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2o. Sonntag, den 26. Januar 1890. 17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung.

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

9 An der Aahre des Eentrumsführers.

Das katholische Deutschland und insbesondere das katholische Bayern hat einen seiner besten, seiner edelsten Söhne verloren: Freiherr von und zu Franckenstein, neben Dr. Windthorst stets als der erste Führer der deutschen Centrumspartei anerkannt und gefeiert, ist der tückischen Krankheit, die ihn mitten in der Aus­übung seiner parlamentarischen Pflicht in Berlin über­raschte, zum Opfer gefallen. Ein harter Verlust hat die Ceutrumspartei und das katholische Volk betroffen. Seit dem Tode Mallinckrodt's hatte das Centrum keine schwerere Heimsuchung zu ertragen. Zwei Tage, nach­dem der Wahlaufruf des Centrums für die kommenden Reichstagswahlen durch die Presse in alle deutschen Lande getragen wurde, hat der unerbittliche Tod den Namen des Mannes, der an erster Stelle unter diesem wichtigen polittschen Pronuntiamento steht, aus der Reihe der Lebenden gestrichen. Die Centrumsfraktion und mit ihr die ganze Centrumspartei in Deutschland das katholische deutsche Volk stehen tieferschüttert an der Bahre ihres hochverdienten, unvergeßlichen Führers dessen persönliche Eigenschaften selbst dem politischen Gegner die uneingeschränkte Hochachtung abzwangen. In dieser Hinsicht kann es für den Todten kaum ein ehrenderes Denkmal geben, als die Ansprache, mit welcher im deutschen Reichstag der erste Präsident von Levetzow die Nachricht von dem Ableben Francken- stein'smittheilte: „Mit ihm sei ein echter deut­scher Manu aus dem Leben geschieden, fest treu und wahr, ohne Furcht, selbstlos, recht, schlicht, zw ar kurz in Worten, aber von großer Thatkraft, weitem Blicke und großer Autorität überall, wohin ihn die Pflicht rief", so pries Freiherr von Levetzow den großen Todten. Kaum jemals dürfte im deutschen Reichstage einem verstorbenen Mitgliede eine solche Summe von hohen Mannestugenden nachgerühmt wor­den sein. Und doch ist es derselbe Reichstag, dessen Mehrheit nach den Septennatswahlen und wegen der bekannten Septennatsbriefe dem Centrumsführer die bisher innegehabte Würde des ? Vicepräsidenten nicht mehr einzuräumen geneigt war. Die heutige Lobrede des Präsidenten war wohl die beste Genugthuung für jenen kränkenden Schritt des Kartellreichstages. Wir sind fast der Mühe enthoben, die perfönlichen Tugen­den des Dahingefchiedenen nach Gebühr hervorzuheben, nachdem ihm felbst aus gegnerischem Munde so hohes Lob gespendet wird. Muß doch auch die Münchener .Allgemeine Zeitung' offen einräumen, daß in „Frei­herrn von Franckenstein das engere und weitere Vater­land einen seiner vornehmsten Bürger verloren hat, einen Edelmann von vortrefflichen Eigenschaften des Geistes und Herzens, der durchdrungen war von tiefer

Daniels Geheimnis.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(14. Fortsetzung.)

Nach einer Reife von mehreren Tagen langte er endlich eines Abends in dem Dorfe an, das in der Nähe feiner Besitzungen lag.

Bald lag das Dorf hinter ihm, denn er wollte noch vor völligem Einbruch der Nacht an seinem Bestim­mungsorte anlangen.

Ein kleines Gebüsch versperrte ihm noch den Bltck auf seine Besitzung ... jetzt gewahrte er hinter dem­selben ein ganz neues, großes, schloßähnliches Gebäude.

Zitternd blieb er stehen: weder sein Haus noch seine Besitzung waren mehr zu erkennen.

Auf den früher brach liegenden Ländereien erhoben sich weitläufige Gebäude in Hufeisenform.

Die Erde schien allenthalben wie von einem Erd­beben aufgewühlt zu sein und ihr röthlicher okerfarbiger Inhalt lag überall sichtbar zu Tage. Mächtigen Ka- nrinen entströmte dicker Rauch, allerwärts wimmelte es von Arbeitern ...

