17. Jahrgang
Mittwoch, den 22. Januar 1890
16
Fuldaer Zeitung
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GnnMKa des hl. Katers über die vornehmsten Pflichten derKatho- liken als Bürger.
Allen ehrwürdigen Brüdern, Patriarchen, Primaten, Erzbischöfen und Bischöfen des katholischen Erdkreises, welche mit dem Apostolischen Stuhle in freundlicher Verbindung stehen,
Papst Leo XIII.
Ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischen Segen!
Rückkehr zu den Satzungen des Christenthums und Umgestaltung der Lebensweise, Sitten und Einrichtungen der Völker nach seinen heiligen Vorschriften thut Roth; und täglich macht sich diese Nothwendigkeit immer gebieterischer geltend. Mehr und mehr hat man sich Dom Christenthum entfernt: und um so gewaltiger schwoll die Hochfluth der Uebel, die uns bedrängt, so zwar, daß alle Wohlgesinnten nur mit Bangen der Gegenwart denken und mit Zittern in die Zukunft fchauen.
Zwar hat unsere Zeit nicht geringe Fortschritte auf dem Gebiete der materiellen und sinnfälligen Güter gemacht; aber Sinnfälliges, physische Macht und irdischer Reichthum vermögen, wenn sie auch wohl das Leben hienieden bequem und angenehm gestalten, doch des Menschen Geist, der nach höhern und herr- lichern Gütern verlangt, keineswegs zu sättigen. Auf Gott muß unser Auge gerichtet sein, auf Ihn all' unser Trachten: das ist unser oberstes Gesetz und der Zweck unseres Daseins. Nach dem Gleichniß und Bilde Gottes sind wir ja geschaffen, und zu Gott fühlt sich schon von Natur unser innerstes Wesen mächtig hingezogen. Nun aber sind es nicht etwa körperliche Schritte, welche uns Gott näher bringen. Es ist einzig das Streben der Seele durch Denken und Lieben: Gott ist ja die erste und erhabenste Wahrheit, und der Geist erkennt die Wahrheit; Gott ist auch die erhabenste Heiligkeit und der Inbegriff aller Güter, und der Wille allein kann solches besitzen.
Dies gilt von den einzelnen Menschen; dies gilt aber auch von der menschlichen Gesellschaft, von der Familie und nicht weniger auch vom Staate. Denn nicht sich selber ist ja die Gesellschaft Zweck und Endziel, und nicht ist der Menfch da wegen der Gesellschaft, sondern das ist der Zweck eines jeden gesellschaftlichen Verbandes, daß er den Einzelnen dazu behülflich sei, das ihnen von Gott gesteckte Ziel zu erreichen. Eine bürgerliche Gesellschaft also, welche wohl bedacht wäre, irdisches Wohlsein und, was das Leben schön und annehmlich machen kann, zu schaffen, dabei aber in der Verwaltung und allen öffentlichen Angelegenheiten Gott außer Acht ließe und das von Gott gegebene Sittengesetz nicht berücksichtigte, würde ganz gewiß ihrer Bestimmung nicht gerecht werden, und wäre auch nur dem äußern Scheine, nicht aber der Wirklichkeit nach und in Wahrheit ein zu Recht bestehender gesellschaftlicher Verband.
Nun aber ist es offenkundig, daß die höhern Geistesgüter, von denen Wir gesprochen, und die ohne die Pflege der Religion und stetige Beobachtung der christlichen Gebote nicht erworben werden können, von Tag zu Tag der Mißachtung und Geringschätzung der Menschen mehr anheimfallen, und das in dem Maße, daß, je größer der Fortschritt auf den Gebieten des materiellen Lebens ist, um so größer auch der Rückgang und Verfall aus dem Gebiete jener höheren Güter zu sein scheint. Einen ganz besonders kennzeichnenden Beweis hierfür erblicken Wir in den manchfachen Unbilden und Schmähungen, mit welchen gerade üt unfern Tagen häufig ganz öffentlich und offenkundig alles überfchüttet mied, was katholisch ist. Unbilden und Schmähungen, wie sie frühere, vom Geiste der christlichen Religion durchwehte Zeiten nicht kannten und auch nicht geduldet haben würden.
