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17. Jahrgang

Mittwoch, den 19. Februar 1890.

J\g 40.

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

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Fuldaer Zeitung

— .. ...______________mm Oe.fSA - Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

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Mph,

durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade

Dischof von Fulda,

Doktor der Theologie,

Sr. Päpstlichen Heiligkeit Hausprälat entbietet der hochwürdigcn Geistlichkeit und allen Gläubigen des Bisthums Gruß und Segen im Herrn!

(Schluß.)

Die ersten Spuren desselben finden wir in Italien, in Mai­land, wo im Jahre 1534 das sog. vierzigstündige Gebet seinen Anfang nahm. Vierzig Stunden lang verehrte man das Aller­heiligste zum Andenken an die vierzig Stunden, während deren der Heiland im Grabe ruhte, wie auch zum Gedächtnisfe seines vierzigtägigen Fastens. Wie in Mailand der große Erzbischof dieser Stadt und Diözese, der hl. Karl Borromäus, von 1560 bis 1584 die alsbald sehr volksthümlich gewordene Andacht kräfttg begünstigte, so that dies in Rom besonders der mächtig anregende hl. Philippus Neri. Er veranlaßte zunächst die im Jahr 1548 von ihm gestiftete Bruderschaft von der allerheiligsten Dreifalttgkeit, am ersten Sonntag eines jeden Monats und in der Charwoche vor ausgesetztem hochwürdigsten Gute das vierzig­stündige Gebet zu halten. Nachdem so schon Manches zur Weckung und Förderung genannter Andacht geschehen war, ord­nete Papst Clemens VIII. am 25. Dezember 1592 mit Rücksicht auf die schweren Bedrängnisse der Kirche seitens der Jrrlehrer und gegen das christliche Europa anstürmenden Türken für im­merwährende Zeiten in den Kirchen der Stadt Rom das vierzig- stündige Gebet mit der nähern Bestimmung an „daß im Laufe des ganzen Jahres bei Tag und bei Nacht ohne Aufhören der Weihrauch des Gebetes vor dem Angesichte des Herrn empor- steigen solle."

Bon Rom als dem Mittelpunkte der Kirche verbreitete sich die neue Uebung der Andacht rasch in Europa und fand na­mentlich auch in Deutschland begeisterte Aufnahme. In großen Diözesen, in welchen es soviele Kirchen und Kapellen mit dem Allerheiligsten, als Tage im Jahre gab, war es leicht, in der Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten eine Kirche der andern Tag um Tag in steter Reihe folgen zu lassen und so im eigentlichen Sinne das sog. ewige oder große Gebet einzu­führen, welches eben von der ununterbrochenen, Tag um Tag, und Jahr um Jahr, fortgesetzten Andacht seinen Namen hat. In kleineren Diözesen übernahm eine Pfarrei oder sonstige kirchliche Gemeinschaft zur Ermöglichung des ewigen Gebetes mehrere Anbetungstage. Mit großer Liebe und Treue hing das katholische Volk, insbesondere das glaubensinnige katho­lische Volk unseres deutschen Vaterlandes an dieser Gebetsweise, die sich vielfach trotz aller Stürme des letzten Jahrhunderts durch die unglücklichen Zeiten oberflächlichster Lauheit und fälschlich so ge­nannter Aufklärung bis in unsere Tage erhalten hat — Und mit wahrem Hochgefühl spreche ich es nun vor Euch, geliebte Diözesanen, aus, wie ich von meinem glaubenseifrigen und echt kirchlich gesinnten Clerus, meinen treuen Mitarbeitern an Euerm Seelenheile, vernommen habe, daß der Geist des Glaubens, welcher ohne das heiligste Sakrament nicht bestehen und rege jein kann, bei den Nachkommen derer, die einst zu den Fürstbisthümern Fulda und Würzburg und dem altehrwürdigen Erzstifte von Mainz gehört, in neuer Kraft erstarkt ist und daß Ihr, geliebte Diözesanen, sehnlichst wünscht, jene echtkatholische Gebetsweise, soweit sie abhanden gekommen war, Wiedererstehen zu sehen. Ein Priesterherz vorab muß gewiß das hochwürdigste Gut mit solcher Liebe umfangen, daß es sich fern von demselben nicht glücklich fühlen kann.

Damel's Geheimniß.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(33. Fortsetzung.)

Er eilte an,s Fenster.

