Gott alles Trostes anzurufen, daß Er auch Ihnen, hochverehrte Frau, die Kraft verleihe, den zweifellos mit jedem Tage schwerer lastenden Verlust mit christkatholischer Ergebung zu ertragen; Bedürfnis, Ihnen jetzt, da wir versammelt sind, die innige Theilnahme, die wir an Ihrem tiefen Leid empfinden, herzlichst zu bezeugen; Bedürfniß endlich, Ihnen die Versicherung zu geben, daß auch der kaum gewonnene Freund und Mitarbeiter in unserm Andenken und unseren Gebeten unvergessen bleibt.
Genehmigen Sie, hochverehrte Frau, hiernächst den Ausdruck der ausgezeichneten Verehrung und der treuen Gesinnungen, mit denen wir verharren als
Euerer Wohlgeboren ganz ergebenste Centrumsfraktion im Haus der Abgeordneten.
I. A.
v. Gliszezynski (Pleß).
* Wie ein Privat-Telegramm der ,Franks. Ztg.' aus Prag vom 13. d. meldet, verlobte sich Fürst Wilhelm zu Hanau (Sohn des letzten Kurfürsten und Nutznießer der böhmischen Herrschaft Horzowitz) mit der Gräfin Elisabeth aus dem Hause Lippe-Weißenfeld.
* Im Laufe des Monats Februar dürfen nach dem Jagdpolizeigesetz geschossen werden: Männliches Roth- und Dammwild, Rehböcke, Auer-, Birk- und Fasanenhähne, Wildenten, Trappen, Schnepfen. Dagegen sind mit der Jagd zu verschonen: Weibliches Roth- und Dammwild, Wildkälber, Dachse, Rebhühner, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen, Haselwild, Hasen und Wachteln.
* Schon öfters ist in den Kreisen 'des verkehrtreibenden Publikums darüber Klage geführt worden, daß bei Prüfung der von Privaten zur Abstempelung eingereichten Frachtbrief-Formulare von den einzelnen königlichen Eifenbahn-Direktionen nicht nach gleichen Grundsätzen verfahren wird, so daß in einzelnen Direktions-Bezirken Formulare zur Abstempelung genommen werden, welche in anderen Bezirken zurückgewiesen werden. Diesem Uebelstande soll nunmehr nach Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten durch Einführung einheitlicher Grundsätze über die Anforderungen an solche Frachtbrief - Formulare bei der Staatseisenbahn-Verwaltung abgeholfen werden. Die Grundsätze werden auf der nächsten Staatsbahn-Konferenz in Berlin berathen und festgestellt werden.
* Die Eisenbahn-Verwaltung gewährte bisher den Weichenstellern und Bahnwärtern für eine längere straffreie und völlig zufriedenstehende Dienstführung eine äußerlich erkennbare Dienstauszeichnung, indem ihnen nach einer tadellosen Dienstzeit von fünf aufeinanderfolgenden Jahren eine goldene Schnur auf die eine Schulter verliehen wurde. Nach in derselben Weise zurückgelegten weitern fünf Jahren erlangten diese pflichttreuen Beamten das Recht, eine zweite Schnur auch auf der andern Schulter zu tragen. Diefe Auszeichnung ist nun durch eine neue Verordnung des Eisenbahnministers dahin abgeändert worden, daß anstatt der einen Schnur nach fünf Jahren auf jede Schulter eine einfache goldene Plattschnur und nach zehnjähriger zufriedenstellender Dienstfßhrung doppelte Schnüre verliehen werden. Diese bisher nun den beiden obengenannten Beamtenklassen zu Theil gewordene Auszeichnung ist von jetzt auch auf Brücken Wärter, Lokomotivheizer, Schaffner, Bremser und Nachtwächter der Staatseisenb ahn-Ver-, waltung unter denselben Bedingungen ausgedehnt^ worden.
* An die Wähler der Centrums-Partei des Wahlkreises Marburg-Kirchhain- Frankenberg ergeht folgmder Aufruf:
Der 20. Februar, der Tag der Reichstagswahl, steht bereits vor der Thür. Nicht weniger als drei Parteien werben um die Stimmen der Centrumswähler Kartell-Partei mit dem freikonservativen Kandidaten Geh. Regierungsrath Steinmetz, die Antisemiten mit Dr. Böckel und die Sozialdem okraten mit dem Oekonomen Lauer. Wem sollen wir unsere Stimmen zuwenden? Dem Kartell-Kandidaten Steinmetz? Rein, das verbietet uns schon die Klugheit; wir würden mit dieser Wahl Steine in unseren eigenen Garten werfen; wir müssen vielmehr, wie unser Windt- horst in Köln sagte, „Alles thun, um der Vereinigung des Kartells entgegenzuarbeiten, da diese zu einer vollständigen Zerstörung des parlamentarischen Lebens und jeder gesunden Bolksmtwickelung führen muß."
