* Der ,Times' wird aus Sansibar den 9. d. gemeldet: Emin Pascha ist gänzlich wieder hergestellt und beabsichtigt, demnächst nach Sansibar zu kommen. — Ueber die Lage der Dinge in Ostafrika meldet das citirte Blatt: Der Versuch Banaheris, die Massais gegen die Deutschen aufzuwiegeln, ist fehlgeschlagen, weil Lieutenant Gravenreuth die zu diesem Zwecke gesandten 200 Ladungen umfassenden Geschenke erbeutete; Lieutenant Gravenreuth nahm auch den Bruder Btochi- ri's gefangen, welcher gehängt wurde. .
* Ein Artikel der Freuzztg.' über die Fortschritte des Judenthums, welcher zunächst die Verhältnisse in Wien und Pest berücksichtigt, bringt thatsächliche Angaben, welche wohl in ihren Einzelheiten der Kon- trole bedürfen, aber doch den Schluß rechtfertigen, daß 1887 die höheren Schulen Berlins zu einem Drittel von Juden in Anspruch genommen waren. Jedes Jahr verschiebt die Verhältnisse immer mehr zu Ungunsten der Christen; Klassen, wo jüdische Schüler die Hälfte oder gar die Mehrzahl bilden, sind keine Seltenheit mehr, und wenn dies so weiter geht, so werden nach einem Jahrzehnt die höheren Schulen der größten evangelischen Stadt des europäischen Festlandes in der Hauptsache jüdisch sein. In anderen Großstädten, tote Hamburg und Frankfurt a. M-, sieht es ähnlich aus wie in Berlin. Die 360,000 Juden in Preußen stellten im Winter - Semester 1885/86 überhaupt 14,794 höhere Schüler, d.h. so viele wie 2'/z Millionen Evan-. gelische oder 5 Millionen Katholiken.
* München, 9. Febr. Der Einzug und die Inthronisation unseres neuen hochw. Herrn Erzbischofs Dr. v. Thoma findet am St. Josephs-Feste, den 19. März, statt. — Der hochw. Herr Bischof Dr. von Rampf wird erst nach Ostern in Passau geweiht und inthronisirt werden. — Dekan St empfl in Oberreute (Diözese Augsburg) hatte eine Broschüre gegen die neue katholische Bewegung in Bayern geschrieben, stch dabei über die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in staatskatholischem Sinne geäußert und Stellen unterlaufen lasten, welche in Bezug auf den Glauben bedenklich waren. Die ,Post' und die liberale Presse rühmten den Muth des Herrn Stempfl und suchten den Anschein zu erwecken, als ob viele Priester ebenso dächten wie Dekan Stempfl. Herr Stempfl schrieb noch Weiteres zu seiner Vertheidigung im Sinne seiner Broschüre und hielt, obwohl er ein Freund des Lutz-Para- graphen ist, eine Predigt über die Centrums-Fraktion seit 1886. Nun hat die kompetente kirchliche Behörde eingegriffen. Der hochw. Herr Bischof von Augsburg hat mit Entschließung vom 1. Februar den Pfarrer Stempfl der Dekansstelle enthoben und mit der interimistischen Führung der Dekanats - Geschäfte den Herrn Pfarrer und Kammerer Hait in Grönenbach beauftragt. Am 6. Februar hat Herr Pfarrer Hait im Auftrage des Ordinariats Dekanats-Siegel, Akten u. s. w. an sich genommen. Außerdem ist gegen Herrn Stempfl der kanonische Prozeß eingeleitet.
* Dresden, 9. Febr. Die sozialpolitischen Erlasse des Kaisers Wilhelm wurden gestern Abend an allen Straßenecken angeschlagen.
Ausland.
* Rom, 10. Febr. Vorgestern Vormittag fand die Feier der Seligsprechung des ehemaligen Bischofs von Saluzzo, Jean Juvenul Ancina statt. Nach der Verlesung des Dekrets durch Kardinal Masella wurde die hl. Messe durch den Bischof von Jossano, der Vaterstadt des Seliggesprochenen, zelebrirt. Nachmittags begab sich der hl. Vater in Begleitung seines
Georgette schien die Frage des Advokaten nicht zu verstehen, jedenfalls brachte sie dieselbe außer Fassung.
„Unter der Bedingung der Gütergemeinschaft," antwortete sie endlich nach einigem Nachdenken auf's Geradewohl.
