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genttum und internntinnnler Weiter. I Sr'E9

neuen gewaltigen Bewegung. In leuchtender Weise zeigte er, wie das Eigenthumsrecht des Menschen auf die Güter der Erde und auf ihre Verarbeitung und Verwerthung kein unbegrenztes sei, sondern seine Schranke finde in den Geboten der christlichen Sittenlehre. Aber die Worte des unvergeßlichen Kirchenfürsten verhallten, die Regierungen verstanden sie nicht; dem großen Bischof war es nicht vergönnt, die Sozialreform be­ginnen zu können. Am 25. Juli 1869 legte er in seiner denkwürdigen Rede auf der Liebfrauen-Haide bei Offen­bach a. M., umringt von den Schaaren der Fabrik­arbeiter, die Arbeiterbewegung und ihr Streben im Verhältniß zur Religion und Sittlichkeit dar. Erhöhung des Arbeitslohnes, Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb natürlicher Grenzen, Sonntagsruhe, Verbot der Kinder- und Frauenarbeit stellte der große Mainzer Bischof als berechtigte Forderungen der Arbeiter hin. Zugleich aber — und das ist der Unterschied gegenüber dem Liberalismus und der Sozialdemokratie — zeigte er, wie all' diese Bestrebungen eitel, vergeblich und ohne

an ihrem Jugendfreund Roland Schwarz gehangen; wie kam es, daß sie sich im Sturme als die Braut eines Andern, jenes hübschen Garde-Offiziers fand, der doch als ein Vermögens-Jäger in ihrer Vaterstadt ver­rufen war? Selbst Roland hatte sie vor ihm gewarnt, aber in einem Tone, der ihre Eitelkeit auf das Höchste verletzt, sie mit kindischem Trotz und falschem Stolz gegen ihn, den ernsten Freund, erfüllt hatte.

Alle jungen Herren, die in dem gasffreien Hause ihres Vormundes aus- und eingingen, zogen hübsch demüthig an dem Triumphwagen der jungen schönen Erbin, nachdem sie an ihrem achtzehnten Geburtstage in die Welt eingesührt worden. Man hatte zu dem Zwecke eine Festfeier veranstaltet und sie, als die Köni­gin des Tages, war berauscht von dm Huldigungen, die ihr zu Füßen gelegt wurden.

Nur einen vermißte sie —und nur um dieses einen willen hatte sie sich ihrer Triumphe gefreut, warum blieb er fern, nahm er keinen Theil an ihrem Glückes- rausch, sich gefeiert, umworben zu sehen?! — er war ein Trotzkopf und nahm sich sogar die Freiheit heraus, sie wegen ihrer Vergnügungssucht und ihrer oberfläch­lichen Gesinnung zu tadeln.

Er forderte sie sogar in einer kurzm Unterredung mit ihr auf, daß sie sich der Pflichten des Reichthums erinnern sollte in einer Umgebung, wo die Gegensätze von Reich und Arm so in die Angm springend wären; denn hatte ihr Vater nicht mit Hilfe seiner Arbeiter­

schaar den Reichthum erworben? Jetzt aber gehe ein Zug durch die Welt, der an die Humanität und das Rechtsgefühl der Besitzenden mit Gewalt appellire und sie als die Tochter eines Fabrikherrn, als die Enkelin eines Arbeiters, müßte ein Herz und eine offme Hand zeigen für das Volk.

In diesem Tone hatte Roland zu ihr gesprochen; wie weit entfernt war eine solche Sprache von jener, mit der ihre Anbeter sie verwöhnt hatten, ihre Sklaven und Sklavinnen, die alle vor dem Mammon auf den Knien lagen.

Hätte Roland seine vernünftigen — nein, über­spannten Anforderungen an sie nur ein wenig mit dem Zierrath der Höflichkeit verbrämt! Aber ebenso unver­blümt den Prediger in der Wüste zu spielen, das ver­droß, empörte das umschmeichelte Weltkind.

Und der Trotz in ihr verwandelte sich in eine kin­dische Rachsucht gegen denjenigen, der es so augenschein­lich verschmähte, in dem Reigen ihrer Verehrer mitge­zählt zu werden, und so kam es, daß sie sich dem ersten besten offenen Bewerber um ihre Hand in die Arme warf. Freilich, Wallroth war eine schöne Erscheinung mit bestechenden Manieren, ein vollendeter Kavalier im Umgang und der gerade Gegensatz zu dem unaussteh- ichen Tyrannen Roland Schwarz, der sich nicht ein- Inlden sollte, man lege den geringsten Werth auf seine unbotmäßigen Moralpredigten.