Dürfen wir dem Antisemiten Dr. Böckel unsere Stimmen geben? Nein, wie wir diesen Mann kennen, verbietet uns schon das Ehrgefühl, ihn zu dem hochwichtigen Amte eines Abgeordneten zu befördern. Ferner ist der Antisemitismus in der Art und Weise, wie er hier auftritt, vom christlichen Standpunkte aus nicht zu rechtfertigen. Wohl sind auch wir der Ueberzeug- ung, daß die Auswüchse des Judenthums entschieden bekämpft werden müssen; aber nicht in der revolutionären Weise der Antisemiten, sondern durch Gesetze und letztere herbeizuführen ist Dr. Böckel mit seinem winzigen Anhang durchaus nicht int Stande. — Daß endlich ein überzeugungstreuer Katholik einen Kandidaten der Sozialdemo krateu, „die nur stark sind im Zerstören, nicht aber im Aufbauen", und die zudem die abgesagtesten Feinde unserer christlichen Ueber-
zmgung sind, mit gutem Gewissen nicht wählen kann, ist selbstverständlich.
Darum, Wähler der Centrums-Fraktion, überlassen wir diese drei Parteien ihrem Schicksale und stellen einen eigenen Centrums-Kandidaten auf im ruhmreichen Führer des Dentrums, Dr. Windthorst. Erscheinen wir vollzählig am 20. Februar an der Wahlurne mit dem Wahlzettel:
Windthorst, Staatsminister a. D.
Es gilt bei uns einen alten Fehler gut zu machen die Wahl von 1887, denn damals, gestehen wir es, bot das katholiche Oberhessen kein erfreuliches Bild dar. — Es ist möglich, daß wir bei der großen Zersplitterung der Stimmen in unserem Wahlkreise, wenn wir fest Zusammenhalten, unfern Kandidaten in die Stichwahl bringen. Aber wenn wir dies auch nicht erreichen, so sollen wenigstens unsere Stimmen nicht anderen nn§ feindlichen Parteien zu gute geschrieben werden, sondern sie sollen zu stehen kommen auf die ruhmreiche Fahne des Cent rums.
Bodenbenner, Pfarrer (Bauerbach), Bermoser, Kooperator. Schmitt, Lehrer (Ginseldorf). Ried, Pfarrer (Schröck). Breidenbach, Pfarrer (Roßdorf). Paul, Pfarrer (Mardorf), Specht, Kooperator. Zimmer, Pfarrer (Erfurtshausen). Schick, Pfarrer (Anzefahr). Weber, Kaplan (Amöneburg). Dr. Hofmann, prakt. Arzt (Amöneburg). Seipel, Pfarrer (Niederklein). Damm, Pfarrer (Mendorf). Weigand, Kooperator (Neustadt). Dr. Braun prakt. Arzt (Neustadt). Louis Braun, Kaufmann (Neustadt). Huber. Bierbrauer (Neustadt).
X Geisa, 12. Febr. In der von der Leitung der hiesigen Centrumspartei auf heute Abend einberufenen Vertrauensmänner - Versammlung wurde einstimmig beschlossen, zu der bevorstehenden Reichstagswahl unseren ruhmreichen Führer, Herrn Staatsmini st er Dr. Windthorst , Exzellenz, als Kandidaten aufzustellen. Katholiken des Eisenacher Oberlandes! Sucht euern Stolz am 20. Februar darin, alle euere Stimmen auf den Verfechter unserer heiligsten Interessen zu vereinigen! Zeigt, daß wir im Eisenacher Oberlande C e n t r u m s- wähler und nichts anderes sind! Zeigt das in möglichst kräftiger und entschiedener Weise! Keiner bleibe feige oder trüge der Wahlschlacht fern! Tretet Mann für Mann zur Wahlurne und gebt eure Stimme ab für Staatsminister Dr. Windthorst!
Z Geisa, 13. Februar. Der hiesige katholische Männerverein gibt am Fastnachtsonntage, Abends */,7 Uhr im „Stern" eine theatralische Vorstellung. Zur Aufführung gelangt das prächtige Volksschauspiel „Die heilige Genovefa" von Kayser. Wir verfehlen nicht, die Bewohner von Stadt und Umgegend auf den bevorstehenden genußreichen Abend aufmerksam zu machen. Dem Verein ist ein volles Haus um so mehr zu gönnen, als der Reinertrag zu einem' frommen Zwecke bestimmt ist.
