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JM 18.

Freitag, den 24. Januar 1890.

17. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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GncyKliKa des hl. Vaters über die vornehmsten Pflichten derKatho- liken als Bürger.

(Schluß.)

Biele hinwiederum lassen sich durch falschen Eifer verleiten, sich in Angelegenheiten einzumischen, welche sie nichts angehen, oder geben sich, was noch tadelnswerther ist, den Anschein, es zu thun. Sie möchten, daß die Kirche regiert werde, wie sie es für gut und ersprießlich halten, und gehen darin so weit, daß sie jede andere Maßregel nur mit Widerstreben aufnehmen. Das ist ein thörichter Ehrgeiz, der eben so sehr Tadel verdient, wie die Handlungsweise der Andern; denn diese Leute folgen nicht der rechtmäßigen Obrigkeit, sondern wollen sie lenken; sie verkehren das Verhältniß zwischen Obern und Untergebenen und zerstören die Ordnung, welche Gott für alle Zeiten in seiner Kirche be­obachtet wissen wollte, und die daher von Niemand ungestraft verletzt wird. Jene handeln am besten, welche, so oft es noth thut, gern und freudig auf den Kampfplatz treten, in der festen Ueberzeugung, daß Unrecht und Gewalt endlich einmal dem Rechte unserer heiligen Religion weichen müssen. Sie handeln mit dem Muthe der Christen der Vorzeit, indem sie die Religion zu schützen und zu vertheidigen suchen gegen jene übermüthige und gewalt- thätige Partei, die zur Verfolgung des Christenthums ins Leben getreten, den Papst in ihre Gewalt gebracht und nicht aufhört, ihn zu verfolgen; dabei aber trachten sie stets danach, gehorsame Söhne der Kirche zu sein und thun nichts ohne Weisung ihrer Obern. Diese Art von Unterwürfigkeit, gepaart mit Muth und Beharrlichkeit, sollen alle Christen haben, damit sie in allen Um­ständen an nichts Mangel haben.") Daher wünschen Wir sehr, daß in den Herzen Aller die Klugheit des Geistes wohne, von welcher der hl. Paulus spricht.") Sie bewirkt bei allen Hand­lungen, daß man nicht zu viel und nicht zu wenig thut, daß man nicht feige verzweifelt oder in Uebermuth zu viel hofft. Es gibt aber einen Unterschied zwischen jener Klugheit, welche im öffentlichen Leben und jener, welche im Privatleben angewandt wird. Diese ordnet das Leben des E'.^elnen nach einem ver­nünftigen Plane, jene finöet sich bei den Vorgesetzten und vor allem bei den Fürsten, welche die Aufgabe haben. Andere zu regieren. Demnach beschränkt sich die Klugheit der Einzelnen mit Bezug aus das öffentliche Leben darauf, daß sie die Anordnungen der rechtmäßigen Obrigkeit getreu befolgen.") Eine solche Ord-

“) „Dieweil das Sinnen des Fleisches feindlich ist gegen Gott; denn dem Gesetze Gottes unterwirft es sich nicht und kann es auch nicht." Röm. 8. 6, 7.

") Jak. 1 4. 13) Röm. 8, 6.

") „Die Klugheit hat ihren Sitz in der Vernunft. Nun aber ist es gerade auch Sache der Vernunft, Andern vorzustehen und zu gebieten. Und deßhalb sollte ein Jeder in dem Maße die Gabe der Klugheit und Weisheit besitzen, in welchem er be­rufen ist, Andere zu regieren und zu leiten. Es ist aber ferner offenbar, daß es nicht Sache der Unterthanen ist, in so fern sie llnterthanen sind, und der Diener, in so fern sie Diener sind, zu leiten und. zu regieren, sondern selbst von Andern geleitet und regiert zu werden. Die Klugheit als solche kommt somit nicht den Dienern und Unterthanen zu, in so fern sie Diener und Unterthanen sind; wenngleich jeder Mensch, in so fern er ein mit Vernunft begabtes Wesen ist, in der Freiheit seines Willens auch zugleich eine gewisse Herrschaft besitzt, welche er freilich ohne Klugheit nicht ausüben kann. In den Vorgesetzten also ist Klug-