Kurz nach ihrem letzten Zusammensein mit Roland

Uur eine Uull.

Novelle von I. Dirkink.

(2. Fortsetzung.)

Gleich darauf steigt ein müder Schritt die Stufen hinan. Frau Hauptmann Wallroth ist von ihrem Ge­schäfte heimgekehrt mit fieberglühenden Wangen und seltsam blitzenden Augen, in denen jedoch nichts von Weihnachtsfreude zu lesen ist. Mit einer Bewegung der Ungeduld läßt die schlanke junge Frau ihren Man­tel von den Schultern gleiten und finkt dann, im Wohn­zimmer angelangt, wie gebrochen in den Seffel vor ihren Schreibtisch. Wie gebrochen, denn die Thatsache, daß Armuth und Abhängigkeit für eine Frau der höheren Stände mit tausendfachen Bitterkeiten und Demüthigungen verbunden sind, war für sie heute eine bittere Erfahrung geworden. Ein trübes Lächeln um­spielt ihren feinen bleichen Mund, während ihr Auge den dürftig ausgestatteten Raum durchfliegt; wer hätte es gedacht, daß sie, die ehemals reiche, vielumworbene Erbin, in verhältnißmäßig kurzer Zeit eine Bettlerin fern würde? Die Wittwe eines Selbstmörders, der ihr Vermögen im Spiel vergeudet hatte.

Und das Köpfchen in die hohle Hand gestützt, so sitzt sie da, ganz den trüben Erinnerungen hingegeben, und sie denkt und denkt an das, was hätte sein können, wenn sie nur eine Freundin, eine sie berathende Seele zur Seite gehabt hätte. Hatte ihr Herz nicht von jeher

I P> , zu einer Sozialkonferenz behufs Regelung des inter­nationalen Arbeiterschutzes, sowie das Programm der­selben mit dankbarer Genugthuung aufnehmen. Ins­besondere , hat das Centrum wie bei den kaiserlichen Erlassen so auch jetzt beim ersten Schritt zu deren Ver­wirklichung alle Ursache zu hoher Befriedigung: denn der Kaiser selbst tritt jetzt für jene sozialpolitischen Forderungen ein, welche vom Centrum wiederholt und zwar schon vor Jahren an den Bundesrath vergeblich gestellt worden sind, wie denn überhaupt das Centrum unter den Parteien des deutschen Reichstages sich zuerst mit den sozialpolitischen Fragen beschäftigt hat.

Wenn der Kaiser in der Kabinetsordre an den neuen Handelsminister Frhrn. v. Berlepsch betonte, „es sei im Geiste der christlichen Sittenlehre Aufgabe der Staatsgewalt, die Zeitdauer und die Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirthschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberech­tigung gewahrt bleiben", so hat er damit die soziale Centrums-Standarte ergriffen und sie zum deutschen Reichsbanner erhoben. Denn die kaiserlichen Worte haben zuerst ihren Ausdruck gefunden im katholischen Deutschland, sind zuerst erklungen von der Domkanzel zu Mainz, vom Bischofsstuhle des hl. Bonifazius aus. Am Adventssonntage, 3. Dezember 1848, hielt der junge Propst, Parlaments-Abgeordneter Frh. v. Kettel er auf der Domkanzel zu Mainz seine zweite Predigt über die großen sozialen Fragen der Gegenwart. Er wies hiebei auf die soziale Frage als auf die Frage der 5 u t U ll f 1 HU, u.ib S-a Diamin.. -Jjtt. .

schuh.

Die Frage des Arbeiterschutzes, welche durch die sozialpolitischen Kundgebungen des Kaisers ain 4. Fehruar l. Js. auf's Neue in Fluß gebracht wurde, ist ihrer praktischen Lösung durch die Einladung des Kaisers zu der am 15. März in Berlin zusammen- ttetenden internationalen Sozialkonferenz wesentlich näher geführt worden. Die deutschen Bot­schafter in London, Paris, Rom und Wien, sowie die Gesandten in Bern, Brüssel, Haag, Kopenhagen und Stockholm sind auf allerhöchsten Befehl angewiesen worden, die Regierungen, bei welchen sie beglaubigt sind, zu einer Konferenz behufs Regelung der Arbeit in industriellen Anlagen und Berg­werken einzuladen. Wir haben den Wortlaut der im ,Reichsanzeiger' veröffentlichten Aktenstücke, bei dem es, wie bei den kaiserlichen Erlassen vom 4. Februar auf­fällt, daß der Name des Fürsten Bismarck umgangen ist, und ebenso das Programm bereits mitgetheilt, welches von der Reichsregierung entworfen ist, um die Eröffnung und den weiteren Verlauf der Sozialkonferenz zu erleichtern.

