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Geh. Kommerzienrath Schwartzkopff, Graf Waldersee, Geh. Kommerzienrath Dr. Websky, Rittergutsbesitzer Graf v. Ziethen-Schwerin u. s. w. Dazu kommen nun noch die gemeldeten Ernennungen. Unter denselben wird die des Herrn Freiherrn v. Huene in katholischen und Centrumskreisen mit Genugthuung ausgenommen werden, wenn auch mit dem Wunsche, es möchten solcher Er­nennungen einige mehr sein. Von den übrigen Ernannten sind die Herren Dr. Bosse und Dr. Kayser auf dem Gebiete der gewerblichen Gesetzgebung bewährte Kräfte, Geheimrath Hintzpeter ist der frühere Erzieher des Kaisers und beschäftigt sich viel mit sozialpolitischen Dingen, die Herren Fürst Pleß, Graf Douglas, Frhr. v. Stumm, Krupp, Jencke und Ritter sind Großgrund­besitzer und Großindustrielle bezw. Leiter von solchen Unternehmungen, Professor A. v. Heyden endlich ist Geschichtsmaler und soll das Bergwesen praktisch kennen. So hat der Staatsrath werthvolle Verstärkungen er­halten, aber — wie die Arbeiter selbst zu Gehör kommen sollen, bleibt noch zu erledigen.

* Breslau, 10. Febr. Die Centrumspartei hielt heute im Röslerschen Saale eine überaus zahlreich be­suchte Wählerversammlung ab, in welcher die Herren Graf Ballestrem nnd Dr. Porsch sprachen. Als Herr Graf Ballestrem die Versammlung im Eingang seiner Eröffnungsrede aufforderte, Se. Majestät den Kaiser durch Erheben von den Sitzen, und mit einem drei­maligen Hoch zu ehren, versuchten dies die Sozial­demokraten dadurch zu verhüten, daß sie mit wüstem Gebrüll Hochrufe auf die Sozialdemokratie ausbrachten. Es erhob sich jetzt ein großer Tumult; derselbe wurde schließlich so groß, daß die anwesenden Polizei­beamten mit Hilft der Centrumsleute die wüsten Schreier gewaltsam aus dem Saale entferten. Daß jedoch nicht alle sozialdemokratischen Elemente aus dem Saale ent­fernt worden waren, bewiesen die öfteren Zwischenrufe, welche sich besonders bemerkbar machten, wenn der Name Gottes oder die Religion erwähnt wurden. Man machte aber stets mit gutem Erfolg von seinem Haus­recht Gebrauch. Da das erste Hoch auf Se. Majestät den Kaiser in so schmählicher Weise gestört worden war, schloß Herr Dr. Porsch seine Ausführungen mit einem erneuten Hoch auf unseren Kaiser, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. — Auffallender­weise ließen die sozialdemokratischen Friedensstörer das vom Herrn Graf Ballestrem nach dem kaiserlichen Hoch auf den Papst ausgebrachte ohne Störung passiren.

* Vom Rhein, 12. Febr. Nach neueren Erkun­digungen der ,Kreuzztg/ soll es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der gegenwärtige Unterstaatssekretär im Kultusministerium, Nasse, auf den Posten eines Oberpräsidenten für die Rheinprovinz berufen werden wird. Einen katholischen Oberpräsidenten hat die Rheinprovinz, die zu drei Vierteln katholisch ist, noch niemals gehabt!

* München, 12. Febr. Der heil. Vater sandte dem schwer erkrankten General - Obern der St. Bene- diktus-Missionsgesellschaft in St. Ottilien, P. Amrhein, seinen Segen.

* Aus Württemberg, 12. Febr. In jüngster Zeit regen sich wieder auf protestantischer Seite Ge­hässigkeiten gegen die Katholiken, was sich jetzt auch bei der Wahlbewegung in der leidenschaftlichen Sprache einiger Blätter gegen das Centrum zeigt. Die Regie-

Die ganze Wohnung machte auf Georges einen un­säglich traurigen Eindruck.

An manchen Stellen hatte man es nicht für der Mühe werth gehalten, das Gras aus dem Hofe zu entfernen.

