JW 48.
Freitag, den 28. Februar 1890.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
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Stichwahlen
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Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
* Die Fortbildung der Arbeiterschutz- Gesetzgeüung
mungen getroffen werden über Sicherheits- und Gesundheits-Veranstaltungen, die Form der Arbeits-Kontrakte, die Auszahlung der Löhne, Fabrikordnungen rc.
In Holland ist am 1. Januar d. I. ein Arbeiterschutz-Gesetz in's Leben getreten, das sich nicht bloß auf die Fabriken, sondern auch auf das Handwerk und die Haus-Industrie bezieht. Dasselbe fixirt für alle Arbeiterinnen und die jugendlichen Arbeiter (unter 16 Jahren) einen Arbeitstag von höchstens 11 Stunden. Wie die Nacht-, so ist auch die Sonntagsarbeit derselben verboten. Drei Fabrik - Inspektoren sind mit der Aufsicht betraut. Als die wichtigste Bestimmung des neuen Gesetzes, die auch allen übrigen Arbeitern, wenigstens derjenigen Industrien, in welchen weibliche und jugendliche Arbeiter in größerer Zahl beschäftigt werden (Textil-, Industrie-, Cigarren-Fabriken und -Werkstätten, Bauleitungs-Gewerbe rc.) zu gute kommen wird, indem dann der ganze Betrieb auf dieselbe Arbeitszeit sich einrichten muß, ist der elfstündige Maximal - Arbeitstag für alle Arbeiterinnen anzusehen. Am weitesten zurück mit dem Arbeiterschutz sind unter allen europäischen Staaten Rußland, die Türkei und Belgien.
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
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gesenkt hatte: aber dieser Unbekannte hatte offenbar nur ein frevelhaftes Spiel mit ihr getrieben, da er sie | im kritischen Momente sich selbst überließ! Sie sollte also gar keine Hoffnung mehr hegen, auf nichts mehr rechnen dürfen?
Sechs Uhr schlug es.
Draußen ließ sich das Rollen eines Wagens vernehmen.
Sie schauderte zusammen und eilte ans Fenster. Er war es — denn sie hatte seine Equipage erkannt. Sie trat zurück, um ihn nicht sehen zu müssen — denn so spät als möglich wollte sie ihn sehen, um nicht das liebliche Bild Georges zu verscheuchen. Noch früh genug sollte sie diesem Manne angehören — angehören für ziemlich lange Zeit!
In der That war es Ronstau, welcher eintrat.
Er war ebenfalls bleich, obgleich er sich bemühte, wie triumphirend einherzuschreiten.
Fast unmerklich zuckten seine Nerven und in seinen starren Augen schien etwas Teuflisches zu liegen.
Charles eilte ihm entgegen: die beiden Freunde drückten einander herzlich die Hand.
Andree erkundigte sich zunächst nach Klara.
„Sie ist heute noch nicht heruntergekommen, aber ich will sie rufen lassen," antwortete Charles.
Sie begaben sich in den Salon.
Allmählich trafen die Wagen einer nach dem andern ein und die ersten Gäste erschienen.
Endlich kam auch Klara, rein und jungfräulich in
‘ In Schweden und Norwegen sind den Parlamenten Entwürfe unterbreitet worden, welche für Per- fonen im Alter von 14=16 Jahren, soweit sie in Fabriken beschäftigt werden, einen lOstündigen Arbeitstag Vorschlägen, während Kinder erst vom 12. Jahre ab in Fabriken beschäftigt werden sollen. Diese Bestimmungen entsprechen im Wesentlichen der deutschen Gewerbeordnung. Kinder zwischen 12 und 14 Jahren sollen aber nur dann in Fabriken arbeiten dürfen, wenn sie ein ärztliches Attest über ihren genügend guten Ge- sundheitszustand mitbringen. Außerdem sollen Bestim-
Centrüm . . *
Konservative.....
Reichspartei.....
Nationalliberale ....
Freisinnige......
Deutschhannoveraner . .
Polen........
Sozialdemokraten . . .
Volkspartei .....
Dänen .......
Elsässer.......
Antisemiten.....
Definitive Wahlen . . . 248
Daniels Geheimnis.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(41. Fortsetzung.)
21.
