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17. Jahrgang

Freitag, den 14. Februar 1890

uldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Für dir Redaction verantwortlich ^Ludwig Deibel in Fulda.

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D Das Kartell seit 1887?) (Fortsetzung.)

Wie bekannt, ist im ,Reichsanzeiger' eine kaiserliche Kundmachung über das Kartell erfolgt. An sich läge es nahe, über diese Kundgebung in diesem Zusammen­hang sich zu äußern, ihre Beweggründe, Absichten und Tragweite zu erforschen. Aber unsere konstitutionellen Grundsätze verbieten uns das; wir huldigen dem Prinzip, daß der Monarch über den Parteien steht und nicht in den Kampf der Tagesmeinungen hineingezogen werden soll. Solange also ihrerseits die Kartellparteien ver­meiden, jene kaiserliche Willenskundgebung auszunützen, haben wir keinen Anlaß, auf dieselbe näher einzugehen.

Unsere eigene Ueberzeugung aber gebietet uns, es auszusprechen, daß im Kartell Bestrebungen vor­handen sind, welche mit monarchischen Grund­sätzen nicht vereinbar sind. Wir haben dafür einen kompetenten Zeugen in dem Exminister v. Putt- kamer erhalten. Dieser Staatsmann, welcher sich des größten Wohlwollens bei der Krone Preußens erfreut und der im Einvernehmen mit dem Fürsten Bismarck eine Kandidatur angenommen haben soll, hat den Nationalliberalen am 31. Januar das Zeugniß aus­gestellt, daß sie ganz zuverlässige Stützen einer ener­gischen, zielbewußten, monarchischen Regierung nicht seien. So ist es in der That. Wohl sind die Barrikaden­helden von 1848 in der nationalliberalen Partei viel­fach ausgestorben, und die noch leben, sind zahm ge­worden. Aber die Partei wurzelt ganz in den Rcvo- lutionsideen, ihr ist die Monarchie nicht eine Einrich­tung von Gottes Gnaden auf der unerschütterlichen Grundlage der Legitimität, sondern lediglich ein Produkt des Volkswillens und der politischen Opportunität. Die Nationalliberalen haben daher den Sturz der Throne in Italien und Deutschland mit freudigem Beifall be­gleitet, und auch jetzt scheuen sich ihre Organe nicht, die französische Republik gegen den Ansturm der Monarchisten zu vertheidigen, und die Einführung der Republik in Brasilien mit Befriedigung zu verkündigen.

Daß sich eine solche Partei unter den Regierungs­parteien aufstellt, wirkt fchon durch diese Thatsache allein restruktiv in den Volkskreisen; denn wie sollen diese dauernd in ihren monarchischen Auffassungen fest­bleiben, wenn sie fehen, daß Parteien auf den Scheffel gestellt werden, welche die Monarchie als eilte reine Nützlichkeitsfrage ansehen, die nach dem wechselnden Bedürfniß entschieden werden soll? Dazu kommt dann noch die Art und Weise, wie das Kartell im politischen Leben sich geltend zu machen sucht, wie es die politi­schen, wirthschaftlichen und sozialen Zustände nicht fortzubilden versteht, oder bereit Entwicklung sogar

*) Nachdruck verboten.

Daniels Geheimnis

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(30. Fortsetzung.)

„Sie sind also nicht abgeneigt, meine Sache in die Hand zu nehmen?" frug die Gräfin dann, sich er­hebend.

„Recht gern, gnädige Frau," antwortete Georges ... Ich werde die Akten genau durchsetzen und wir können dann den Tag vereinbaren, an welchem wir die Angelegenheit den Gerichten übergeben.

„Ich danke Ihnen sehr, Herr Anwalt," versetzte die Gräfin. „Einstweilen kehre ich zu meinem Schlosse zurück und werde, sobald Sie mir Nachricht geben werden, hierhin kommen."

Damit verbeugte sie sich und verließ das Gemach — ein triumphirendes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie die Thürschwelle überschritt.

„Dieses Mal wird Ronstau mit mir zufrieden sein," murmelte sie vor sich hin. „Er befindet sich in meiner Gewalt!"

Georges de Fresnieres begann in der That von diesem Tage ab die Akten der Gräfin sorgfältig zu studiren. •

Seine Besuche in dem Hotel de Serves setzte er inzwischen eifrig fort.