„Dann wird eine Scheidung mit der größten Schwierigkeit verbunden sein."
„Aber Ihnen dürfte es nicht schwer sein!"
„Madame, hier spielt Begabung überhaupt keine Rolle, es handelt sich hier lediglich um Thatsachen, abgesehen davon, daß Ihr Gatte wahrscheinlich Gegengründe vorbringen wird."
„Ich möchte wissen, welche!" rief sie lebhaft aus.
„Ein Gatte hat sehr leicht welche gefunden," antwortete der Advokat lächelnd. „Sie dürfen keinenfalls den Prozeß beginnen, ohne wohl gerüstet zu sein. Stellen Sie also Ihre Beschwerden genau zusammen und bringen Sie die Beweise — ich werde sie prüfen und Ihnen dann mittheilen, ob ich die Sache in die Hand nehmen kann."
Der Advokat hatte sich erhoben.
Auch die junge Frau war aufgestanden und sagte in süßestem, zärtlichstem Flüstertöne:
„Ja, ja, Sie werden meine Sache in die Hand nehmen und mich nicht im Stiche lassen!"
„Ich kann Ihnen noch nichts versprechen — ich muß erst die Sachlage genau kennen."
„Sie können von mir fordern, was Ihnen beliebt: ich bin noch reich."
„Lassen wir dies beiseite," antwortete er, indem er sich höflich verbeugte und dann die Gräfin zur Thüre geleitete.
Hofstaates in den Saal, um das Bildniß und die Reliquien des Heiligen zu verehren. 5 Kardinäle und eine ungeheuere Anzahl von Gläubigen wohnten der Feier bei. — Der am 8. ds. verstorbene Kardinal Joseph Pecci war zu Carpineto am 13. Dezember 1807 geboren, trat im Jahre 1825 in die Gesellschaft Jesu ein, in welcher er bis zum Jahre 1848 verschiedene Lehrämter versah, und zog sich nach Vertreibung der Jesuiten nach Perugia zurück. Papst Pius IX. ernannte ihn zum Professor an der römischen Sapienza, Leo XIII. zum päpstlichen Hausprälaten und Subbibliothekar der vatikanischen Bibliothek und später auf die Bitte des heiligen Kollegiums hin zum Kardinal. Im September v. I. hat Kardinal Pecci seine Sekun- öizmesse in der St. Jgnatiuskirche zu Rom gefeiert. Obwohl schon mehr als 82 Jahre alt, also 2 Hahre älter als Se. Heiligkeit der Papst, war der selige Kardinal noch eifrigst mit Studium und in verschiedenen Kardinalskongregationen thätig. Der Tod erfolgte in Folge einer Lungenentzündung, welche sich aus der Influenza entwickelt hatte. Papst Leo hat in Kardinal Pecci einen treuen Bruder, einen weisen Berather, eine der festesten Stützen der Kirche verloren.
* Im Anschluß an die Pamtzaaffatre war verbreitet worden, Fürst Ferdinand von Bulgarien denke daran abzudanken. Das wird dementirt. Der m Rustschuk wohnhafte Unterthan Nadin ist als an der Panitza-Affaire mitschuldig verhaftet worden. Die bet ihm beschlagnahmten Papiere sollen unzweideutige Be- Beweise von Beziehungen Kaloykoffs zu dem Drago- man der russischen Gesandtschaft in Bukarest enthalten auch sollen die Behörden im Besitze eines weiteren Schreibens Kaloykoffs an Panitza sein, welches besagte, der gegenwärtige Augenblick sei zum Sturze des Regimentes günstig derselbe müsse jedoch ohne Blutvergießen geschehen. Die Nachricht von der Verhaftung des Obersten Nicolajeff, des Kommandanten von Südbulgarien wird für falsch erklärt, über die Untersuchung sei nichts weiteres bekannt, die Angelegenheit befindet sich augenblicklich in den Händen des Gerichts und dürfte der Prozeß in etwa 10 Tagen stattfinden. In den Militärkommandos in Sofia wurden Veränderungen vorgenommen. Betreffs der verhafteten russischen Unterthanen verlautet, der mit der Vernehmung der russischen Interessen betraute deutsche Vertreter Baron von Wangenheim habe der russischen Regierung Bericht über die Ereignisse erstattet und am Sonntag im Auftrage der letzteren die Auslieferung Kaloykoffs verlangt. — Nach einer Meldung der ,Köln. Ztg.' bestand unter den Verschwörern eine zweite, eine Nebenverschwörung gegen das Leben Panitza's. Panitza sollte fallen, nachdem der gemeinsame Streich gegen Fürsten und Minister gelungen wäre.
