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JM 297.

Freitag, den 27. Dezember 1889.

16. Jahrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Actieudruckerei (PH. Rsuß).

» vt-tvuüic amumui luinue Darunter lewen,

Die Presse und der Klerus.

Ein bischöfliches Mahnwort.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen- in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

ben, „welche den Angriffen der Schlechten Widerstanq leisteten und Sitte und Religion gegen die Unver­schämtheit so vieler Zeitungtschreiber vertheidigten." Lodann führt der hl. Vater tert: „Wir haben ihrem (der kath. Zeitungen) Bestreben oftmals unsere Billi­gung und Anerkennung zu Theil werden lassen und sie mit allem Nachdruck angeeifert, sich eifrig auf die Vertheidigung der Wahrheit uud des Rechtes durch die Presse zu verlegen uud durch nichts sich von ihrem Beginnen abwendig machen zu lassen". In der Allo- kution an die Redakteure der kath. Zeitungen sprach Leo XIII. am 22. Februar 1879: Wir sind vou der Ueberzeugung durchdrungen, daß unsere Zeit diese Hilfsmittel (die kath. Zeitungen) und energische Ver- theidiger dieser Art fordert Nachdem die Freiheit, nach Willkür Schriften unter das Volk zu streuen, ge- währt war, waren die Männer des Umsturzes rastlos thätig, eine fast ungeheuere Menge von Zeitungen zu verbreiten, deren Hauptbeftimmuug ist, die Grundsätze des Rechtes uud der Wahrheit anzugreifen, die Mrche zu verleumden und gehässig zu machen uud verderb­liche Jrrthümer denGeistern beizubringen. Jene durch­schauten genau, weöhen Vortheil und Nutzen zur Aus­führung ihrer Pläne ihnen die Herausgabe von Tages­blättern gewährt, die mit dem Gifte des Jrrthumes den Geist der Sefa unmerklich uud allmählich austecken uud deren Herzen durch die Befriediguug niedriger Begierden uud durch Sinnenreiz verderben. Alles das

)ie Tante und was sie sonst noch schrieb, darüber be­wahrte die Alte ein tiefes Schweigen. Aber sie wurde immer düsterer, unzugänglicher und nach ihrem Wesen zu urtheilen, durfte man auf Weihofen noch keine Hoff­nung hegen, die Herrschaft bald wieder einziehen zu ehen. Die Wirthschast ging unter der Leitung altbe­währter Kräfte auch so ihren Gang, allein man wollte wieder Äug' in Äug', wie ehemals, mit der Herrschaft verkehren und nicht wie durch eiue Hand aus den Wol­ken regiert werden.

Die ,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- uud Feiertage ausgenommen.

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hätte gescherzt, und die Kleine hatte ihn scheu an­gesehen und die Händchen vor ihm ganz komisch aus den Rücken versteckt.

Da hatte sie ganz ernsthaft mit dem Finger ge­droht: „O Waldemar, Kinder und Hunde und Pferde haben einen richtigen Instinkt für gute und böse Menschen."

„Sei unbesorgt, Evcherr," war er eingefallen, »Hunde und Pferde sind mir gewogen, wie Du weißt; aber der Umgang mit Nummer Eins ist mir einfach noch nicht geläufig, daher kommt's. Doch in Deiner Gesellschaft werde ich stets darauf bedacht sein, mich um die Huld und Gnade der liebenswürdigen Straßen­jugend zu bewerben, wenn die Kleinen nur nicht so schmutzig wären."

Sie hatte dann h ll aufgelacht, und er glaubte noch deutlich dieses melodische Lachen zu hören, während er wieder ihr rosig angehauchtes Gesichtchen vor sich sah,

Könnte ein vom apostolischen Geiste erfüllter Priester Jesu Christi gleichgiltig zusehen, wie aus dem Herzen der Katholiken Unschuld uud Glaube immer mehr und mehr schwindet'? Was geziemt dem guten Hirten? Können wir wie feige Miethlinge die Heerde Christi dem reißenden Wolfe überlassen? Auf, geliebte Brüder und Sohne m Christo, zur hl. Gegenwehr gegen die bösen Zeitungen! Diese Abwehr ist eine heilige Pflicht'

„Die Päpste Pius IX. und Leo XIil. haben wiederholt nachdrücklichst aufgefordert, „die Geißel der schlechten Presse aufzuhalten!" Im Briefe an die Bischöfe der Mailändischen Kirchenprovinz vom 25 Januar 1882 mahnt Leo XIIL, Jene, welche Wahr­heit und Recht in den Zeitungen vertheidigen, seien „m,t dem höchsten Eifer zu unterstützeu"; man solle trachten, daß die katholischen Zeitungen vermehrt wür-

