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montan, den 30. Dezember 1889.
16. Jahrgang.
Fuldaer Zeitung
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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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Weihnachtsanspr-Zche des Vaters
an die Kardinale in der feierliche Audienz
am 24. d. Mts.
Auf eine vom Decan des heiligen Collegiums, dem Kardinal Monaco della Valletta verlesene Glückwunschadresse, antwortete der heilige Vater mit folgender Ansprache:
Mit der größten Befriedigung nehmen Wir die Glückwünsche entgegen, welche das h. Collegium bei der frohen Wiederkehr des Weihnachtsfestes Uns darbringt; und Ihnen, Herr Kardinal, der Sie im Namen Aller das Wort geführt haben, wie auch allen Ihren Kollegen erwidern Wir mit den aufrichtigsten Glückwünschen. Die enge Verbindung, welche Uns mit dem h. Kollegium der Kardinale eint und an welche Sie so richtig erinnert haben, verlangt diese Gegenseitigkeit anhänglicher Empfindungen sowohl in frohen als trüben Zeiten. Die Wünsche des Friedens, welche Sie an Uns richten, könnten weder dem Geheimniß, das man feiert, angemessener, noch für die daraus sich ergebenden Bedürfnisse passender sein; gerne wiederholt man diesen Wunsch in den Zeiten, die wir durchmachen, die nicht Zeiten der Ruhe und des Friedens, sondern der Verfolgung und des Kampfes find.
Die Kirche, ihre Wirksamkeit in der Welt, ihr Pricherthum, ihre Lehren, ihre geheiligten Rechte werden überall, in Italien und in Rom mehr als anderswo bekämpt, belästigt, aus dem gesellschaftlichen Leben verbannt mit allen den Mitteln, über welche die menschliche Gewalt und die größte Arglist verfügen. Alle die katholischen Einrichtungen in ihrer wunderbaren Man- nigsaltigkeit, von denjenigen angefangen, welche unmittelbar für die Verbreitung und Erhaltung des Glaubens in der Welt bestimmt sind, bis zu Denjenigen, welche der Erleichterung der vielen menschlichen Leiden dienen sollen, werden als Zielpunkt genommen m der Absicht, sich ihrer zu bemächtigen und ihren religiösen und christlichen Charakter ganz zu tilgen. Wir weisen da auf weltbekannte Dinge hin, und jeder von schrien kennt alle die Thatsachen, welche der unumstößliche Beweis für das von Uns Gesagte sind. Wir würden sogar nicht übertreiben, wenn Wir sagten, daß dieser Kampf unmittelbar gegen Gott geführt wird, gegen den die menschliche Vernunft sich kühn zu erheben wagt, über den sie zu richten wagt und den sie gewissermaßen zum Kampfe herausfordert. Diefe teuflische Kühnheit, die aber gegen Gott und gegen seinen Gesalbten nichts vermag, richtet ihren ganzen Haß und läßt ihre satanische Wuth aus gegen die Kirche Jesu Christi und gegen ihre Söhne. Es ist ein heftiger, hartnäckiger Kampf,
Die Visitenkarten.
Eine lustige Geschichte aus dem Leben.
Herr Huber, der in dem Landstädtchen X schon seit langer Zeit die Stelle eines Gerichtssekretärs beneidete, war wegen seiner stets heiteren fröhlichen Seime bei Jung und Alt beliebt; öfter freilich kam es vor, daß er auf Grund seiner tollen Streiche, die er hin und wieder diesem oder jenem Freunde lieferte, 6D< den betreffenden Opfern eine Zeit lang scheel angesehen wurde, lang dauerte jedoch fo etwas nie, und dmn wurde bei der nächsten Gelegenheit die alte Freundschaft immer wieder durch feierliche Versöhnung neu hergestellt.
Einmal hatte sich's Herr Huber jedoch mit zweien seiner besten Freunde derart gründlich verdorben, daß mehrere Jahre vergingen, ehe sich die Gefoppten zu einer Versöhnung herbeiließen.
Dies kam wie gesagt so: Herr Cölesün Stangl, wohlbestallter Notar des Städtchens, saß eines schönen Morgens beim Früstückkaffee, als ihm seine ebenso treue als bejahrte Haushälterin ein eben abgegebenes Billet- chen präsentirte. Höchst erstaunt öffnete er dasfelbe und las:
Lieber Freund!
Erlaube mir, Dich für heute Mittag zum Speisen einzuladen. Es erwartet Dich präzis halb 1 Uhr
Dein treuer
Hieronymus Pflaumberger.
der nichts schont, der versucht, das göttliche Werk des Erlösers zu erschüttern und, weim es möglich wäre, ganz zu untergraben.