nung muß vor allem in der Kirche herrschen; denn die Klugheit des Papstes muß Vieles berücksichtigen. Er hat nicht allein die Kirche zu regieren, sondern er muß auch im Allgemeinen die Handlungen der einzelnen Glieder derselben so ordnen, damit diese hoffen können, das ewige Leben zu erlangen. Hieraus folgt also, daß außer der Eintracht, welche alle Katholiken in ihren Gesin- । nungen und in ihren Handlungen an den Tag legen müssen, sie auch ganz besondere Ehrfurcht gegen die hohe Weisheit haben sollen, welche die Kirche in der Ordnung und Gestaltung aller öffentlichen Angelegenheiten bekundet. In erster Linie nun ist die Leitung und Regierung aller kirchlichen Angelegenheiten Sache des römischen Papstes. Aber auch die Bischöfe nehmen daran Theil. Obschon sie nämlich nicht die Vollgewalt der kirchlichen Regierung besitzen, so nehmen doch auch sie in der kirchlichen Hierarchie in Wahrheit Fürstenrang ein; sie regieren die ihnen anvertrauten Kirchen. Sie sind „gleichsam die obersten Bau­meister ... des geistigen Gebäudes"?3) Die Aufgabe der übrigen Kleriker ist nur die, sie mit Rath und That zu unterstützen. So bringt es die Verfassung der Kirche mst sich, und kein Mensch dürfte es wagen, sie ändern zu wollen. Vielmehr inüssen Alle nach i sesen Grundsätzen ihre Handlungsweise bemessen. Wie daher die Bischöfe ihrerseits in der Verwaltung ihres Amtes mit dem Apostolischen Stuhle verbunden sein müssen, so müssen alle Uebrigen, Kleriker und Laien, stets in engster Verbindung mit ihren Bischöfen handeln nnd wirken. — Wohl mag es Dörfern- men, daß auch in den Handlungen der Bischöfe sich etwas finde, was weniger lobenswerth ist, und in ihren Anschauungen, was nicht gerade allseitige Billigung finden könnte: allein selbst dann dürfte der einfache Gläubige sich nicht herausnehmen, zum Richter über seinen Bischof sich aufzuwerfen; der Richter desselben ist bloß Derjenige, den Christus der Herr seinen Schafen als Hirten vorgesetzt hat. Niemand soll je die weisheitsvolle Mahnung des Papstes Gregor des Großen vergessen, der da schreibt: „Die Unterthanen, seien eingedenk, daß sie, selbst wenn in den Hand­lungen ihrer Vorgesetzten sie etwas Tadelnswerthes erblicken sollten, nicht freventlich zu Gericht sitzen dürfen über deren Hand­lungsweise; denn, während sie vielleicht selbst nicht ohne Grund etwas mißbilligen zu können glaubten, würden durch solche Selbst­überhebung leuht .schlminwre liebel herbeiggsührt werden. Sie sollen eingedenk sein, daß etwaige Fehler' und Verschuldungen ihrer Vorgesetzten ihnen keineswegs das Recht geben, sich gegen dieselben zu erheben. Und selbst, wenn sie sehr Schlimmes an ihnen wahrnehmen sollten, so müßten sie das in Demuth soweit als möglich entschuldigen uiid dürfen nie und nimmer die Ehr­furcht und den Gehorsam, die Gott selbst unter Androhung von Strafen ihnen auferlegt, verweigern. . . . Selbst, wo die Hand­lungen der Vorgesetzten Rüge und Warnung herausforderten, müßten die Zungen der Unterthanen sich vor allem vorlauten und freventlichen Urtheil hüten."")

Doch umsonst wäre alles Bemühen und unfruchtbar für die Zukunft, wenn nicht auch das Leben der Katholiken nach den Grundsätzen des christlichen Glaubens eingerichtet wird. Von den Juden heißt es in der heiligen Schrift: „So lange sie nicht heit und Weisheit in höherm Maße nöthig als in den Unter­gebenen ; in jenen ist sie, wie es im sechsten Buch der Ethik heißt, in ähnlicher Weise, wie die Kunst im Künstler, in diesen hingegen mehr nach Art der Kunstferttgkeit Derjenigen, welche die Werke der Künstler mit ihren Händen ausführen." Hl. Thomas 2, 2 qu. 47 Art. 12.

“) H. Thomas Quodlib. 1 Art. 14.

