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Sonntag, den 2. März 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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■* Programm der Arbeiterschutz-Konferen;.
Der Einladung zu der internationalen Konferenz in Berlin, betreffend die Arbeiterfrage, ist nachstehendes Programm beigegeben:
I. Regelung der Arbeit in Bergwerken.
1) Ist die Beschäftigung unter Tage zu verbieten: a) für Kinder unter einem bestimmten Lebensalter? b) für weibliche Personen? 2) Ist für Bergwerke, in denen die Arbeit mit besonderen Gefahren für die Gesundheit verbunden ist, eine Beschränkung der Schichtdauer vorzusehen? 3) Ist es im allgemeinen Interesse möglich, um die Regelmäßigkeit der Kohlenförderung zu sichern, die Arbeit in den Kohlengruben einer inter- nationalm Regelung zu unterstellen?
II. Regelung der Sonntags-Arbeit.
1) Ist die Arbeit an Sonntagen der Regel nach, und Nothfälle Vorbehalten, zu verbieten? 2) Welche Ausnahmen sind im Falle des Erlasses eines solchen Verbotes zu gestatten? 3) Sind diese Ausnahmen durch internationales Abkommen, durch Gesetz oder im Verwaltungswege zu bestimmen?
III. Regelung der Kinder-Arbeit.
1) Sollen Kinder bis zu einem gewissen Lebensalter von der industriellen Arbeit ausgeschlossen werden? 3) Wie ist das Lebensalter, bis zu welchem Ausschließung stattfinden soll, zu bestimmen? Gleich für alle Industriezweige oder verschieden? 3) Welche Beschränkungen der Arbeitszeit und der Beschäftigungsart find für die zur industriellen Arbeit zugelasienen Kinder vorzusehen?
IV. Regelung der Arbeit junger Leute.
1) Soll die industrielle Arbeit jugendlicher Personen, welche das Kindesalter überschritten (12), Beschränkungen unterworfen werden? 2) Bis zu welchem Lebensalter sollen die Beschränkungen eintreten? 3) Welche Beschränkungen sind vorzuschreiben? 4) Sind für einzelne Industriezweige Abweichungen von den allgemeinen Bestimmungen vorzusehen?
V. Regelung der Arbeit weiblicher Personen, -
1) Soll die Arbeit verheiratheter Frauen bei Tage oder bei Nacht eingeschränkt werden? 2) Soll die industrielle Arbeit aller weiblichen Personen (Frauen und Mädchen) gewissen Beschränkungen unterworfen werden? 3) Welche Beschränkungen empfehlen sich in dem Falle? 4) Sind für einzelne Industriezweige Abweichungen von den allgemeinen Bestimmungen vorzusehen und für welche?
VI. Ausführung der vereinbarten Bestimmungen.
Daniel's Geheimniß.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Schluß.)
Klara eilte hinweg und kehrte nach wenigen Minuten mit einem zerknitterten, vergilbten Papiere in der Hand zurück
Daniel warf einen flüchtigen Blick auf dasselbe.
„Ja, das ist die Quittung," sagte er dann und reichte sie Ronstau hin.
„Es ist in der That die Handschrift meines Vaters," bemerkte letzterer.
„Sie sehen also, daß ich nicht lüge," fuhr Daniel fort. „Alles verhält sich so, wie ich gesagt habe — ich habe ohne Zweifel hinlänglich mein Verbrechen gesühnt und Gott hat endlich sich meiner erbarmt!"
Charles und Klara eilten weinend in die Arme ihres Vaters, dem gleichfalls die Thränen aus den Augen perlten.
„Dieser Augenblick," sagte er dann, seine Augen zum Himmel erhebend, „entschädigt mich für viele, schwere Leiden — denn ich hegte keine Hoffnung mehr, Euch umarmen zu dürfen.