Da es soweit gekommen ist, ist es überflüssig, zu sagen, in welcher Lage Wir uns befinden, und wie von Tag zu Tag der Mangel jener wahren Freiheit und Unabhängigkeit sich bemerklicher macht, welche zur Ausübung des höchsten Apostolats unentbehrlich ist.
Inmitten einer solchen Entfesselung der äußeren Feinde und so lange als es Gott noch nicht gefällt, sie zu demüthigen und niederzuwerfen, gibt es nichts Ersehnteres, als jenen göttlichen Frieden, welcher den Menschen bei der Geburt des Friedensköitigs verkündigt wurde, jenen Frieden, welcher die Frucht Seiner Gnade und Seiner Liebe ist, nnd den man vergebens von der Welt verlangen würde. Wenn die Feinde uns von Außen mit einer solchen Wuth aufallen, so wird es ein großer Trost sein, wenn wenigstens nach Innen, int Schooße der großen katholischen Familie, der Friede überall unbedingt herrscht, Dank der vollkommenen Uebereinstimmung im Denken, Wollen und Handeln, welche aus allen Gläubigen gleichsam einen einzigen Leib macht, kraft der vollen Einigkeit zwischen dem Haupte und den Gliedern. Diese Einheit ist, in sich die beste Schutzwehr, welche man den Angriffen und Nachstellungen der Feinde entgegenstellen könnte. Sie verdoppelt und verhundertfacht die Streitkräfte und selbst inmitten der größten Stürme verleiht sie dem Gemüthe eine heitere Ruhegind einen unbesieglichen Muth.
Es ist ein großes GMck, * daß trotz den Anstrengungen, die man macht, das katholische Volk einmüthig mit seinen Hirten verbunden bleibt und durch sie mit dem höchsten Hirten und mit dem Apostolischen Stuhle. Aber es ist nöthig, diese Bande unlöslicher zu machen; man muß die Völker an die treue und ständige Hebung des christlichen Lebens erinnern. Deshalb haben Wir schon daran gedacht, auf's Neue das Wort an alle Unsere Brüder im Episkopat zu richten. Dies wollen Wir demnächst thun, um an die großen Pflichten zu erinnern,* welche den inmitten der Gesellschaft lebenden Katholiken obliegen, und zwar gemäß den besonderen Zeitumständen und den Gefahren, denen ihr Glaube, sowie mit demselben ihr ewiges Heil ausgesetzt ist. Diese Pflichten sind: die Liebe zur Kirche über allen irdischen Dingen und der Beweis dieser Liebe durch die Thal; das offene und muthige Bekenntniß des Glaubens, den Gott uns geschenk hat; die Vertheidi- gung und Ausbreitung dieses Glaubens in dem Maße, als es einem Jeden gewährt ist; die völlige Einigkeit der Gesinnungen in der Unterwerfung unter die geweihten Hirten und in der gegenseitigen Liebe ihr Aller;
Nun, das war etwas Außergewöhnliches, und Herr Stangl ließ sogleich seinen alten Frack sowie nicht minder alten Cylinder in einen halbwegs salonfähigen Zustand verfetzen, da er nicht anders dachte, als daß fein Freund die silberne Hochzeit oder dergleichen zu feiern beabsichtige.
Nahezu zur selben Zeit wurde Herrn Hieronymus Pflaumberger, dem Besitzer der rühmlichst bekannten Apotheke „Zur blauen Schildkröte", der soeben aus den Federn gekrochen und mit seiner Toilette beschäftigt war, ein zierliches Briefchen von seiner darob etwas eifersüchtig gewordenen besseren Hälfte unter die Nase gehalten. Nicht minder erstaunt las Herr Pflaumberger:
Lieber Freund!
Bin so frei, Dich auf heute Mittag zum Speisen zu laben. Erwarte Dich punkt halb 1 Uhr.
Dein treuer Cölestin Stangl.
Auch hier wurde in Anbetracht des seltenen Ereignisses der lange in Ruhe gewesene Frack sammt Cylinder in Kampfbereitung gesetzt.
Eben schlug die Glocke ein Viertel auf Eins, als Herr Stangl in tadellos fein sollender Salontoilette aus seiner Hausthür trat und in langen Schritten der Kröten-Apotheke zusteuerte. Mitten am Platze, gerade vor dem Rathskeller, kam ihm jedoch schon Herr Pflaumberger in feinem engen Hochzeitsfracke entgegen. Die beiden Freunde begrüßten sich herzlich, und nach-
ein Leben ganz nach den göttlichen Gesetzen und denen der Kirche,' welche in der christlichen Liebe aufgeben.