") Keg. Pastor p. 3 cap. 4.

sündigten vor dem Angesichte ihres Gottes, war es gut mit ihnen, denn ihr Gott hasset die Ungerechtigkeit. Denn, da sie von dem Weg waren abgewichen, den ihnen Gott gegeben hatte, daß sie darauf wandelten, sind sie von vielen Völkern mit Krie­gen verderbet worden" 1’). Das Judenvolk aber Ivar ein Vor­bild der Christen; und in dem, was sich mit ihm zutrug er­kennen wir häufig das Bild zukünftiger Ereignisse. Dazu kommt, daß uns Christen Gott in seiner Güte mit weit größeru Vor­zügen und Gnaden ausgestattet hat und daß deßhalb die Sünden der Christen einen weit schwärzeren Undank in sich bergen.

Die Kirche wird zwar zu keiner Zeit und in keiner Weise von Gott verlassen; sie braucht sich daher auch nicht vor der Verruchtheit der Menschen zu fürchten. Dies kann aber wahrlich den von dem Wege der christlichen Tugend abweichenden Natio­nen nicht zur Beruhigung dienen; denn „die Sünde macht die Völker elend"?») Wenn jedes frühere Zeitalter die Wahrheit dieses Spruches vollauf erfahren hat, warum sollte das unserige nicht dieselbe Erfahrung machen? Viele Zeichen deuten darauf hin, daß die verdienten Strafen schon bevorstehen, um eben dasselbe bestätigt die Lage der Staaten, unter denen wir manche durch innere liebel zerrüttet, keinen ober in jeder Hinsicht außer Gefahr erblicken. Wenn nun die gottlosen Parteien den einge­schlagenen Weg kühn verfolgen; wenn es ihnen gelingen sollte, daß sie eben so, wie sie durch elende Künste und noch schlimmere Absichten wirken an Macht und Hilfsmittel gewinnen, so wird in der That zu befürchten sein, daß sie alle Staaten aus den Grundlagen, welche ihnen von Natur gesetzt sind, herausreißen — Und wahrlich, solche Schreckbilder können nicht durch mensch­liche Macht verhütet werden, besonders weil die ungeheure vom christlichen Glauben abgefallene Mehrheit dadurch die gerechten ©trafen des Stolzes büßt, da sie durch Begierden geblendet die Wahrheit vergebens sucht, das Falsche für das Wahre nimmt, und sich weise zu sein dünkt, wenn sie „das Böse gut und das Gute böse" nennt, und „die Finsterniß in Licht und das Licht in Finsterniß" >») kehrt. Daher ist es nothwendig, daß Gott uns seinen Beistand leiht, nnd, seiner Güte eingedenk, der mensch­lichen Gesellschaft sich annimmt. Darum haben Wir auch bei einer andern Gelegenheit dringend gemahnt, sich mit besonderm Euer und mit, Standbaftigkeit zu bemühen, daß die göttliche Müde auf unser demüthiges und flehentliches Gebet hin wieder erscheine, und die Tugenden, durch welche ein christliches Leben bewirkt wird, wieder zurückgerufen werden. — Vor allem aber bedarf es des Wiederauflebens und der Pflege der Charitas welche eine vorzügliche Stütze des christlichen Lebens ist, und ohne welche es christliche Tugenden überhaupt nicht gibt oder doch nur unfruchtbare. Deßhalb ermahnt auch der hl. Paulus die Kolosser, daß sie jegliches Laster fliehen und mancherlei Lob der Tugenden zu erlangen suchen sollten, und er fügt hinzu: „lieber all dem aber habet Liebe, die das Band ist der Voll- kommenheit."2») Wahrlich ein Band der Vollkommenheit ist die christliche Liebe, weil sie Diejenigen, welche von ihr durchdrun­gen sind, auf's innigste mit Gott selbst verbindet und sie dahin bringt, daß sie ihr geisttges Leben aus Gott schöpfen, mit Gott mhren und Gott darbringen. — Die Liebe zu Gott muß aber mit der Nächstenliebe verbunden fein, weil ja die Menschen an der unendlichen Liebe Gottes Theil haben und dessen Ebenbild deutlich in sich ausgeprägt tragen. „Dieses Gebot haben wir von Gott, so daß der, welcher Gott liebt, auch seinen Bruder liebt.“»1) „Wenn Einer sagt: ich liebe Gott und er haßt seinen

*’) Judith, 5, 21—22. 1») Sprüchwörter 14, 34.

is) Jsaias 5, 20. -») Koloss. 3, 14. ») 1 Joh. 4, 21.

Daniels Geheimniß.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(12. Fortsetzung.)

13.

