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Samstag den 28. Dezember 1889.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (PH. Reuß>.

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__ 16. Jahrgang.

Fuldaer Zeitung.

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. — m _ Druck „ gwr™ . . . „ ..

LL7",.- d-m". und ,8 wird auch in

,eine

die preußische Regierung, von deren redlichen Willen bat 'd’’0"1 ’cI)e Gesellschaft

©röen als mit den Jesuiten „verwandt" zu erklären

einem katholischen Orden gegenüber erheben werden um dle Redemptoristen wieder zuzulassen, das muß 'man nun abwarteu.

W* Um die erfahrungsgemäß beim Quar­talswechseleintretenden Störungen in der Zn- sendnng des Blattes zu vermeide«, ersuchen wir unsere verehrlichen Postabonnenten, die Erneuerung des Abonnements für das I. Quartal 1890 schleunigst bewerkstelligen z« wollen. Bei verspäteter Bestellung liefert die Post nur gegen Nachzahlung von 10 Pfg. die bereits erschienenen Nummern des neuen Quartals.

leinen Hals und beugte sich über ihn und jetzt fielen roPfen au” *^ren Augen auf seine Stirne. „Waldemar! mein einzig Geliebter!" tönt es an sein Ohr und er hätte jubeln mögen; er war entsühnt: er war neu geboren, und er hatte seine Weib wieder.

Weib und Kind, Weib und Kind hatte er, er?’ C, dieses namenlose Glück, o dieses Wiedersehen, alle Leiden, die Qual der Trennuug wog es tausendfach auf. Gr setzte sich ihr gegenüber, denn er wollte unverwandt in das süße Antlitz seines Weibes schauen; schien es ihm doch bisweilen, als ob er das Alles träume. Ja, er konnte noch immer den Gedanken nicht fassen, daß er sie wieder habe, sie, die nun in Wahrheit sein eigen geworden. Und Gottlob, daß auch er ihrer Liebe werth war, und nun machten sie Pläne zusammen für ihre Zukunft, für Weihofen Sie überlegten lange, in wel­cher Weife der leidenden Menschheit aus ihrer Wieder­vereinigung für alle Zeiten Heil und Segen erfprießn Provinz, die an dem älteren v. Kosman ihren Wohlthäter verloren, hatte das erft Anrecht auf einen Ersatz an dem glücklichen Nefien, der ja in dem ärztlichen Berufe, zu welchem er zurückgekehrt war, be­sonders viel für die leidende Menschheit thun konnte.

Endlich vereinigte man sich dahin, daß man auf einem zu Welhofen gehörenden, in der Nähe der Stadt S. gelegenen Grundstück eine Augenheilanstalt für Arme errichten und für ewige Zeiten funbiren wolle t..^eser Entschluß fand auch Tante Anrelien's aller­höchste Billigung, die jedoch keine Ruhe mehr ließ, bis man sich zur Abreife nach Welhofen entschloß, wo man,

Deutsches Deich.

Berlin, 27. Dezember.

* Die ,Köl. Vztg.' veröffentlicht einen längeren Auszug aus einer in Halle erschienenen Broschüre, in der mit unverblümter Deutlichkeit ausgesprochen wird, was gewisse Streiter im Lager des Protestantenvereins und „evangelischen Bundes" aus den Katholiken und ihrer Kirche im deutschen Reiche machen möchten. Ein paar Sätze mögen hier stehen: „Jeder (Kirche) das, was ihr nach ihren Verdiensten um den preußischen Staat gebührt, der evangelischen Beförderung, der römisch-katholischen Duldung ... Der Staat wird die römische Kirche von der Stellung einer bevorzugten (?) zu der Stellung einer geduldeten Religionsgesellichaft herabdrücken müssen, es sei denn, daß der deutsche Katholizismus noch in letzter Stunde den Muth, fände, sich von den Lehren Roms loszusagen." „Wir können uns wohl der Hoffnung hingeben, daß der Idee einer deutschen evangelischen Reichskirche als alleiniger Staatskirche die Zukunft gehört." Das sind ja recht schöne Aussichten für das katholische Volk. Nun es wird dafür gesorgt werden, daß auch die Bäume solcher Fanatiker nicht in den Himmel wachsen.