Durch die Eisenstangen hindurch gewahrte er die Sonnenstrahlen, welche allmählich das Gewölbe durch­brochen hatten und sich jetzt über das saftige grüne Laub der Bäume goldig ergossen. Fröhlich durch­schnitten die gefiederten Sänger die Lüfte — er be­neidete sie, denn sie besaßen wenigstens ihre Freiheit.

Alsdann kehrte er zur Thüre zurück und versuchte, sie zu öffnen.

Vergeblich — sie war von außen fest verschlossen Er kehrte in das Kabinet zurück und sank auf einen Stuhl.

Wie lange sollte er hier gefangen bleiben?

Seine Unruhe steigerte sich zur tödtlichen Angst.

Eine Stunde verrann, dann zwei.

Niemand wurde sichtbar, um ihn etwa zu besteien. Das ganze Gebäude lag in unheimlicher Ruhe da und alles schien wie ausgestorben zu sein.

Er erinnerte sich jetzt, daß er am Morgen, als er Ronstau's ansichtig geworden war, sich einer bösen Vorahnung nicht hatte erwehren können . , . Dieser MaunWchien für ihn zumjBerderben zu fein. Freilich,

So komme ich denn frohbewegten Herzens Euern Wünschen, die ganz die meinigen sind, entgegen. Ich führe hiermit in allen Theilen meiner geliebten Diöcese die von den Altvordern ererbte Gebetsweise zu Ehren des allerheiligsten Sacrarnents wieder ein, die ich als Kind und Jüngling geliebt und geübt wie als Priester fast 40 Jahre lang geleitet habe. Wie wird mein Herz sich freuen und wie will ich meinen Heiland dankbar preisen, wenn aller Orten in der weit ausgedehnten Diöcese, wo immer das Allerheiligste in einem Tabernakel ruht, demselben auch die große, allgemeine Huldigung anbetender Verehrung, tief empfundenen Dankes, gemeinsamer Bitte und Fürbitte für Lebende und Abgestorbene, sühnender Genugthuung und Abbitte dargebracht wird. Weich' ein herzerhebendes Echo wird von Ort zu Ort ertönen, wenn am Vorabende des ewigen Gebetes und in stiller Morgenftühe von Stunde zu Stunde das mächttg er­greifende Concert der Glocken erschallt und so Gebet und Lied und Opfer die Aufforderung zum Lobe des Allerheiligsten aus dem herrlichen Hymnus: „Lauda Syon“ zu wiederholen scheinen; „Preis' nach Kräften Seine Würde, da kein Lobspruch, keine Zierde, Seinen Werth erreichen kann." Ja, preiset, feiert nach Kräften, mit allem Eifer und aller Opferfreudigkeit das höchste Gut, schmückt für den Tag des „ewigen Gebetes" Euere Herzen nach frommer Väter Sitte durch würdige Beichte und liebe- glühende Kommunion, tragt auch zum Schmucke der Kirche und des Hochaltars, soviel in Euren Kräften steht, bei, fei es durch Spendung von Kerzen und Blumen oder Blattpflanzen, fei es durch Euere persönliche Thätigkeit. Folget der von Eueren hochwürdigen Herrn Seelsorgern in meinem Namen festgesetzten Ordnung des Besuchs der einzelnen Betstunden! — O wie er­finderisch ist doch die Siebe treuer Katholiken zum allerheil. Sacramente! Gern denke ich noch heute daran, rote am Tage des ewigen Gebetes in meiner Heimaths-Diöcese die Eingangs- thüren mancher Kirchen reich umkränzt, die Bänke für die Bor­beter mit kostbaren Teppichen belegt sind, die Altäre im reichsten Lichterschmucke prangen und wie in diesen prächtig becorirten Kirchen die Betstunden nach Nachbarschaften, Vereinen, Ständen und Geschlechtern in strenger -Ordnung wechseln, wie jeder Ein­zelne sich Mühe gibt, zur Würde des Ganzen beizutragen, wie die Beichtstühle, in welchen auswärtige Priester Platz genommen haben, umlagert sind und Hunderte von hl. Kommunionen ausgetheilt werden.

