das Familienleben in sittlicher und wirlhschaftlicher Hinsicht wichtigen Stellung der Frauen im Haushalte der Arbeiter und andere damit zusammenhängende Verhältnisse des Arbeiterstandes sind einer verbesserten Regelung fähig. Dabei wird mit sachkundiger Besonnenheit erwogen werden müssen, bis zu welcher Grenze unsere Industrie eine durch strengere Vorschriften zu Gunsten der Arbeiter erhöhte Belastung der Produktions-Kosten ertragen kann, ohne durch den Wettbewerb auf dem Weltmärkte die lohnende Beschäftigung der Arbeiter beeinträchtigt zu sehen. Dadurch würde statt der von Mir erstrebten Förderung eine Schädigung der wirthschaftlichen Lage der Arbeiter herbeigeführt werden. Um diese Gefahr zu vermeiden, bedarf es eines hohen Maßes weiser Besonnenheit. Denn die glückliche Lösung dieser unsere Zeit beherrschenden Fragen ist um so wichtiger, als dieselbe mit der von Mir angeregten internationalen Verständigung über dieselben in ersichtlicher Wechselwirkung steht.
Nicht minder wichtig für die Sicherung eines friedlichen Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind die Formen, in welchen den Arbeitern die Gewähr dafür zu bieten ist, daß sie durch Vertreter, die ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung ihrer gemeinsamen Thätigkeit betheiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen in Verhandlung mit den Arbeitgebern befähigt werden. Es wird zu erstreben sein, die Vertretungen der Arbeiter mit den staatlichen Berg- und Aufsichtsbeamten in Verbindung zu setzen und auf diese Weise Formen und Ordnungen zu schaffen, durch welche den Arbeitern der freie und friedliche Ausdruck ihrer Wünsche und Jntereffen ermöglicht und den staatlichen Behörden Gelegenheit geboten wird, durch Anhörung der unmittelbar Betheiligten fortlaufend über die Verhältnisse der Arbeiter zuverläffig unterrichtet zu werden und mit
Eure Wahlstimmen vereinigt.
den Letzteren die wünschenswerthe Fühlung zu behalten. Auch die weitere Entwickelung der staatlichen Betriebe zu mustergil- tigen Vorbildern einer wirksamen Arbeiterfürsorge bedarf der eingehendsten sachkundigen Erwägung.
Ich vertraue auf die bewährte, treue Hingebung des Staatsraths bei den Arbeiten, die ihm jetzt bevorstehen. Ich verkenne nicht, daß gerade auf diesem Gebiete nicht alle wünschenswerthen Verbesserungen allein durch staatliche Maßnahmen zu erreichen sind. Der freien Liebesthätigkeit, der Kirche und Schule verbleibt daneben ein weites Feld segensreicher Entfaltung, durch welche die gesetzlichen Anordnungen unterstützt und befruchtet werden müssen, um zu voller Wirksamkeit zu gelangen. Aber wenn es mit Gottes Hülfe gelingt, die berechtigten Jntereffen des arbeitenden Volks auf Grund der von ihnen zu machenden Vorschläge zu befriedigen, so wird ihre Arbeit Meines Königlichen Dankes und der Nation gewiß sein dürfen.
Die Ihrer Berathung zu unterstellenden Vorlagen werden Ihnen unverweilt zugehen. Ich bestimme zur Theilnahme an der Berathung die beiden Abtheilungen für Handel, Gewerbe, öffentliche Bauten, Eisenbahnen und Bergbau und für Angelegenheiten der inneren Verwaltung, denen Ich eine Anzahl sachkundiger Personen zuweisen werde. Die Mitglieder dieser Abtheilung ersuche Ich, sich am 26. d. M., 11 Uhr, in den Ihnen zu bezeichnenden Räumlichkeiten zu versammeln. Zum Referenten bestimme Ich den Oberbürgermeister Miquel und zum Korreferenten den Geheimen Finanz-Rath Jencke. Ich behalte Mir vor, nach Abschluß der Abtheilungsberathungen den Wiederzusammentritt des Staatsraths zu bestimmen, und wünsche Ihnen zu Ihrer Arbeit den Segen von oben, ohne welchen menschliches Thun niemals gedeihen kann."
Berlin, 14. Februar.