Der Oheim und die junge Frau hatten sie ver­wöhnt; und gerade als der junge Herr auch bereits anfing „zu werden", sich „zu machen", kam die jähe Abreise des Paares (der^Eine zog nach dem Norden, der Andere nach dem Süden) dazwischen, damit den bösen Zungen der Stoff nur nicht ausgehe. Und je länger sich die Abwesenheit der Herrschaft hinzog, je wahrscheinlicher erschien auch ben Wohlwollendsten das Gerücht von einem unseligen Zwiespalt, der zu einer endgiltigen Scheidung der jungen Eheleute geführt habe. Lönne aberzog bei solchen Anspielungen nur die Schul­ter und ging schweigend ihres Weges. Im Grunde wußte sie gar nichts Besonderes; denn die Briefe der Tante waren solakonisch und oberflächlich als möglich; aber Lönne s bewußte Autorität konnte darunter leiden,

Theil der Flnth von Uebelständen und aller traurjfen Verhältnisse unserer Zeit der Schlechtigkeit der Ze/kuu- gen zuschreibt. Da nun einmal die Sitte, Zeivlngen herauszngeben, ganz allgemein überhand genommen hat, so ist es eine Hauptaufgabe der kath. Schvftsteller, das, dessen sich die Feinde zum Verderben da Gesell­schaft und der Kirche bemächtigt haben, ir ein Heil­mittel für die Gesellschaft und eine Scftitzwehr der Kirche zu verwandeln."

Sie werden mich nun fragen, gelieb/e Brüder und Söhne in Christo: „Was können mir thnn?" Ich antworte Ihnen mit den Worten Les XIll.: „Setzet der schlechten Presse die kath. Presst entgegen." Ja, das ist unsere Aufgabe, die schlecht en Z e itung en d urch die guten zu ersetzen. In unseren Tagen ist die Verkündigung der Wahrheit, die Äertheidignug des Rechtes von der Kanzel allein aus unzulänglich: denn gerade viele von Jenen, die die Predigt am meisten benöthigten, scheuen die Kirche. Wir müssen daher für viele von diesen Missionäre roertvn durch die Presse. Wollen wir mit Erfolg die Wahrheit verkündigen, wollen wir der hl. Kirche viederum ihre Rechte er-

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kämpfen, wollen wir der Religion Jesn Christi miede Geltung verschaffen in der Gesellschaft, im öffentlichen Leben, wollen wir endlich eine eminent patriotische That vollbringen und die Gefahren, die das liebe Vaterland bedrohen, vermindern, dann lasset uns dafür sorgen, daß die katholische Presse blühe und wachse.

Soll ich die seelsorgliche Thätigkeit durch die Presse mehr im Einzelnen schildern, so möchte ich Sie, hochw. Konfratres, auf folgende Gesichtspunkte aufmerksam machen: Warnen Sie im Privatverkehre und auf der Kanzel vor den schlechten Zeitungen, heben Sie beson­ders unablässig hervor, daß jene Blätter den Gla üben anfeinden, weisen Sie auch im Beichtstühle auf die Sünde hin, schlechte Zeitungen zu unterstützen. Wie viele ftemde Sünden werden begangen durch Ausleihen schlechter Zeitungen, oder indem man sie Dienstboten und Kindern in die Hand gibt! Widerlegen Sie die Vorurtheile, d-e vielleicht zu Gunsten der 'kirchenfeind­lichen Presse in der Gemeinde herrschen. Empfehlen Sie ferner bei jeder passenden Gelegenheit die guten Blätter, leihen Sie dieselben auch gerne aus. Dieses sind die Pflichten, die in diesem Punkte jedem Seel­sorger obliegen. Aber ich möchte heute noch von einer anderen Pflicht reden. Sie mögen auch, hochw. Herren, soweit Ihnen dieses möglich 'ist, für die katholischen Zeitungen — schreiben.

Würde im Durchschnitte jeder Priester nur ein Viertel ftttnvchcn rvVchenttlch verwenden für nie karhol. Presst, was formte geleistet werden! Viele ans Ihnen haben auch Fachkenntniffe, die Anderen mangeln: tollten diese ein vergrabenes Talent sein? Auch wird man keinen langen Leitartikel von ihnen beanspruchen — mit kurzen Notizen über lokale Ereignisse werden Lie der katholischen Presse große Dienste leisten. Jeder Seelsorger ist auch der geborene Korespondent des Ortes, in welchem er wirkt.

