung begrüßt werden würde und auch den liberalen, d. h. freiheitlich gesinnten Gegnern nicht zuwider sein könnte. In einem „liberalen" Blatte lesen wir aber bereits, daß „von Rom aus das Stichwort für die künftige Thätigkeit des Centrums" eingetroffen sei. Der heil Vater soll nämlich in seiner letzten Allokution dieses Wort gesprochen haben: „Die Schule muß der Kirche, die Presse der Censur ausgeliefert werden." Die For­derung der christlichen Schule und der Wiederherstel­lung des Einflusses der Kirche auf die Schule ist wahr­lich älteren Datums, als die letzte Ansprache des Pap­stes und als die verflossene Reichstagswahl. Uebrigens gehört die Schulfrage nicht in's Ressort des Reiches, wenn auch der im Reichstage herrschende Geist auf die Entwickelung dieser Frage in Preußen und auch in anderen Ländern nicht ohne Einfluß bleiben kann. Aber von einer Preß-Zensur, einer Beschränkung

Dur eine Dull.

Novelle von I. Dirkink.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Boll Entsetzen schlägt die Mutter ihre Hände zu­sammen.

„Unglückskind, weg von mir!" ringt es sich über ihre Lippen.

Aus's Neue fließen ihre Thränen. Was nun, was nun? Der schreckliche Mann hat Recht, hat sie in seiner Gewalt; wer glaubt ihr, daß der Knabe das gethan; abgekartetes Spiel heißt es, abgekartetes Spiel. Sie schaudert — ein Sturm von schwarzen Ahnungen über die Folgen bricht über sie herein — und Lene da, erdfahl, und weiß ebenfalls keinen Rath.

. Kochen aber schluchzt: „Siehst Du wohl, Otto, wie schändlich das Lügen ist; nun kommen wir Alle m die Holle, oder am Ende zuerst in's Gefängniß —"

. ~,er e stürmt hinaus: er will zu Herrn Bär und ihm Alles gestehen; aber schon auf der Treppe prallt er gegen Gertrud an, die ihn mit festem Griff an beiden Schultern festhält.

„Komm mit mir! “ herrscht sie barsch und schleppt ihn m s Zimmer unter die Augen der beiden Herren, die beim Anblick des bleichen verstörten Knaben über­rascht emporfahren.

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Berechtigter Stolz erfüllt die Brust eines jeden Centrumsführers, eines jeden entschiedenen Katholiken wenn er sieht, wie die Partei, welche die Vertheidig- ung der Rechte und Interessen der katholischen Kirche auf ihre Fahne geschrieben hat, auch in dem verflos­senen Wahlkampfe wieder siegreich bestanden hat, ja, wie sie mitten im Wechsel und Wandel der Partei­strömungen und Volksstimmungen der einzig feste Punkt geblieben ist, der den Stürmen von rechts und links erfolgreich Trotz bot. Nicht nur daß die Centrums­fraktion in alter Kraft und Stärke in den Reichstag einzieht, nein sie hat ihren Besitzstand noch ganz we­sentlich erweitert und vermehrt. In dem Augenblick, da wir diese Zeilen schreiben, hat das Centrum bereits 106 Mandate sicher, zu denen die Freiburger Stich­wahl* *) hoffentlich noch das letzte 107 liefern wird.

Daß das Centrum seinen alten Besitzstand wahren und die falschen Propheten, die ihm zum so und so vielten Male wieder einmal Spaltung und Untergang weissagten, Lügen strafen würde, hat kein echter Cen­trumsmann bezweifelt. Aber die nunmehr erreichte Ziffer übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen. Dieser Vormarsch des Centrums ist um so bedeutungsvoller in einem Augenblicke/ da sein bisheriger Hauptgegner total geschlagen und gedemüthigt am Boden liegt. Be-

dm MichsiaK „was überschwenglich Windthorst aH in den bewegtest^ J-dnKLrL KÄ *2 Ätf.W' W »d-rmnnn weist denen zwei zum Hauptherd der Strikebeweauna des h (V ' 3 v^ehen ist, denn thatsächlich wird

letzten Jahres gehörte, hat das Centrum den § Siea neuen Reichstage das Zünglein an der

davongetragen, gewiß ein sprechender Beweis für das ™=l ^ern" ?'ie. berühmte Doppelmehrheit wird

hohe Vertrauen, welches von der dortigen Arbeiter- ’ $ ^mal vorbanden sein e.ne

bevölkerung dem Centrum und seinen sozialpolitische« Bestrebungen entgegengebracht wird. Wichtig ist auch wegen der naheliegenden begleitenden Umstände der Sieg des schlesischen Centrums über den Herzog von Ratlbor, den sattsam bekannten ehemaligen Führer der Staatskatholiken. Am meisten aber haben uns hip Centrumssitze in Baden gefreut. Die Katholiken in I S'Ts' ^WtOf!1111!) müssen wir den Or- Baden haben alle Ursache mit höchster (Semmthititnn I „abgehausten Nationalliberalismus über­

aus die gehabten Erfolge z'urückzublicken ' Am 21 "W «^n, welche durch solche geistreiche Reflexionen ihre ruar 1887 brachte das Centrum in Badm nur ?wei «fÄ Hinwegtäuschen möchten.

Kandidaten durch, in der Offenburger Ersatzwahl einen Jammer, die Verwirrung

dritten; heute steht es bereits mit sieben Vertretern I ^"Ai.und ihrer Organe zu beobachten. Wäh- da, und wenn diese Zeilen in die Hände der Leser gelangen, wird hoffentlich auch der achte badische Centrumssitz (in Freiburg) erobert sein. Das ist, mag die heutige Stichwahl in Freiburg ausfallen, wie sw wolle, ein glänzender Triumph der Centrumssache in Baden. Der Nationalliberalismus, der nirgendwo so

Sonntag, den 9. März 1890.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

A. SB.: PH. Reuß.

___ . _______________________ 17. Jahrgang

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