Daniel traute seinen Augen kaum: sollte ein Zeit­raum von 12 Jahren wirklich hingereicht haben, um solche Veränderungen zu bewirken und einen öden Flecken Erde derart zu jbeleben?

„Keinesfalls", so dachte er, haben meine Frau und Kinder, die doch von Allem entblößt waren, dies alles zu Wege gebracht."

Jedenfalls wohnen sie überhaupt nicht mehr hier, die ganze Besitzung ist höchst wahrscheinlich verkauft worden und in andere Hände übergegangen.

Im nämlichen Augenblicke wirst die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen auf das ganze Besitzthum, dessen Umrisse jetzt noch um so deutlicher hervor­traten ... , ..

Nein, dies alles kann nicht das Eigenthum seiner Angehörigen sein. x .

In einiger Entfernung vor ihm taucht aus der Straße ein Mexikaner auf: Daniel springt ab und fragt ihn mit erstickter Stimme: ,

„Wem gehört denn eigentlich diese schöne Besitz­ung ?"

Erstaunt ob dieser Frage blickte ihn der Mann an und sagt bann:

„Dem Senor Cawallos ..." , _ . f

„Dem Senor Cawallos?" wiederholte Daniel tonlos. L .. ,,

,3a", erwiderte der Mexikaner, der. die Erregung des Fremden nicht begreifen kann. „Aber weßhalb fragen Sie smich^darnach? Sie Jinb„ jedenfalls^ ein Fremder?"g

ragenden Antheil.

Durch das Vertrauen der bayerischen Krone war der Verewigte zu den höchsten Würden berufen. Nicht nur als Großkanzler des Georgi-Ritter-Ordens, sondern auch als Präsident der Reichsrathskammer war er eine der hervorragendsten Persönlichkeiten in Bayern, und auf ihn richtete sich stets der Blick, wenn von der Möglichkeit eines Systemwechsels, der Bildung eines neuen Ministeriums die Rede war. Die höchste Ehre aber, die dem edlen Todten zu Theil wurde, empfing er aus den Händen des katholischen deutschen Volkes, welches ihn neben Windthorst zu seinem ersten und bedeutendsten Führer erkor und seinen Namen stets mit Begeisterung und Verehrung als einen der vornehmsten in der Reihe der katholischen Koryphäen hochhielt. Nun ist die irdische Hülle ge­sunken, die edle Seele zu ihrem Schöpfer zurückgekehrt, der dem um die katholische Sache so hochverdienten Manne gewiß recht reichlich lohnen wird für Alles, was er im Leben zu seiner Ehre und zur Ehre und Vertheidigung seiner Kirche gethan und erduldet hat. Wir aber, die Ueberlebeuden, wollen am offenen Sarge des Führers das Gelöbniß ablegen, daß wir in seinem Geiste weiter arbeiten, daß wir die Fahne, welche sei­ner Hand entsank, aufnehmen und unentwegt hochhalten wollen im ehrlichen Kampfe für unser gutes Recht und für die heiligen Jnteresfen unserer katholischen Kirche.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Januar.

* Die Regierung hat nun endlich eine Wahl­parole gefunden, und zwar soll dazu wirklich das „rothe Gespenst" benutzt werden. Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' bemüht sich heute, in einem Leitartikel, vor einem internationalen Vorstoß der sozial-revolutionären Ele­mente gegen die bürgerlichen Elemente graulich zu machen. Die großen Wahl-Vorbereitungen der Sozial­demokraten bedeuteten einen Vorstoß der Sozialdemo­kratie gegen die Gesammtheit der bürgerlichen Elemente. Ein weiteres Symptom dieses Vorstoßes seien die überall hervortretenden großen allgemeinen Strike- Bewegungen. Zur Abwehr müsse man an ein Zusam­menfassen aller nichtsozialdemokratischen Elemente bei den Reichstagswahlen denken. Dem stehe aber der Parteigeift gegenüber, namentlich bei der bürgerlichen Demokratie? Doch zeigen die Vorgänge in Sachsen, daß die Wähler von der Fraktionsleitung sich eman- zipiren und die erste Pflicht aller bürgerlichen Elemente in der Bekämpfung der Sozialdemokratie erblicken. Das Beispiel müsse nachgeahmt werden. Alle bürgerlichen Elemente mit Einschluß der demokratischen seien nach Bennigsen mit unseren Zuständen durchaus zuftieden;

„Ja, ich komme von Acapulco — früher war ich einmal in diesem Lande."