Das Seelenheil gar Bieler steht hierdurch in äußerster Gefahr; aber auch die Staaten und Reiche sind dadurch bedroht und können dabei nicht unversehrt bleiben; denn wo die Sitten und Erziehungen nicht mehr christlich sind, da wanken alle Grundlagen jeglicher menschlichen Ordnung. Zur Wahrung und zum Schutze der öffentlichen Ordnung und des Friedens der Gesellschaft bleibt da nur die rohe Gewalt übrig. Aber, wer weiß nicht, wie ohnmächtig diese ist, wenn die Religion ihr nicht ihren Beistand verlecht, wie sie wohl geeignet ist, Knechtessinn zu erzeugen, nicht aber freudigen Gehorsam, und wie sie in sich selbst die Keime der schlimmsten Umwälzungen birgt? Gar Trauriges hat unser Jahrhundert in dieser Hinsicht erfahren, und wir wiffen nicht, ob uns nicht noch Schlimmeres bevorsteht.
Unsere Pflicht ist es also — die Zeitverhältnifse selbst fordern es auf das entschiedenste — die Heilmittel zu suchen, wo sie find. Es sind: Anschauungen, wie sie den Lehren des Christenthums entsprechen, und ein Leben, wie es den Vorschriften des Christenthums entspricht, für die Einzelnen und für die Ge- sammtheit. Das allein kann uns helfen in den liebeln, welche uns bedrängen, und das allein kann uns schützen gegen die Gefahren, welche uns bevorstehen. Wir aber, Ehrwürdige Brüder, dürfen unserseits nichts ungeschehen und nichts unversucht laffen, was geeignet ist, jene christliche Gesinnung im Denken und Handeln der Völker wiederherzustellen. Schon bei anderen Gelegenheiten haben Wir öfters hieraus aufmerksam gemacht; es scheint Uns aber nützlich, im gegenwärtigen Rundschreiben noch ausführlicher davon zu handeln, indem wir Uns eingehender über die Pflichten Derbreiten, welche die Zeitverhältnisse den Katholiken auferlegen. Wir sind nämlich überzeugt, daß nichts mehr dem Gemeinwohle der Völker zum Segen gereiche, als gerade die treue Erfüllung jener Pflichten. Alles, auch die wichtigsten und heiligsten Angelegenheiten, scheinen gegenwättig in Frage zu stehen; und gar leicht ist es, in dem einen ober anderen Punkte dem Jrrthum ober bem Zweifel anheimzufallen. Unsere Aufgabe, Ehrwürdige Brüder, ist es da, zu lehren und zu mahnen, wie es den Zeitverhältniffen entspricht, auf baß Alle ben Weg ber Wahrheit finden.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß den Bekennern des katholischen Glaubens zahlreichere und gewichtigere Pflichten hinsichtlich des praktischen Lebens obliegen, als denen, welche das hohe Gut dieses Glaubens gar nicht ober nur theilweise besitzen. Da Jesus Christus, ber Urheber unseres Heiles, ben Aposteln befahl, das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden, da hat er auch allen Menschen, die Pflicht auferlegt, das, was gelehrt würde, anzunehmen und zu glauben; und gerade an die Beobachtung dieser Verpflichtungen sollte die Erlangung der ewigen Seligkeit geknüpft sein. „Wer glaubt und getauft ist, ber wirb selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden"»). Run aber ist Jeder, der den christlichen Glauben, rote es seine Pflicht ist angenommen, hierdurch ohne Weiteres auch Kind und Unter« than der Kirche und somit Mitglied der herrlichsten und heiligsten Gesellschaft, die es gibt, welche als Stellvertreter des unsichtbaren Hauptes Christi Jesu der römische Papst leiten und regieren soll. ,
Wenn wir nun aber schon dem Gemeinwesen, in welchem wir geboren und erzogen werden, in besonderer Liebe zugethan zu sein von Natur verpflichtet sind, so zwar, daß jeder rechtschaffene Bürger sein Vaterland nicht bloß vertheidigen, sondern wenn es noth thut, freudig ben Tod für dasselbe zu erdulden bereit sein muß: um wie viel mehr müssen dann nicht die Christen der Kirche in Liebe und Treue ergeben sein! Ist ja doch die Kirche die heilige Stadt des lebendigen Gottes, Gottes Tochter auf Erden, die, während sie auf Erden pilgert, auch ihrerseits die Menschen für Gott erzieht und zur Seligkeit im Himmel hinführt! Wenn wir also unser irdisches Vaterland lieben müssen, welches uns unser sterbliches Leben verliehen, dann schulden wir offenbar weit innigere Liebe der Kirche, welcher wir das Leden verdanken, das kein Ende haben soll; denn es ist fürwahr billig, daß wir den höheren geistigen Gütern vor den Gütern des Leibes den Vorzug geben, und daß uns unsere Pflichten Gott gegenüber*mebr am Herzen liegen, als die gegen die Menschen.
