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Daniels Geheimnis.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(11. Fortsetzung.)
Aber fast im nämlichen Augenblicke stürzten sie, ein schreckliches Geschrei erhebend, auf einander los. Ein heftiger Kampf entspann sich zwischen den beiden, die bald in eine Wolke von Staub eingehüllt waren.
Diesen Augenblick glaubte Daniel benutzen zu müssen um sein Rettungswerk auszuführen.
Rasch und geräuschlos schlich er von der den Kanälen entgegengesetzten Seite der Felspartie vorwärts und sah bald eine kleine Grotte vor sich, an deren Eingang das junge Mädchen bleich wie der Tod ohnmächtig zu Boden lag.
Daniel war nicht wenig überrascht, denn er glaubte die Gesichtszüge wiederzuerkennen. Eben wollte er sich hierüber vergewissern, als ein durchdringender Schrei ihn wie am Boden festbannte: einer der Kämpfenden war zu Boden gesunken.
Daniel verbarg sich rasch in dem Schatten, da der Sieger nach seiner Meinung jetzt jedenfalls zu dem jungen Mädchen zurückkehren werde.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke; wie er beim Mondschein gewahren konnte, hatte die Grotte zwei Eingänge. Während der Wilde an der einen Seite die Höhle wieder bettat, schlich er rasch an der anderen Seite dorthin, wo der Kampf stattgefunden hatte.
Der ermordete Kanake lag in seinem Blut, neben chm sein Messer.
Daniel steckte dasselbe zu sich und eilte jetzt in die Höhle zurück.
„Jetzt haben wir beide es mit einander zu thun," murmelte er vor sich hin.
Als er die Höhle wieder betrat, sah er, wie das Mädchen aufrechtstehend sich den Umarmungen des Kanaken mit verzweifelter Anstrengung zu entwinden suchte.
Schon war es den Anstrengungen des Wilden gelungen, das Mädchen zu Boden zu werfen, als er plötzlich ein wildes Geheul ausstieß.
Daniel hatte ihm, während er zu dem Mädchen niedergebeugt dastand, hinterwärts mit voller Wucht sein langes Messer zwischen den Schultern in den Rücken gestoßen.
Dumpf lächelnd sank er, tödtlich getroffen, zu Boden, während Daniel zu dem Mädchen sagte:
„Kommen Sie mit mir, Fräulein!"
Fast im nämlichen Augenblick entfuhr jetzt beiden Lippen ein Schrei des Erstaunens:
„Fräulein Bertha!" rief Daniel.
„Sie hier, mein Herr!"
Herr de Serves hatte in dem jungen Mädchen die Tochter des Kanfmanns von Numea, welchen wir oben erwähnt hatten, erkannt.
Dem Mädchen selbst war natürlich Daniel keine unbekannte Persönlichkeit, denn oft hatte sie mit ihrem Vater über ihn gesprochen, und ebenso wie der Kapitän des Schiffes, das Daniel nach Numea gebracht, wollte der Kaufmann nicht so recht an seine Schuld glauben.
Daniel war in den Augen der Kaufmannsfamilie nicht so sehr ein Verbrecher als ein Unglücklicher, der nichts weniger als den Bagno verdient hatte.
„Sie sind es also, der mich gerettet hat!" sagte Bertha endlich, nachdem sie sich von ihrem Schrecken etwas erholt hatte.
„Eilen wir so rasch als möglich hinweg!" mahnte Daniel, „denn noch sind wir nicht außer aller Gefahr, es könnten andere Kanaken uns verfolgen."
„Ja, ja! Aber tausend Dank Ihnen!"
„Sprechen wir nicht davon, ich habe nur meine Pflicht- gethan. Aber erzählen Sie mir lieber, wie Sie denn eigentlich in die Hände der Wilden gefallen sind?"
Fräulein Dartige erzählte nunmehr Daniel, wie sie einen Spaziergang gemacht, denselben immer weiter ausgedehnt habe, und so, ohne es zu ahnen, in die Gegend gekommen sei, wo die Kanaken zu Hausen pflegten.
Während die eben beschriebene Szene sich ereignete, war die Aufregung in Numea nicht gering gewesen.
Die Gouvernante Fräulein Darttge's, welche sich in ihrer Begleitung befunden hatte, aber beim Herannahen der Wilden mit blitzartiger Geschwindigkeit entflohen war, hatte die Nachricht in die Stadt gebracht, in welcher sich sogleich die Geschichte wie ein Lauffeuer verbreitet hatte.
