17. Jahrgang
Donnerstag, den 30. Januar 1890
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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Daniels Geheimnis.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(17. Fortsetzung.)
3.
Langsam zieht der Mann seines Weges dahin. Sein Alter auch nur in etwa bestimmen zu wollen, würde sehr schwierig sein: es ist eine von jenen unbestimmten Gestalten, denen man bisweilen in den Krankenhäusern begegnet, in deren Antlitz mehr der Schmerz als die Jahre ihre Furchen eingegraben haben. Das Gesicht unseres Mannes war erdfahl und ließ dadurch den weißen Bart, von welchem es umrahmt war, noch schärfer hervortreten.
Wer ihn in seinen Jugendjahren gekannt hatte, hätte ihn jetzt kaum wiedererkannt: so sehr waren seine Gesichtszüge von Leid und Kummer verändert und entstellt. Nur das lebendige Auge sprühte noch wie im jugendlichen Feuer. Uebrigens verrieth auch die abgetragene Kleidung des Mannes, daß er zu der großen .Zahl von Unglücklichen gehörte, wie sie zu Hunderten sich in der französischen Hauptstadt herumtreiben, die Morgens nicht wissen, wovon sie den Tag über ihren Hunger stillen und Abends keine Stätte haben, wo sie ihr Haupt hinlegen sollen.
Unser Mann trug einen Paletot von schwarzem Tuch, der schon die Spuren langen Gebrauches zeigte und an den Nähten bedenklich geröthet war. Seine
zum letzten September dieses Jahres Kraft hat. Der neugewählte Reichstag hat alfo Zeit, ein neues Gesetz bis dahin zu beschließen und wird zu diesem Zwecke im Frühjahr von Neuem einberufen werden. Von dem Ausfall der Wahlen wird das Weitere abhängeu, ob die Reichsregierung auf die Ausweisungsbefugniß verzichtet, oder aber, ob die Nationalliberalen und Freikonservativen ihren gegenwärtigen Widerstand gegen diese Bestimmung aufgeben. Kommt es im neugewählten Reichstage abermals wie jetzt, fo können wir also möglicherweise nochmals Neuwahlen erleben. Die Nationalliberalen bedauern das Scheitern des Sozialistengesetzes in hohem Grade; ihr Parteiblatt fürchtet, diese Taktik der Regierung werde im Volke nicht verstanden werden.
♦ Von Seiten der sozialdemokratischen Abgeordneten ist beschlossen worden, all' ihren Einfluß, soweit sie persönliche Beziehungen mit Bergarbeiter-Kreisen haben, dahin geltend zu machen, daß der Ausbruch eines Strikes verhindert wird, und daß die Arbeiter nicht auf Forderungen bestehen, die unter den gegenwärtigen Umständen undurchführbar sind. Dieses Vorgehen wird hoffentlich von Erfolg gekrönt fein und gewissen Kreisen, die auf den Ausbruch des Strikes und Arbeiter-Unruhen fpekuliren, das Konzept gründlich verderben.
* Das Abgeordnetenhaus nahm heute die Etats der Domänen und Forsten, sowie der Staatsarchive und des Geheimen Civilkabinets in zweiter Leimig an. Aba. Krause (nl.) bat den Minister für Landwirthfchaft, auf die Aufhebung ' des der Firma Stangin u. Becker gewährten Monopols zur Bernstein- Gewinnung hinzuwirken, weil dadurch kleine Besitzer und arme Stranddörfer empfindlich geschädigt würden. Minister Freiherr von Lucius vertheidigte die genannte Firma und erklärte sich außer Stande, dem Geschäftsbetrieb entgegenzutreten. Auf eine Anfrage, des Abg. v. Risselmann (konf.) gab Minister Freiherr v. Lucius die Erklärung ab, daß er nach Möglichkeit die Auf- besferung der Gehälter der Forstbeamten und namentlich auch der Oberförster anstreben werde. Endlich wurde die Fortdauer des Thüringischen Zoll- und Handelsvereins in dritter Lesung unverändert genehmigt. Donnerstag 11 Uhr Etat.
* Der Reichskanzler Fürst von Bismarck bleibt dem Vernehmen nach bis zum Frühjahr in Berlin. Eine Betheiligung desselben an den Verhandlungen des Landtags wird vorläufig nicht erwartet. Gestern prä- sidirte er einer mehrstündigen Sitzung des preußischen Staatsministeriums.