Wie wir schreiben sollen, lehrt uns der hl. Vater selbst. Er schreibt: „Herrlich ist es, wenn Jene, welche die katholischen Interessen in den Tagesblättern ver­therdigen, eine unerschütterliche und unerschrockene Liebe zur Wahrheit zeigen, zugleich ist aber auch nothwendig, nichts anfzunehmen (und daher auch nichts zu schreiben!), was einem wohlgesinnten Manne mit Recht mißfallen fönnte, und auf keine Weise die Mäßigung außer Acht ^lassen. — Vor Allem aber soll den katholischen schriftstellern die Autorität der Bischöfe ehrwürdig sein. — Mögen nie Privatleute sich erlauben, gegen Anordnungen der Oberhirten, die sie kraft ihrer Voll­macht erlassen, Untersuchungen anzustellen." Es soll „das Gewicht der Beweisgründe, nicht aber ein hef-

mit den Grübchen in Kinn und Wangen und den schönen, grauen, treuherzigen Augen, die so klug, so durchdringend schauen konnten, aber nie hübscher waren, als wenn sie mit zweifelndem, fliegendem Blick groß z« ihm emporschauten.

Unter solchen Rückerinnerungen schritt er endlich weiter, aber er ahnte nicht, daß die alte Lönne, den Schürzenzipfel an's Kinn gedrückt, am Küchenfenster lehnend, ihm nachschante und Reue und Leid erweckte und lauter gute Vorsätze machte. Denn sie hatte scharfe Augen, die Alte, und wie seltsam war es, daß sie, die fttlt. iir der geheimen Konferenz am schärfsten vernrt'heilt hatteTsM im^HenduiMchrn sein Anwalt geworden war. Sie glaubte an ihn, - an den Ernst seiner reue­vollen Gesinnung; sie rief den Himmel an, daß er ihn fortan behüten, daß er die Getrennten wieder vereini­gen möge. — Und wenn erst die junge Frau wieder­kehrte, bann wollte sie ein gutes, ein gewichtiges Wort Tur den Entfernten in die Wrgschale ‘legen;' oder ob bet Brief allein nicht am Eibe gar Wunder wirken würbe? Be jeder andern Frpu vielleicht, aber Eve- line? — Tief aufseufzend fchüttelte die Alte den Kopf. Und ein wahrer Unstern roalttte über den Brief, denn er kam lange nicht in Evelinen's Hände.

Anstatt nach Welhofen zunickznkehren, wie Lonne es bet jeher neuen Jahreszeit so sicher erwartete, reifte Evelme in Begleitung der Tante nach dem Süden

Eveliueusruhe.

Novelle von I. von Dirkink.

(11. Fortsetzung.)

Arm in Arm war er noch vor acht Sagen hier mit ihr gewandert und sie hatte ihn durch ihr an- mnthiges Geplauder entzückt. Und dann war ein klei­nes dürftig gekleidetes Mädchen ihr in den Weg ge­laufen; um von Eveline in ihrer gütigen Weise, durch

* Der Hochw. Herr Bischof Dr. Franz Maria Doppelbauer von Linz hat vor einigen Tagen einen herrlichen Hirtenbrief über die Presse erlassen Derselbe wendet sich zunächst an den Klerus und mit Recht, denn es gehört unbedingt zu den Seelsorger- Pflichten desselben, vorznsehen, daß den Pfarrkindern das Gift des Unglaubens nicht tropfenweise oder in stärkeren Dosen alltäglich durch den Postboten in die Hauser getragen werde. Aus den Worten jedoch, welche der Herr Bischof an den Klerus richtet, kann auch jeder Laie leicht entnehmen, was seine Pflicht ist, wenn ihm sein eigenes, seiner Angehörigen und Mitbürger Wohl am Herzen liegt. Mögen nun die bischöflichen Hirtenworte, welche wir auszüglich folgen lassen, von Klerus und Säten recht beherzigt und ihnen entsprechend gehandelt werden. Der hochw. Herr Bischof schreibt-

„In unserer Zeit ist der heiligen Kirche, den Jn- teresten >iesn Christi und dem Heile unserer eigenen Seelen ein furchtbarer Feind erstanden, den die ftüheren Jahrhunderte nicht kannten. Dieser Feind sind — die schlechten Zeitungen .... Einen großen Theil der Schuld an all' dem religiösen, moralischen und vielfach auch politischen Elende trägt die bewußt oder unbe­wußt im Dienste des Satans arbeitende Presse. Diese Presse ist die rastlose Todfeindin der katholischen Kirche. 2 ist^aber eine wahre Groß­macht geworoln. Dreft i>n..^nr

groß, groß auch die Zahl der Abonnenten, von denen Viele geblendet genug sind, ohne jede Krittk auf die Wahrheit alles dessen, was jene Zeitungen lügen, blind gläubig zu schworen. Der Pesthauch der schlechten Presse hat viele Kreise der modernen Gesellschaft ver­giftet.

Fuldaer Zeitung

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. --- - ----- .. ~ •• . - . — - ..