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17. Jahrgang.

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Fulvaer Zeitung.

».hnrtinn n,rnnt»nrt(ich: Ludwia Deibel in Fulda. » Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).

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wird.

In ' dem internationalen Handel und Verkehr Chinas nimmt Deutschland — allerdings in sehr be­trächtlichem Abstande hinter England folgend — die zweite Stelle ein. Man bedenke nun die Revolution, wenn China in die Reihe der modernen Kulturstaaten eintritt. Welche Umwälzung hat schon die Erschließ­ung Japans zur Folge gehabt, und doch hat dieses Land nur etwa die Größe und Bevölkerungszahl Eng­lands. Aber China umfaßt mit seinen 400 Millionen Einwohnern den dritten Theil aller Menschen der Erde, und seine Interessensphären reichen vom Stillen Ozean und dem malayischen Archipel bis hinauf an die rusfifchen Grenzen. Durch Tibet ist es dem eng­lischen Kolonialreich, durch die Vasallen in Zentralasien den Gebieten der Emire von Afghanistan und Belud- schiftan benachbart. Es ist gar nicht auszudenken, was aus diesem Lande, dessen Hilfsquellen märchenhaft sind und welches die bedürfnißlosesten, geschicktesten und ausdauerndsten Arbeiter liefert, noch alles werden kann. Erst einmal erwacht, muß China ein mörderischer Konkurrent für das alternde Europa werden.

tionirte Neichspostdampfer-Linie. Dazn kommt die7neu errichtete deutsch-ostasiatische Bank, die sich der höchsten Fürsorge der Regierung erfreut und die bestimmt scheint, der Mittelpunkt des deutschen Handels mit China zu werden. Schon vor mehreren Jahren entsandten die Berliner Diskonto-Gesellschaft, die deutsche Bank und die Firma Krupp sachverständige Männer mit Empfeh­lungsbriefen nach Peking und Kanton. Ihnen ist wesentlich die Errichtung der deutsch-ostasiatischen Bank zuzuschreiben.

Andere Staaten sind freilich auch nicht müßig ge­wesen, um sich ihren Antheil an den weiten Absatzge­bieten Ostasiens zu sichern. England macht in dieser Beziehung sowohl von der Land- wie von der Seeseite aus die größten Anstrengungen. So wurde Birma erobert, nicht etwa um seiner selbst willen, sondern als die günstigste Etappe, und Basis für den wirth- schaftlichcn Eroberungszug in das Reich der Mitte. Ein selbstständiges Birma unterband den Handel Britisch-Jndiens mit dem chinesischen Reiche, während Birma in britischen Händen die Möglichkeit gewährte zur Herstellung des von Indien nach China geplanten Schienenweges, welcher Anschluß schaffen soll mit dem künftigen Eisenbahnnetz Chinas. Aus denselben Gründen bringt Frankreich die großen Opfer für Tonking. Auch Frankreich wartet auf die neue chinesische Aera. Und das Gleiche thun die mächtigen Vereinigten Staaten von Nordamerika, woselbst sich jetzt eine Eisenindustrie entwickelt in einem Umfange, daß in England die Un-

Bestellunge« auf unser Blatt werden w__ noch fortwährend von allen Post-

anftalten «nd Landbriefträgern fowie in unserer Expedition entgegengenommen. Be­reits erschienene Nummern werden auf Ber-

* China s Erwachen.

Die ,Nordd. Allgem. Ztg,' druckre jüngst eine Reihe von Berichten chinesischer Gouvernenre an die Regie­rung in Peking ab, welche beweisen, daß das unge­heuere Reich mitten in einer Reform - Bewegung sich befindet, deren Gleichen vielleicht die Welt noch nicht gesehen hat. Wir haben bereits früher den geplanten Eisenbahnbau in China erwähnt und dabei auf die Konkurrenz hingewiesen, welche später die chinesische Arbeit der westeuropäischen zu machen geeignet ist. Vorläufig rüsten sich aber alle Kulturstaaten auf den Moment, wo China sich völlig erschließt, da alle Staa­ten mit moderner Produktion in diesem unermeßlichen Reiche mit seinem Völkergewimmel ein unabsehbares Absatzgebiet für ihre Industrie-Produkte zu finden hof­fen. 'Die Welt hat bisher ein solches Experiment, wie es die Ueberfiihrung des chinesischen Volkes in die Kul­tur nach europäischem Muster sein wird, noch nicht ge­sehen und es ist daher nur erklärlich, daß die Handels­und Geschäftswelt Deutschlands, Englands, Frankreichs, A(K"^*as 2c. den wirthschaftlichen Umwälzungen in lr'"•* iSnnHU’iw -

