JV 41.
Donnerstag, den 20. Februar 1890.
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
Vierteljährlicher Abonnementspr'eis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.
Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
iähler des l
ahlkreises
Fulda- Gersfeld -Schlüchtern! 7M«
Donnerstag den 20. d. Mts. finden die Neuwahlen für den Deutschen Reichstag statt. Sie haben diesmal eine um so größere Wichtigkeit, als sie nicht wie bisher auf die Dauer von drei Jahren, sondern auf volle fünf Jahre erfolgen. Während dieser langen Zeit werden die wichtigsten Gesetzesvorlagen'zur Verhandlung kommen, selbst die Wahrung oder Verkümmerung des seitherigen freien allgemeinen Wahlrechtes wird, wenn nicht Alles trügt, in die Hände der Reichstagsabgeordneten gelegt sein. Wenn daher je, so ist es jetzt geboten, Männer in den Reichstag zu entsenden, welche nicht weniger für die Freiheit und die Rechte des Volkes als für eine gedeihliche Entwickelung des Staats- und Gesellschaftslebens, sowie vornehmlich für die Unabhängigkeit der Kirche einzustehen, den Muth und die Kraft haben. Und als solche Männer — wir sagen es mit Stolz — haben sich bewährt
die Männer des Centrums.
Seitdem das neue deutsche Reich steht, haben sie hochgehalten und unbefleckt bewahrt die Fahne, die den Wahlspruch trägt:
Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Sie haben dafür gekämpft mit einer Treue, einem Opfermuth > einer Standhaftigkeit, die ihnen die Bewunderung der ganzen Welt einbringt, und mit einem Erfolge, der soeben einen Triumph feiert, wie er noch keiner anderen Partei beschieden war. Denn die beiden jüngst von Seiner Majestät veröffentlichten Erlasse betreffend die Hebung des Arbeiterstandes enthalten die feierliche Anerkennung und Bestätigung des Programms, das die Centrumspartei zu Gunsten der arbeitenden Klassen sich gestellt und, unbeirrt durch die Ablehnung des Bundesrathes, von Session zu Session in bestimmten Forderungen vorgelegt hat!
Der Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüchtern hat die Ehre, von Anbeginn durch einen Mann des Centrums im Deutschen Reichstag vertreten gewesen zu sein, er hat zugleich den Ruhm, alle Versuche der Gegner zur Eroberung dieses Wahlkreises siegreich zurückgeschlagen zu haben.
Centrumswähler! jetzt gilt es, diesen Ruhm zu wahren und zu mehren: Ihr thut es, wenn Ihr morgen, Donnerstag den 20. Februar, Alle Mann für Mann zur Wahlurne tretet und auf unseren seitherigen Reichstagsboten, Herrn
1K* Grafen Clemens Droste Mstheririg fu Schloß Darfeld "MW»
Eure Wahlstimmen vereinigt.
Dieser Euer seitheriger Vertreter hat das Vertrauen, welches Ihr auf ihn gesetzt habet, durch seine rege Betheiligung an ben Arbeiten des Reichstags und durch seine stets im Sinne seiner Wähler gegebenen Abstimmungen vollkommen gerechtfertigt. Er ist nach all den Opfern, die er den Interessen des Wahlkreises schon gebracht hat, auf's Neue bereit, eine Wiederwahl anzunehmen.
Die Wahl dieses Mannes wird sein ein Protest gegen alle Vergewaltigung der Kirche, ein Akt zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes, eine Kundgebung, daß auch wir ein energisches Vorgehen zur Besserung der Lage der Arbeiter wünschen und verlangen.
Fulda im Februar 1890.
Richard Atzert, Sattler; F. E Berta, Fabrikant; Dr. Karl Braun, Domkapitular; g; Deibel, Redakteur; Christoph Endres, Kürschner; Erb, Domkapitular; F. Fleischmann, Schlossermeister; Heinrich Halbleib, Bäckermeister; L. M. Halbleib; Hofmann, Amtsgerichtsrath; Joseph Hohmann, Fabrikant; Heinr. Jestädt, Bäckermeister; Peter Johannis, Kaufmann; Robert Kircher, Kaufmann; Dr. Komp, Domkapitular; Theodor Kübel, Fabrikant; Karl Kräh, Kaufmann; F. H. Kramer, Rentner; A. Laberenz, Buchbindermeister ; Wilh. Mehler, Fabrikant; Walther Plappert, Fabrikant; Dr. Raabe, prakt. .Arzt; I. Rang, Rechtsanwalt; Karl Reinhard, Kaufmann; D. Reutz, Häfnermeister; Rhiel, Stadtpfarrer; A. Schick, Professor;
' Peter «immer, Hofbäcker; Schmitt, Dompfarrer; M. Schmitt, Rentner; R. Schmitt, Fabrikant; Rik. Weber, Fabrikant, in Fulda.
