Sonntag, den 9. Februar 1890.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
Hände der Polizei! Die dieses Haus schwer treffen!" unqe Mann den Greis an.
bar, — ja, es war ihm, als ob sie alle Fibern seines Herzens in Bewegung gesetzt hätte.
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Gerechtigkeit Gottes würde dieses Erschrocken blickte der junge----.. ....-----—
Diese Stimme däuchte ihm sonderbar, sehr sonder-
„ Vielleicht ganz gegen seinen Willen, als er zu Boden fiel?"
„Lassen Sie sich nicht durch Ihr gutes Herz rühren," sagte der Arzt, sich zu dem jungen Mädchen wendend. „Diese Schurken haben stets alle möglichen Listen und Ausflüchte, und wenn dieser Mann da nächtlicher Weile bei Ihnen eingebrochen ist, so verdient er doch wohl, meine ich, keine Schonung und kein Mitleid! Wenn ich an Stelle des Herrn de Serves wäre, so hätte ich schon alle Ausgänge des Hotels mit Agenten besetzt.
„Seien Sie ohne Sorge, Herr Doktor," antwortete Charles, „vor Ablaus einer Stunde wird er sich in den Händen der Polizei befinden."
Der Verwundete, welcher diese Worte gehört hatte, schnallte wie von der Tarantel gestochen, von seinem Lager empor, während er zugleich hastig erbleichte.
„Nein, nein," rief er hastig aus, „Sie werden dies nicht zulassen! Im Namen Daniel's de Serves, Ihres
(Eingesa.ndt.)
An die Gentrumswähler des Wahlkreises
Danau-Kockenheim-Gelnhausen- Grü.
Die Vertrauensmänner unserer Partei in unserem Wahlkreise haben nunmehr endgiltig beschlossen, von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen, und gleich bei der Hauptwahl am 20. Februar d. I. den Kandidaten der freisinnigen Partei, Herrn Heinrich Nickel in Hanan, zu unterstützen.
Ueber die gepflogenenUnterredungen und Verhandlungen, welche zu diesem Beschlüsse geführt haben, brauchen wir nicht ausführlich zu berichten, indessen wollen wir doch nicht unterlassen, die Hauptbeweggründe kurz anzugeben, damit unsere Parteigenossen in der Lage seien, die Richtigkeit unseres Beschlusses einzusehen und Dritten gegenüber zu rechtfertigen.
1) An erster Stelle ist hier derwiederholtund dringend ausgesprochene Wunsch unserer ersten Führer (des Herrn Dr. Windthorft u. s. w.) zu erwähnen, der Wunsch nämlich, daß wir, wenn es nur überhaupt möglich erscheine, den Kandidaten des Freisinns in die Stichwahl zu bringen, dieses Ziel ins Auge fassen und mit unserer ganzen Kraft anstreben möchten, weil sonst unser Wahlkreis von vornherein entweder an das Kartell oder an die Sozialisten verloren sei. Da es nun, obwohl man die Aussichten des Freisinns nicht gerade rosige nennen kann, doch nicht I absolut unmöglich erscheint, daß Nickel mit unserer Hilfe in die Stichwahl komme, so war jener Wunsch unserer hochverdienten Führer und Vorkämpfer zu respektiren und demgemäß obiger Beschluß zu fassen.
2) Dazu kommt aber noch an 2. Stelle der g e w i ch- I tige persönliche Umstand, daß das Centrum im Reichstage während der abgelaufenen Periode mit Herrn H. Nickel gute Erfahrungen gemacht hat. Derselbe hat nämlich in mehreren Fällen die Anträge des Centrums bei den Abstimmungen durch sein Votum unterstützt, dagegen niemals gegen das Centrum gestimmt. Nickel hat sich also durch sein parla- I mentarisches Verhalten gewissermaßen ein Anrecht erworben, bei der demnächstigen Wahl auf unsere I Stimmen rechnen zu dürfen.
3) Endlich besteht die auf mündlicher Information
Wer war dieser Mann nur?"
Was wollte er nur sagen?"
Woher kannte er die Geschichte des Verschwindens seines Vaters?
Bewegt wandte er sich also zu dem Arzte und den Dienern.
