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17. Jahrgang

Dienstag, den 25. Februar 1890

uldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Die Arbeiterschutz-Konseren;.

* Das Programm der Arbeiterschutz - Konferenz, welches die Schweiz jetzt den von ihr eingeladenen Staaten übergeben hat, zerfällt in sechs Hauptabschnitte, deren jeder eine Reihe von Fragen enthält, welche die verschiedenen Seiten des Hauptpunktes betreffen. Wir zählen die Abschnitte der Reihe nach auf.

1. Verbot der Sonntagsarbeit.

Inwiefern ist Grund vorhanden, die Sonntags­arbeit zu beschränken? Welche sind die Industrien und Betriebe, die ihrem Wesen nach die Arbeit nicht am Sonntag unterbrechen können und denen deßhalb die Sonntagsarbeit erlaubt werden muß? Kann man in diesen Industrien Maßregeln ergreifen, um dem ein­zelnen Arbeiter Sonntagsruhe zu sichern?

2. Mindestalter von Kindern für die Zulassung zur Fabrikarbeit.

Ist Grund vorhanden, ein Mindestalter von Kindern für die Zulassung zur Fabrikarbeit festzustellen? Soll das Mindestalter in allen Staaten gleich sein oder mit Rücksicht auf die klimatifchen Verschiedenheiten der ein­zelnen Länder und die dadurch bedingte mehr oder minder frühzeitige körperliche Entwicklung der Kinder festgestellt werden? Welches Miudestalter foll in beiden Fällen bestimmt werden? Dürfen bei einer einmal ge­troffenen Bestimmung über das Mindestalter Aus­nahmen gestattet werden, wenn die Zahl oder die Länge der Arbeitstage verringert wird?

3. Der Maximalarbeitstag für jugendliche Arbeiter.

Kann man einen Maximalarbeitstag für jugendliche Arbeiter festsetzen? Sollten die Stunden des zwangs­weisen Schulbesuchs in einen solchen Arbeitstag ein­gerechnet werden? Hat der Maximalarbeitstag sich dem Alter anzupassen? Wie viel Stunden mit oder ohne Unterbrechungen soll der Maximalarbeitstag in jedem Falle umfassen? Zwischen welche Tagesstunden soll die Arbeitszeit bestimmt werden?

4. Verbot der Beschäftigung v'on jugend­lichen Arbeitern und Frauen in besonders gesundheitsschädlichen oder in gefährlichen Betrieben.

Ist es nothwendig, die Beschäftigung von jugend­lichen Arbeitern und Frauey in besonders gesundheits­schädlichen oder in gefährlichen Betrieben zu verbieten? Sollen die zu diesen Klassen gehörigen Personen voll­ständig von solcher Beschäftigung ausgeschlossen werden — und, wenn so, bis zu welchem Alter? — oder nur theilweise — d. h. bis zu einem gewissen Alter für junge Leute und zu gewifsen Zeiten für Frauen — oder soll die Länge des Arbeitstages für jugendliche Arbeiter und Frauen in solchen Betrieben eingeschränkt

Daniels Eehcimnih.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(38. Fortsetzung.)

„Ah, ich begreife jetzt Alles! Sprechen Sie also von ihm, Sie glauben gar nicht, wie glücklich Sie mich machen! Freilich habe ich ihn kaum gekannt — denn ich war noch ganz klein, als er in die weite Welt ging, um nicht mehr wiederzukommen, aber meine Mut­ter hat mir häufig von ihm gesprochen . . ."

Heiße Thränen waren dem Greise in die Augen getreten, während Klara diese Worte sprach, aber er

machte fast übermenschliche Anstrengungen, um dieselben ! .zurückzuhalten . . .

Eine wahnsinnige Lust befiel ihn, seine Arme aus­zubreiten, seine Tochter zu umarmen und laut und offen zu bekennen, wer er sei!

„Sie liebte ihn so innig," begnügte er sich indeß । mit unsicherer Stimme zu stammeln.

„Gewiß, es war auch ein wackerer, liebenswürdiger Mann, der Von Jedermann geachtet war," antwortete sie.

Der Greis schauderte — sein Auge erglänzte.

Sein Mund öffnete sich schon, um Alles zu beken-- ne.n aber die Worte seiner Tochter erinnerten ihn wieder an seine wirkliche Lage.

Es durchzuckte ihn an allen Gliedern — aber nein,

werden? Welche sind die geringsten Anforderungen, die in den beiden letzten Fällen zu stellen sind ? Welche sind die ungesunden oder gefährlichen Betriebe, auf welche das obige Verbot anzuwenden ist?