Ich weiß es, geliebte Diücesanen! Der Glaube macht opferwillig. Ihr seid von Glaube und Liebe zu dem göttlichen Sacramente beseelt, welches mit Recht das Heiligste, das Aller- heiligste genannt wird. O möget Ihr den Gnadenthron desselben allezeit, besonders aber an dem für jede Pfarrei und Kirche be­stimmten Anbetungstage mit jener Liebe und Büßfertigkeit um­geben, wie es das verehrungswürdigste Geheimniß verlangt. Wie könnt Ihr zumal in der hl. Fastenzeit, insbesondere an den Fastnachtstagen, an welchen sich die Ausgelassenheit so breit macht, ein freies Biertelstündchen besser verwenden, als wenn Ihr in frommer Sammlung vor dem hochwürdigsten Gute die Anliegen Eueres Herzens ausschüttet? Ja, glücklich die Priester und Gläubigen, die Ihre Herzen täglich in kurzen Anmuthungen zum allerheil. Sacramente, dem Brunnenquell jeglichen Trostes und aller sittlichen Kraft, erheben, die aufrichtig mit dem könig­lichen Sänger, aber mit innerlich süßerem Tröste, wie er, von sich versichern dürfen: „Meine Seeje schmachtet nach Deinen Woh­nungen."

So übergebe ich denn zuerst Euch, hochwürdige Mitbrüder, und im Vereine mit Euch den mit kirchlichem Dienste beauftrag­ten Lehrern meines Bisthums die Ausführung meines Herzens- wunfches, daß das allerheiligste Sakrament auch äußerlich immer mehr möge verehrt, daß feine Feste fromm und feierlich mögen begangen, besonders treu und eifrig aber künftighin der Tag des ewigen Gebetes möge gehalten werden. Gewiß werden Alle, welchen Gottes Barmherzigkeit das Lehr- oder Priesteramt ver­

so war er sich denn wieder vor, hätte er nicht so ohne weiteres eine Frau besuchen sollen, die er nicht kannte und bereit Auftreten ihm von vornherein so sonderbar erschienen war. Aber die Aussicht auf ein glänzendes Honorar, mehr noch, seinen Namen bekannt zu machen und einen Aufsehen erregenden Prozeß zu vertreten — alles dies war zu verlockend gewesen, als daß er noch Bedenken hätte trogen können!

Jndeß ließ er den Muth nicht ohne Weiteres sinken.

Es war unmöglich, so sagte er sich, daß die Gräfin seiner vergessen habe.

Jedenfalls mußte sie zuerst sorgen, ihren Gatten zu entfernen, dann würde sie jedenfalls, sobald sie frei wäre, erscheinen, um ihn zu befreien. Es wäre dann mit einem einsamen Nachmittag abgethan gewesen. Was ihn einstweilen am meisten quälte, war sehr prosaischer Natur: der Hunger. Er war nüchtern abgereist und es war wohl so um Mittag herum: wenigstens deutete das Knurren seines Magens auf diese Stunde.

In diesem Augenblicke erregte ein Geräusch am Fenster seine Aufmerksamkeit.

Es war als ob irgend ein Gegenstand an der Mauer draußen herabglitte . . .

Rasch eilte er an's Fenster ...

In der That gewählterer, [roieJein'Soib an den

liehen hat, gern dazu beitrugen, daß die Aufforderungen, wie sie der Katechismus als Nutzanwendung des Unterrichts von der wirklichen Gegenwart Christi im hl. Sakramente enthält, That und Wirklichkeit werden. „Freue Dich, so fugt der Katechismus, daß unser Herr und Heiland bis zum Ende der Welt unter den Brods- und Weins gestalten unter uns verbleiben will; danke Ihm für diese große Gnade; liebe Ihn und besuche Ihn oft an­dächtig ; Ihm, dem liebevollen Tröster und Helfer trage zuver­sichtlich die Anliegen deines Herzens vor."

Mögen zu dem Ende Priester und Lehrer wenigstens all­jährlich bei Annäherung des Frohnleichnamsfestes und des Tages der ewigen Anbetung nicht unterlassen, ihren Gläubigen und Schülern in Predigten und katechetischen Unterweisungen den Zweck und die würdige Begehung dieser Feste an's Herz zu legen und in ihrer eigenen Person eine lebendige Predigt der Verehrung und Liebe gegen das allerheiligste Sakrament darzustellen!

Du aber anbetungswürdiger, im hl. Sakramente verborgener Gottmensch, segne aus die Fürbitte unseres heil. Glaubensvaters Bonifatius und feiner großen hl. Söhne Sturmius, Rhabanus und Eigil, wie auf die unserer lieben Diözesan-Heiligen, der hl. Elisabeth, dieses Hirtenwort zum Preise des Geheimnisses, worin Deine Siebe ihren höchsten Triumph gefeiert hat!