„Daß Niemand von dem spricht, was hier vorgegangen ist! Ich bürge für diesen Mann!"
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als am Eingänge eine große Bewegung vernehmbar wurde.
Man konnte den Tritt verschiedener Männer deutlich unterscheiden, und zu gleicher Zeit kam eine Magd athemlos hereingelaufen und sagte:
„Der Kommissar und die Agenten sind da!"
Erschrocken blickten alle einander an und die größte Angst malte sich auf dem Gesichte aller Anwesenden.
Ein Polizeikommissar erschien in Begleitung eines Dieners, welcher, ohne beauftragt zu sein, in seinem Uebereifer die Polizei gerufen hatte.
Er warf einen Blick in das Gemach, zog seinen Hut und frug :
„Herr de Serves?"
„Ich bin's", antwortete der junge Mann, näher tretend.
Der Beamte grüßte abermals und fuhr dann fort .
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(26. Fortsetzung.)
»Nein, nein," versetzte Klara lebhaft, „es ist kein Schurke, der Ton seiner Stimme hat es mir gesagt. Er ist ein ehrlicher Mann — ich ahnte es bereits, aber er wird uns später alles erklären, sobald er dazu im Stande sein wird . . . Seine Verhaftung würde Kummer und Schande über unser Haus bringen."
„Noch mehr über sein Haus jedenfalls," meinte Charles in dem nämlichen spöttischen Tone.
„Ich bitte Dich, mein Lieber," fuhr das junge Mädchen fort, „laß mich machen. Wir müssen die Sssuze Angelegenheit unbedingt geheim halten und
Öie nicht der Polizei anzeigen. Ich werde K>n pflegen und ihn retten — wenn es sich später henlusstellt, daß er schuldig ist und daß seine Angaben mcht hinreichend klar erscheinen, so ist es noch immer Zeit genüg, ihn bei der Polizei anzuzeigen. Uebriqens *le9t in gar kein Verbrechen vor."
Einbruch ... und außerdem seine Helfershelfer?"
. ®*ri) uns schon alles mittheilen ... ein ein
ziger Ruf hat uns gerettet — vielleicht hat er diesen Schrei ausgestoßen?" ' 1
verschwundenen Vaters, bitte ich Sie, liefern Sie nicht einen Unglücklichen in die Hände der Polizei! Die
Fuldaer Zeitung
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. — m — tTntrf » sRcrfn» h»r aw«. <o„.c.x
\ sind bisher der Reihe nach die Regierungspräsidenten Dr. v. Bitter und Graf Wilhelm Bismarck, sowie der Oberpräsident von Westfalen, Studt, den ein Gerücht durch Herrn v. Schorlemer-Alst ersetzen will.
* Der Bundesrath hat dem vom Reichstage angenommenen Gesetzentwurf betr. die Wehrpflicht der Geistlichen seine Zustimmung ertheilt. Nach diesem Entwürfe können die katholischen Theologen bis zum Examen vom Militärdienst zurückgestellt und: nach dem Examen der Ersatzreserve überwiesen werden?
* Heute hielten beide Häuser des Landtags Sitzungen ab. Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Eisenbahnetats fort. In der Debatte wurden namentlich Wünsche hinsichtlich der Gehaltsaufbesserung der Beamten, auf Frachtermäßigung für landwirthschaftliche Produkte aus dem Osten, auf Fahrvergünstigungen für Kranke, für Reservisten und Landwehrleute u. s. w. geltend gemacht. Minister v. Maybach sagte Prüfung aller geäußerten Wünsche zu, betonte aber die Nothwendigkeit, angesichts der hohen Ueberschüsse die Vorsicht nicht außer Augen zu lassen. Weiterberathung morgen. — Das Herrenhaus nahm nach längerer Debatte den Gesetzentwurf betr. die Instandhaltung der nicht schiffbaren Flüsse Schlesiens an und vertagte sich dann auf unbestimmte Zeit.