5. Beschränkung derNachtarbeit für jugend­liche Arbeiter und Frauen.^

Sollen jugendliche Arbeiter gänzlich oder nur theil­weise von derNachtarbeit ausgeschlossen werden? Unter welchen Bedingungen können sie theilweise zur Nacht­arbeit zugelassen werden? Sollen Frauen ohne Unter­schied des Alters von der Nachtarbeit ausgeschlossen werden? Wenn ihnen die Nachtarbeit gestattet wird, muß man dann bestimmte Beschränkungen seststellen? Welche Stunden eines Arbeitstages sind in den Be­griff Nachtarbeit eingeschlossen, oder mit andern Worten, wann beginnt und endigt die Nachtarbeit?

6. Die Ausführung der angenommenen Befti mm ungen.

Auf welche Arten von Betrieben — Bergwerke, Fabriken, Werkstätten — sind die Bestimmungen anzu­wenden? Soll ein Zeitpunkt für die Ausführung der angenommenen Bestimmungen festgesetzt werden? Welche Maßregeln sind zu treffen, um die Aussührung zu sichern? Soll für eine periodisch zusammentretende Konferenz von Vertretern der Staaten, welche an der gegenwärtigen Konferenz theilnehmen, vorgesorgt wer­den? Welche Ausgaben sind diesen Konferenzen zuzu- weisen?

Deutsches Keich.

Berlin, 22. Februar.

% Mit Thränen in den Augen konstatirt ein nationallib. Jenaer Blatt die Thatsache, daß das Kar­tell geschlagen, gründlich geschlagen ist: nur der un­überwindliche Thurm des Centrums steht allein un­versehrt da. DenLöwenantheil erbeutete die Sozial­demokratie, die traurige, aber gewisse Frucht und Tochter des Nationalliberalismus: alle größeren pro­testantischen Städte, die Städte der Industrie, die Städte des abgeblaßten Liberalismus und des Un­glaubens, die Städte des „gebildeten Bürgerthums", sie senden als Vertreter Sozialdemokraten: Leipzig, Hamburg, Nürnberg, Darmstadt, fast ganz Thüringen, und vor allen die Stadt der Gottesfurcht und from­men Sitte, Berlin sind von den Sozialisten gewonnen. Warum auch nicht? Wo das „gebildete" Bürgerthum sich im Theater, in Tingeltangeln seine Bildung holt, wo man der Kirche den Rücken kehrt, wo man den plattesten und abgeschmacktesten Irr- und Unglauben von den Kathedern und in der Presse verkündet, wo man die großartige Thätigkeit der kathol. Kirche in Fesseln schlägt, wo man die Orden verjagte und „Kut­ten" zum Fastnachtsscherz anbietet, da soll der arme er durfte sich nicht verrathen: sein Andenken stand in Ehre, und kein Schalten durfte darauf fallen.

Mit Gewalt unterdrückte er also die Erregung, die ihn zu überwältigen drohte und trat einige Schritte zurück.

„Ich würde ihn auch so sehr geliebt haben," mur­melte Klara vor sich hin.

„Er Sie ebenfalls, glaube ich," warf er rafch hin, „wie hätte er sich gefreut, wenn er Sie groß und schön gesehen hätte, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, Sie in seine Arme schließen zu dürfen, wenn er seinen I Namen aus Ihrem Munde vernommen hätte! Aber das Schicksal hat es anders gewollt. Er würde Alles gethan haben, um Ihnen auch nur den kleinsten Kum­mer, eine einzige Thräne zu ersparen ... Seine Sehn­sucht ist es, die mich angetrieben hat, Sie zu fragen, ob ich Ihnen nützlich sein könnte. Ich will Erkundi­gungen über Herrn de Fresnieres einziehen, zu erfahren suchen, ob er Ihrer noch würdig ist, ob man ihn nicht verleumdet hat und endlich, ob ihm kein Unglück zuge­stoßen ist. Ich werde ihn Ihnen zurückgeben, hoffe ich!"

„Gott gebe es!" sagte Klara seufzend.

„Fassen Sie Muth! Ich will, daß Sie glücklich feien, ganz glücklich — und Sie werden es fein!"

Gänzlich außer Fassung und verwirrt bis tief in die Seele hinein reichte Klara dem Greise die Hand, dessen Augen vor Freude glänzten.