Auch der Gouverneur wurde sogleich von dem Vor- all in Kenntniß gesetzt, weil Daniel auffallender Weise noch immer nicht zurückgekehrt war.
Eine Menge Soldaten wurde alsbald aufgeboten,
Gncyklika des hl. Katers über die vornehmsten Pflichten der Katholiken als Bürger.
(Fortsetzung.)
Zu dieser Uebereinstimmung der Gemüther und Einhelligkeit kes Handelns, welche von den Feinden der katholischen Religion nicht ohne Grund gefürchtet wird, ist vor allem Gleichheit der Meinungen nothwendig. Hierzu ermahnt der Apostel Paulus die Korinther sehr inständig und mit gar gewichtigen Worten, indem er schreibt; „Ich ermahne euch aber, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß die nämliche Rede ihr alle führet, und nicht unter euch Spaltungen seien, hingegen ihr vollkommen seiet in demselben Sinne und in derselben Meinung»)." Die Weisheit dieser Aufforderung ist leicht zu erkennen. Es haben nämlich die Handlungen ihren Anfang im Geiste; daher kann keine Uebereinstimmung im Wollen und keine Einhelligkeit im Handeln herrschen, wenn die Geister verschiedenen Meinungen ergeben sind. Diejenigen aber, welche der Bernunft allein folgen, können nur überaus schwer die gleichen Ansichten haben. Denn das Erkennen der Dinge ist sehr schwierig, der Geist hingegen, von Natur aus schwach, wird durch die Verschiedenheit der Meinungen und durch äußere Einwirkungen nicht selten getäuscht; dazu kommen die Leidenschaften, welche die Fähigkeit, das Wahre zu erkennen, oft benehmen oder doch wenigstens schwächen. Aus diesem Grunde geschieht es, daß in der Leitung »er Staaten oft versucht wird, Diejenigen durch Gewalt vereint zu halten, die in ihren Ansichten nicht übereinstimmen. Anders ist es bei den Christen. Diese empfangen ihren Glauben von »er Kirche, und sie sind gewiß, daß sie unter deren Autorität und Leitung die Wahrheit besitzen. Wie es daher nur eine Kirche gibt, «eil nur einen Christus, so gibt es auf dem ganzen Erdenkreis und darf cs nur geben eine Lehre für alle Christen. „Ein Herr, ei» Glaube."r) „Da sie aber denselben Geist des Glaubens haben"»), besitzen sie vor allem das, woraus für Alle Uebereinstimmung im Wollen und Handeln hervorgeht.
Jndeß muß die Uebereinstimmung, wie auch der Apostel Paulus mahnt, eine vollkommene sei. Der christliche Glaube stützt sich nicht auf menschliche sondern auf göttliche Autorität. Was aber Gott uns offenbart, „halten wir für wahr, nicht weil wir mit dem Lichte der Bernunft die innere Wahrheit der Dinge erkennen, sondern weil Gott selbst, der nicht getäuscht werden und nicht täuschen kann, zu uns spricht." <) Daraus folgt, daß wir jeder einzelnen Wahrheit, von der seststeht, daß sie von Gott geoffenbart ist, die gleiche Zustimmung gewähren müssen. Wenn wir einer dieser Wahrheiten nicht zustimmen, dann ist das so viel, als wenn wir alle verwerfen. Es untergraben folglich die Grundlagen des Glaubens ebenso diejenigen, welche leugnen, daß Gott zu den Menschen gesprochen, wie jene, welche an seiner unendlichen Wahrheit und Weisheit zweifeln. Welche Lehren aber von Gott geoffenbart sind, hat die Kirche zu bestimmen, welcher Gott die Bewahrung und die Erklärung seiner Offenbarungen übertrug. Der oberste Lehrer in der Kirche ist aber der römische Papst. Die Uebereinstimmung der Gemüther verlangt nun vollkommene Uebereinstimmung in demselben Glauben, aber auch vollkommene Untwerfung des Willens unter die Kirche
i) Kor. 1., 10.
») Ephes. 4, 5.
3) 2. Kor. 4, 13.
