Einzelbild herunterladen
 

3

M

Was ist die Sozialdemokratie?

Oft genannt und doch unbekannt, kann man von dem Worte sagen. Viele unserer Wähler sind über die Ziele dieser Partei ganz im Unklaren, und das ist nicht gut. Man muß dem Feinde gerade ins Angesicht schauen können, wenn man ihn bekämpfen will. Wir hatten dieser Tage noch Gelegenheit zu hören: Ihr warnet uns vor diesen Leuten, und wir wissen nicht einmal, was denn eigentlich ein Sozialdemokrat ist. In der jetzigen Wahlbewegung, und für unsere Gegend, wo ja auch mit dieser Partei zu rechnen, wenn sie auch durchaus nicht zu fürchten ist, ist es darum wichtig, immer wieder auf die Ziele dieses Feindes hinzuweisen.

1) Was die Religion angeht, so ist die Sozial­demokratie die reine Gottlosigkeit, und zwar in des Wortes eigentlicher Bedeutung. Sie leugnet Gott, sie hasset alle göttlichen Einrichtungen in der Welt, besonders mit unauslöschlichem Hasse die Kirche — in Folge dessen auch die christliche Ehe und Familie rc. Sie will sein ohne Gott und seine mahnende Kirche.

2) In staatlicher Hinsicht will sie die Republik, denn da sie von Gott nichts wissen will, so auch nichts von einem König oder Fürsten, der nach Gottes An­ordnung gesetzt ist, dem man um des Gewissens willen Gehorsam schuldet. Sie will darum im letzten Grunde eine gewaltsame Staatsumwälzung, mit ° aller Unge­rechtigkeit und allen Folgen, welche damit nothwendig verbunden sind.

auf der Seite der Einrichtungen, denen der Sozialist den Tod geschworen, und sie erhalten im Katechismus ihre feste und sicherste Stütze. — Weil also Katholi­zismus und Sozialismus sich zu einander verhalten wie Ordnung und Revolution, darum dieser unheim­liche Haß, der in dem Herzen der Sozialisten gegen die katholische Kirche und Diener lodert. Dieser That- sache gegenüber ist die sozialistische Phrase: Religion ist Privatsache, die purste Heuchelei. Wie soll man es denn anders bezeichnen, wenn eine Partei diesen Satz aufstellt, eine Partei, welche jede religiöse und sittliche Schranke thatsächlich leugnet und sich offenbar als Tod­feindin des Christenthums hinstellt, eine Partei, die offen heraus die Ehe abschaffen will und das Prinzip der sogenannten freien Liebe vertritt, die das Dasein Gottes und eines übernatürlichen Jenseits leugnet und Himmel, wie es in einem ihrer Organe hieß, den Engeln und den Spatzen überlassen will! Wenn sie statt: „Religion ist Privatsache des Einzelnen" in ihr Programm geschrieben hätte: „Gottlosigkeit ist Pflicht des Genossen", so wäre das Programm in dieser Be­ziehung genau den thatsächlichen Verhältnissen entspre­chend gefaßt. Das Brandmal!des Antichristenthums ist dem Sozialismus aufgedrückt und es ist absolut unmöglich, daß zu ihm ein Katholik hält, der noch treu zu seinem hl. Glauben und zu den Satzungen der Kirche stehen will. Wo aber das Christenthum mit seinen tröstenden, beseligenden Lehren aus dem Herzen der Menschen geschwunden ist, da gewinnt der Sozialismus festen Fuß; einem solchen Herzen fehlt jeder Zügel, jede Schranke, die den Menschen abhalten könnte, gegen die bestehende Ordnung anzugehen. Der Sozialismus hat den Kampf gegen Freiheit und Eigen- thum, Thron und Altar auf seine Fahne geschrieben; die von Gott geschaffene Ordnung will er vernichten, und von dieser Vernichtung hofft er thörichter Weise paradiesische Zustände für die Arbeiter auf Erden. Wer aber noch christlichen Sinn im Herzen tragen will, wer die Obrigkeit achten will als von Gott ge­setzt, wer Freiheit und Eigenthum schützen will, kann unmöglich ein Sozialdemokrat sein; er muß den So­zialismus als das Verderblichste auf Leben und Tod bekämpfen!