* Der deutsche Reichskommissar Major Wißmann hat die Plantage Lewa wieder besetzt. Dieselbe war Beinkleider befanden sich in nicht viel besserem Zustande, an den Füßen trug er ein Paar abgetragene Schuhe und das Haupt bedeckte ein von Sturm und Regen arg mitgenommener Hut.
Nachdem der Mann eine Zeit lang bie Avenue de Madrid hinuntergegangen war, bog er links ein und betrat dann eine bescheidene Weinschenke, deren Vorzimmer mit Kutschern und Stallknechten angefüllt waren, durch welche er sich nicht ohne Mühe einen Weg zu dem Hinterzimmer bahnte, in welchem er ungestört zu sein hoffte.
Vier Männer saßen in letzterem Zimmer an einem Tische und plauderten leise mit einander. Der Einttitt des neuen Gastes schien ihnen keineswegs sehr angenehm zu sein. Obwohl einer der Leute sein Mißvergnügen so laut zu erkennen gab, daß unser Mann es hörte, ließ er sich doch nicht abhalten und trat ein.
Er sorderte sich Käse und Wein und beobachtete, während er das Gebrachte verzehrte, seine Nachbaren genau, die in der That eine genauere Beobachtung verdienten und jetzt, ohne sich weiter um die Anwesenheit des Fremden zu kümmern, mit einander lachten und scherzten.
Wir wollen die vier Persönlichkeiten, mit welchem sich unser Mann zusammen sand, nicht näher beschreiben, sondern nur bemerken, daß sie alle vier ein sehr wenig Vertrauen erweckendes Aeußere besaßen. Ihre wilden, verwegenen Gesichtszüge mit den unheim
Deutsches Keich.
Berlin, 28. Januar.
* Die Deutschko nserv ativen veröffentlichen ihren Wahlaufruf. Er feiert die Leistungen des ver- flossenen Reichstages, dem die Erhaltung des Friedens zu danken fei, fordert alle konservativen Männer auf, für die Grundlagen des Staates, für Kirche, Monarchie und Familie einzutreten, da die Gefahren von außen und innen groß seien. Inmitten von Nattonen, die uns feindlich oder mißttauisch gegenüberstehen, müsse Deutschlang in starker Rüstung des Augenblickes harren, in dem es seine Unabhängigkeit und Einheit zu ver- theidigen hat. Die internationale revolutionäre Bewegung lasse schwere Erschütterungen unserer staatlichen und wirthschastlichen Verhältnisse befürchten. — Auch die nationalliberale Partei hat ihren Wahl-Aufruf veröffentlicht, der in allen Tonarten den Kartell- Reichstag preist und sich auch für die Zukunft zum Kartell bekennt. Ueber die im Vordergründe stehenden Fragen sagt der Aufruf nichts Bestimmtes. Die der Sozial-Reform und dem Sozialistengesetz gewidmeten Sätze lauten: „Er (der künftige Reichstag) soll das Werk der sozialen Reform, das der treuen Fürsorge des kaiserlichen Enkels übergebene Vermächtniß des großen Gründers des Deutschen Reiches, seines ersten Kaisers, ausbauen, unter weiser Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit von Landwirthfchaft, Industrie und Gewerbe, insbesondere im Wettbewerb mit dem Auslande. Die Bestrebungen zur Erweiterung und Durchführung eines angemessenen Schutzes der Arbeiter, wie solche von dem gesammten Reichstage wiederholt gutgeheißen wurden, sind zum Abschluß zu bringen. Wie bisher erachten wir es für unsere Pflicht, den Staat und • bie Rechtsordnung gegen die Umsturzbestrebungen der Sozial-Demokratie zu schützen und die dazu unerläßlichen Machtmittel dm Regierungen zu gewähren.
* Die Ablehnung des neuen Sozialistengesetzes hat auf die Giltigkeit des Ausnahmegesetzes selbst keinm Einfluß, da das bisherige Gesetz noch bis
Fuldaer Zeitung
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seiner Zeit von der Deutsch-Ostastikanischen Plantagen- gesellschast errichtet worden in der Nähe des Pangani- Flusses in der Provinz Usambara, ca. 30 Kilometer von der Küste entfernt, und erfreute sich eines ausgedehnten Betriebes, als der arabische Aufstand diesen sowie die Plantage selbst und alle ihre Anlagen zerstörte.