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Deutschland speziell hat die allergrößten Interessen in China, Interessen, die, so bedeutend sie jetzt schon sind, doch noch im Beginn ihrer Entwickelung sich be­finden und in einer einstweilen kaum zu ahnenden Weise noch ausgebant werden können. Zudem ist China uns freundlich gesinnt, denn es hat von Deutschland bisher nichts Schlimmes oder auch nur Unangenehmes erfah­ren. Die chinesische Wehrkraft ist durch deutsche In­strukteure in die Höhe gebracht worden, und schon jetzt beziehen die Chinesen Panzerschiffe und Kanonen von uns. Bei den bevorstehenden Eisenbahnbauten in China wird es sich nun darum handeln, ob die Schienen und Lokomotiven ebenfalls aus Deutfchland bezogen werden. Zu dem Zwecke hat sich eine Reihe von Firmen un­serer westlichen Provinzen mit unserer Reichsregierung in Verbindung gesetzt, damit auf diplomatischem Wege das Geeignete geschehe, um die chinesische Regierung den Plänen unserer Groß - Industriellen geneigter zu machen. ■ Wenn also jetzt die Norddeutsche' den Vor­gängen in China rege Aufmerksamkeit schenkt, so ist das sehr erklärlich. Sehr förderlich für unsere ostasiatischen Handelsverbindungen erweist sich auch unsere fubven-

Deutsches Keich.

Berlin, 2. Januar.

* Der§ hiesige Hos hat für die Kaiserin von Bra­silien auf 3 Monate die Trauer angelegt.

* Die beiden Häuser des preußischen L a n d t a g e s, dasUHerrenhaus und das Haus der Abgeordneten, werden auf den 15. Januar d. Js. zusammenberufen. Der Königl. Erlaß ist datirt vom 30. Dezbr. 1889.

* Vom Kaiser und der Kaiserin ist Weihnachten eine ganze große Sammlung von Puppen mit voll­ständiger Ausstattung für die jüngste Tochter des Sultans, die sechsjährige Prinzessin Halle, nach Konstantinopel abgegangen.

* Die Kaiserin Friedrich ist heute mit den Prin- zessinnen-Töchtern von Neapel nach Rom abgereist.

* Weimar, 29. Dez. Infolge des Ablebens der Kaiserin von Brasilien, Therese Prinzessin von Baurbon und beider Sizilien, wird von heute an am Groß­herzoglichen Hofe Trauer auf vierzehn Tage angelegt.

* Aus Breslau wird gemeldet, daß auf dem von der Oberschlesischen Eisenbahnbedarf-Aktiengesell­schaften Kohlenfelde „Schmideschacht" die Belegschaft heute Morgen die Arbeit eingestellt hat. lieber die Forderungen der Arbeiter, achtstündige Arbeits­zeit, freies Förderquantum und die bestimmte Zu­sicherung einer Lohnerhöhung sind Verhandlungen im Gange.

* München, 2. Jan. Der vom Papste prüko- nisirte Passauer Bischof Rampf hat, wie die.Franks. 3tg.‘enteitiW,'''oM'Dupscu' m arzm^e» gesandt, auf Grund dessen er die Belassung auf der Münchener Domprobststelle krankheitshalber nachsucht.

Ausland.

* Mit Bestimmtheit tritt das Gerücht auf, daß Bischof Dr. Doppelbauer von Linz als Nachfolger des verlebten Cardinals Ganglbauer in Wien auser­sehen sei.

* Brüssel, 2. Jan. Die Liberalen planen schon wieder eine neue Hetze gegen das kath. Cabinet, sie wollen jetzt die Schulfrage aufgreifen und daraus Oppositionswaffen schmieden.

* In den Kohlenbecken von Seraing (Lüttich) haben 1200 Personen die Arbeit eingestellt; dieselben verlangen eine Lohnerhöhung. In Chaleroi ist die Lage unverändert.

* Rom, 31. Dez. In der gestrigen Allokution sprach der Papst seine Befriedigung über die Errichtung der katholischen Universiäten in Washington, Ottawa und Freiburg aus. Um so größeren Schmerz verursache ihm Italien, wo jüngst ein im öffentlichen Leben

? Scheiden und Leiden.