* Hanau, 12. Febr. Die hiesigen Kartellparteien haben den Vorschlag der deutsch-freisinnigen Parteileitung, gleiche Wahlzettel für alle Parteien herzustellen, unbeantwortet gelassen. Die Kartellbrüder werden wohl wissen, warum?
* Bockenheim, 12. Febr. Der hiesigen Ortskrankenkasse kostet die Influenza etwa 12,000 Mark. Soviel wurde im Monat Januar mehr verausgabt für Krankengeld, Medikamente rc. gegen dieselbe Zeit int Vorjahre.
• Für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg hat nach der ,Freis. Ztg? der Abg. Engen Richter eine Zählkandidatur abgelehnt. Die freisinnige Partei richtet ihr Verhalten in diesem Wahlkreise nach dem Verhalten der Centrumspartei int Wahlkreise Friedberg. _____
5 Die ehemaligen Probsteien im Fürsten- thum Fulda.
Seitdem ich die Pfarrei Johannesberg als Pfarrer administrire, habe ich mich an den Winterabenden mit dem Studium der fuldaischen Geschichte und besonders der fuldaischen Probsteien beschäftigt. Vielleicht finden Manche Geschmack an dem Lesen meiner Aufzeichnungen und thue ich vielleicht meinen Konfratres, welche wie ich, eine Probsteipfarrei innehaben, einen kleinen Dienst damit, eine kurze Beschreibung der Probsteien zu liefern. Also zunächst von dem Ursprung und der Auflösung der fuldaischen Probsteien.
Zum Hochstifte Fulda gehörten ehemals und bestanden bis zum Jahre 1803 die Probsteien: Petersberg, Johannesberg, Andreas-oder Neuenberg, Michaels- berg, Blankenau, Thulba, Zell, Holzkirchen und Sannerz. Mit Ausnahme von Sannerz waren dieselben ursprünglich theils von fuldaischen Aebten, theils von reichen Gutsbesitzern und frommen Gläubigen gestiftet, mit Benediktiner-Mönchen oder Nonnen besetzt, dem Abte des Hauptklosters in Fulda untergeordnete Filial- oder Nebenklöster, deren Vorsteher praepositi oder Pröbste genannt wurden. Bis zum 14. Jahrhundert wurden diese Pröbste aus den würdigsten Ordensbrüdern des Hauptklosters genommen, nachher aber aus dessen adeligen Kapitels- oder Stiftsherren und späteren Domkapitularen vom Fürstabte bestellt zur Aufrechterhaltung der Klosterzucht und Ordnung, sowie zur Beaufsichtigung und Leitung der Verwaltung der Klostergüter und Einkünfte.
Da nach den Regeln des Beuediktiner-OrdenS die Kon- veutualen nicht nur zur Kultivirung derWiffenfchaften, son
dern auch des Bodens und selbst zur Handanlegung bei Bauten verpflichtet waren, so wurden die Mönche sowohl zum Roden des dichtbewaldeten Buchenlandes als zur Erbauung benöthigter Zellen, Klöster und Kirchen angehalten, welche im Geiste damaliger Zeit, wo die Gutsbesitzer um das Heil ihrer Seelen besorgt, den ewigen Lohn des Himmels durch Gründung geistlicher Stiftungen zu verdienen hofften, mit Schenkungen und Vermächtnissen reichlich begabt wurden.
Aber wie fast überall der Reichthum und Ueber- flnß ans die Kirchenzucht und Ordnung nur nachtheilig einwirkte und zur Ueppigkeit, Schwelgerei und Sittenlosigkeit führte, so beherrschte dieses Verderbniß mehr oder minder auch die fuldaischen Klöster und Stifter, die, obschon reformirt, bei der sog. Reformation int 16. Jahrhundert und dem Bauernaufftande der endlichen Auflösung nicht entgehen konnten. Als schon anfangs des 16. Jahrhunderts Luthers Lehre in Fulda gepredigt und auch im Lande verbreitet wurde, bereits ein Theil der Stadt- und Landbewohner den neuen, bequemen Glauben anzunehmen sich geneigt zeigten, als überdies im Jahre 1525 die fuldaischen Bauern sich mit den fränkischen Rebellen vereinigt hatten, mehr um sich mit dem Raube der ausgeplün- derteu Klöster und Ritterburgen zu bereichern als religiöse und politische Freiheit zu erkämpfen und sich des Druckes ihrer Lehnsherrn zu entledigen, da bedrohte der Sturm der Zeit schon den Untergang der Stifter und Klöster. Sie wurden von den raubgierigen und fanatischen Bauern überfallen, geplündert, theils zerstört, theils in Asche gelegt und Mönche und Nonnen daraus vertrieben.