Die meisten Läden waren geschlossen, und Alles sah aus, als wohne hier kein lebendes Wesen.

Der Anwalt konnte sich einer düsteren Ahnung nicht erwehren.

Inzwischen waren Beide an der Hausthür ange­langt: Der Diener öffnete und bat den Fremden, ein­zutreten.

Drinnen däuchte dem Advokaten, nachdem er ein­getreten war, die Oede und Einsamkeit noch größer zu sein.

Sein Schritt hallte auf der Treppe wieder, als ob alle Möbel aus dem Haufe entfernt worden seien.

Kaum stahl sich ein schwacher Lichtstrahl durch die geschlossenen Jalousieen, so daß Alles in einem unheim­lichen, beängstigenden Dunkel lag. Zwei Etagen ging's hinauf: dann öffnete der Lakai eine Thür und trat bei Seite, um den Fremden eintreten zu lassen.

Der Advokat gewahrte bei seinem Eintritt eine weiße Gestalt auf einer Chaiselongue.

Es war die Gräfin.

Sich tief verbeugend trat er auf sie zu.

15.

Georgette hatte ihre Geistesgegenwart wieder ge­wonnen — sie fügte sich in das Unvermeidliche aller­dings in ihrem eigenen Interesse. Sie war entschlossen so gut als möglich die häßliche Rolle zu Ende zu spielen, welche sie übernommen hatte.

Unsere Abenteurerin war eine gewandte Komödi­antin — wir haben dies schon in dem ArbeitSkabinet des Advokaten gesehen.

Um die einmal begonnene Tragödie zu Ende zu führen, bedurfte es ihrerseits noch größerer Gewandt­heit, Biegsamkeit und List. Leute, die viel mißtran-

rung beweist der kath. Kirche Gerechtigkeit und blieb das Land auch s. Z. vom Kulturkämpfe verschont, dagegen aber suchen einzelne lutherische Fanatiker den religiösen Frieden zu stören.

Ausland.

* Wien, 12. Febr. Graf Andrassy, der nach Beust die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreichs übernahm und s. Z. die Erwerbung Bos­niens am Berliner Kongresse durchsetzte, sowie das deutsch-österreichische Bündniß abschloß, liegt in Abbazia hoffnungslos darnieder. Die Hoffnung der Ungarn, daß dieser Politiker wieder das Portefeuille des auswärtigen Amtes erhalten werde, kann sich somit nicht erfüllen, doch ist das gewiß kein Unglück für Oesterreich, weil Andrassy in seiner Politik keine Selbstständigkeit be­kundete. — Die Gemeindewahlen in Wien finden im März statt, der Kampf wird ein heißer werden und das Geld Israels gegen die „Vereinigten Christen" stehen. Doch hoffen letztere auf neuen Erfolg.

* Budapest, 13. Febr. Der Kaiser empfing den Grafen Hartenau (Prinz Alexander von Batten­berg) in halbstündiger Privataudienz.

* Der große Sinke der Glasperlen - Arbeiter im nördlichen Böhmen ist durch die unerhört niedrigen Löhne verursacht worden. Die Lage der Arbeiter wird als eine unbeschreiblich traurige geschildert.

* Die Nachrichten aus Bulgarien legen jetzt vollständig das Gewebe der Verschwörung des Majors Panizza bloß, darnach war derselbe seit einiger Zeit unzufrieden mit den Verhältnissen, was russische Agen­ten benutzten, um ihn für eine Verschwörung zu ge­winnen, die unter den Offizieren der Armee sehr bald Anhang erhielt. Deshalb werden auch die Verhaftun­gen fortgesetzt. Panizza und seine Genossen sind noch nicht erschossen, sondern erst den Civilgerichten zur Ab- urtheilung übergeben worden. Es heißt, daß Fürst Ferdinand auf die erste Nachricht von der Verschwö­rung zur Abdankung bereit war, daß aber der Mini­sterrath sein Bleiben dringend gefordert habe.

* Aus Rio deJaneiro wird gemeldet, daß der Minister des Innern, Loro, wegen Meinungsverschieden­heit mit dem Ministerpräsidenten Fonseca seine Ent- lassung gegeben habe.__________________________________

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 14. Februar.