* Zur Redemptoristen-Frage schreibt man . aus München: Die frühere Anregung der bayerischen Regierung, der Buudesrath möge die Redemptoristen für nicht verwandt mit den Jesuiten erklären und ihnen daher die Rückkehr erlauben, fei im Buudesrathe ge­scheitert, nach ben letzten Kammerverhandlungen habe aber die bayerische Regierung ihre Bemühungen wieder aufgenommen uud habe uun durch die Münchener Nun­tiatur aus Rom die Beweise dafür verlangt, daß der Orden der Redemptoristen mit dem der Jesuiten nicht „verwandt" sei. Man hat damals absichtlich diesen verschwommenen Begriff der „Verwandtschaft" gewählt, um je nach Laune und Haß der „Kulturkämpfer" jeden

das Kind; ein Glück war es, daß das schwache Würm­chen uns am Leben erhalten blieb, sonst wäre auch Evelme einzig aus Mangel an Lebenslust zu Grunde gegangen. Der Arzt rieth ein südliches Klima für Mutter und Kind, und so waren wir in der ganzen peit bald in Nizza, bald in Madeira, bis sie sich Beide so weit erholt hatten, um eine — Reise nach Deutsch- andwagenzu können. Da geschieht nun hier das Unglück, und der liebe Gott hat es gerade zu unserem Besten gefügt", betonte sie, die Hände faltend.

Eine Stunde später befand sich Waldemar auf dem Wege nach dem Gasthofe, wo Eveline, von der Tante auf des Gatten Besuch vorbereitet, seiner harrte. Sie hatte sich zum ersten Male nach langer Zeit wieder festlich geschmückt.

Das bordeaufarbene, mit Spitzen garnirte Kleid stand ihr vorzüglich und die innere Aufregung färbte ihre Wangen mit einem rosigen Hauch, verlieh ihren Augen lenen feuchten Glanz, der an den Spiegel des uner­gründlichen Meeres erinnerte. Athcmlos lehnte sie im L>opha und lauschte, da tönte die Hausglocke, Männer- tntte nahten und sie preßte beide Hände aufs Herz ^"Thüre öffnete sich, eine hohe Männergestalt er- schim im Rahmen und nun kam es wie eine Lähmung über sie; ihre Lippen waren unfähig ein Wort zu stam- meln. Aber ihre Augen riefen ihn und mit zwei Sätzen war er an ihrer Seite. Wie gebrochen sank er zu ihren Fußen und bedeckte ihre schlaff herabhängende Hand mit feinen Küssen und Thränen. I

Aber sie entzog ihm ihre Hände und legte sie um I

Finanzmimster von Scholz ist von seinem Augen- ubel hergestellt und wird im Landtage nach wie vor deii Staatshaushalt vertreten. In parlamentarischen Kreileii ist man gespannt darauf, inwieweit der Minister sich über die geplante Steuerreform vor dem Land­tage äußern wird.

* Die Mn. Ztg.' meldet heute (Freitag) aus Sansibar: Lieutenant Ehlers ist mit einer Ab­teilung des Wißmann'schen Expeditionseorps von Pau- gani zum Kilima-Ndscharo aufgebrochen, um im Auf­trage des deutschen Kaisers dem Fürsten von Moschi kaiserliche Geschenke zu überbringen. Major Wißmann verbleibt an der Küste.

* Mittelst Erlasses vom 10. d. M. ist der jedes­malige Landesbirektor ber Provinz Posen befugt, bie Beznchnung „Landeshauptmann" zu sichren.

Die Köuigl. Bergwerksdirektion des Saarge- biets hat an ihre sämmtlichen Abnehmer folgendes Rundschreiben abgesandt: „Wir bedauern sehr, Ihnen mitthellen zu müssen, daß ein großer Theil unserer Gruben von einem erneuten Arbeiter-Ausstande betrof­fen worden ist. Da Arbeitseinstellungen die Gruben von der Verpflichtung zur vollständigen Lieferung ent­binden so können wir sichere Zufuhren für die nächste m Aussicht stellen." — Im Weiteren ist Er bie deutsche Bergarbeiterstrikebewegung zur Zeit Neues nicht zu berichten. Eine definitive Bei- legung steht noch aus. Dagegen hat der belgische Kohlenarbettesttike wieder an Ausdehnung gewonnen. Die Zahl der Strikenden im Kohlengebiet von Chaleroi betrug am Donnetstag 10400.

Ausland.