Ich war es schon zufrieden, in eurer Nähe, in Eurer Atmosphäre leben zu dürfen, und gern hätte ich mich damit begnügt, wenn mich nicht die Mittheilung von dieser Heirath genöthigt hätte, aus meiner Ver- borgenheit hervorzutteten. Denn ich glaubte mich in
1) Sollen Bestimmungen über die Ausführung der zu vereinbarenden Vorschriften und deren Ueberwachung getroffen werden? 2) Sollen wiederholte Konferenzen von Vertretern der betheiligten Regierungen abgehalten werden und welche Aufgaben sollen ihnen gestellt werden?
Die Einladung ist ergangen an die Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens, Oesterreich-Ungarns, der Schweiz, Belgiens, Hollands, Dänemarks und Schwedens. In der Einladung heißt es u. A.: Da jene Fragen ohne politische Tragweite sind, so erscheinen dieselben geeignet, in erster Linie der Prüfung von Fachmännern unterworfen zu werden. Als Tag des Zusammentritts der Konferenz wird in der Einladung der 15. März angegeben.
Deutsches Keich.
Berlin, 28. Februar.
* Die .Germania' schreibt u. A.: Bemerkenswerth ist ein Berliner Bericht der .Straßburger Post', nach welchem der Kaiser durch den Ausfall der Wahlen keineswegs schmerzlich betroffen sei, vielmehr im neuen Reichstag eine sichere Stütze für seine Sozialpolitik erblicke. Die Hauptgegner einer gründlichen Arbeiterschutzgesetzgebung finden sich ja auch in den beiden Mittelparteien, die ältesten und konsequentesten Vertreter einer positiven Sozialpolitik sind außer dem Centrum die wirklichen christlichen Konservativen. Das weiß, wie wir wissen, auch der Kaiser! Es geht nun aber das Centrum aus den Wahlen mit mehr Mandaten hervor, als es hatte, und die Konservativen haben sich aus der Kartellniederlage am besten gerettet.
* Nach dem offiziellen Wah lresultate verloren die Nationalliberalen im ersten Wahlgang definitiv 18 Mandate gewannen 1 Mandat, macht einen Verlust von 17 Mandaten. Die Freikonservativen verloren definitiv 7 Mandate, gewannen 1 Mandat, Verlust also 6 Mandate. Die Deutschkonservativen einschließlich der Antisemiten verloren definitiv 3 Mandate, gewannen 4, Gewinn also 1 Mandat. Das Kartell büßte demnach im erstenWahlgang 22Man- date ein. Das Centrum gewann 2, verlor 2Mandate, Gewinn und Verlust gleichen sich also aus. Die Sozialdemokraten gewannen 12 Mandate, verloren keins Die Deutschfreisinnigen gewannen 11, verloren 1 Mandat, Gewinn 10 Mandate. Die Polen gewannen 1 Mandat, die Demokraten 2 Mandate, die Deutschhannoveraner blieben mit dem definitiven Resultate aus dem alten Stand. Es finden aber noch Stichwahlen statt zwischen:
der That eines Verbrechens schuldig zu machen, wenn ich diese Verbindung sich hätte vollziehen lassem Für meine Person war ich entschlossen, alles zu dulden — aber konnte ich sie unglücklich sehen und durfte ich ihre Thränen ruhig fließen lasfen?"
Abermals zog er das junge Mädchen an sich und bedeckte sie mit Küssen.
„Sie war es," stammelte er, „welche mich gerettet hat, als man mich hier, in diesem Hause ergreifen und verhaften wollte. Begreifen Sie jetzt meine Situation? Man klagte mich an, mich ..."
„Jetzt wirst Du uns nicht mehr verlassen," sagte Charles, „wir werden Deinen Prozeß zur Revision bringen. Heute kannst Du Dich vertheidigen und man schenkt Dir gerne Glauben. Weßhalb hast Du nur nicht schon eher gesprochen und Dich zu erkennen gegeben?"
„Ich hegte stets große Besorgniß . . . denke nur an die Polizei!"
„Aber wie hast Du uns wiedergefunden?"
