®rud u. Verlag der Fuldaer Actieudruckerei (PH. Reuß).
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Daniels Geheimnis
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(6. Fortsetzung.)
„Aber wenn ich ohne Geld zurückkomme?" hatte er dann schüchtern bemerkt.
»d^un wohl , Halle iNadame de Server geant- wortet, „dann leben wir, wie wir können. Wir Neben uns genug, um auch ohne Vermögen leben zu können “ „Aber unsere Kinder?" hatte dann Daniel mit thränenerstickter Stimme gefragt.
„Sie werden es machen wie wir: sie werden arbeiten!"
„Durch meine Nachlässigkeit und Unvorsichtigkeit seid ihr alle ruinirt!" sagte Daniel dann bitter.
Madame de Serves suchte den Unglücklichen zu ttosten, so gut sie vermochte.
Daniel reiste ab — wir wissen bereits, daß er in Paris eingetroffen war.
Uebrigens hatte er auf seiner Reise noch die verschiedensten Mißlichkeiten erleben müssen: anfangs zwar batte er, ohne freilich zu ahnen, großes Glück gehabt.
, Durch einen Zufall nämlich konnte er nicht das erste j Dampfboot benutzen, welches ihn nach Frankreich brin- gen foHte — dieses Fahrzeug aber ging mit Mann 1 uno Maus durch einen Sturm zu Grunde. Weil er aber nur das nöthigste Geld zu seiner Reise mitgenommen hatte, so sah er sich, als er in Havre landete, 0 m D?n ^em entblößt, daß er den Weg von Havre nach Pans zu Fuß zurücklegen mußte.
I der Verkehrsanstalten aller Art sowie des landwirth- schaftlichen Gewerbes.
Der Entwurf des Staatshaushaltsetats für das Jahr vom 1. April 1890/91 wird Ihnen alsbald zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorgelegt werden
Der Vertrag vom 10. Mai 1833, durch welchen bte Verwaltung der Zölle und gemeinschaftlichen Steuern im Gebiete des thüringischen Zoll- und Handelsvereins geregelt ist, entspricht nicht mehr den vielfach veränderten Verhältnissen. Es ist daher am 20. November ö. I. zwischen den Bevollmächtigten der Vereinsstaaten em neuer Vertrag vereinbart worden, welcher die Fortsetzung der bisherigen Gemeinschaft in besserer Weise sichern soll. Der Vertrag wird zur verfasslmgsmäßiqen Zustimmung vorgelegt werden.
Der für die vorige Session in Aussicht gestellte Gesetzentwurf, welcher die bisherige Klassen- und Einkommensteuer in eine einheitliche Einkommensteuer um- zugestalten und weitere Reformen auf dem Gebiete der direkten Steuern vorzubereiten bestimmt war, sollte die bestehende Grund- und Gebäudesteuer zunächst unberührt lassen. Im Landtage vorweg geführte Verhandlungen ließen jedoch erkennen, baff' auf die seit geraumer Zeit beabsichtigte Ueberweisung von Grund- und Gebäudesteuer au die Kommunalverbände der größere Werth gelegt und deren unmittelbare Verwirk- ttchung irr erster Linie erstrebt wurde. Die Regierung Sr. Majestät des Kaisers und Königs hat daraus Veranlassung genommen, den Rahmen der Vorlage dergestalt zu erweitern, daß beide Angelegenheiten — bie Reform der Einkommensteuer und die Ueberweisung von Realsteuern an die Kommunal-Verbände — mit | einander verbunden und gleichzeitig zur Erledigung gebracht werden können. Eine entsprechende Vorlage wird vorbereitet. 8
Um die Vortheile der einheitlichen Staatsverwaltung aus dem Gebiete des Eisenbahnwesens weiteren Landestheilen zuzuwenden, wird Ihnen die Erwerbung noch einiger Privateisenbahnen in Vorschlag gebracht werden und auch in diesem Jahre eine Vorlage wegen Ausdehnung und Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Staatseisenbahnnetzes zur Beschlußfassung zugehen.
Die vorjährige Ernte ist in mehreren Landestheilen eine ungünstige gewesen. Dank der Förderung welche die Zolleinrichtungen des Reiches der vaterländischen Landwirthschaft gewähren, ist indessen die Hofstiuuq begründet, daß die schwierige Lage, in welche die land- wirthschastliche Bevölkerung jener Landestheile durch den Ernteausfall gekommen ist, ohne dauernd nach- theilige Folgen zu überwinden sein wird.