So schließe ich mit dem Wunsche, daß gleich einem gewal­tigen Akkord der Anbetung in allen Kirchen und auf den Sippen aller gläubigen Katholiken der Diözese der Ruf des schönen Liedes sich verwirkliche: „Kommt und lobet ohne End' das hochheilige Sakrament!"

Dieser Hirtenbrief soll am Sonntag Quinquagcsima von den Kanzeln aller Pfarr- und sonstigen mit eigenem Sonntags- Gottesdienste ausgestatteten Kirchen und Kapellen verlesen werden.

So gegeben zu Fulda am Feste Mariä Lichtmeß 1890.

Der Bischof von Fulda:

t Joseph.

Mit gegenwärtigem Hirtenbriefe verkünde ich für meine Diö­zese folgende Verordnungen:

1) An allen Tagen der hl. Fastenzeit, mit Ausnahme der Sonn­tage, sowie an den Quatember- und Vigilsasttagen, welche vorher von der Kanzeln verkündet werden sollen, ist nur ein­malige Sättigung erlaubt.

2) Es ist gestattet, während der Dauer der heiligen Fastenzeit — am Sonntage ohne Einschränkung, an den Wochentagen aber des Mittags (bezw. Vormittags, wenn ein Mittagsessen nicht stattfinden kann), und des Abends Fleischspeisen zu ge­nießen, nur mit Ausnahme des Aschermittwochs, der Freitage, Quatember-Fasttage und der drei letzten Tage der Charwoche, an welchen Tagen Fleischspeisen zu genießen verboten bleibt.

3) An den Freitagen und Samstagen außer der hl. Fasten­zeit, die Quatembertage (Mittwoch, Freitag und Samstag) ausgenommen, bleibt der Genuß von Fleischpeisen vorerst noch gestattet. (Löblich ist es immerhin, wenn Diejenigen, welche bisher die Abstinenz an Freitagen beobachtet haben, dabei verbleiben.)

4) An Vigil - Fasttagen ist der zweimalige Genuß von Fleisch­speisen, nämlich Mittags und Abends, unter dem Vorbehalte einmaliger Sättigung erlaubt.

5. An den eigentlichen Fasttagen, an welchen nach den obigen Bestimmungen der Genuß von Fleischspeisen gestattet worden ist es verboten, bei einer und derselben Mahlzeit Fleisch­und Fischspeisen zusammen zu genießen, was auch hinsicht­lich der Sonntage in der vierzigtägigen Fastenzeit gilt.

6. Der Genuß geschmolzenen, ausgelaffenen ober geronnenen Fettes und der mit solchen oder mit Speck zubereiteten Speisen, sowie der Fleischbrühe und der sog. Grieben, ist an allen Tagen des Jahres, mit Ausnahme des Charfreitags, gestattet.

Eisenstangen vorbei herunterglitt, als ob er vom Dache aus hinuntergelasfen würde.

Er hielt denfelben Jan, und da er ihn natürlich nicht durch die Eisenstangen zwingen konnte, so nahm er einen Gegenstand nach dem anderen heraus. Das erste, was ihm in die Hände siel, war ein Billet der Gräfin, in welchem sie ihm guten Appetit wünschte und ihm mittheilte, daß er nicht die geringste Besorgniß zu hegen brauche.

Ihr Gatte, so schrieb sie, werde noch am nämlichen Abend abreisen; sein Zorn habe sich besänftigt und er habe nicht mehr von dem Kabinete gesprochen. Zwar würde er sie beide per Wagen abreisen sehen, aber er brauche deßhalb nicht besorgt zu sein. Sie wolle ihn nur bis nach La Före begleiten und werde dann sogleich zurückkehren.

Außer diesem Billet enthielt der Korb alles, was zu einem vollständigen Frühstück gehörte.

Georges machte sich mit begreiflichem Heißhunger über den Inhalt des Korbes her.

Dann begann er, um sich ein wenig die Zeit zu vertteiben, die Papiere durchzulesen, welche er mitge­bracht hatte.

Zugleich rauchte er einige Zigarren, welche er mit­gebracht hatte, obwohl er kein großer Raucher war.

Als der Abend herannahte, setzte er sich an's