* Im Amtsblatt der kgl. Regierung zu Kassel wird Nachstehendes bekannt gemacht: An Stelle des Königlichen Landraths v. Trott in Fulda habe ich den Königlichen Landrath Roth in Schlüchtern zum Wahlkommissar für die bevorstehende Reichstagswahl im 7. Wahlkreise des diesseitigen Regierungbezirks (Kreise Fulda, Schlüchtern und Gersfeld) und zu seinem Stellvertreter den Oberbürgermeister Rang in Fulda ernannt. Kassel am 11. Februar 1890. Der Regierungs-Präsident. Rothe.

* Unsere Stimmen werden gezählt! Wir machen unsere Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam, daß es gilt, sowohl in den sicheren, als auch in den aussichtslosen Wahlkreisen möglichst zahlreich ischer als unser Advokat gewesen wären, wären in die Falle gegangen.

Als sie den Namen des Advokaten nennen hörte, richtete sie sich halb empor. Ein wohlwollendes Lächeln umspielte ihre Lippen, aber der Glanz ihrer Augen schien erloschen.

„Ah, Sie hier, mein lieber Advokat", sagte sie mit schwacher Stimme, indem sie ihm mit der Hand Willkommen zuwinkle. „Sie glauben nicht, mit wel­cher Ungeduld ich auf Sie gewartet habe."

Georges, welcher inzwischen bescheiden auf der Thürschwelle stehen geblieben war, trat näher.

Das Gemach, in welchem er sich befand, war sehr bescheiden ausgestattet, das Ganze war so wie man gewöhnlich eine zu vorübergehendem Aufenthalte dienen­des Haus zu möbliren pflegt. Nur die Fenstervor­hänge machten eine Ausnahme: sie schienen von feinem kostbarem Stoffe zu sein. Am Ende des Gemaches befand sich eine Art Alkoven, welcher gleichfalls mit weißen Vorhängen geschlossen war.

Alles athmete hier Einfachheit, Ruhe und Frieden, so daß der düstere Eindruck, welchen das Schloß draußen auf den Advokaten gemacht hatte, bald ganz ver­schwunden war.

„Sie sind noch immer leidend, gnädige Frau?" ftug er, indem er der Gräfin seine Hand entgegen­streckte.

„Ich danke Ihnen", antworrtete fte,^ „seit einigen Tagen fühle ich mich bedeutend wohler. Freilich bin ich noch nicht imstande, auszugehen oder gar zu reisen — deshalb mußte ich Ihre kostbare Zrit in Anspruch nehmen, ich bitte sehr um Entschuldigung."

„O, gnädige Frau", antwortete er galant, „ich muß eigentlich um Entschuldigung bitten, daß ich nicht eher erschienen bin . . . Ich denke, daß Ihr Unwohlsein nicht von Bedeutung sein wird . . .

„Es ist eine langsam schleichende Krankheit — die Folge all' der Leiden, welche ich habe erdulden «üffen.

an der Wahlurne zu erscheinen, weil unsere Stimme« gezählt werden. Die Centrums-Abgeordneten, welche nach Berlin gehen werden, sollen in den Stand gesetzt werden, auf den Ueberschuß von Stimmen für un­sere Partei in den nicht eroberten Wahlkreisen hinzu­weisen. Hierzu ist nothwendig, daß überall eine Organisation geschaffen werde, um die Wahlbewe­gung recht gründlich zu betreiben.

* Wie unlängst mitgetheilt wurde, war der land- wirthschaftliche Kreisverein in seiner Generalversamm­lung vom 4. v. Mts. für Gründung einer land- wirthschaftlichen Winter sch ule in Fulda sehr lebhaft eingetreten unter dem Hinweis darauf, daß der Besuch der Schule in Marburg und Hofgeismar für die jungen Leute hiesiger Gegend zu kostspielig sei und Fulda in den Räumen der verlassenen Artillerie-Kaserne geeignete Lokalitäten biete. Wie wir nun soeben er­fahren, sind zur Einrichtung einer landwirthschaftlichen Winterschule in besagten Räumen 4000 Mark bewilligt worden.