* Der Staatsrath ist von Se. Maj. dem Kaiser heute mit nachstehender Ansprache eröffnet worden:
„Meine Herren Mitglieder des Staatsraths!
Durch Meinen Erlaß vom 4. d. M. sind Sie davon unterrichtet worden, daß es Mein Wille ist, das Gutachten des Staatsraths über diejenigen Maßnahmen zu hören, welche zur besseren Regelung der Verhältnisse des Arbeiterstandes erforderlich sind. Es entspricht der Bedeutung, welche der Staatsrath in der Monarchie einnimmt, daß die wichtigen, auf diesem Gebiete einer gedeihlichen Lösung harrenden Fragen von Ihnen einer gründlichen Erwägung unterzogen werden, bevor die aufzustellenden Gesetzentwürfe an die parlamentarischen Körperschaften gelangen, denen die endgiltige Beschlußfassung darüber verfassungsmäßig zusteht. Ich lege Werth darauf, daß der aus den verschiedensten Berufskreisen zusammengesetzte Staatsrath auf Grund der in ihm vertretenen praktischen Erfahrungen die von Mir in Aussicht genommenen Vorschläge auf ihre Zweckmäßigkeit, Ausführbarkeit und Tragweite einer gewissenhaften und vorurtheilsfreien Prüfung unterzieht.
Ernst und verantwortungsvoll ist die Aufgabe, zu deren Lösung Ich Sie hierher entboten habe. Der den Arbeitern zu gewährende Schutz gegen eine willkürliche und schrankenlose Ausbeutung der. Arbeitskraft, der Umfang der mit Rücksicht auf die Gebote der Menschlichkeit und der natürlichen Entwickelungs-Gesetze einzuschränkenden Kinderarbeit, die Berücksichtigung der für
Donnerstag den 20. d. Mts. finden die Neuwahlen für den Deutschen Reichstag statt. Sie haben diesmal eine um so größere Wichtigkeit, als sie nicht wie seither auf die Dauer von drei Jahren, sondern auf volle fünf Jahre erfolgen. Während dieser langen Zeit werden die wichtigsten Gesetzesvorlagen zur Verhandlung kommen, selbst die Wahrung oder Verkümmerung des seitherigen freien allgemeinen Wahlrechtes wird, wenn nicht Alles trügt, in die Hände der Reichstagsabgeordneten gelegt sein. Wenn daher je, so ist es jetzt geboten, Männer in den Reichstag zu entsenden, welche nicht weniger für die Freiheit und die Rechte des Volkes als für eine gedeihliche Entwickelung des Staats- und Gesellschaftslebens, fowie vornehmlich für die Unabhängigkeit der Kirche einzustehen, den Muth und die Kraft haben. Und als solche Männer — wir sagen es mit Stolz — haben sich bewährt
die Männer des Centrums.
Wähler des Wahlkreises Fulda -Gersfeld -Schlüchtern!
Dieser Euer seitheriger Vertreter hat das Vertrauen, welches Ihr auf ihn gesetzt habet, durch seine rege Betheiligung an den Arbeiten des Reichstags und durch seine stets im Sinne seiner Wähler gegebenen Abstimmungen vollkommen gerechtfertigt. Er ist nach all den Opfern, die er den Interessen des Wahlkreises schon gebracht hat, auf's Neue bereit, eine Wiederwahl anzunehmen.
Die Wahl dieses Mannes wird sein ein Protest gegen alle Vergewaltigung der Kirche, ein Akt zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes, eine Kundgebung,, daß auch wir ein energisches Vorgehen zur Besserung der Lage der Arbeiter wünschen und verlangen.
Fulda im Februar 1890.
Richard Atzert, Sattler; F. E Berta, Fabrikant; Dr. Karl Braun, Domkapitular; ß; Deibel, Redakteur; Christoph Endres, Kürschner; Erb, Domkapitular; F. Fleischmann, Schlossermeister; Heinrich Halbleib, Bäckermeister; ß. M. Halbleib; Hofmann, Amtsgerichtsrath; Joseph Hohmann, Fabrikant; Heinr. Jestädt, Bäckermeister; Peter Johannis, Kaufmann; Robert Kircher, Kaufmann; Dr. Komp, Domkapitular; Theodor Kübel, Fabrikant; Karl Kräh, Kaufmann; F. H. Kramer, Rentner; A. ßaberenz, Buchbindermeister; Wilh. Mehler, Fabrikant; Walther Plappert, Fabrikant; Dr. Raabe, prakt. .Arzt; I. Rang, Rechtsanwalt; Karl Reinhard, Kaufmann; D. Reutz, Häfnermeister; Rhiel, Stadtpfarrer; A. Schick, Professor;
Peter Simmer, Hofbäcker; Schmitt, Dompfarrer; M. Schmitt, Rentner; R. Schmitt, Fabrikant; Rik. Weber, Fabrikant, in Fulda.