Vermischtes.

* [©in Auskunftsmittel.) Aus der amtlichen Thätig- leit des ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidenten von Madai wird der ,Frankf. Ztg.' von einem ihrer Leser folgender charak­teristische Zug erzählt: Etwa zwei Jahre nach der Einverleibung Frankfurts besuchte ich die Tanzstunden des damals sehr beliebten Tanzmersters Colin, bei dem zu jener Zeit auch zwei Töchter des Polizeipräsidenten von Madai Unterricht nahmen. Während der Lektionen pflegte der Tanzmeister seinen Zöglingen Flaschen­bier zu verkaufen. Der Restaurateur im Erdgeschoß, der zufällig davon Wind bekam und sich in seinem Absatz geschädigt sah, besann sich nicht lange und erstattete gegen Colin die Anzeige wegen unbefugten Ausschanks von Getränken. Man belegte den Tanzmeister mit einer Geldstrafe und untersagte ihm die fernere Verabreichung von Erfrischungen auf das Strengste. Auf irgend eine Weise fand nun Colin Gelegenheit, dem Polizeipräsidenten sein Leid zu klagen. „Da ist nichts zu machen," erwiderte Herr von Madai. „Sie haben sich gegen das Gesetz vergangen. Man verschänkt kein Bier, wenn man keine Konzession dazu hat. Ihre Bestrafung ist eine vollkommen gerechtfertigte!" Als sich der Tanzmeister, der begreiflicher Weise sehr eingeschüchtert war, empfehlen wollte, rief ihm der Polizeipräsident nach: „Wissen Sie, was ich thäte, wenn ich Tanzlehrer wäre? . . . Wie viel nehmen Sie für die Stunde?" — „24 Kreuzer, Herr Präsident!" — „Nun gut, ich würde fortan 36 Kreuzer nehmen und jedem Herrn eine Flasche Bier schenken. Das kann ihnen kein Mensch und kein Gesetz verwehren!" — Es ist überflüssig zu bemerken, daß von diesem Tage ab Herr Colin genau das that, was Herr von Madai gethan Hütte, wenn er statt Polizeipräsident zufällig Tanzlehrer geworden wäre. Jede Tanzstunde kostete fortan 36 Kreuzer. Dafür bekam jeder Zögling eine Flasche Bier gratis - und der neidische Wirth im Erdgeschoß hatte das uneinge­schränkte Recht, vor Zorn zu bersten.

* ©inen interessanten Fund hat in China kürzlich ein Engländer Namens Child gemacht. Er entdeckte auf der Stern- warte zu „Peking ein über 600 Jahre altes astronomisches Fern­rohr. Dasselbe ist im Jahre 1279 unter dem Kaiser Kublai Khan gefertigt worden, ist in Bronze gegossen und trotz seines Alters noch gut erhalten. Es stand zuerst über 400 Jahre unbenutzt auf einer Terrasse des königlichen Palastes, bis es im Jahre 1670 auf Befehl des Kaisers Khang von einem jesuitischen Mis­sionär auf der Sternwarte zu Peking aufgestellt wurde. Eine Photographie des antiken Instrumentes ist dieser Tage in Lon­don eingetroffen.