So lagen damals und viele Jahre hindurch die verwüsteten Kirchen und Klöster in Schutthaufen und es dauerte lang bis man Lust und wohl auch Mittel fand, sie wieder herzustellen. Aber statt sie, besonders die Klöster, dem Geiste der Stifter zufolge umzubilden oder zu nützlichen Zwecken zu verwenden, wurden sie nur als reiche Pfründen für die adeligen Stiftsherren beibehalten und nach ihrer Wiederherstellung den Stifts- kapitularen unter dem Titel einer Pro bstei zur Benutzung und Verwaltung verliehen, jedoch mit der Verbindlichkeit für die Wiederauflebung der Klöster möglichst Sorge zu tragen.
Auf diese Weife bestanden die ursprünglich der Frömmigkeit und Mäßigkeit dem Fleiße und Gehorsam gewidmeten Klöster nach einige Jahrhunderte als Titular-Pr obsteien für die älteren Stiftsherren und nachherigen Domkapitularen, die indeß mehr für ihr leibliches Wohl als für die Wiederherstellung eines Konventes besorgt waren und nach ihrem Ableben nicht selten noch Schulden hinterließen.
Jede Titular-Probstei hatte ihre eigene, theils beschränkte, theils un bes chränkte V ogteilich- keit, welche nach Auflösung der Probsteien den fürstlich- oder landesherrlichen Gerichten überwiesen wurde.
Mit der im Jahre 1803 erfolgten Säkularisation des Hochstiftes Fulda wurden nun auch dessen Probsteien aufgehoben und der Bestimmung des Reichsdeputations-Hauptschlusses gemäß dem Prinzen von Oranien-Nassau zur Entschädigung für seine auf dem linken Rheinufer gelegenen, an Frankreich abgetretenen Besitzungen zugetheilt; sonach die Probstei-Güter und Einkünfte inkammerirt, theilweise zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken verwendet und die säkulari- sirten Pröbste mit einer dem Reinerträge der Probsteien angemessenen jährlichen Sustentation befriedigt.
Nachdem der Kaiser Napoleon das Fürstenthum Fulda im Oktober 1806 als ein erobertes Land in Besitz genommen und gebrandschatzt, im Jahre 1810 aber dem Großherzogthum Frankfurt einverleibt hatte, wurde dasselbe im Monate November des Jahres 1813 von den hohen aQiirten Mächten besetzt, von Oesterreich und Preußen abminiftrirt und sodann in Folge der Wiener Kongreßakte 1815 derart zerstückelt, daß ein Theil mit den Probsteien Petersberg, Johannesberg, Andreas- oder Neuenberg, Michaelsberg, Blankenau, Zell und Sannerz der Krone Preußen überlassen und von dieser 1817 an Kurhessen abgetreten wurde. Die Probstei Zell mit dem Amte Fischberg und Geisa kam an Sachsen-Weimar-Eisenach, das AmtHam- melbur g mit der ehemaligen Propstei Thulba, dem Amte Brückenau, Mollen undWeyhers an die Krone Oesterreich und von dieser wurden sie an Bayern überwiesen. Die Probstei Holzkirchen wurde dem Prinzen Leopold von Sachsen-Kobnrg verliehen____________________________________(Forts, folgt.)
Vermischtes.
♦ Der Mensch denkt, Gott lenkt! Dieses Sprichwort hat sich auch mit Bezug auf eine Rede bewährt, die der ehemalige Präsident der Bereinigten Staaten, John Quincy Adam» von Massachusetts, im Jahre 1843 zu Cicinnati gehalten hatte. Er hielt die Festrede bei der Grundsteinlegung des Obser- vatormms (Sternwarte) von Cincinnati. In derselben bezeichnete er da» „papistische" Kreuz als das Symbol der Unduldsamkeit und des Aberglaubens und wünschte, daß es niemals auf dem Hügel, auf welchem das Observatorium gebaut werde, glänze« möge. Rur 47 Jahre sind seit dieser Rede verflossen: wo einst daS Observatorium stand, erhebt sich heute das dem besonderen Schutz des hl. Krenzes, und deffen Bewohner tragen die Zeichen des Kreuze» auf ihren Kutten. Nahe dem Kloster prangt auf der schönen Marienkirche ebenfalls daS hl. Kreuz, und ist somit der Wunsch dcS fanatischen Festredners vom Jahre 1843 vollständig zu Schande» gemacht worden.