* Petersb urg, 10. Febr. Der Czar hat dem hiesigen brasilianischen Gesandten erklärt, er werde die Republik Brasilien niemals anerkennen. — In jüngster Zeit sind abermals große Truppenverschiebungen erfolgt und wurden aus den östlichen Provinzen Kavallerie und Infanterie nach dem Westen dirigirt. — Am 20. ds. Mts. wird in Paris eine neue russische Anleihe von 300 Millionen Rubel in Gold aufgelegt.
* London, 11. Feb. Die zur Eröffnung des Parlaments verlesene Thronrede bezeichnet die auswärtigen Beziehungen als fortgesetzt freundschaftliche und weist auf die Einsendung bewaffneter Macht unter einem portugiesischen Offizier nach Gebieten, wo sich britische Niederlassung befanden, und auf die mit Blutvergießen verbunden gewesene Kollision sowie auf
„Wann darf ich wieder kommen?" frug Letztere.
,,Jch bin jeden Morgen von neun bis zehn und jeden Nachmittag von fünf bis sieben Uhr zu sprechen."
„Gut."
Georgette verneigte sich ihrerseits und verließ mit stolzem Schritte das Kabinett.
„Brummbär!" murmelte sie vor sich hin, als sie sich draußen befand.
Ungeduldig wartete Ronstau in der Pierre Charron auf das Kommen Georgette's.
„Nun?" lief er, als er sie herankommen sah, „hast Du einen Schritt gethan?"
„Ja, einen Schritt zurück."
Sie erzählte ihm alsdann, was geschehen war.
„Wir dürfen den Muth nicht sinken lassen", sagte er, als sie geendet," noch ist nicht alles verloren."
13.
Ein Rechtsanwalt ist so zu sagen daran gewöhnt, mancherlei absonderliche Klienten, nicht am wenigsten aus dem zarten Geschlecht, bei sich zu sehen, und so dachte Georges nach Verlauf einer halben Stunde, nachdem er eine ganze Litanei ähnlicher Erzählungen hatte anhören müssen, kaum mehr an die angebliche Georgette de Cremona. Am allerwenigsten dachte er sie zum zweiten Male bei sich zu sehen, und er glaubte nichts anderes, als daß sie zu jenen Frauen gehöre, welche den Arzt oder den Anwalt besuchen, unter irgend einem Vorwande, im Grunde jedoch nur, um eine Stunde Zeit todtzuschlagen oder eine neue Bekanntschaft zu machen Hatte er doch der angeblichen Gräfin einen so kalten Empfang bereitet, daß sie schon deßhalb, wie er meinte, sich nicht ermuthigt fühlen würde, zum zweiten Male bei ihm vorzusprechen.
die Begehung von Handlungen hin, welche mit der, der britischen Flagge gebührender Achtung unvereinbar seien; Portugal habe nunmehr auf das Gesuch der Königin versprochen, seine Militärmacht aus diesen Gebieten zurückzuziehen. Die Königin hofft, daß die Berathuug der Brüsseler Antisklaverei-Konferenz die Unterdrückung des Sklavenhandels fördern werde. Die Rede erwähnt den Abschluß der anglo-egyptischeu Handelskonvention und des provisorischen Abkommens mit Bulgarien zur Regelung dringender fiskalischer Fragen; sie kündigt ferner eine Vorlage bett, der Samoa-Konvention sowie des Auslieferungsvertrages mit den Vereinigten Staaten an.
Waarenhandel und kaufmännischer Zwischenhandel.
* Weihnachtsverkehr gab der ,Frkf. Zeitung' Anlaß zu einer Betrachtung über die Frage, ob sich dieser Verkehr wohl immer in der jetzigen Form abspielen dürste. Das große Publikum ist bei dieser Frage nicht so unmittelbar betheiligt, wie der bescheidene Geschäftsmann, der allenthalben Riesenmagazine, ausgestattet mit allem Luxus entstehen sieht, deren Zweck ist, die Käufer jeder Art anzulocken und damit ihm selbst die Nahrungsquellen abzugraben. Das Blatt weist auf zwei Versammlungen hin, in welchen diesen Besorgnissen des kaufmännischen Zwischenhaudes Ausdruck gegeben wurde und schildert deren Verlauf also.