„Nach meiner Entweichung bin ich nach Mexiko gegangen. Dort habe ich einen alten Diener wiedergefunden, welcher mich wiedererkannte und welcher mir mittheilte, was aus Euch geworden sei. Er hat mir auch seine Papiere geliehen, um nach Frankreich zurückkehren zu können."
„Jaques?"
„Ja."
Konservativen und Nationalliberalen......3
„ „ Freisinnigen .......13
„ „ Centrum und Deutschh. ... 2
„ „ Sozialdemokraten.....12
„ „ Polen..........2
„ „ Volkspartei........1
Freikonservativen und Nationalliberalen .... —
„ „ Freisinnigen......9
„ „ Centrum und Deutschh. . . 3
„ „ Polen.........2
„ „ Sozialdemokraten .... 3
„ „ Volkspartei.......2
Nationalliberalen und Freisinnigen......22
„ „ Centrum und Deutschh. . . 19
„ „ Sozialdemokraten .... 21
„ „ Polen.........1
„ „ Volkspartei ......7
„ „ Antisemiten ..... 1
„ „ Wilden........1
Centrum und Sozialdemokraten........7
Freisinnigen und Sozialdemokraten......14
„ „ Antisemiten........2
Sozialdemokraten und Wilden . .......1
Summa 148
* Zur Pens ionsgesetznov eile ist vom Abg. Rintelen (Centrum) hinsichtlich der Pensionsberechnung Folgendes beantragt: Der Berechnung der Pension wird dasjenige gesammte Diensteinkommen des Beamten, welches ihm am Tage des Dienstaustritts nach Maßgabe des für das betreffende Etatsjahr festgestellten Besoldungsetats, derselbe mag bereits ausgeführt sein oder nicht, vermöge seines Dienstalters zusteht oder zustehen würde, soweit es nicht zur Bestreitung von Repräsentations- oder Dienstaufwandskosten gewährt wird, nach Maßgabe der näherm Bestimmungen zu Grunde gelegt.
* Der bisherige Oberbürgermeister von Berlin, Dr. v. Forckenbeck, ist auf 12 Jahre wiedergewählt worden.
* Die letzten Berichte, welche der deutsch- o st afrikanischen Gesellschaft über die Entwickelung ihres Gebietes eingegangen sind, lauten günstig. Gelegentlich einer int Verein mit Major Wißmann unternommenen Rundreise des Gejellschaftsdirektors Vossen zu den nördlichen Küstenplätzen haben Friedensverhandlungen mit den umwohnenden Häuptlingen stattgefunden und sind mit mehreren Stämmen Verträge betreffend den Anbau von Handelsgewächsen geschlossen worden. Die Orte Dar-es-Salam, Bagamoyo, Tanga, welche während des Aufstandes vollständig verlassen worden waren, beginnen sich wieder zu heben. Die deutsch-
Es trat eine kurze Pause ein.
Der Notar hatte inzwischen seine Papiere wieder zusammen gepackt.
Jetzt erhob sich auch Ronstau.
„Ich bin's allein," hob er an, „welcher die Kluft des Verbrechens meines Vaters zu tragen hat, ich will nicht, daß Jemand außer mir Sttafe erleide.
„Ich habe Ihnen viele Bitterkeit verursacht, Fräulein Klara", fuhr er dann, sich zu Klara wendend fort, „indem ich versuchte, Ihnen eine Liebe aufzudrängen, welche Sie nicht erwiderten und indem ich die Ursache war, daß Sie Denjenigen verdächtigten, welchen Sie lieben — aber ich bin es auch, welcher Ihnen denselben wiedergeben wird."
Ein Schrei entfuhr den Lippen des jungen Mädchens.
„Sie wissen, wo sich Herr de Fresnieres befindet?" frug sie.
„Ich weiß es und Sie werden ihn morgen wieder sehen!"
Ronstau hatte diese Worte kaum ausgesprochen, als die Thüre des Salons sich öffnete und ein Diener meldete:
„Herr Georges de Fresnieres!"
Alle Blicke wandten sich dem Eingänge des Salons zu — Klara wankte.
In der That war es Georges de Fresnieres, welcher näher trat.