Wir wünschen lebhaft, daß Dank dem guten Willen eines Jeden und ben vereinten Bemühungen Aller Unsere Worte die von denselben erhofften Früchte in reichem Maße bringen mögen. Das ist der größte Trost, den Unsere Söhne Uns inmitten so vieler Bitterkeiten spenden können, überzeugt, wie Wir sind, daß dies auch das wirksamste Mittel ist, um den Tag der Barmherzigkeit, der Freiheit und der Ruhe der Kirche zu beschleunigen.
Möge in diesen Tagen der Gnade und des Heils das Gebet glühender als jemals aus allen katholischen Herzen zum Erlöser sich erheben für die großen Nöthen seiner Kirche. Er, der die Welt besiegte und über die Hölle triumphirte, möge Er auch unsere unglücksvolle Zeit die kostbaren Früchte seines Sieges kosten lassen. In dieser Hoffnung sprechen Wir dem h. Kollegium der Kardinäle auf's neue Unsere Wünsche auch für das neue Jahr aus, und Jedem von Ihnen, sowie auch allen hier anwesenden Bischöfen und Prälaten spenden Wir von Grund Unseres Herzens den apostolischen Segen."
Dem Empfange int Vatikan wohnten der Patriarch von Konstantinopel, verschiedene Erzbischöfe und Bischöfe, die einzelnen Prälaten-Kollegien und eine große Zahl von Geheimkämmerern geistlichen und weltlichen Charakters bei. Der hl. Vater lieh Stile zum Handkuß zu und nahm von denselben die Glückwünsche entgegen.
Deutsches Deich.
Berlin, 29. Dezember.
. * Der Reichstag wird nach Wiedereröffnung seiner Sitzungen zunächst die Etatsberathung in zweiter Lesung erledigen. Es sind bekanntlich neben einigen kleineren Etats und etlichen znrückgestellten Positionen noch der Militär- und Marineetat zu erledigen. Mit dieser Arbeit wird man in etwa acht Tagen fertig werden können. Alsdann soll die zweite Lesung des Sozialistengesetzes auf die Tagesordnung gesetzt werden.
* Die Lohnbew egung wird anscheinend im nächsten Frühjahr eine gewaltige Ausdehnung annehmen. Die Maurer wollen auf * einem Kongreß, der wahrscheinlich Ende Mai zu Magdeburg stattfindet, die letzten entscheidenden Schritte treffen, um ein einheitliches Vorgehen zu ermöglichen. Die Wirker werden ihren Kongreß in Apolda haben, die Ziegelarbeiter wollen einen Verband gründen, ein Aufruf zur Organisation ist bereits erlassen, ein Fachorgan gegründet. Man hofft, das nächste Frühjahr werde fehr günstig dem die üblichen Fragen nach dem gegenseitigen Wohlbefinden gewechselt waren, nahm der stets resolute Apotheker seinen Freund unter den Arm und mar- schirte zu dessen höchstem Erstaunen den Weg zurück, den dieser eben erst gekoinmen war.
„Aha", dachte Herr Stangl, wahrscheinlich ist das Mittagsmahl noch nicht fertig und Frau Apotheker hat mir ihren Gemahl entgegengefchickt, um mich ein wenig spazieren zu führen. Na, meinetwegen, das befördert ja nur den Appetit."
Mittlerweile waren die beiden Freunde an der Hausthür Stangl's angekommen. Hier blieb der Apotheker stehen, was sein Freund als Zeichen der Umkehr hielt.
Als nun Pflaumberger sah, daß sein Freund Miene machte, zurück zu gehen, dachte er sich ebenfalls, daß das Mittagessen noch nicht fertig sei und Stangl ihn unterdessen spazieren führen, wolle. „Na meinetwegen," sagte er sich im Stillen, „eine kleine Promenade vor dem Essen schadet ja nicht, und ging wieder mit ihm zurück.
Jetzt waren die beiden Spaziergänger vor der Kröten-Apotheke angelangt und hier blieb Stangl stehen, was wieder Pflaumberger für ein Zeichen der Umkehr ansah und zurückrnarschirte.
Stangl, der sich schon früher mit dem Gedanken, daß das Esten noch nicht fertig fei, vertraut gemacht hatte, ging willig zurück und so gingen die beiden Freunde Arm in Arm auf und nieder, indem sich bei