Die Feierlichkeit der Unterzeichnung des Ehekon-. traktes sollte gegen zehn Uhr, ganz einfach und nur in engem Kreise stattfinden. Ein Diner, wozu einige zwanzig Personen geladen waren, sollte vorhergehen. Zum ersten Male seit geraumer Zeit war das ganze Hotel mit Einbmch der Nacht glänzend erleuchtet. Cordons von Gasflammen umsäumten das Gitter, der Eingang zum Hause war mit einer Menge der selten-^ sten und prächtigsten Pflanzen und Blumen geschmückt und die Stufen desselben bedeckte ein reicher, kostbarer Teppich.
.Trotz all' dieses Glanzes und der blendenden Herrlichkeit schien dennoch tiefe Trauer über dem Hotel zu lagern.
w k- ira' welche sich auf ihrem Zimmer befand, hörte au. dieses Kommen und Gehen und die Zurüstung all' vieser Vorbereitungen fast mit dem nämlichen Gefühle uut welchem ein zum Tode Verurtheilter sein Schaffst cuiffchlagen hört. Sie war unsäglich traurig und ihre Gestchtszuge bleicher als die weiße Robe, welche sie soeben mit Hilfe der Kammerfrau angezogen hatte.
^hre Seele war wie gebrochen und sie selbst schien aum darauf zu achten, wenn jemand eine Frage an ste richtete, denn ihre Gedanken weilten anderswo . . Ja, es war gewiß ein trauriger Abend für sie — der
Deutsches Keich.
. ' Berlin, 26. Februar.
* Das Resultat der Hauptwahl vom 20. Februar ist:
Hanau Kassel, ist der Termin schon auf Freitag, den 28. Februar, angesetzt worden.
* Das ganze Ausland hat die deutschen Wahlen mit höchstem Interesse verfolgt. Wenn einige Hetzblätter senfeits des Rheines sich anstellen, als ob sie von den Erfolgen der „Opposition" in Deutschland eine Schwächung unserer Machtstellung erwarteten so ist das thörichtes Gerede. Es verdient nur insofern Beach- tung, als man daraus ersteht, wie arg die Kartellpresse sich versündigt hat, als sie die würdige Kartellmehrheit als die alleinige Hüterin der deutschen Wehrkraft und seiner politischen Machtstellung hinstellte. Durch dieses frivole Gerede hat man in den Kreisen der j urtheilslosen Franzosen und Russen das deutsche Ansehen gefährdet. Die Staatsmänner in Frankreich und Rußland wissen freilich gut genug, daß die jetzt wiederkehrende Mehrheit im Januar 1887 jeden Mann und jeden Groschen bewilligt hat, und daß das spätere Wehrgesetz welches dem Kriegsheere Millionen neuer Kräfte zuführt, einmüthig im Reichstage angenommen ist. Der neue Reichstag wird die Macht Deutschlands nicht mindern, sondern durch Verbesserung seines mnern Friedens und seiner Wohlfahrt heben und also die Friedens-Aussichten verbessern.
* Gs ist nun zweifellos, daß die internationale Konferenz über die Arbeiterfrage in Berlin Mitte März beginnt. Der schweizerische Bundesrath hat auf die Berner Konferenz, die auf den 5. Mai in Aussicht genommen war, verzichtet, indem er anerkannte, daß eine gleichzeitige Thätigkeit von Konferenzen, die theilweffe die nämlichen Fragen behandeln, nicht im Interesse der Sache liegen. Die englische Regierung hat sich zur Beschickung der Berliner Konferenz bereit erklärt, ebenso die belgische. Die französische Regierung, die ihre Entscheidung von der Stellungnahme der anderen betheiligten Regierungen abhängig gemacht hat, wird nicht zurückbleiben. Auch seitens einer Reihe anderer europäischer Regierungen ist die Beschickung der Konferenz zugesagt.
* Die beiden Abtheilungen des Staatsraths, welche die sozialpolitischen Vorlagen zu berathen haben, sind heute Vormittag 11 Uhr unter dem Vorsitze des Kaisers im Gebäude des Reichsamt des Innern zusammengetreten. Man nimmt an, daß die Verhandlungen zwei Tage in Anspruch nehmen werden.