Arbeitsmittel den bisherigen Inhabern, den Kapitalisten gegen Entschädigung genommen und so die Konkurrenz des Privatkapitals unmöglich gemacht. Schon diese Gründung würde einen Kamps Aller gegen Alle Her­vorrufen, denn Niemand läßt sich widerstandslos sein Eigenthum nehmen. Also, angenommen, dieser Kampf sei überwunden und die Genossenschaften wären flott an der Arbeit. Nun folgt eine Ungereimtheit auf die andere. Die Arbeiter wählen sich selbst ihre Beamten und kontrolliren dieselben auch zu gleicher Zeit. Würde diese gegenseitige Aufsicht nicht zu endlosen Zänkereien und zu der unerträglichsten Angeberei führen? Diese von den Arbeitern selbst gewählten Beamten würden sich wohl hüten, ihres Amtes energisch zu walten; sie wären ja, wenn sie ihr Amt halten wollten, gezwungen, den Arbeitern durch die Finger zu sehen, um nur bei ihnen in Gunst zu bleiben, und der Arbeiter selbst — welche Achtung kann er vor der Aufsicht eines Mannes haben, der nur durch des Arbeiters Wille diese Auf­sicht führt? Und da der vom Arbeiter gewählte Be­amte seines Amtes nicht gewissenhaft walten kann, so kann auch eine gedeihliche Arbeit nicht stattfinden, ein ordentliches Arbeitsprodukt kann nicht hergestellt wer­den, oder die Arbeiter müßten wie die Engel voll­kommen und frei fein von jedem Hange zur Trägheit und zur Genußsucht. Der Arbeiter,^ welcher fleißig arbeitete, wäre der dümmste Mensch von der Welt, denn was kann ihm daran liegen, z ob die Gewerk­genossenschaft, bei der .er arbeitet, etwas mehr oder etwas weniger produzirt? Der Staat Int uff ihm ja doch Di f . .., . I den Unterhalt geben. Beamte und Arbeiter würden

3) Auf sozialem «gesellschaftlichen) Gebiete will sie ruhig auf Staatsunkosten lossündigen. Veruntreuungen den Kommunismus; d. h. sie will, daß alle Betriebe, Bestechungen, Begünstigungen niedrigster Art würden die des Handwerks, Ackerbaues, ganz besonders auch einreißen und Ehrlichkeit, Fleiß, ernstes Vorwärts- die industriellen, tote Fabriken, Bergwerke re. Eigen- streben schwinden.

thum des sozialdemokratischen Staates werden sollen. Aus diesen wenigen Ausführungen ist zu erkennen Jeder soll arbeiten als Beamter des Staates für den daß der Sozialismus auf wirthschaftlichem Gebiete

Staat. Alle Fruchte der Arbeit aller Verdienst fließt praktisch undurchführbar ist. Wohl hat er einzelne

in ine Staatskasse. Diese zahlt dafür Jedem seinen durchaus berechtigte Forderungen, welche von uns mit

Lohn; und zwar bekommt ^eder, da volle Gleichheit aller Energie vertheidigt werden müssen, aber eine ver-

ett f Irschen soll, gleichen Lohn. Gleich nünftige Betrachtung des sozialistischen Systems und tnA-X°r em ?.etl Lohn angeht, der eine vernünftige Betrachtung des Menschen, wie er jetzt

geschickte und ungeschickte, der trage und fleißige, der ist, des Menschen mit seinen Unvollkommenheiten und f e~ unk Arbeiter. Diese Lehre hebt also Fehlern, lassen sofort klar erkennen, daß das sozia-

das Streben des Einzelnen für )eme eigene Familie, listische System praktisch absolut unausführbar ist • es für sein eigenes Fortkommen, für fern ihm gehörendes führt zum wirthschaftlicheuBaukerott und zum Bankerott ^enthum auf und damit hat die ganze Lehre sich jeder persönlichen Freiheit.

