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JK 296.

Dienstag, den 24. Dezember.

1889

vor Augen: War wird

stch nach einem Wort.von ihrem Gatten sehnt, dann überreichen Eie ihr diese» Schreiben — es - wird - ihr - die vöthige Aufklärung - geben - stammelte er und erhob stch, denn die Aufregung überwältigte ihn.

Lönne aber brach in ein heftige» Schluchzen au«, ergrff jammemd die Hände ihre» Herm und preßte fie an chre Lippen.

„VerzweifelnSie nur nicht; o Gott! ein Irr- thum", stammelte fie, „muß Sie Beiden getrennt Hades; hrffen wir, laffen Sie nur den Muth nicht fahren! — tröstete die treue Alte ihn und wunderte stch später, al» fie au« teiner Nähe fort war, wie fie stch von chm nur hatte so bestechen, o hinreißen laffen können. Aber nicht umsonst >atte er ihr Mitgefühl erweckt; denn da» war -'ne gemachte Verzweiflung; er mochte gefehlt »aoen, sicher, al» er Eoeline noch nicht recht er» annte, aber er war kein Heuchler, kein Schau- pieler, da» sagte ihr der Instinkt ihre» Herzen«, >er ste in ihrem langen Leben noch niemal» ge­täuscht, nie irre geführt hatte.

8^rld nach dieser Unterredung stand Waldemar reisefertig vor dem alten Hofthor, durch welche»

Di« nächste Nummer ds. Bl. wird am Freitag aasgegebe«.

nachgekommen, dann banget nicht für die Zukunft Kinde». Vertrauet ihm und lastet e» in Namen hinauswandern in die weite, fremde Welt. Wohl wird es dort Eueres Rathes, Euerer Aufstcht entbehren; Euer Gebet und Euer Beispiel Sim6!?1*!?* und fie werden e« sicher führen durch alle Gefahren und Stürme in der Brandung de» Leben». Ein Kind, das nach wirk» und guten Grundsätzen erzogen ward, geht selten, sehr selten unter in dem Pfuhle der Glaubens- und Sittenlosigkeit. In Kampf und Gefahr wird es feinen Charakter festigen und feine Kraft erproben und stählen, und im Bewußtsein

I seiner Wnther und seines Könnens kann es wir» ken und schaffen zu seinem und der Menschheit Wohl und zum Tröste Jener, die ihm einst da« Leben gaben.

meinen S<§reiNsch7^d!e 8^nnerung^an^M" ver­wischte, glückliche Kinderzeit, an die ferne Heimath, an Eltem unb Geschwister. Im Drange der Ge­schäfte ^im täglichen Hampfe um'« Dasein muß der Gedanke an Heimath und Familie ost zurücktreten und der Pflicht und Arbeit weichen. Aber da« Weihnachtsfest ruft un« heim in die sonnigen Ge­filde der Kindheit, wo keine Sorge un« drückte, Neid und Mißgunst da« Herz de« Kinde« nicht beschwerten. Wer an Eltern und Geschwister hängt, der eilt zum Weihnacht-feste in die Heimath, an den Ott, wo seine Wiege gestanden. Aber die Berufrpflicht hält Manchen zurück in der wetten Ferne, doch in Gedanke» wellt er bei feinen Lieben, deren Herzen in unwandelbarer Liebe und Treue für ihn schlagen. Glücklich jener Mensch, der noch eine Heimath und Famllie sein eigen nennt; an keznem Tage im Jahre wird er ihren Verlust schmerzlicher empfinden, al« am heil. Weihnachts­feste. Doppelt glücklich aber jener Mensch, der

Gvelinensruhe.

Novelle von I. von Dirkink.

, (10. Fortsetzung.)

Nach und nach kam da« Bewußtsein von der ganzen Größe seines Unglücke über ihn und er blieb mitten im Zimmer stehen, fuhr langsam mit der Hand über sein Gesicht und dann wankte er auf den Divan zu und sank, das Anllitz in beiden Händen vergraben, wie gebrochen darauf nieder. Und jetzt war es vorbei, vorbei mit feiner Kraft, der starke Mann weinte, schluchzte wie ein Kind.