Seine Zuneigung zu Klara wuchs mit jedem Tage.

gefährdet, dabei aber doch sich den Anschein gibt, als ob nur die Kartellparteien Stützen des Staates und der Monarchie seien, die anderen Parteien aber das zerstörende Element im öffentlichen Leben. Mit vollem Rechte schrieb deßhalb die ,Kreuzztg.' im vorigen Jahre: Die Kartellparteien schädigen geradezu das Interesse des Thrones. Im Falle der Niederlage bei den Wahlen muß die Welt an ein Plebiscit der deutschen Nation glauben." Darauf könnte allerdings der schlichte Volks­sinn kommen, wenn er das terroristische Auftreten der Kartellparteien mit deren Leistungen vergleicht.

Und dann sind auch noch die Hetzereien gegen den Kaiser Friedrich und gegen den Prin­zen Wilhelm (jetzigen Kaiser) vom ungünstigsten Einfluß auf die Festigkeit der monarchischen Gesinnun­gen der Volksmassen gewesen. Es ist unerhört in der konstitutionellen Zeit, was Kartellblätter gegen Kaiser Friedrich sich erlaubt haben. Man hat ihn als Briten verdächtigt, der die deutsche Politik den englischen Welt­interessen unterzuordnen fähig sei, in dessen Hand der Besitz von Elfaß-Lothringen schwanke; man hat seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Gegenstand hämi­scher Kritik gemacht, hat ihm das persönliche Regiment durch Zeitungs-Angriffe, ja sogar durch Jnszenirung eines Adressensturms beschränken wollen. In ähnlicher Weise verfuhr man gegen den Prinzen Wilhelm, den man auf's Heftigste angriff, weil er feine christliche Gesinnung und Wohlthätigkeit offen bekannte. Als Minister v. Puttka'mer eine Widerlegung der Angriffe in der ,Nordd. Ällgem, Zeitung' unterbringeu wollte, wurde der Vertheidigungs-Artikel zurückgewiesen. Später, nachdem Prinz Wilhelm als Kaiser das Ruder ergriffen hatte, wurde wahrlich das Ansehen der Krone nicht gestärkt, durch die Preßtreibereien der Kartellblätter über „militärische Nebenpolitik".

Wir wollen nicht tiefer greifen, das Bild, in dem gewisse kartellparteiliche Kreise hier erscheinen, würde immer trüber werden. Eines aber folgt daraus mit Gewißheit: wir können als monarchische Männer uns niemals dazu verstehen, einen Partei-Verband, worin Bestrebungen sich geltend machen, wie die geschilderten, unangefochten in der beherrschenden Stellung lassen, wir müssen ihn siegreich niederkämpfen und indem wir dies thun, schützen und festigen wir die Monarchie!

(Schluß folgt.)

Deutsches Keich.

Berlin, 12. Februar.

* Der Kaiserliche Erlaß vom 4. Februar weist den Reichskanzler an, in Frankreich, England, Bel­gien und der Schweiz amtlich anzufragen, ob die Regierungen dieser Länder geneigt seien, mit Deutsch-

Von dem Vorfälle, welcher sich bei Charles zuge- ttagen hatte, hatte er nichts gehört, denn Letzterer hatte ausdrückliche Weisung gegeben, alles geheim zu halten.

Lassen wir einstweilen die Folgen dieses Vorsalles beiseite und bleiben wir bei den Ereignissen stehen, welche die Folge der Verbindung waren, welche Georges mit der Abenteurerin angeknüpft hatte.

Der junge Anwalt hatte sich, geblendet durch das Auftreten der Gräfin und mit Rücksicht auf die Er­zählung ihrer Lebensschicksale mit großer Hingebung ihrer Sache angenommen.

Die Vertheidigungsrede, welche er zu halten ge­dachte, hatte er bereits ausgearbeitet, als er ihr mit- theilte, daß er noch eine letzte Besprechung mit ihr haben müsse, weßhalb er sie bat, sobald als möglich herüberzukommen.

Die Gräfin antwortete indeß umgehend, daß sie leidend sei und deßhalb die Reise nicht unternehmen könne; sollte er daher nicht etwa selbst sie besuchen können, so möge er den Prozeß einstweilen noch einige Zeit verschieben.