Qo Der Gauverband IX des deutschen Radfahrer- Bundes hat dem Fuldaer Radfahrer-Verein „Ueber Berg und Thal" das Arrangement des diesjährigen Gauverbandsfestes definitiv übertragen und ist zur Ab­haltung dieses Festes der 15. und 22. Juni in Aus­sicht genommen. Den hier statthabenden Festlichkeiten geht ein Chaussee-Wettfahren über 45 Kilom. voraus und wird der Start gegen 9 Uhr Vorm. bei Sal­münster stattfinden, während das Ziel in der Nähe des Badegartens liegen wird. In Anbettacht der bergigen Beschaffenheit der Rennstrecke dürften zur Zurücklegung der 45 Kilom. ca. l3/i—2 Stunden ge­braucht werden.

* Die Centrumsfraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hat an die Wittwe des im vorigen Jahre verstorbenen Landtagsabgeordneten fürHünfeld- Gersfeld, Frau Amtsgerichtssekretär Schmitt zu Batten bei Hilders das nachstehende, ehrende und tröst­liche Beileidsschreiben gerichtet:

Berlin, den 29. Jänner 1890. Verehrte Frau!

Bei ihrem Wiederzusammenttitt zur jetzt begonnenen Tagung vermißt die Centrumsfraktion im Haus der Abgeordneten schmerzlich auch das Mitglied, welches den der Partei entrissenen Wahlkreis Hünfeld-Gers­feld wiedererrungen und in den persönlichen Eigen­schaften, die es zierten, die volle Antwartschaft auf eine segensreiche Thätigkeit, auf eine angesehene Stellung inmitten der Fraktion und dieses hohen Hauses hatte. Wer Ihren seligen Herrn Gemahl vor Kurzent in unseren Kreis eintreten sah, der hätte nicht geglaubt, daß er demselben schon so bald nachher für immer entrückt werden sollte. Gott, dessen Gedanken nicht die unseren sind, hat seinen treuen Diener in voller Mannesttaft hinweg ge­nommen. Die reichen Hoffnungen, die wir auf seine Mitarbeit gesetzt, sind vorzeitig geknickt. Das kaum geknüpfte Band politischer und persönlicher Freund­schaft ist der Hand, die es recht lang zu halten glauben durfte, unversehens entglitten.

Indem wir uns den unerforschlichen Rathschlüssen des Himmels beugen, ist es uns Bedürfniß, den

Der Anwalt hatte inzwischen einen großen Akten­bündel hervorgezogen.

„Ich habe diese Akten sorgfältig durchstudiert" be­gann er.

„Und?" frug sie mit erheuchelter Unruhe.

„Soviel ich glaube, ist das Recht durchaus auf unserer Seite, und können wir den Prozeß nicht ver­lieren."

„Oh, Sie glauben nicht", sagte sie, die Hände faltend, „welch' einen Trost Sie mir bringen."

„Ich werde die Sache in die Hand nehmen," fuhr er begeistert fort, „und die schmähliche Behandlung brandmarken, deren Opfer Sie gewesen sind!"

„Ich gründe meine Hoffnung ganz auf Ihr Ta­lent," fiel sie ihm ins Wort.

Die Gräfin konnte sich einer gewissen Erregung nicht erwehren — deshalb hatte sie, um diese Erreg­ung zu bewältigen, ihn unterbrochen.

Georges besaß, wie wir wissen, sehr angenehme Gesichtszüge und schöne, ausdrucksvolle Augen.

„Nun, sprechen wir", sagte er, nicht von meinem Talent, ich bitte! Wann sollen wir den Prozeß be­ginnen? Sie sind ja noch immer dazu entschlossen?"

„Natürlich — mehr als je!"

„Die Gerichtsferien sind bald zu Ende — mit Be­ginn der Session könnten wir diese Sache anhängig machen.

„Je früher, je bester."

„Hält Ihr Gatte sich in Frankreich auf?"

„Ich habe seit einem Vierteljahr nichts mehr von ihm gehört.

„Aber vor allen Dingen müßten wir in Erfahrung zu bringen suchen, wo er sich aufhält."

„Freilich ich will mich darnach erkundigen."

In diesem Augenblicke klingelte es draußen heftig.

Bleich und in großer Erregung schnallte sie in bte Höhe.

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