Trotz des sich lebhaft entwickelnden Weihnachtsgeschäftes oder vielleicht gerade angesichts desselben fanden fast an demselben Tage, am 15. bezw. 16. Dezember 1889 in Paris und in einer deutschen Stadt zwei Versammlungen vereinigter Kleinhändler statt, die, ohne offenbar das Geringste von einander zu wissen, mit ihren Protesten gegen eine bestimmte Entwicklungsphase des Großbetriebes int Detailhandel genau dieselbe Tendenz verfolgten. Im Pariser Chateau d'Eau-Theater tagte eine von der Liga der Ladenbesitzer berufene Versammlung von mehr als 3000 Personen, unter denen zahlreiche Abgeordnete und Mitglieder des Gemeinderathes sich befanden. Die Liga ist 1880 gegründet worden ; sie zählt jetzt 15,000 Mitglieder in Paris, Versailles, Rouen, Dijon und Nancy. Ihr Zweck ist der Kampf gegen die großen Modewaarenhandlungen. Der Vorsitzende Christophe erging sich in scharfen Angriffen gegen diese Riesengeschäfte, welche die kleinen und mittleren einfach tobt machten. In einem einzigen Pariser Bezirk, dem achten, seien int vorigen Jahre von 417 Mitgliedern der Liga 65 zu Grunde gegangen, hauptsächlich durch die Riesenbazare. Christoph erläuterte die Forderung der Liga, die Riesenbetriebe im Vehältniß zu ihrem Geschäftsumfang zu besteuern, und eine dementsprechende Resolutton wurde angenomen. So in Paris. Und die deutsche Kundgebung? Sie fand in Weimar statt und gab einer Bewegung Ausdruck, die wirklich durch unseren ganzen D et ail list en st and geht, wie die Mittheilungen über eine von Gewerbe- nnd kanfmän- nischen Vereinen aller Gegenden unterstützte Petition gegen das für Berlin projectirte „Deutsche Waa- renhaus" ergaben. Das Letztere soll ein Aktten- Unternehmen sein, dessen Kunden die Abertausende deutscher Beamten werden und das den durch geringe Theilzahlungen herangezogenen Aktionären in Folge der im Großen gemachten Einkäufe alle Bedarfsartikel billiger als der kleine und mittlere Handel liefern will. Ein Redner tadelte direkt das Nachahmen des ftanzösischen Vorbildes der Pariser Magazine
Er war deßhalb nicht wenig erstaunt, als er sie nach seiner Heimkehr aus dem Justtzgebäude in seiner Wohnung antraf.
Sie erhob sich bei seinem Eintritte und zog ein Bündel Papiere hervor.
„Hier sind die Beweisstücke, mein Herr," sagte sie dann.
Er grüßte sie flüchtig nnd bat sie, in sein Kabinett einzutteten.
Georgette hatte heute eine andere Toilette angelegt, welche ihre Reize noch deutlicher hervortteten ließ; übrigens war ihr Gesichtsausdruck ruhiger und gefaßter als bei ihrem ersten Besuche, mit einem Worte, sie machte heute vollständig den Eindruck einer vornehmen Dame.
Ihre erste Taktik hatte teinen Erfolg gebracht — deßhalb hatte sie dieselbe geändert.
In der That war Georges de Fresnieres ganz verblüfft. Sollte er sich dennoch getäuscht haben? Sollte er wirklich eine vornehme Dame vor sich haben, welcher es mit ihrem Prozeffe wirklich ernst gemeint sei? . , ,
Er verbeugte sich deßhalb etwas tiefer, als zum ersten Male, während sie, an ihm vorüberschreitend, fein Kabinett betrat, und schob ihr zuvorkommend einen Sessel hin. _ . . „ ,
Georgette entging diese Veränderung in dem Auftreten des Anwalts keineswegs.
Sie überreichte ihm die Papiere, welche er fluchtig durchlas.
Zunächst fiel ihm der Heirathskontrakt der Gräfin in die Hände. ES war kein Zweifel mehr: sie hatte in der That feiner Zeit ben Grafen von Cremona ge-