„Ah . . . Sie erkennen sich also nicht mehr wieder?"

,',Es ist schon zehn Jahre her, daß ich zum letzten Male hier war."

„Alles hat sich hier verändert, nicht wahr?

„Gewiß . . . Vor zehn Jahren gehörte diese Be­sitzung einem Franzosen."

Ich weiß es, Herrn de Serves. Ich habe ihn selbst gekannt."

„Was ist denn aus ihm geworden?" forschte Daniel weiter, indem er sich bemühte, fest zu bleiben.

„Ach, der Aermste hat kein Glück gehabt — er ist ja auf einer Reise nach Frankreich umgekommen."

„Und seine Kinder?" srug Daniel auf's höchste gespannt weiter.

„Seine Kinder? Die haben wirklich Glück gehabt: gerade wo sie sich im tiefsten Elende befanden, wo sie dem Untergange so zu sagen geweiht waren, entdeckten ihre Arbeiter ein Diamantenlager."

„Ein Diamantenlager!" wiederholte Daniel.

„Ja, da sehen Sie die Wäscherei — sie ist in vollem Betriebe", erwiderte der Mexikaner, indem er auf die rauchenden Kamine deutete.

„Dann sind die Kinder desIHerrn deIServes letzt wohl reich?"

Vaterlandsliebe". Wie sehr Freiherr von Francken­stein auch in den höchsten Kreisen geschätzt und geehrt wurde, hat sich kurz vor seinem Hinscheiden gezeigt, als der deutsche Kaiser sich in Person nach dem Be­finden des Todtkranken erkundigte.

Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, ein Lebens­bild des theuren Entschlafenen zu entwerfen. Die wichtigsten Momente in feinem Lebensgange wurden bereits mitgetheilt, und es muß einer kundigeren Feder Vorbehalten bleiben, in einem erschöpfenden Nekrologe den Verdiensten und Tugenden des Todten völlig ge­recht zu werden. Nur einige kurze markante Züge, namentlich aus der letzten Zeit feines Lebens, seien hervorgehoben.

Als Großkanzler des Georgi-Ritter-Ordens brachte er bei dem 50jährigen Ordens-Jubiläum Sr. königl. Hoheit des Prinz-Regenten am 8. Dezember v. I. auf diesen einen Toast aus, in dem er offen und ohne Scheu die Worte sprach, welche die Richtschnur semes Lebens waren: „Treu unserem heiligen römisch-katho­lischen Glauben, treu dem königlichen Hause, treu dem Gelöbnisse: gerecht und dem Rechte dienend und tapfer in Vertheidigung jeden Rechtes wollen wir bis art unser. Lebensende bleiben."

Welch' hervorragende ^Stellung Frecherr v. Francken­stein in der Centrums - Fraktion des Reichstages und auch in der katholischen Partei Bayerns einnahm, ist allgemein bekannt. Wenn er auch als Redner nur höchst selten hervortrat, so waren die Fälle, in denen er im Namen seiner Fraktion vor dem Reichstage Erklärun­gen abgab, um so bedeutungsvoller. Ein geschichtlicher Moment darf es genannt werden, als Freiherr von Franckenstein beispielsweife im vorigen Jahre anläßlich des Besuches des Königs Humbert von Italien im Reichstage die feierliche Erklärung abgab, daß seine Partei sich der Kundgebung zu Ehren Italiens und seines Künigs nur anschließen könne unbeschadet seiner Stellung zur römischen Frage.

An dem vielgeschmähteu bayerischen Katholikentage hat Freiherr von Franckenstein persönlich theilgenommen, was ihm eine Fluth von Verunglimpfungen seitens der liberalen Presfe eintrug. Heute noch, am offenen Sarge, macht ein liberales Blatt es ihm zum Vorwurf, daß er der „hervorragendste Unterzeichner" des Aufrufes zum Katholikentage gewesen sei. In den Augen des katholischen Volkes gilt dies als eine seiner besten Thaten, und wir dürfen heute sagen, daß von Francken­stein für den Katholikentag noch mehr gethan hat, als daß er feinen Namenszug zur Verfügung stellte und an der großen Morgenversammlung theilnahm. Der Auf­ruf felbst ist unter feiner Mitwirkung und Mit-Redak- tion zu Stande gekommen, und auch an der Abfassung

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