Ä denn wo Emer sich nicht mehr aus Vom Standpunkte der Religion. Der Sozialismus

un^ <etnen ei9enen Arm zu erstrebt zur Geltung zu kommen durch allgemeine und gossen braucht, wo er verlangen kann, daß der direkte Wahlen, also aus friedlichem Wege. Auch die

®^.at mag er seine Pflicht thun oder Besitznahme der Arbeitsmittel, also die Umwandlung

b Mehrzahl schließlich der Trägheit des Privatkapitals in Gesellschaftskapital soll in früd- Seher aus den Andern sich fierlassen, licher Weise erfolgen. Aber der Sozialismus schreckt

m°9C ^nugen, um die Thorheit dieser neuen auch vor revolutionärer Gewalt nicht zurück. Max

, M/n. hnwn sich die sozialdemo- spricht es klar und offen aus: „In den meisten Län-

kratischen Führer, diese lh^ Lehre offen dem Volke dern muß die Gewalt der Hebel unserer Revolution s@ie .ntd^; zollen die Gott- sein; an die Gewalt wird man seiner Zeit apelliren losigkett: sondern: Religion ist Privat,ache. Sie sagen müssen, um endlich die Herrschaft der Arbeiter zu eta- tor in Revolution Mit Gewalt und Blut, bliren." Ein Katholik also, dem es ernst ist mit den sondern ,ie sprechen von der Absicht einer friedlichen Geboten der Religion, wird nie und nimmer auf Seiten Zögert em anziehendes Aushänge- der Revolutionäre fein. Revolution gegen die gesetz- ? aus, sie schmeicheln dem Vertrauensseligen mit müßige Obrigkeit, mag letztere auch vielleicht Fehler die bte Ke nicht halten können und wollen; über Fehler in der Behandlung ihrer Unterthanen be-

b. ^uhrer suchen ganz besonders ihren eigenen Vor- gehen, ist unter allen Umständen Sünde. Also schon

•r Sie wissen ihre eigentlichen Ziele, die oben die Thatsache, daß die Sozialisten Freunde und Be- itnh o«-n <..bte tn ben Schriften ihrer Stifter förderer revolutionärer Bewegungen sind hält den

Äickt uÄr" n ” haT N .v ^gesprochen sind, ge- gläubigen Katholik zurück, sich chnm anzuschließen, noch Sie sind bnrirm^ b Versprechungen zu verbergen, mehr aber der Umstand, daß kaum eine Gesellschaft Und darum aber desto gefährlicher, und es ist von besteht, die sich in so entschiedenen Geaeniatz tum zu En ®Xd)tXM l^en bie M°ske vom Gesichte Christenthum ssellt, als die^Loziattsten^T ihren

Taß ein christlicher Wähler einer solchen Partei christliche" Weltanschauung"berbefDäia£iftifÄe1rt weichen w"r "wft^der^P^ben darf ist selbstverständlich und soll. Mit verletzendem Spott werden Bourgeois nnd 2^' »re der ,RH. Mercur' schreibt, von einem Fürsten begeifert in ihren Reden und Scbriften- aber d e^ Ve"r tut nf^"ätt nu:anbPun 11 e all' ihre Muth erreicht den Gipfel, wenn As gegen die direkte acheime katholische Kirche und ihre Priester losgeht. Vergleiche

Mackt' in fiänhpn Wahlrecht hatten die Arbeiter die bte Freidenkerversammluugen. Der Katholizismus ist fÄX«Äm51“nb k" ber Stofeinb d-s S°ji°,ismus und -m- Bmmigmg

an die SrünEb'VÄ nun »-unter Wi chen ihnen ist nicht möglich. Der Katholizismus schäften Ar dft?imelne?^beitsgenossen- | steht auf der Seite der Freiheit und des Eigentums j k ’ UMnen Gewerke. Dafür wurden die auf der Seite der Ordnung und des Thrones, also

Sonntag, den 16. Februar 1890.

17. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

lUdaer Zeitunq

Für die Redaction verantwortlich-.Ludwig Deibel in Fulda. - aff!*». Druck u. Berlaa der Fuldaer Actiendruckerei (m

Vierteljährlicher Abonnxmentspr'eis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.