Uebrigens dürfen wir ja auch nicht verkennen, daß die übernatürliche Liebe zur Kirche und die natürliche Liebe zum Bater- lande im 'Grunde genommen Znnllingsschwestern sind, und beide einen und denselben Vater haben, nämlich Gott selbst. Ein Widerstreit zwischen beiden ist also auch eigentlich unmöglich. Wir dürfen und müssen somit einerseits uns selbst lieben, unseren Mitmenschen Wohlwollen erweisen, das Vaterland, worin wir geboren sind, und die Obrigkeit lieben; allein dabei dürfen wir nicht vergeffen, die Kirche zu tieben als unsere Mutter, und Gott selber mit der innigsten Liebe, deren wir fähig sind.
Das ist die naturgemäße Ordnung unserer Pflichten. Aber nicht selten geschieht es, sei es durch die Ungunst der Zeiten, sei es durch Böswilligkeit der Menschen, daß diese Ordnung verkehrt wird. Es kommt nämlich vor, daß die Pflichten, welche die Bürger dem Staate gegenüber haben, in Widerspruch zu stehen scheinen mit ben Pflichten, welche eben denselben die christliche Religion auferlegt. Das kommt daher, daß Diejenigen, welche an der Spitze der Staaten stehen, entweder die heilige Gewalt der Kirche nicht achten ober ihren Zwecken bienstbar machen wollen. Däher ber Zwiespalt. Hier ist auch für manche Mannestugenb Probe unb Prüfung. Eine zwiefache Gewalt ist vorhanbes, Zwiefaches unb sich Widersprechendes wirb ben Bürgern befohlen: beibes können sie nicht befolgen; benn „Niemand kann zwei Herren bienen",«) währenb er dem Einen willfährig ist, muß er den Andern vernachlässigen.
Welchem ober von den beiden Herren müssen wir im Widerstreite der Gebote gehorchen? Das kann nicht zweifelhaft fein. Unerlaubt fürwahr ist es, den Menschen zu Liebe den Pflichten gegen Gott untreu zu werden; Sünde ist es, die Gesetze Christi zu übertreten, um irgend einer irdischen Obrigkeit zu gehorchen, oder die Rechte ber Kirche zu opfern, um nicht ein weltliches Gesetz zu mißachten zu scheinen. „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen»)." In solchem Falle müßte einJeber stets unb ohne Zaudern dieselbe Antwort geben, welche Petrus und die übrigen Apostel ber Obrigkeit gaben, die Unerlaubtes von ihnen forderte. Ganz gewiß darf weder im Kriege noch im Frieden ein überzeugungstreuer Christ an Vaterlandsliebe von Jemanden sich übertreffen lassen, aber trotzdem müßte er bereit fein, eher Alles, eher ben Tob zu erbulben, als bie heil. Sache Gottes unb seiner Kirche zu verrathen.
Diejenigen aber, welche eine solche Anschauung hinsichtlich ber Pflichten nicht billigen wollen ober gar alle treue Katholiken, welche darnach handeln, als Unbotmäßige und Aufrührer brandmarken, wissen nicht, was eigentlich die Gesetze sind, von welchen sie reden, und was von Rechtswegen dazu gehört, daß solche Bestimmungen wirklich Gesetzeskraft beanfpruchen dürfen. Was Wir da berühren, das ist euch bekannt, und öfters haben Wir davon gesprochen. Ein Gesetz ist doch offenbar nichts Anderes, als diejenige Anordnung, welche die rechtmäßige Gewalt den Grundsätzen der Vernunft entsprechend zum allgemeinen Besten erlaffen hat. Nun aber ist nur diejenige Gewalt eine rechtmäßige, die von Gott stammt, dem ersten und obersten Herrscher, der allein einem Menschen über einen andern Menschen Macht verleihen kann; auch kann offenbar von Beobachtung der durch die Vernunft biftirten Grundsätze da nicht die Rede sein, wo gegen die Wahrheit und das göttliche Gesetz verstoßen wird ; endlich kann, was dem höchsten und unveränderlichen Gute widerspricht und die Menschen der Liebe Gottes entfremdet, wahrlich Niemandem in Wirklichkeit ersprießlich fein.