* Dem Abgeordnetenhause sind die angekündigten E i senb a hn -Vorlagen zugegangen. Die eine derselben betrifft die Verstaatlichung der Wernshausen- Schmalkaldener, der Unteralbe'schen, der Westhol- stein'schen und der Schleswig-Holstein'schen Marschbahn. Mittels der anderen wird die Herstellung von 30 neuen Eisenbahn - Verbindungen beantragt. Die Kosten derselben belaufen sich inkl. Beschaffung von Betriebsmitteln auf 117,396,000 Mark. Außerdem werden gefordert zur Anlage des zweiten bezw. dritten und vierten Geleises auf 18 Bahnstrecken 28,983,000 Mark und zu verschiedenen Bauausführungen (Bahnhofsbauten und dergl.) 55,277,466 Mark. Das Gesammt-Erfor- derniß dieser zweiten, der sogen. Sekundärbahn-Vorlage, stellt sich sonach auf über 201,6 Millionen.
* Zwischen Deutschland und England sollen Verhandlungen schweben, welche bezwecken, die Frage der Zugehörigkeit der ostafrikanischen Inseln Patta und Manda einem Schiedsgericht zu unterbreiten.
* Herr v. Schorlemer-Alst hat die Kandidatur im Wahlkreise Hamm-Soest angenommen.
* Aus Baden, 7. Feb. Die Ablehnung der Interpellation der Centrumspartei in Sachen der Kapuziner seitens der Regierung hat eine große Erregung unter den badischen Katholiken wachgerufen und sollen jetzt allenthalben Versammlungen stattfinden, um Protest zu erheben gegen die Aeußerungen der Regierung. Die badischen Katholiken werden die richtige Antwort hierauf bei den nächsten Wahlen ertheilen.
beruhende Annahme, daß die Stimmen, welche wir am 20. Februar dem freisinnigen Kandidaten geben werden, indirekt dem Centrum selbst insofern zu g u t e k o m m e n, als es im Nachbar-Wahlkreise Offenbach- Dieburg, und Herr Nickel selbst bei den angesehensten Mitgliedern der freisinnigen Partei in diesem Sinne zu wirken bemüht ist, dadurch wohl gelingen dürfte, den Kandidaten des Centrums Herrn Rechtsanwalt von Brentano in Friedberg in die Stichwahl zu bringen.
Das sind also unsere Hauptbeweggründe aus denen wir Herrn H. Nickel zur Wahl am 20. Februar empfehlen. — An Euch, Ihr Centrumswähler des Wahlkreises Hanau-Gelnhausen, ist es nun, unsere Empfehlung wirksam und fruchtbar zu machen. Haltet Euch also bereit, am 20. Februar mit dem Wahlzettel zu kommen, welcher lautet auf
Heinrich Nickel in Hanau.
Deutsches Deich.
Berlin, 7. Februar.
* Die Erlasse des Kaisers wegen einer inter- I nationalen Regelung der Arbeiterschutzgesetzg eb- ung finden in der österreichischen Presse rückhaltlose I Zustimmung. Bezüglich des Umstandes, daß Oesterreich und Italien nicht unter den Mächten genannt I werden, mit denen behufs Beschickung der Konferenz verhandelt werden soll, wird angenommen, daß mit diesen Mächten bereits Vereinbarungen getroffen seien. Aus den Aeußerungen der belgischen Presse darf geschlossen werden, daß Belgien die Konferenz beschicken wird. Die englische und noch mehr die stauzösische
I Presse äußern sich reservirt. Sie äußern Bedenken, namentlich mit Rücksicht auf die bestehenden Zolltarifverhältnisse. Von den Londoner Blättern verhält sich der ,Standard' ablehnend. Die meisten anderen Londoner Blätter setzen voraus, daß England der Einladung des deutschen Kaisers Fplge geben werde. Einige Pariser Blätter nehmen ziemlich schroff gegen den Konferenzplan Stellung.
* Die Kaiserlichen Erlasse betreffend den Arbeiterschutz sind in Breslau durch öffentlichen Anschlag zur Kenntniß der Bevölkerung gebracht worden.
* Der Reichskanzler hat sich gestern von den Beamten des preußischen Handelsministeriums, an dessen Spitze er nahezu ein Jahrzent gestanden, verabschiedet. Er gab den Beamten ein Mittagessen, an welchem auch der neue Handelsminister Freiherr v. Berlepsch theilnahm. Ueber den Nachfolger des Letzteren auf dem Posten als Oberpräsident der Rhein- I Provinz ist noch immer nichts bekannt. Genannt worden '