Graf Frohberg - Mentjoie in Gersfeld. Breitnng, Pfarrer in Hilders. Füller, Pfarrer in Eichenzell. Peter Flach; Justus Stoll, Landwirth in Romsthal. Grebe, Dechant zu Johannesberg. Hohmann, Dechant in Batten. Medler, Gutsbesitzer in Rodges. Reinhardt, Bürgermeister in Mittelrode. Schänd, Bürgermeister in Hauswurz. Schneider, Pfarrer in Haimbach. Weißmüller, Gastwirth in Großenlüder. Ad. Wolf, Landwirth in Salmünster. Weber, Pfarrer in Marbach. Seb. Hnhn, Pfarrer; Franz Huhn, Gemeinderath; Ang. Bräscher, Gemeinderath in Ulmbach. Münch, Bürgermeister in Kerbersdorf. Flach, Gutsbesitzer in Ahl. Hergenröder, Kirchenvorstand; Heinr. Dill, Landwirth in Marborn. Helfrich, Pfarrer; Max Hartmann;
I Rüdling; Ferd. Scherf; Joseph Wehner in Poppenhausen. Werner, Pfarrer; Corsin Füller in Weyhers. Reh, Pfarrer in Dipperz. Gies, Pfarrer in Dietershausen. Paul Göb, Pfarrer; Konrad Höhl; Joseph Baumgarten, Oekonom in Lütter. Gies, Vorsteher; Franz Kasp. Baier in Ried. Reinhardt, Bürgermeister in Dörmbach. Kramm, Pfarrer; Wend. Jäckel, Bauer in Uttrichshausen. Heinr. Raab, Gastwirth in Zillbach. Dam. Gerst, Müller und Gutsbesitzer in Büchenberg. C. Pfeffermann, Vorsteher; ßeo Müller; Julius Paul, Leinenwaarenfabrikant in Ebersberg. Eighorn, Pfarrer; Klemens Frohnapfel, Fabrikant in Schmalnau. Dam. Greif, Ziegelfabrikant in Welkers. Ad. Auth, Bürgermeister in Döllbach.
Joh. Joseph Mohr, Bürgermeister; Friedrich Helfrich, Wirth in Rothemann. Waldner, Pfarrer in Hattenhof. Krapf, Pfarrer in Kleinsassen.
Seitdem das neue deutsche Reich steht, haben sie hochgehalten und unbefleckt bewahrt die Fahne, die denIWahlspruch trägt:
Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Sie haben dafür gekämpft mit einer Treue, einem Opfermuth, einer Standhaftigkeit, die ihnen die Bewunderung der ganzen Welt einbringt, und mit einem Erfolge, der soeben einen Triumph feiert, wie er noch keiner anderen Partei beschieden war. Denn die beiden jüngst von Seiner Majestät veröffentlichten Erlasse betreffend die Hebung des Arbeiterstandes enthalten die feierliche Anerkennung und Bestätigung des Programms, das die Centrumspartei zu Gunsten der arbeitenden Klassen sich gestellt und, unbeirrt durch die Ablehnung des Bundesrathes, von Session zu Session in bestimmten Forderungen vorgelegt hat!
Der Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüchtern hat die Ehre, von Anbeginn durch einen Mann des Cent rums im Deutschen Reichstag vertreten gewesen zu sein, er hat zugleich den Ruhm, alle Versuche der Gegner zur Eroberung dieses Wahlkreises siegreich zurückgeschlagen zu habm.
Centrumswähler! jetzt gilt es, diesen Ruhm zu wahren und zu mehren: Ihr thut es, wenn Ihr nächsten Donnerstag den 20. Februar Alle Mann für Mann zur Wahlurne tretet und auf unseren seitherigen Reichstagsboten, Herrn
Grafen Clemens Droste Mschering M Schloß Darfeld
Sonntag, den 16. Februar 1890,
17. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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