Wohl sind alfo auch die Macht und das Ansehen ber irbischen Obrigkeit ben Christen ve»ehrungswürdig; wohl erblicken sie in ihnen, selbst wenn ihre Träger derselben weniger würdig sein sollten, einen gewissen Abglanz der göttlichen Macht unb Majestät; wohl liegt es gerade ihnen am Herzen, die Gesetze zu ehren und zu befolgen, nicht etwa bloß aus Furcht vor Strafe,
i) Mark. 16, 16. *) Matth. 6, 2/. ») Act. 5, 29.
sondern um des Gewissens willen; „denn nicht den Geist ber Furcht hat Gott in unser Herz gelegt"*); allein wann bie Staatsgesetze offenbar vom göttlichen Gesetze abweichen, wann sie den Gesetzen der christlichen Religion und der Kirche widersprechen, wann sie die Autorität Jesu Christi selbst in Seinem obersten Stellvertreter und Hohenpriester verletzen, bann ist es Unrecht, ihnen zu gehorchen. Pflicht, ihnen zu ividerstehen, unb bas nicht bloß im Interesse ber Kirche, sondern auch im eigensten Interesse des Staates selbst, zu dessen Verderben ja alles gereichen muß, was geschieht zum Nachtheile der Religion.
Hieraus erhellt aber auch anderseits, rote unbillig es ist, diejenigen, welche solche Anschauungen vertreten, der Unbotmäßigkeit zu zeihen; denn es ist klar: nicht ben pflichtmäßigen Gehorsam versagen sie der Obrigkeit und den Gesetzen ihres Landes, sondern nur in denjenigen Dingen sind sie ihnen nicht willfährig, in denen, diese keinerlei Gewalt haben, da sie ohne Befugniß von Seiten Gottes und gegen den Willen Gottes an- geordnet und deshalb weder Recht sind, noch Gesetz. Das ist, ehrwürdige Brüder, rote ihr wißt, auch die Lehre des heiligen Apostels Paulus. In seinem Briese an Titus») ermahnte er die Christen, „ben Fürsten unb Gewalthabern unterthan zu sein unb ihrem Gebote zu folgen"; inbent er aber bann beifügt, „zu jedem guten Werke sollten sie bereit sein", gibt er zu verstehen, daß, wenn die Gesetze der Menschen irgend etwas enthalten, was gegen das Gesetz Gottes ist, es Recht und Pflicht sei, ihnen nicht zu gehorchen. Auch der Apostelfürst hat denen, welche ihm die Freiheit, das Evangelium zu verkünden, verkürzen wollten, frei« müthig geantwortet: „Urtheilet selbst, ob es recht ist vor Gott, euch mehr zu gehorchen als Gott: wir können doch unmöglich, was wir gesehen und gehört, verschweigen.",)
Unser irdisches Vaterland also dürfen unb müffen wir lieben, mehr aber als dieses unser himmlisches; den Gesetzen der Menschen müssen wir gehorchen, nie aber dürfen wir dabei den Rechten Gottes irgend etwas vergeben: das ist der Christen heilige Pflicht, das ist auch ihre erste und vorzüglichste Pflicht, aus welcher alle andern sich ableiten: Unser göttlicher Erlöser har ja selbst auch von sich gesagt. „Dazu bin ich geboren wor den unb bazu bin ich in bie Welt gekommen, daß ich ber Wahrheit Zeugniß gebe.“7) Unb ferner: „Ich bin gekommen, Feuer auf bie Erde zu bringen, und was will ich anders, als daß es brenne".8) Die Erkenntniß dieser Wahrheit ist des menschlichen Geistes herrlichste Zierde und das freudige Umfaffen dieses Gebotes ist des menschlichen Willens höchstes Gut. Und darin gerade liegt auch des Christen wahres Leben und echte Freiheit. Dieser Wahrheit und dieses herrlichen Gutes Schutz aber ist von Jesus Christus für alle Zeit der Kirche anvertraut worden; unb mit mütterlicher, zärtlichster Liebe erfüllt die Kirche ihre Aufgabe bisher unb fürber.