Eines Morgens befand sich Daniel zufällig am Hafen, als rings um ihn her eine große Bewegung entstand; er erkundigte sich und erfuhr, daß ein Schiff in Sicht sei.

Rasch bewaffneten sich einige Zuschauer mit Fern­rohren und bald hieß es allerseits mit Bestimmtheit, daß dies kein anderes Schiff als die „Jle-Non" sein könne.

Das Schiff aber war dasjenige des Bruders Dar- tige's, das ihm die Freiheit gab, wenn er einwilligte.

Gleich darauf sah Daniel in der Ferne auch den Kaufmann selbst herankommen, aber wie um einem Versucher auszuweichen, floh er von dannen.

Einen Monat lang sollte das Schiff, so erfuhr Daniel, vor Anker liegen bleiben und dann wieder seine Heimreise antreten.

Er hatte also noch einen Monat Zeit, sich das Anerbieten, welches Dartige ihm inzwischen wiederholt hatte, zu überlegen.

Es war eine schreckliche Zeit für ihn —vergebens juchte er sich das lockende Bild der Freiheit, welches ihm fortwährend vor Augen schwebte, aus den Ge­danken zu bannen — aber stets zog es ihn wie mit unwiderstehlicher Macht zum Hafen hin, wo der „Jle- Ron" vor Anker lag. Ganze Stunden verbrachte er

oft am Hafen, während die widersprechendsten Ge- lanken und Gefühle sein Hirn durchkreuzten. Dann lachte er wieder an seine Lieben drüben in Mexiko, lenen, wenn sie glücklich warm, nur eins fehlte: der Vater. Vielleicht aber auch waren sie dem Elende anheimgefallen und riefen nach ihm vergebens um Hilfe und Schutz.

Nur noch wenige Tage und das Schiff sollte die Anker lichten.

Ein schrecklicher Kampf enspann sich im Herzen des Unglücklichen, der es vermied, sich im Hause Dartiges zu zeigen, ja sich nicht mehr getraute, an's Gestade des Meeres zu gehen.

Nichtsdestoweniger stand bei ihm sein Entschluß fest! Seinen Wohlthäter durfte und wollte er nicht verrathen.

In dieser Stimmung befand er sich, als er eines Abends zu seiner Wohnung heimkehrend, vor der Amtswohnung des Gouvemeurs eine große Menge Menschen hastig gestikulirend, auf- und abwogen sah.

Als er sich des nähern nach dem Vorgefallenen erkundigte, erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß der Gouverneur tot sei!

Ein Schlaganfall hatte ihn mitten in bester Ge­sundheit weggerafft.

Daniel fühlte sich, als er diese Nachricht vemahm wie von einer drückendm Last befreit — jetzt war sein Entschluß bald gefaßt.

Rasch begab er sich noch am nämlichen Abende zu Dartige und theilte chm feinen Entschluß mit.

„Oh," sagte der Kaufmann lachend, „hatte ich's mir doch gedacht, daß Sie die Gelegenbeit benutzen würden. Das Schiff geht binnen acht Tagen ab, haltm Sie sich also bereit. Der Kapitän des Schiffes weiß von der ganzen Sache; er wird Ihnen die nöth- igen Verhaltungsmaßregeln schon mittheilen.

Herzlich drückten beide Männer einander die Hand und schieden von einander.

Zittemd kehrte Daniel an diesem Abende heim — wer hätte ahnen sollen, daß seine Lage in wenigen Minuten sich so sehr hätte ändern können! Alle mög­lichen Gesühle bestürmten ihn: Schmerz, Freude, Furcht und Hoffnung, der Wechsel war zu rasch und unver- muthet gekommen.

Acht Tage später befanden sich Daniel und sein Freund fast an derselben Stelle, wo er des letzteren Tochter aus den Händen der Kanaken befreit hatte.

Herzlich drückte der Kaufmann Daniel die Hand und sagte dann zu ihm:

„Run ans Werk, Gott möge Sie beschützen."

„Wie soll ich es Ihnen vergelten, was Sie mir gethan?" versetzte Daniel gerührt.

„Kann ich Ihnen besser für die Rettung meines Kindes danken? antwortete der Kaufmann.

Dann setzte er, einen Blick auf das Meer werfend hinzu:

„Es ist jetzt Zeit für Sie — Sie brauchen eine Stunde, um schwimmend das Schiff zu erreichen."

Auch Daniel blickte jetzt in der angegebenen Richt-