Die dem betreffenden Minister des Auswärtigen übergebenen Schriftstücke besagen, nach des deutschen Kaisers Vorschlag solle eine Versammlung stattfinden von Vertretern der Regierungen, welche sich dafür interessiren, das Loos der Fabrik- und Minenarbeiter zu verbessern, damit diese über die Fragen von inter­nationalen Bedeutung berathen können, welche ü-t Pro gramm enthalten sind. Die Hauptpunkte dieses Pro­gramms beziehen sich auf die Regelung der Arbeit in Bergwerken, auf die Regelung der Sonntags­arbeit, der Kinderarbeit, der Arbeit junger Leute und der Arbeit weiblicher Personen. Der Kaiser ist mit dieser Anregung zu einer Sozial­konferenz, wie aus dem skizzirten Programm derselben hervorgeht, bestrebt, sein in dem erwähnten Erlasse an den Reichskanzler gegebenes Versprechen einzulösen, daß er zur Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter die Hand bieten wolle, soweit es die Grenzen gestatten, welche seiner Fürsorge durch die Nothwendigkeit gezogen werden, die deutsche Jndusttie auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu erhalten.

In seinem zweiten an den Handelsminister gerich­teten Erlasse vom 4. Februar betonte der Kaiser, daß er die Fürsorge für den wirthschaftlich schwächeren Theil des Volkes im Geiste der christlichen Sitten­lehre fördern wolle. Auf diesem Grundsätze beruht denn auch das für die Sozialkonferenz entworfene

Nutzen sind, wenn nicht wahre Sittlichkeit und Reli­giosität ihre Grundlage bilden.

Nach Beendigung des deutsch-stanzösischen Krieges und vor Eröffnung»des ersten deutschen Reichstages verfaßte dann der edle Bischof ein Programm für alle rechtlich und christlich denkenden Männer in Deutsch­land. Es sollte die Grundlage sein, auf welcher alle konservativen Elemente des deutschen Reiches, Katho- ttken wie Protestanten zu gemeinschaftlicher Reform­arbeit sich einigen könnten, Artikel XII dieses Pro­grammes heißt:

„Korporative Reorganisation des Arbeiterstandes und des Handwerkerstandes.

Gesetzlicher Schutz der Arbeiterkinder und der Arbeiterfrauen gegen die Ausbeutung der Geldmacht.

Schutz der Arbeiterkraft durch Gesetze über Arbeits­zeit und Sonntagsruhe.

Gesetzlicher Schutz der Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter bezüglich der Arbeiterlokale.

Anstellung von Inspektoren zur Konttolle der zum Schutze des Arbeiterstandes erlassenen Gesetze."

Aber anstatt dieses Programm anzunehmen und auszuführen, wodurch das junge deutsche Reich sich den Dank der gesammten Arbeiterwelt erworben, wurde die erste, schönste Zeit der Jugendblüthe desselben ver­geudet in einem maßlosen Kampfe gegen diejenige Korporation, deren leuchtendster Vorkämpfer der Ver­fasser dieses Programmes gewesen ist, und ihn selbst rettete nur ein frühzeitiger Tod vor Kerker und Banden. In jener traurigen Zeit ist die Sozialdemokratie entstanden, welche weiter und weiter über Deutschland tiui u,_x, . ,V... ynuvt uu a m ,.<)-< .,3

Wahlen trotz der kaiserlichen Erlasse so drohend ihr Haupt erhoben hat, und die schlimmste Gefahr der Gegenwart für das deutsche Reich bildet.

Am 23. März 1877 hat sodann das Centrum im deutschen Reichstag ein detaillirtes Arbeiterschutz- Programm vorgelegt und die Regierung aufge­fordert, einen bezüglichen Gesetzentwurf zu entwerfen. Dieses Arbeiter - Schutz - Programm des westfälischen Adeligen, Grafen von Galen, eines nahen Ver­wandten des Mainzer Bischofs Frhrn. v. Ketteler und des bayerischen Grafen von Preysing, stand ganz auf demselben Boden, auf den sich jetzt nach 13 Jahren der junge deutsche Kaiser Wilhelm II. in seinem Erlasse an den preußischen Handelsminister und in seinem Programm für die am 15. März zusammen­tretende Sozialkonferenz stellt. In diesem Galen'schm Programm wurde wirksamer Schutz des religiös-sitt­lichen Lebens der gesammten arbeitenden Bevölkerung (Sonntagsruhe), Schutz und Hebung des Handwerker­standes durch Einschränkung der Gewerbefreiheit, Re-

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Donnerstag, den 6. März 1890.

17. Jahrgang

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