* Die französische Regierung hat bisher der Konversion dm egy p tisch en Schuld noch immer nicht zugefttmmt. Sie macht dieselbe angeblich davon ab­hängig, baß Englanb ben Willen offenbarte, zu einer Räumung Aegyptens durch die englischen Truppen zu gelangen. Dieser Wille ist seitens der englischen Re- gierung schon wiederholt offenbart worden, es hing

troffen, welches einfach darauf hinausläuft, daß der sultan gegen eine jährliche Abfindung in dem Gebiet der mglischen Gesellschaft nichts mehr zu sagen hat

Es mußte auffallen, daß die provisorische Re­gierung in Brasilien die Neuwahlen und Einbe­rufung der konstituirenden Versammlung um ein volles Zahr hinausgeichoben hat. Sie erklärt es damit daß em neues Wahlsystem eingeführt und neue Listen für Öie große Menge derjenigen neuen Wähler ausgestellt werden müßten welche durch die Verfügungen der provllorllchen Regierung, wonach das Wahlrecht auf

. des Lesens kundige Männer und auf die durch den grotzen Naturalisatiouserlaß Naturalisirten ausgedehnt worden ist, geichaffen worden sind. Von anderer Seite wird angenommen, die provisorische Regierung wünsche die diktatorische Gewalt so lange als möglich in den £anben zu behalten, weil sie sich nicht sicher fühle. In der That werden vielfache Unordnungen und Ruhe- storungen gemeldet. Die gegen die Opposition gerichteten Verfügungen der provisorischen Regierung sind ziem- lich brakonisckß Außer den des Aufnchrs und der Be­stechung des Militärs Angeklagten sollen auch alle ber Opposition gegen bie Republik beschuldigten Personen vor em Kriegsgericht gestellt werden.

Nach Weihnachten.*)

N. Berlin, 27. Dezember.

Beworbene Magen und zerbrochene Spielsachen kennzeichnen die weihnachtliche Nachfeier, wenn nicht die Eltern eine große Sorgfalt und Klugheit bei der Ueberwachung des kindlichen Appetits und bei ber Aus- ttaM des Spielzeugs entwickelt haben. Eine gewisse Abipannling und Müdigkeit ist übrigens die natur- lebhaften oder andauernden Fest- ^wr^ Das Weihnachtsfest ist in dieser Hinsicht noch schlechtesten gestellt. Am Dienstag nach Ostern ä.r f •°rt nbler ^geliechte Arbeitszeit wieder an, und alle landwirthlichen Berufszweige mit einem S sm • ÖDn Frühiahrsarbeiteii. In ber Woche nacf) Weihn ach ten aber'geht es längst nicht so heiß her. Der Ackerbau hält ferne Wintersruhe, unb wer im Zoche ber Industrie geht, wird durch den Sonntag

*) Nachdruck nicht gestattet.

Evelirreusruhe.

Novelle von I. von Dirkink.

(Schluß.)

„Sie ist krank unb muß sich noch vor feber Auf­regung hüten, aber sie hat Deinen Brief gelesen; gestern Abmd kam er erft in unsere Hände, nachdem ich vor einigen lagen unserer alten gönne ausführliche Nach­richt über uns gegeben unb ihr mitgetheilt hatte wo wir zu finben waren," sagte bie Tante unb als sie öte bange Erwartung auf feinen Zügen bemerkte, fügte Je Jmju: Absolution ist Dir gewiß nach einer solchen Beichte unb nachdem Lonne Dich geradezu für einen fr. EI 6«t. G-duw. «tai, a S

| » ®ebu[b üben ist schwer, Tantchen", ver­buchte Waldemar, schmerzlich lächelnd, „schwer für ben ber ^alfre lang m ber Wüste irrenb, endlich bie Oase

I ach, ich habe schwer, schwer gebüßt,

jttinb das Schlimmste war, daß ich so ohne alle Nach- *iicht von Euch blieb. Welche Angstttäume »erfolgten i ■?’•»e^e Sorgen, bie zu fixen Ideen ausarteten,

k baß ich Euch nie Wiedersehen würde unb meine Buße vergebens sei ba meine Frau längst tobt, ohne mir i vergeben zu haben, gestorben wäre.

A „Du Aermster!" rief die Tante voll wärmster Theil- I nähme „aber das lag nun einmal in den Verhältnissen. ► Anfangs nach der Abreise von Welhofm war Eveline I fortwährend krank., Dann wurde unsere Kleine geboren

"ud nun konzmttirte sich ihre Liebe und Sorge auf

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