Graf Frohberg - Montjoie in Gersfeld. Breitung, Pfarrer in Hilders. Füller, Pfarrer in Eichenzell. Peter Flach; Justus Stoll, Landwirth in Romsthal. Grebe, Dechant zu Johannesberg. 'Hohmann, Dechant in Batten. Medler, Gutsbesitzer in Rodges. Reinhardt, Bürgermeister in Mittelrode. Schaub, Bürgermeister in Hauswurz. Schneider, Pfarrer in Haimbach. Weißmüller, Gastwirth in Großenlüder. Ad. Wolf, Landwirth in Salmünster. Weber, Pfarrer in Marbgch. Seb. Huhn, Pfarrer; Franz Hnhn, Gemeinderath; Aug. Bräscher, Gemeinderath in Ulmbach. Münch, Bürgermeister in Kerbersdorf. Flach, Gutsbesitzer in Ahl. Hergenröder, Kirchenvorstand; Heinr. Dill, Landwirth in Marborn. Helfrich, Pfarrer; Max Hartmann;
I. Rüdling; Ferd. Scherf; Joseph Wehner in Poppenhausen. Werner, Pfarrer; Corsin Füller in Weyhers. Ney, Pfarrer in Dipperz. Gies, Pfarrer in Dietershausen. Paul Göb, Pfarrer in Lütter; Kourad Höhl; Joseph Baumgarten, Oekonom in Lütter. Franz Kasp. Baier in Ried. Reinhardt, Bürgermeister in Dörmbach. Kramm, Pfarrer; Wend. Jäckel, Bauer in Uttrichshausen. Heinr. Raab, Gastwirth in Zillbach. Dam. Gerst, Müller und Gutsbesitzer in Büchenberg. C. Pfeffermann, Vorsteher; Leo Müller; Julius Paul, Leinenwaarenfabrikant in Ebersberg. Eighorn, Pfarrer; Klemens Frohnapfel, Fabrikant in Schmalnau. Dam. Greif, Ziegelfabrikant in Welkers. Ad. Anth, Bürgermeister in Döllbach.
Joh. Jofeph Mohr, Bürgermeister; Friedrich Helfrich, Wirth in Rothemann. Waldner, Pfarrer in Hattenhof. Krapf, Pfarrer in Kleinsassen.
Daniels Geheimnis.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(34. Fortsetzung.)
17.
Das geheimnißvolle Verschwinden Georges de Fres- nieres — es war etwa ein Monat seit jener Zeit verflossen — hatte natürlich bei Gericht und dann weiter in ganz Paris ungeheueres Auffehen erregt, denn der junge Anwalt erfreute sich eines großen Kreises von Bekannten. Die Presse variierte dieses Ereigniß in den verschiedensten Tonarten und begleitete es mit allen möglichen Randglossen.
Anfangs hatte man von einem Verbrechen gemunkelt, dessen Einzelheiten einzelne findige Journale schon gleich zu erzählen wußten. Dann hatte auf die Andeutung eines großen Morgenblattes hin die Ange- legenheit eine andere Wendung genommen: Blut war, so erzählte man jetzt, nicht vergossen worden. Georges de Fresnieres war nicht todt. Er hatte sich, verführt von ben schönen Augen einer Klientin auf unb bavon gem^t wohin, bas wußte man freilich nicht. Dann sprach man von ber Rache eines Ebelmannes, besten Gattin er entführt habe, von einem vermauerten Ka-
binet und ähnlichem. Alle diese Einzelheiten hatten die Journale auf unbekanntem Wege, durch anonyme Zuschriften erfahren.
Begreiflicherweise hatten all' diese Erzählungen im Hotel de Serves eine gewaltige Erregung hervorgerufen.
Charles hatte zwar seiner Schwester die Zeitungen nach Möglichkeit zu entziehen gewußt, aber es hatte es natürlich nicht hindern können, daß sie sehr beunruhigt darüber war, daß Georges sich nicht mehr blicken ließ. Sie zweifelte zwar nicht an seiner Liebe, aber sie konnte sich der Befürchtung nicht erwehren, daß ihm ein Unglück zugestoßen sein möchte. Charles sprach kaum von ihm, und wenn sie ihn fragte, so gab er ausweichende Antworten, wodurch ihre Besorgniß nur noch mehr vergrößert wurde.
Infolge all' dieser Ereignisse war der Greis, welchen man verwundet im Hotel gefunden hatte, ebenso sehr etwas in Vergessenheit gerathen, als sein Abenteuer, sogar bei Klara selbst. Nachdem er etwa acht Tage lang zwischen Leben und Tod geschwebt hatte, hatte die Genesung langsam begonnen und seine Wunden begannen zu vernarben. In den ersten Tagen war Klara kaum von seinem Krankenlager gekommen, seitdem indeß die Besorgniß um Georges sie mehr in
Anspruch genommen hatte, sah sie ihn seltener, und schloß sich meist in ihr Zimmer ein, wo sie ihren Thränen freien Lauf ließ.
Der Polizeikommissar hatte die Untersuchung rasch zu Ende geführt und der Verdacht, welcher anfangs gegen ihn aufgetaucht war, war gänzlich geschwunden.
Einer der Vagabunden war einige Tage nach dem Einbruchsversuch verhaftet worden und hatte Alles bekannt. Er hatte sich bitterlich über die Unvorsichtigkeit des Kupferfarbigen beklagt, sowie über die thörichte Idee, welche er ersonnen hatte, den Greis mit in den Garten zu schleppen, der dann durch sein Rufen schließlich Alles vereitelt hatte. Außerdem hatte der Beamte Charles mitgetheilt, daß die bei dem Verwundeten gefundenen Papiere in Ordnung gewesen seien und daß der Unglückliche ihm durchaus den Eindruck eines ordentlichen Menschen gemacht habe. Er hatte seinem Vaterlande treu gedient und war mit der Militär- Medaille ausgezeichnet worden.
Nach seiner Angabe war es ein ehemaliger Zuave, Namens Jacques Bernard.
Diese Mittheilung war Charles sehr auffällig gewesen, denn er erinnerte sich, daß er einen früheren Soldaten dieses Namens gekannt hatte, der in Mexiko