Arbeiter, nachdem man ihm Gott und den Himmel geraubt hat, vor den „hohen, gebildeten" Herreu wie Meister Petz Kratzfüße machen, foll das Paradies nicht auf Erden suchen? „Macht euch das Leben hier nur schön, keinen Himmel giebt's, kein Wiederseh'n", so lautet seit 1848 die sozialistische Schlußfolgerung aus der liberalen Weisheit. Ganz erschrocken steht das nationalliberale Blatt vor der gewaltigen Stimmenzahl des Sozialismus, den es doch tagtäglich in seiner Ver- blendnng nährt: „Alle bürgerlichen Parteien", so lautet das Kommando des Kartells, „sollen ein­trächtig Front machen gegen die Sozialdemokraten." Also sind wir Freisinnige und Centrum, jetzt mit einem Schlage aus Reichsfeinden bürgerlicheParteien geworden, dieselben Parteien, die die Nationalliberalen tagtäglich mit Schmutz und Schande bewerfen. So kriecht der Liberalismus wieder auf dem Bauch und glaubt schon in seiner Angst die höhnende Abweisung zu hören. Wie, wenn es die Mahnung zuerst an seine Partei richtete, wenn es die Liberalen aufforderte, in Köln re. für Centrum gegen Sozialismus zu stimmen? anstatt uns für sich in die Wahlstatt zu rufen. Gewiß, Bebel hat Recht: die katholische Religion ist der Feind des Sozialismus; aber niemals werden wir die Hand bieten, einem Kartellbruder in den Reichstag zu helfen, denn feine Partei ist die Mutter des Sozialismus; darum auf, gegen beide, ohne Ausnahme!

* Nach den seitherigen Wahlresultaten sind gewählt: 13 Nationalliberale: v. Cuny, Pfähler, Dr. Bürklin,. Dr. Buhl, Adt, Leemann, v. Marquardsen, Petri, Brünings, Dr. Miquel, Hülst, v. Benda, Rösicke.

18 Deutschfreisinnige: Lüders, Witt, Loren­zen, Schenk, Kaufmann, Münch, Bamberger, Baum­bach, Knörcke, Träger, Dr. Hermes, Maager, Eugen Richter, Uhlendorff, Jordan, Schütte, Koch, Wilbrandt.

10 Freikonservative: Graf Arnim, Leuschner, Frhr. v. Stumm, Merbach, Freiherr v. Gültingen, Müller, Fürst Hatzfeldt-Trachenberg, Prinz Carolath, v. Schleinitz, Graf Behr.

40 Konservative: Wichmann, Graf Dohna, Erbprinz Kraft zu Hohenlohe - Oehringen, Landrath Bohtz, Uhden, Graf Douglas, Dr. von Frege, Acker­mann, Frhr. von Friesen, Mehnert, Hultzsch, Hempel, Graf Moltke, Dodillet, v. Wedell-Malchow, Menzer, Klemm, Frhr. von Tettau, Stephanus, von Staudy, Steinmann, Graf Mirbach, Graf Dönhoff, von Gut- stedt - Lablakeu, Graf zu Stolberg-Wenigerode, von Schlinckmann, von Colmar-Meyenburg, Freiherr von Saurma-Jeltsch, v. Gerlach, v. Levetzow, Freiherr v. Manteuffel, Graf Saldern, Dr. Giefe, v. Bredow, Dr. Scheffer, v. Plotho, v. Henck, v. Normann, v. Buffe, v. Bredow.

„Sie sind ein wackerer Mann," sagte sie. „Sie haben meinen Vater geliebt — diese Empfehlung genügt mir, und ich habe Vertrauen zu Ihnen! Sie haben mir wieder neue Hoffnung gegeben."

Mit unbeschreiblicher Begeisterung ergriff der Greis die kleinen, weichen Hände des jungen Mädchens und preßte sie inbrünstig an sein Herz.

Jetzt schien auch ihr Kummer gänzlich verschwunden zu sein: sie lächelte wieder — und ihm hatte sie dies zu verdanken, er hatte ihr diesen Trost gebracht.

Allmählich erinnerte er sich, daß er im Begriffe stehe, sich zu verrathen: er ließ also die Hand fahren, welche Klara ihm gereicht hatte, und mtfernte sich rasch, ohne ein Wort hinzuzusetzen.

Er glaubte fast zu ersticken.

„Adieu!" murmelte er noch eben. „Hoffen Sie, hoffen Sie!" Damit verschwand er.

Verwundert blickte Klara ihm nach.

„Merkwürdig, merkwürdig," murmelte sie vor sich hin. „Welch' seltsamer Mann! Aber ich werde es erfahren, wer er ist!"

Dann versank sie abermals in ein tiefes Sinnen.

Welch' einen eigenthümlichen Eindruck hatte die Stimme dieses Unbekannten auf sie ausgeübt, und welch' eine Erregung hatten seine Worte bei ihr bewirkt!

Sie konnte Alles dies nicht begreifen, nur das eine