* Das Abgeordnetenhaus führte heute die zweite Berathung des Etats des Ministeriums des Innern zu Ende. Die Abgg. MetznerjCtr.) und von Meyer-Arnswalde wünschten Gehaltserhöhungen für die Berliner Schutzleute bezw. Vermehrung der Gen-
steht in allen Kulturstaaten auf der Tagesordnung und wird durch das neuerliche Vorgehen unseres Kaisers einen neuen Impuls erhalten. Die prinzipielle Berechtigung und die Pflicht des Staates, zum Schutze der Schwachen einzutreten, wird kaum mehr geleugnet: nur über das „Wie" und „Wieweit" herrscht noch Streit. x$n offener Feldschlacht ist das Manchesterthum niedergeworfen, aber um so zäheren Widerstand leistet es im Kleinkrieg. Ueberall sucht es zu bremsen, nicht zuletzt m Deutschland, woselbst die mittelparteiliche Presse den kaiserlichen Erlassen vom 5. d. M. Bedenken über Bedenken entgegenstellt.
In der Frage des Arbeiterschutzes. sind England, die Schweiz und Oesterreich am weitesten vorgeschritten. Der letztere Staat hat außerdem die Kranken- und Unfall-Versicherung nach deutschem Muster eingeführt, während die skandinavischen Reiche, die Schweiz und Italien im Begriffe stehen, diesem Beispiele zu folgen. Oesterreich ist es auch gewesen, das den Vorschlag der Schweiz auf Schaffung eines internationalen Arbeiterrechtes am freudigsten zugestimmt hat. Jetzt will nun auch Ungarn seine Fabrik-Gesetzgebung ausbauen, und zwar zunächst in Betreff der Sonntagsruhe. Der dortige Handelsminister hat einen Gesetzentwurf und eine Ausführungs-Verordnung ausarbeiten lassen, der jetzt den gewerblichen Bürgerschaften zur Begutachtung vorliegt. An Sonntagen foll auf dem Gebiete der St. Stephans-Krone die gewerbliche Arbeit ruhen. Ausnahmen sollen nur zulässig sein in Verkehrs- und Er- nährungs - Gewerben und bei Gewerben mit nicht zu unterbrechendem Betriebe. Der Gewerbetreibende soll aber für die Ablösung der bei diesen Arbeiten beschäf- tlgten Arbeiter in der Richtung sorgen, daß die Arbeiter in jedem Monat mindestens einen ganzen oder in m^p?i 2Boc^en einen halben Sonntag Arbeitsruhe ge-
Die Stichwahlen werden, wie schon berichtet, auf allgemeine Anordnung des Ministers des Innern in Preußen sämmtlich am Sonnabend, den 1. März, stattfinden. Nur für einige Wahlkreise mit starker jüdischer Bevölkerung, wie in Frankfurt a. M., Beginn eines traurigen Dasein! Was hätte sie nicht darum gegeben, wenn sie sich hätte schmücken können, für Georges de Fresnieres anstatt für Andree Ronstau! Der Name Georges kam fortwährend immer wieder über ihre Lippen — obwohl im Grunde er die ganze Schuld an ihrem Unglücke trug. Freilich, ihn für schuldig zu erklären vermochte sie nicht. Oh, wäre eine wohlthätige Fee erschienen, die Ronstau in Georges hätte verwandeln können . . . Aber dann erinnerte sie sich wieder, daß es doch eigentlich thöricht sei, solche Gedanken überhaupt zu hegen. Georges war weit weg von ihr entfernt und der andere sollte kommen, mit ihm sollte sie sich verbinden zum Lebensbunde! Sie weinte nicht mehr — ihre Thränen waren versiegt, und in dumpfem Schmerze sah sie den Zeiger der Uhr immer weiter voranrücken. Wie gern hätte sie die Zeit in ihrem Fluge aufhalten mögen. Denn jede Minute, welche sie dem verhängnißvollen Augenblicke näher brachte, machte ihr Herz nur stärker klopfen.
Den Greis hatte sie garnicht mehr zu Gesicht bekommen : ohne Zweifel chatte er sie gleichfalls vergessen oder es war ihm vielleicht auch unmöglich geworden, sein Versprechen zu halten.
Rettung war offenbar für sie kaum mehr denkbar — von allen war sie verlassen, sie sollte die Gattin Ronstaus werden, sie sollte diesem Manne zulächeln, während ihre Gedanken bei dem anderen weilten. Weshalb, so frug sie sich, war sie nicht gestorben? Die Hoffnung war es, welche der Greis in ihr Herz
___ _ 17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung.
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. ' <$-«» „ _.
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gewählt
kommen in Stichwahl
1887waren im ersten Wahlgang gewählt
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