Ter preußische Landtag
ist heute durch den Vizepräsidenten des Staatsmim- steriums, Herrn von Boetticher mit nachstehender Thronrede eröffnet worden:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
Se. Majestät der Kaiser und König haben mir den Aufttag zu ertheileu geruht, den Landtag der Monarchie zu begrüßen und auch an dieser Stelle Allerhöchstseinem Danke für die mannigfachen Beweise der Ergebenheit und Treue Ausdruck zu geben, welche Sr. Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin in verschiedenen Provinzen neuerdings entgegengebracht sind.
Se. Majestät halten Sich versichert, daß die tiefe Trauer, in welche Allerhöchstdieselben und das Königliche Haus durch das Hinscheiden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Augusta versetzt worden sind, im ganzen Laude mitempfunden und daß das Andenken an feie hohe Frau und an ihre segensreiche Thätigkeit auf feem Gebiete der Nächstenliebe im Gedächtniß des Volkes fortleben wird.
Die Finanzlage des Staates ist nach dem Abschluß des letzten und den bisherigen Ergebnissen des laufenden Rechnungsjahres wiederum eine günstige.
Die über die Voranschläge hinausgehenden Einnahmen wichtiger Verwaltungszweige sind indessen in gleicher Höhe für die nächsten Jahre nicht zu erwarten, wahrend eine Verminderung des Angabebedarfs fast nirgends, ein weiteres nothwendiges Wachsen desselben dagegen an zahlreichen Stellen in Aussicht steht. Schon für das nächste Jahr wird eine erhebliche Steigerung des Mattiknlarbeitrages für das Reich vorzusehen sein.
Die Gunst der heutigen Lage entbindet deßhalb nicht davon, durch vermehrte Tilgung der Staatsschuld die Zukunft thunlichst zu entlasten und erhöhte Vorsicht in neuer Belastung derselben zu üben.
Unter Ihrer bereitwilligen Mitwirkung sind in den Atzten Zähren Verbesserungen der Beamtenbesoldungen durchgeführt, welche zwar erfreuliche und werthvolle Anfänge zu der erstrebten allgemeinen Erhöhung der Drensteiunahmen bilden, hinter dem Bedürfniß, namentlich feer unteren und mittleren Stellen aber wesentlich ^.ücfbleiben. Die Regierung hält sich dchhalb verpflichtet, weitere Erhöhungen mit Ihnen zu vereinbaren.
Außerdem werden neue und vermehrte Ausgaben vorzusehen sein für die Erfordernisse des Staatsdienstes für die regelmäßige Pflege von Kunst und Wissenschaft'
„Fünfhunderttausend Franks? Du bist wohl toll?" Daniel ballte seine Faust.
„Elender, Elender!" stieß er hervor.
Mehr konnte er nicht hervorbringen — das Wort blieb ihm m der Kehle stecken.
Ich dulde nicht, daß man mich beschimpft!" sagte
A.. er zugleich seine Hand nach
einer Klingel ausstreckte.
Daniel hielt ihn zurück.
_ I . "^ein, nein," sagte er in bittendem Tone, „noch Du ein Wort. Es ist unmöglich, daß Du Dich der Sache nicht erinnerst: ich habe Dir selbst die Summe in Dein Bureau gebracht. Bedenke, daß dieses Geld mein ßeben
. Abgebrochen an allen Gliedern und von den schrecklichsten Zweifeln und den bangsten Erwartungen gequält, langte er endlich fünf Tage nach seiner Land- ung m Paris an — das übrige weiß der Leser bereits.
Was war zwischen feen beiden Männern vorqe- gangen ? 8
6.
vtn ^icht begreiflicher hochgradiger Erregung hatte Dowel das Kabmet des Bankfeirektors betreten: feer Eick des in seinem Hause herrschenden Luxus zer- lchnitt ihm das Herz noch mehr.
Als er das Kabinet Ronstau's betrat, zuckte letzterer unmerklich zusammen, faßte sich bann aber wieder schnell unb tagte bann in möglichst freundlichem Tone:
,,^ch hätte Dich wirklich nicht wieder erkannt! Woher kommst Du denn eigentlich?"
„Von Mexiko!"
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Die Regierung Sr. Majestät hält es für noth- "eudlg^ ^ Möglichkeit, Grundeigenthum zu erwerben und sich seßhaft zu machen, mehr als bisher zu erleichtern. Es wird Ihnen deshalb ein Gesetzentwurf ?-ribhen für den Erwerb landwirth- fchaftlicher Grundstücke das Rechtsinftitut der Rentenguter eingeführt werden soll.