So hatte stch die alte, erbitterte Lönne de« Eindruck nicht oorgestellt, den der Brief ihrer unglücklichen Frau auf ihren Gatten ausüben würde. Ganz verstört,-fahl,-innerlich geknickt, trat er ihr am folgende« Tage um die Mittagsstunde entgegen und nachdem er einen heißen Schluck Kaffee, aber sonst nicht einen Bissen zu sich ge­nommen, hatte er sein Reitpferd bestellt und war fortgerttten, ohne zu hinterlaffen wohin.

Tagelang blieb er au«, und al« er dann eine« Morgen« heimkehtte, schloß er sich stundenlang in sein Zimmer ein und so oft fie an der Thüre

Meder nahst Du, poefievolle« Fest, mit Tan» die dc« göttlichen Kinde« Spur in fanatischem nengrün und Tannendust, mit Kerzenschimmer und " - - - ■

güldenem Flitterkram. Willkommen, Du Krone der Feste, langersehnt von Groß und Klein, von Arm und Reich und Hoch und Riedttg: kehr' ein § di- Hütten und Paläste, F.st de« Frieden«, Fest der Freude, allüberall, wo Menschenherzen in Liebe und Eintracht für einander schlagen I Möge kein Hauch de« Unftteden« oder niedriger Gest«, nung Deine hehre Weihe stören; gebiete Halt dem Getriebe der Alltäglichkeit und pflavze in die Her« ^^der sorgenden und ringenden Menschhett da« tröflsiiche Bewußtsein, daß e« einen Gott gibt, der in Seiner unendlichen Barmherzigkeit und Lfebe un« gleich geworden in Kämpfen und Leiden, in Freude und Schmerz. „Et verbum caro factum est, et habitavit in nobis.“

ÄÄ I HauMunb M.S,*

•MMIimm« ImKÄbSrSZÄ “'«««’

die dc« oöttlichen ffinh,« i- I rSei ">cht, Zyr Eltern, Gott wird roeiter Hel-

Haffe verwischen und feine hl? Kirche auf immer (HnbeTin suhL?1 Est. Erziehet Euere

vernichten möchten. Nutzlos ist freittch ibr ""«furcht und frommer Sitte. Das

। «en und ohnmächtig ihr teufiischer .(Safi «fiTr w- 5 Est zart und biegsam «iesWach«

beleidigte Gottheit läßt Ihr nicht straflr» spotten! “St®«?*» «nd Schüne empfänglich. Ber-

In den Händen de« versöhnten Kindlein« ruht die allem Guten Vorbild Ä ®“ere? Kindern in Erde und da« gewaltige Weltall mit seinen “t i ««bild zu sein; nur dann werden

zählbaren Sonnen, ÄnuTs^^ L E R^Eig und gerne folgen. Wenn Ihr den Lauf der Gestirne und best^mt ibr Da i» ^^8°« und ersten Pflicht Euere« Stande« In de« Kinde« Händen a6Tau6 b® £ ' tta^thamen‘ tMtt ■«» * "" f^cke aller Menschen jebroeben Stanbe« unb Ver» bienfte«, vom Kaiser bis zum »eitler. Unb ber Tag wird kommen, wo diese- Kindlein abgestreift hat die unscheinbare Hülle und vor uns steht in Seiner unbegreiflichen Größe und Majchät, um Zu strafen, zu belehren, je nach Verdienst und

E. Dann wehe denen, die jetzt bei dem An- ril, dc» schwachen Kindleins ungläubig unb mit- letbij dieGchultern ziehen, tzs verhöhnen unb ihm I nachstellen, bie bem Teufel unb feinen Anbetern fflüSuÄ Ehne«, benn bis beleidigte Gottheit läßt ihrer nicht straflos spotten!