Unb trotzbem, weich' heftiger Kampf ist gerabe jetzt gegen bie Kirche entbrannt: Die menschlichen Wissenschaften haben in unfern Tagen mancherlei, was bisher in Dunkel gehüllt war, entdeckt unb mancherlei, was für unser diesseitiges Leben nützlich fein kann, erfunden: da haben dann die Menschen in ihrem Wahne geglaubt, nunmehr einer höhern Macht, und damit auch des göttlichen Gesetzes nicht mehr zu bedürfen. Die Herrschaft, bie Gott allein gebührt, haben sie deshalb gemeint, sich anmaßen zu dürfen, in sich selbst und in ihrer bloßen Natur haben sie geglaubt, Mittel unb Norm für die Erkenntniß einer jeglichen Wahrheit zu finben, alle ihre religiösen Pflichten haben sie von ber Natur allein abzuleiten unb auf die Natur allein znmckzu- führen gesucht. Sie kennen daher keine übernatürliche göttliche Offenbarung, sie wollen nichts wissen von Gehorsam gegen ein christliches Sittengesetz und gegen die Kirche, keine gesetzgebende Gewalt und keine Rechte erkennen sie der Kirche zu, ja in den Einrichtungen der Staaten ist nach ihnen für die Kirche kem Platz vorhanden. In dieser ihrer Gesinnung geben sie sich alle Mühe, im öffentlichen Leben Ansehen und Stellung zu gewinnen unb bie öffentlichen.Aemter an sich zu reißen, weil sie überzeugt sind, baß es ihnen so eher gelingen wirb, bie Gesetze und die Anschauungen unb Sitten ber Völker nach ihren Gesinnungen umzugestalten. Offen ober im Geheimen gehen sie deshalb auch gegen die katholische Religion vor; und während sie allen, auch den verderblichsten Jrtthümern jede mögliche Freiheit gestatten, legen sie gar ost das Bekenntniß des christlichen Glaubens in Feffeln und Banden. „„ „ ,r, ._
Bei dieser traurigen Sage der Dinge muffen alle Christen vor Allem darauf Bedacht nehmen und dafür Sorge tragen, daß sie den heiligen Glauben mit ängstlicher Sorgfalt in ihren eigenen Herzen bewahren, unb daß sie besonders gegen bie Trugschluffe einer falschen Wissenschaft.stets gerüstet seien. Ganz besonders nützlich und in vorzüglicher Weste den Zeitverhältniffen entsprechend scheint es Uns zu sein, hier Allen, nach Maßgabe der ihnen von Gott verliehenen Talente, fleißiges Studium der Glaubenswahrheiten und alles deffen, was irgendwie damit m Zusammenhang steht, eindringlichst zu empfehlen. Und da der Glaube in unseren Herzen nicht bloß alle Zeit blühen, sondern auch ftettg wachsen muß, erinnern Wir daran, daß wir nicht nachlaffen dür- sen, mit den Aposteln demüthig und inständig zum Herrn zu flehen: „Vermehre uns den Glauben"!8)
In Bezug hieraus nun gibt es Pflichten, welche allen Christen alle Zeit am Herzen liege» müffen, aber auch solche, welche in unseren Tagen uns besonders obliegen. Wenn es nämlich immer Sache der Kirche war, die Ehre Gottes zu suchen und das Heil der Menschen zu fördern und deshalb die Wahrheit zu verkünden und allen Jrrthum aus den Herzen zu entfernen so ist das doch ganz besonders der Fall in unseren Tagen, da falsche und irrige Meinungen jeder Art so weite Verbreitung gefunden haben. Freilich ist nun die Bertheidigung des Glaubens in erster
Timoth. 1, 7. «) Tit. 3, 1. «) Act. 4, 19—20. 7) Joh. 18, 37. 8) Luk. 12, 49. ») Luc. 18, 5.