Das erfreuliche Bild, welches der Aufschwung des Handels und der Gewerbthätigkeit im Laufe des letzten Wahres bargeboten hat, ist getrübt worben durch bie Arbetterausstänbe, welche namentlich in den Stein- kohlenbezirken in großem Umfange unter Nichtinne- hEung der gesetzlichen Kündigungsfrist und theilweise nicht ohne Gewaltthättgkeiten stattgefunden haben.
Es hat Se. Majestät den Kaiser und König mit ofrÄIn9 ^füllt, daß die Arbeitgeber, vielfach mit Zuruckstellung eigener Interessen, bestrebt gewesen sind begründeten Beschwerden der Bergarbeiter Abhülfe zu schaffen und selbst weitgehenden Forderungen derselben entgegen zu kommen. Se. Majestät halten Sich darnach zu der Erwartung berechtigt, daß fernere Ver- ftiche zur Störung der Eintracht zwischen feen Grnben- besltzern und den Bergarbeitern an dem gesunden Sinn der Bevölkerung scheitern, und daß die für die gejammte Arbeiterichaft nicht minder wie für den Bestand feer gefährlichen Unterbrechungen wirthschaftlicher Thattgkett fortan unterbleiben werden. Die Regierung, welche eine eingehende Untersuchung der von den ! Bergarbeitern erhobenen Beschwerden und Forderungen vornehmen lassen, wendet dieser Frage unausgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu. Andererseits hat sie Vorsorge getroffen, daß jeder Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung fofort mit Erfolg entgegengetreten werde, ^rer Fürsorge für die Wohlfahrt feer arbeitenden Klassen hat sie durch die Mitwirkung an der Gesetzgebung des Reiches über die Versicherung der Arbeiter gegen die Folgen von Krankheit, Unfall und Jnvalibi- i Ausdruck gegeben, und sie wird auch ferner nicht ablaffen, weiter hervortretende Bedürfnisse sorgfältig zu beachten und deren Befriedigung anzustreben. Jene Fürsorge tn Verbindung mit feer eingetretenen Steigerung feer Löhne bietet eine Gewähr dafür, daß das Bewußtsein einer mehr gesicherten Lage der Arbeiter in wachsendem Umfang durchdringen werde.
Zur Vereinfachung der über die Errichtung notarieller Urkunden bestehenden Vorschriften und zur möglichsten Regelung des Kostenansatzes in Angelegenheiten der sreiwilligenGerichtsbarkeit werden Ihnen entsprechende Gesetzentwürfe vorgelegt werden.
Ueber die Ausführung vom 13. Mai 1888, betreff.
Daniel wußte nicht, was er denken sollte — wachte oder träumte er?"
r »Aber ich habe Dir doch mehrere Male geschrieben?" sagte er bann.
„Ja, ja," versetzte der Banguier nachlässig, ich habe einen Brief von Dir erhalten, in welchem Du mich nm 300,000 Franks batest . . . Aber dies ist keine Kleinigkeit 300,000 Franks Unterstützung gibt man nicht einmal seinem besten Freunde."
„Unterstützung?" wiederholte Daniel hastig. „Ich habe Dich nicht um Unterstützung gebeten, sondern um mein Eigenthurn."
„Dein Eigenthurn?"
„Gewiß, mein Eigenthurn," sagte Daniel, dem es zu kochen begann. „Du wirst doch wohl nicht leugnen daß ich Dir vor meiner Abreise fünfhunderttausenb Franks anoertraut habe?"
12. Freitag, den 17. Januar 1890. 17 Jatiraana
Fuldaer Zeitung.
Srt die Siebaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. .. m Druck u. Verlaa de. „ ..
Ah, richtig, jetzt erinnere ich mich. — Aber Du msi gerade nicht in salonfähigem Anzuge — verzeihe nur, es soll dies kein Vorwurf sein!"
,^Jch weiß es", erwiderte Daniel düster, „ich habe feen Weg von Havre bis hier zu Fuß zurückgelegt."
. ?Zu Fuß? erwiderte Ronstau verwundert. „In , „oui umoe man oa
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„Keineswegs — ich besaß kein Geld." -
»Weßhalb hast Du mir nicht geschrieben?
weißt ja, daß ich Dir stets zur Verfügung stehe!
Aermster! Du mußt gewiß hundemüde fein!"
Damit schob er Daniel einen Stuhl hin.