Georges fühlte sich durch diese Antwort etwas un­angenehm berührt. Er wollte nicht gern Paris, wenn auch nur auf einen einzigen Tag verlassen — hätte er dann ja auch Diejenige nicht besuchen können, die er liebte! Gleichwohl entschloß er sich, die Reife zu

land in Unterhandlungen behufs einer internationalen Verständigung über die Arbeiterfrage zu treten. Aus dem Umstande, daß außer den genannten nicht auch andere europäische Industrieländer in dem Kaiserlichen Erlaß aufgeführt sind, sind mancherlei Schlüsse gezogen worden. Offiziös wird jetzt zur Erklärung Folgen­des bemerkt: Die Arbeiterfrage ist bei uns aus Anlaß der Strikes in den Kohlenbergwerken in Fluß gekommen. Es ist daher natürlich, daß Deutschland sich mit seiner Einladung zunächst an diejenigen Länder gewandt hat, in welchen in letzter Zeit ähnliche Be­wegungen wie bei uns stattgefunden haben, und dies sind England, Frankreich und Belgien. Daß auch die Schweiz in der Allerhöchsten Ordre genannt wird, ist für alle Diejenigen, welche mit den Verhältnissen ver­traut sind, leicht erklärlich. Die Schweiz hat sich schon seit geraumer Zeit mit der Frage einer internationalen Regelung der Arbeiterverhältnisse beschäftigt. Außer­dem aber nehmen die genannten vier Länder eine Stel­lung in der Weltindustrie ein, daß ihre Theilnahme an dem Kongreß eine Voraussetzung für das Gelingen desselben bildet. — Thatsache ist, daß auch bei den Regierungen der übrigen Länder, in denen die Arbeiter­frage eine Rolle spielt, wie Italien, Dänemark, Schweden u. s. w. vorbereitende Sondirnngeu statt­finden.

* Nach schweizerischen Meldungen gewinnt es den Anschein, als ob die von der Schweiz angeregte und zum 5. Mai berufene Arbeiterschutzkonferenz ohne Rücksicht auf die deutscherseits in Aussicht ge­nommene Konferenz stattfinden werde. Wir würden danach zwei Konferenzen haben. Das Programm der Schweizer Konferenz deckt sich nicht mit dem, was für die deutsche Konferenz in Aussicht genommen ist. Jeden­falls wird die schweizerische Konferenz, wenn sie wirklich noch stattfindet, eine werthvolle Vorarbeit für die kom­mende deutsche liefern.

* Der preußische Staatsrath soll schon am Schluß der laufenden Woche zusammentreten, wobei der Kaiser eine längere Ansprache halten wird. Nach den ,Berl. Pol. Nachr.' ist es zweifellos, „daß dem Staats­rath sofort eine Vorlage im Sinne des kaiserlichen Erlasses, wenn auch nicht in Form eines Gesetzent­wurfs oder in Form von Grundzügen zu einem solchen gemacht werden wird".

* Das Partei-Verhältniß im Reichstage war am Schluffe der Session, wenn man die erledigten 9 Mandate der Fraktion ihrer früheren Inhaber zu­rechnet, folgendes: Deutsch-Konservative 78, Reichs­partei 39, Nationalliberale 93, Centrum 103, Frei­sinnige 35, Sozialdemokraten 11, Polen 13, Elsaß- Lothringer 14, Wilde 11. Die drei Kartell-Parteien zählten also 210 Mandate, denen noch 4 „wilde" Ab­machen, da ihm die Pflicht über alles ging. Er ver­gewisserte sich, daß er, wenn er frühzeitig Paris ver­lasse, doch wieder so früh heimkehren könne, um noch am Abend im Hotel de Serves vorsprechen zu können.

Er theilte also der Gräfin mit, daß er am nächst­folgenden Sonntage sie besuchen werde.

Als er an dem festgesetzten Sonntage am Bahn­hofe einttaf, erblickte er hier Ronftau im Jagdanzuge — es schien ihm, als ob sein Nebenbuhler ihm einen eigenthümlichen Blick zuwerfe, und diese Begegnung machte einen ganz unangenehmen Eindruck auf ihn, ja sie däuchte ihm wie ein böses Vorzeichen.

Indeß suchte er sich, so gut er es vermochte, dieser düsteren Gedanken zu erwehren.

Ronstau war im Hotel de Serves nicht mehr sicht­bar gewesen, und Charles selbst bekam ihn gar nicht mehr zu Gesicht. Er hatte also Klara offenbar ver­gessen.

Uebrigens kümmerte sich Ronstau nicht weiter um ihn und that, als ob er ihn gar nicht bemerke.

Er that ebenso und löste ein Billet.

Nur wenige Passagiere benutzten den Frühzug und so waren denn die Wartesäle so zu sagen öde und leer.

Georges betrat den Wartesaal; in einer Ecke saß Ronstau, das Gewehr zwischen den Beinen und blickte nicht einmal auf, als er eintrat.

Freilich irrte Georges, wenn er annahm, daß