Du hast wohl wenig Stunden bloß Gekostet eine Seligkeit, — Kam schon das Scheiden, riß dich los Und brachte dir unendlich Leid.

Nun quälst du dich in weher Lust Und weidest dich am wilden Schmerz Und stöhnest todeswund die Brust, Bis lebensmüd das arme Herz.

Und ist dir dann kein Hoffen mehr, Für diese Welt kein Wiederseh'n, Dann Helf' dir Gott, ruf' ihn, daß er Dich schützet vor dem Untergeh'n, —

Daß er dir seinen Himmel zeigt, Wenn's Nacht in deiner Seele wird, Wenn düster jedem Trost sie weicht Und in Verzweiflung finster irrt, —

Und daß sein Engel, dir gesendet, Den dunklen Mächten dich entreißt, Dich warnend noch vom Abgrund wendet Und rettend dich nach oben weist.

Dom Hambour Draun.

(Schluß.)

In Breslau wurde ich Tambour bei dem Königl. Preußischen 32. Inf.-Regiment, 3. Kompagnie, Haupt­mann v. Ramplitzki.

Sie meinen wohl, Herr Wendelstadt, die Trommel wäre leicht zu lernen? Das glauben Sie aber ja nicht!

Das ist ein ludermäßiges Instrument, die hat 9 leben­dige Teufel im Leibe, da muß man den Verstand im Handgelenke haben, denn da sitzt alles drin, zuletzt müssen die Finger nach den Trommelstöcken stehen. Ich habe aber 'nen lernschen Kopp und hatte es bald gelernt. Wenn ich in Breslau vor der Kumpanie her­ging und mir das Herze so recht nach dem Schlagen stand, da rissen sie alle Fenster auf, abortig die Frauen­zimmer. Das hieß es dann „das ist ein alerter Menfch, der schlägt die Trommel, daß einem das Herze im Leibe lacht."

Die Frauenzimmer dorten sind meist schwarz wie der Teufel, und haben Augen im Koppe wie ein Schandarm, sie binden galante Locken vor, haben weiße Striffel um den Hals und kapezinerrothe Kleider an. Das ist ein Zierrath!

Ich hatte in Breslau eine Bekanntschaft, die konnte tanzen, das war eine wahre Raretät. Wann ich mit ihr tanzte, wars meinen Kameraden allemal ein Stich ins Herze, die that mir keiner gönnen, vorablich ein Pfeifer nicht von unserer Kumpanie. Der Pfeiffer hatte einen höllischen Hassard auf mich und schnitt immer ein Gesichte, wie ein Chausseegelderheber, und zuletzt hat er mich um meine Bekanntschaft gebracht. Das hat mich schwer schackenirt und mir bald das Herze abgestoßen. Allemal wann mir der Pfeifer be­gegnete, stieg Gift und Galle' in mir auf und mußte

ich ein Kännchen trinken, ums 'nunterzudrücken, sonst hätt's ein Unglück gegeben. Aber seit der Zeit schlug ich die Trommel noch einmal so gut, weil ich daran mein ganzes Gist auslassen that.

In Breslau sprechen die Leute polnisch, das ist aber leicht zu lernen, leichter wie das Trommeln, und Sie mögen's glauben oder nitt, das sprechen da schon die kleinen Kinder. Ich hab's gleich gelernt und kann es noch sprechen. Wenn mer ins Wirthshaus kommt sagt mer „schen Dower" das heißt guten Abend, dann „Wotki", das heißt Schnaps und wenn mer weggeht, sagt mer „Dower notfch" das heißt gute Nacht. Seh'n Se, das ist polnisch.

Sehr ecklich viele Juden gibt's da und die sehen gar närrisch aus, sie tragen einen langen Tralar, haben einen struppigen, langen Bart und das Haar hängt ihnen in langen Strähnen um den Kopf, hinter den Ohren haben sie Locken. Gerade so sieht der ewige Jude aus, den ich nachher mal gesehen habe, wie ich in Hersfeld in Garnison lag. Ich kam mal an 'nem Sonntag, als es schon Dämmerung war, von Friede­wald her an ein altes Gemäuerze, welches neben der Straße im Walde liegt. Das war einmal eine Kirche und darum herum lag ein Dorf, das aber schon vor 400 Jahren im Kriege verdemolirt ist und von dem nichts mehr zu sehen ist, als das alte Ktrchengemäuerze. Wie ich mir das angucke, kommt auf einmal so eia