4) Batik. Konzil. Dei filias Kap. 3.
und den römischen Papst, wie unter Gott. Nun aber ist, wie der Glaube selbst, so auch diese vom Glauben geforderte Willensunterwerfung nur dann vollkommen und wahrer Gehorsam, wenn sie ungetheilt ist; und gerade in dieser Ungetheiltheit des Glaubens und des Gehorsams, die eben alles glauben und befolgen, was Gott geoffenbart und angeordnet hat, ist man gewohnt, das charakteristische Merkmal zu erblicken, welches Katholiken und Nichtkatholiken von einander unterscheidet. Sehr schön erklärt diese Wahrheit der h. Thomas von Aquin mit folgenden Worten : „Der Formalgegenstand des Glaubens ist die oberste Wahrheit, in so fern diese sich in der hl. Schrift und der aus dieser obersten Wahrheit selbst entspringenden Lehre der Kirche offenbart. Niemand also, der sich weigert, seinen Glauben von dem unfehlbaren Lehramte der Kirche zu empfangen, kann von sich sagen, daß er das Gut des Glaubens besitze; die einzelnen Glaubenswahrheiten mag er besitzen, keineswegs aber den Glauben selbst. . . . Wer nämlich die Lehre der Kirche als unfehlbare Regel und Norm seines Glaubens anerkennt, der nimmt alles an, was die Kirche lehrt, denn wenn er in den Lehren der Kirche nach seinem Gutdünken Auswahl treffen wollte, um die eine Lehre zu glauben, die andere nicht, würde er offenbar die Lehre der Kirche als unfehlbare Glaubensregel verlassen, um seinem eigenem Willen zu folgen 5). Die ganze Kirche hat nur einen Glauben nach dem Worte des Apostels: (1 Corinth. 1) „Habet alle dieselbe Lehre, und Spaltungen seien nicht unter euch." Das wäre aber unmöglich, wenn etwa aufgeworfene Glaubensfragen nicht entschieden werden durch den Vorsteher der ganzen Kirche, dessen Entscheidung von der ganzen Kirche angenommen werden muß. Daher steht es der Autorität des Papstes qllein zu, ein neues Glaubensbekenntniß festzusetzen, wie auch alles das, was die gesammte Kirche angeht."«)
Wie man, nun die Grenzen der Unterwerfung ziehen, so glaube Niemand, daß man den Hirten der Kirche, insbesondere dem römischen Papst, nur in den Dingen gehorchen müsse, die zu den Glaubenswahrheiten gehören, deren hartnäckige Verwerfung Irrlehre ist. Ja cs ist auch noch nicht hinreichend, jenen Lehren aufrichtig und fest zuzustimmen, die zwar durch eine feierliche Lehrentscheidung noch nicht definirt sind, aber doch durch das allgemeine Lehramt in der Kirche als von Gott gepffenbart zu glauben vorgestellt werden, — von denen das Vatikanische Konzil agt, daß sie durch göttlichen und katholischen Glauben festgehalten werden müßten. Außerdem ist es Pflicht der Christen, daß sie sich überhaupt durch die Bischöfe und besonders durch den römischen Papst leiten und führen lassen, Wie naturgemäß das ist, leuchtet ein. Denn was in der göttlichen Offenbarung enthalten ist, bezieht sich theils auf Gott, theils auf den Men- chen, theils auf Dinge, die zum ewigen Heil des Menschen nothwendig sind. Nun aber werden nach göttlichem Rechte sowohl in Bezug auf das, was wir zu glauben haben, als auch in Bezug auf das, was wir thun sollen, von der Kirche Vorschriften erlassen und zwar für die gesammte Kirche vom römischen Papst. Daher muß es der Autorität des Papstes zustehen, darüber zu urtheilen, was die göttliche Offenbarung enthält, welche Lehren mit ihr übereinstimmen; ebenso muß er zeigen können, was erlaubt und was unerlaubt ist, was wir thun und was wir lassen müssen, um das ewige Heil zu erlangen, sonst kann er den Menschen weder ein sicherer Ausleger des Wortes Gottes sein, noch ein zuverlässiger Führer des Lebens.
Doch wir müssen noch tiefer eindringen in das Wesen der
5) H. Thomas 2, 2. qu. 5. Art. 3.
•) H. Thomas ebendort 1. Art. 10.