Uns aber liegt e« nicht ob, zu rächen und zu I verdammen, wir wollen beten für jene Unglück- lichen, die in den Stürmen des Lebens, im Kampfe «al, nicht plötzlich wird der Mensch zum Ver- brecher: Von Stufe zu Stufe muß er sinken, immer tiefer und tiefer, b!s er dort angelangt ist, wo c» keinen Glauben an eine ewige Vergeltung, wo es keine Rückkehr mehr gibt. Wohl die größte Mehrzahl war in der Jugend fromm und gut unb wußte nichts von den Gefahren unb Verbrechen, die ihrer harrten. Sie traten zagenbeu Herzens an oer Hanb eines frommen Vaters, einer lieben- ben Mutter unter ben strahlenden Christbaum und erspähten leuchtenden Auges die Gaben, die da« Christkind für fie datt niedergelegt. Glückseliger Kinderglanbel Längst haben sie Dich au« ihrem gottlosen Herzen geriffen unb bie Erinnerung an Dich ist auf immer erloschen. Glaube unb Un- schulb. Glück unb Zufriedenheit, fie finb ent­schwunden !

»Und da« Wort ist Fleisch geworden, Daß eS bei uns wohne:

Der Sein' Zelt von Süd' dis Norden, Welten hat zum Throne, Kehrt zum Stall bei Thieren ein «rm und schwach ein Kindelein."

. Oberau« tröstlich unb Vertrauen erweckend ist der Anblick der schwachen Kindlein« auf de« - Strohlager. Äojinfe der gewoltiae Kott in Seiner unbegrenzten Liebe eine für uns anziehendere Ge­stalt annehmen, al« die Hülle de» schwächen, ohift mächtigen Kinde»? Ich glaube kaum: Ohne Zagen tritt der unglückliche oder schuldbeladene Mensch vor die armselige Krippe und sagt dem mild lächelnde« Kinde verttauensvoll und unbefangen, was das Herz ihm bedrückt. Und das göttliche Kind verzeiht dem reumüthigen Sünder, denn es weiß, wie schwach ber Mensch ist; unb bem Un­glücklichen gießt e» Trost unb Linderung in da« schmerzdurchwühlte Herz. Und wer fühlte stch nicht schuldig, wem brückten nicht Leib unb Kummers l Un« Allen: Wir Alle finb der Verzeihung, bc» Trqste« bedürftig, weil wir ja Alle schwache unb hilfsbedürftige Menschen finb I Damm wollen wir ungesäumt zur Krippe eilen unb niebertaieen zu Füßen des göttlichen Kinde». Es kennt und ver­steht unser Leid unb wirb uns helfen, wofern wir ihm vettrauen. Unb dann wollen wir nicht ver- gkffe«, bem Kinblein Abbitte zu leisten für bie

SBie manchem frommen Elternpaar vergällt eine Sorge bie Fceube des lieblichen Weihnachttfestes horchen, durch'» Schlüffelloch fptoniren mochte, fie erfuhr nichts. Alles blieb todtenstill und ein Schau- ber flog burch ihren Körper, fie wagte kaum ben grauenvollen Gedanken auszudenken: sollte er sich ein Leibes angethan haben?!

MU einem Schrei fuhr fie zurück, als er plötz- uch im Korridor neben ihr stand und trtioe lächelnd sagte: „Kommen Sie mit in mein Zimmer, Sänne, ich habe einen Auftrag für Sie." Er ging voran, fie hatte Muße ihn zu betrachten. 2Be war di- stolze, aufrechte Haltung, wo der Helle Klang seiner Sttmme geblieben?

Todesmatt l,eß er sich auf einen Stuhl fallen, wies mit der Hand auf einen andern und endlich nach einem tiefen Athemzuge, als strenge es feine Brust an, um zu reden, begann er:

„Zwischen meiner Frau unb mir herrschen Miß­verständnisse, welche stch mit ber Zeit lösen müssen. Sie werben als bie Vertrante ber beiden Damen, bie mein Hans verlassen haben, Alle« wiffen, beß- halb lege ich verttauensvoll biefen Brief — er »og ein wahre« Aktenstück an« ber Seitentasche seine Rocke«, in Ihre Hänbe, Lönne. Der Zeit- punkt wirb, muß tommen, an bem meine Frau