♦ In Trier stellen die Arbeiter einen eigenen Arbeiter-Kandidaten (neben dem Centrums-Kandidaten) auf.
* In der Rheinpfalz wird die Centrumspartei in fämmtlichen Wahlkreisen nur für Centrumskandidaten stimmen. Die Nennung der Kandidaten erfolgt in den nächsten Tagen.
* Weimar, 28. Jan. Der Großherzog genehmigte das Entlassungsgefuch des Staatsministers Stichling und ernannte zu seinem Nachfolger den Geheimrath Groß.
Ausland.
* Wien. 27. Jan. Die innerpolitische Lage ist noch immer eine sehr ungeklärte, der „Ausgleich" zwischen Czechen und Deutschliberalen ist zwar abgeschlossen, allein jetzt muß derselbe erst im Detail ausgearbeitet werden, was noch längerer Verhandlungen bedarf. Die Deutfchliberalen werden erst im Herbste in den böhmischen Landtag eintreten. Die Veränderung im Ka- binete werden sich voraussichtlich erst später vollziehen, ebenso die Stellung der Parteien. Graf Taaffe ist klug genug, die Verbindung mit der jetzigen Mehrheit nicht früher zu lösen, als bis die mit den Liberalen ganz sicher ist. Die am 3. Februar beginnende Reichsrathssession wird somit noch das alte Bild der Parteikonstellation bieten, nur mit dem Unterschiede, daß die Altliberalen gegen die Regierung weniger schroff oppositionell auftreten werden, dagegen sind jetzt die Jung- und Altliberalen sehr feindselig gegeneinander.
* Bern, 28. Jan. Die Arbeiterschutz-Konferenz foll im Ständerathsfaale stattfinden. Der Bundesrath legt einen Entwurf der zu berathenden Fragen vor.
* Im Schweizer Bundesrathe gab es kürzlich eine lebhafte Debatte über das Kreuz im Staatswappen. Dasselbe war in letzter Zeit mißbräuchlich in vier Theile getheilt worden und nahm sich wie ein Symbol der Freimaurer aus. Auf Antrag der christlichen Vertreter wurde nun nach langer Debatte mit 57 gegen 49 Stimmen beschlossen, daß das Kreuz im Wappen nicht blos eine mathematische Figur, sondern das wirkliche christliche Kreuz darstellen solle und demgemäß das Bundeswappen wieder rektifizirt werde in der ursprünglichen Form. Die Logenbrüder boten alles auf, um das zu verhindern.
lich blitzenden Augen verrieten deutlich genug, daß man es mit einer Bande der gefährlichsten Vagabunden zu thnu hatte, wie sie die Pariser Bannmeile unsicher machen, die die leerstehenden Häuser ausplündern, gelegentlich auch sonst Einbrüche verüben, von Raub und Diebstahl leben und wenn nöthig, vor einem Morde nicht zurückschrecken.
Einzelne halblaute Aeußerungm ließen unserem Gaste in dieser Hinsicht nicht den mindesten Zweifel übrig. Uebrigens schien einer der Vier, ein großer, herkulisch gebauter Mann mit kupferfarbiger Haut und dicht wallendem Bart das Haupt der Baude zu fern: wenigstens schienen seine Begleiter seinen Worten andächtig zu lauschen und denselben uugethellten Beifall zu zollen.
Schon wollte sich unser Gast aus dieser unheimlichen Gesellschaft entfernen, als die Erscheinung einer neuen Persönlichkeit ihn fest an seine Stelle bannte.
Er hatte nämlich in dem neuen Ankömmling einen der Stallknechte erkannt, welchen er oft in den Remifen des Hotels de Serves gesehen hatte. Was mochte dieser Mann mit diesen Banditen gemeinsam haben?
Er wollte es wissm, und um nicht die Aufmerksamkeit der Anwesenden aus sich zu ziehen, legte er den Kopf auf den Tisch und stellte sich, als ob er fest schlafe. , .
Beim Eintritt des Dieners, welcher einige zwanzig