Kirche, etc ist keine zufällige Vereinigung von Christen, sondern eine von Gott gestiftete Gesellschaft, die dahin zielt, den Seelen Frieden und Heiligkeit zu vermitteln. Da sie allein durch göttliche Huld die nothwendigen Mittel dazu besitzt, hat sie bestimmte Gesetze, bestimmte Aemter, und in der Leitung der christlichen Völker geht sie einen ihreni eigenen Wesen entsprechenden Weg, mdeß die Leitung ist schwierig; denn die Kirche leitet Völker, die über den ganzen Erdkreis zerstreut sind verschieden durch Sitten und Gebräuche, die in den einzelnen Staaten leben nach deren Gesetzen, die zugleich der staatlichen und kirchlichen Gewalt sich unterwerfen müssen. Diese Pflichten vereinigen sich auf dieselben Personen, sie Widerstreiten aber nicht einander, noch dürfen sie mit einander vermischt werden: denn die einen zielen auf das Wohl des Staates, die andern auf das Wohl der Kirche, beide auf die Vervollkommnung der Menschen
Nach dieser Begrenzung der Rechte und Pflichten ist es klar, daß die Lenker der Staaten frei sind in ihren Angelegenheiten und dies nicht nur nicht gegen den Willen der Kirche, sondern mit deren Unterstützung; denn da die Kirche hauptsächlich befiehlt, daß die Frömmigkeit gepflegt werde, welche Gerechtigkeit gegen Gott ist, so fordert sie eben dadurch auf zur Gerechtigkeit gegen die Fürsten. Aber die Macht der Kirche ist nichtsdestoweniger über jene erhaben, da ja ihre ganze Bestimmung die ist, bie Menschen hinzulenken, „das Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit zu suchen".') Ohne am Glauben Schiffbruch zu leiden, darf Niemand daran zweifeln, daß die Leitung der Seelen der Kirche allein übertragen wurde, und daß die staatliche Gewalt keinerlei Recht dazu hat; denn nicht dem Kaiser, sondern dem Petrus hat Jesus Christus die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut. — Mit dieser Lehre über die staatliche und kirchliche Gewalt ist aber noch Anderes von nicht geringer Bedeutung verknüpft, worüber Wir an dieser Stelle nicht schweigen wollen.
Die Kirche unterscheidet sich von jedem politischen Verbände. Wenn sie auch eine gewisse Aehnlichkeit hat mit einem Königreiche, so ist doch ihr Ursprung, ihr Zweck, ihr ganzes Wesen von allen irdischen Reichen, gar sehr verschieden. Die Kirche hat somit das Recht, nach eigenen und ihrer Natur entsprechenden Gesetzen und Einrichtungen zu bestehen. Und da sie ferner nicht bloß eine in sich vollkommene Gesellschaft ist, sondern auch jede andere menschliche Gesellschaft an Würde überragt, so ist es durchaus unbillig, von ihr zu fordern, daß sie dem Getriebe der politischen Parteien sich anbequeme und den Wandlungen der staatlichen Umwälzungen ihre Rechte opfere. Aus demselben Grunde ist ferner der Kirche, so eifersüchtig sie auch auf ihre eigenen Rechte ist, jedes fremde Recht ehrwürdig und heilig; und e» liegt ihr fern, sich mit Vorliebe für eine Staatssoem gegen bie anbere zu entscheiden, und in die Gestaltung der rein bürgerlichen und staatlichen Verhältnisse der christlichen Völker selbst Eingreifen zu wollen: alle Staatsformen und Staatseinrichtungen sind ihr recht, wofern Glauben und Sitten dabei bestehen können. — Nach diesem Beispiele der Kirche müssen sich auch die einzelnen Christen in ihren Anschauungen und in ihrer Handlungsweise bilden. Ohne Frage ist es ihnen gestattet, auch auf politischem Gebiete ihre Thätigkeit zu entwickeln und, wofern nur nichts geschieht gegen die Wahrheit und Gerechtigkeit, in den politischen Kämpfen dahin zu wirken, daß diejenigen Anschauungen den Sieg davon tragen, welche nach ihrer Meinung dem allgemeinen Wohle mehr zu Nutzen gereichen. Aber Mißbrauch der Religion wäre es, die Kirche Parteizwecken dienstbar machen und ihre Hilfe zur Vernichtung der Gegner beanspruchen zu wollen.
7) Math. 6, 33.
Donnerstag, den 23. Januar 1890
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