jt2 295. Montag, den 23. Dezember.
Mur W Zritinz.
1889
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Das Jubiläum -es heil. Papstes Gregor des Großen.
”6e7MWKarl Fürst zuILöfwIen/ stein versendet folgende« Ciikular:
Für die Feier de« tm nächsten Jahre statlfin- dcnden Jubiläum« de« heiligen Papste« Gregor!., de« Großen, hat sich in Rom, unter ausdrücklicher Billigung und Ermunterung de« heil. Vater«, ein Komitee gebildet, welche« sich mit einem Aufruf zunächst an die Römer und Italiener, aber auch an die Katholiken der ganzen Erde wendet, um ste zur Beiheiligung an der Feier de« Jubiläum« aufzufordern. Diesem Aufruf find nachstehende Darstellungen und Gedankln vielfach ent* nommev. m ,
Kein Volk und kein Staat, keine Ration und keine Gesellschaft hat so vieie wahrhaft große Männer hervorgebracht, wie die Kirche Gotte« auf Erden: nur die katholische Kirche hat Heilige. Wenn daher die Welt ihre Größen feiert, auch recht fraglichen Größen Monumente errichtet, so find wir Glieder der streitenden Kirche gewiß berechtigt und in der bitteren Roth und Drangsal der Zeit besonder» veranlaßt, Äug' und Herz zu den glänzenden Reihen der unsterblichl« Helden und Lichtgestalte« der triumphirenden Kirche zu erheben, um dort Muster und Vorbild, Muth und Kraft, Hilfe und Trost im harten Kampf der Gegenwart zu finden.
Die« ist die Bedeutung unserer Jubiläen; darum feiern wir Katholiken in. den letzten Dleennien die Jubiläen de« Martyrium« der hl. Apostel« fürsten (1867), de« Siege« de« Kreuze« über den Halbmond bei Lepanto unter dem heil. Papst Piu« V. (1871), der Erhebung und de« Tode«, tage« de« heroischen Papste« Gregor VII. (1873 und 1885); de» h. Kirchenlehrer« Bonaventura und de« großen „Engels der Schule", de« heil. Thoma» von Aquin (1874); de» h. Patriarchen der abendländischen Mönche, Benedittu» (1880); de« hl. Kirchenlehrer« Alphov.« von Ltguori (1887) u. A.
Im kommenden Jahre steht un« eine neue erhebende Jubelfeier bevor: am 3. September 1890 find e« dreizehnhundert Jahre, seit eine der leuch- tendsten Zierden der Kirche auf den Stuhl de« heiligen Petru« erhoben ward: Gregor I., der Große.
Au« einer vornehmen römischen Senatorenfa-
Gvelinensrnhe.
Novelle von I. von Dirkink.
(9. Fortsqpmg.)
Ganz wunderbar und merkwürdig erschien e« ihnen, daß die alte, sonst so redselige Hau«hälterin, Mamsell Lönne, ihrem Mundwerk plötzlich Still- stand gebot, mit gedrücktem, zerstreutem Wesen umherging und stundenlange Berathungen im Familtenzimmer mit der Herrschaft pflog. Wie Gewitterluft lag e« mir einem Male über Wel- Hofen. Jeder sah jetzt in banger Erwartung der Ankunft de« Herrn entgegen. Und al« dieser eine« Abend« spät von seinem Jagdau«fl«g heiwkehrte, fand er zu seinem größten Erstaunen da« Rest leer und einen dicken verstrgelten Brief, auf seinem Schreibtisch. Ahnuugtlo« schob er da« „Dokument", wie er gut gelaunt knurrte, seitwärt«; »««ander« al« ein Lteberbrief seiner Sveline konnte e« sein, die gewiß über seine Abwesenheit, welche fich gegen seinen Willen ausgedehnt, ihr Klagelied, und lang- athmende, an die Penfion anklingende Betrachtungen anstelle« würde.
„Wie fie noch kindisch ist, meine kleine, süße Frau," dachte er schmunzelnd und die Lippen zum
milie stammend, der Sohn einer heiligen Mutter und naher Verwandter de« Helligen Benedikt, difien Orden er fich selbst angeschloffen, ward Gregor einstimmig zum obersten Leiter der Kirche erwählt, ein wahrer Hort für dieselbe und für ganz Italien in schweren Zeiten. Den wilden Ansturm der Langobarden machte er unschädlich, indem er fie zur katholischen Wahrheit bekehrte; zugleich gewann er England für da« Christenthum. Ihm verdankt die katholische Kirche die geheimniß- volle Pracht ihre« Kultur, ihm den großartig ergreifenden Kirchengesang. Dabei war Gregor der erste Schriftsteller seiner Zeit, und wie sein« Pafloralregeln bekunden, da« wahre Ideal eine« Priesters in Selbsten!Äußerung und Opfermuth. Seine Wachsamkeit und sein Eifer erstreckten fich über die ganze ihm anvertraute Kirche, wie, seine Großmuth und Wohlthätigkeit auch die die ent« serntesten Landschaften mit den von ihm überall errichteten,stüherunbekannten Waisenhäusern und Armenschulen bedachten.
Wie ein Mann solcher Wirksamkeit wahrhaft de« Namen« de« Großen würdig war für Mit- und Nachwelt, so ist er gerade in der jetzigen Zeit der Bedränaniffe der Kirche und de» hl. Stuhle« ein hehre» Vorbild im Kampfe und ein geeigneter Fürsprecher und Patron zu Hllfe und Schutz.
Der Aufruf, dem, wie gesagt, vorstehende Erwägungen theilweise entnommen find, wurde mir ,»geschickt, um in Deutschland Anregung zur Betheittgung an der Feier zu geben. — Natürlich handelt e« fich hier nicht um eine kirchliche Feier des Feste», sondern um eine allgemeine, gewiffer- maben nationale Kundgebung. .
Da nun, einem Beschlüsse der Generalversammlung zu Amberg gemäß, jede» zweite Jahr, also auch im Jahre 1890, Pilgerzüge nach Rom statt- finden sollen, so können die nächstjährigen Wafl« fahrtrzüge zugleich im Sinne einer Betheiligung Deutschland» an dem Jubelfest de» großen heil. Papste» und Kirchenlehrer« abgehalten und al« solche aufgefaßt werden.
Ich lade daher die Katholiken Deutschland« ein, im nächsten Jahre zahlreich nach Rom zu wallfahrten, um an den Gräbern der hh. Apostel Petru« und Paulu« und de« hl. Papste» Gregor'« de« Großen von Gott Freiheit und Frieden für die Kirche und Segen sür unser deutsche« Vaterland zu erflehen; unserem schwer bedrängten hl. Vater durch Kundgebung unserer Verehrung, Liebe
Pfeifen spitzend, indem er fich behaglich auf den rubinfarbenen Divan ausstreckte, und, die Arme verschränkend, die Arabesken de« Plafond», wo Liebesgötter, in kunstvollen Stellungen von Blumen- Guirlanden umschlungen, auf ihn herabsehen, be- trachtete.
„Eine kindische Rache von ihr, mich sofort durch ihre Abwesenheit zu kränken," dachte er, fich immer tiefer in seine Verstimmung hineinfinnend, denn er entbehrte seine Frau und hatte e» fich lebhaft ausgewalt, wie zärtlich fie ihn empfangen, wie Heller fie ihm entgegenlächeln würde. Gerade in diesen Tagen, im näheren Verkehr mit anderen Frauen, war e» ihm recht zum Bewußtsein gekommen, Mlche Perle ihn sein Eigen nannte, wie er beret!» verwöhnt und durch ihren gediegenen Werth an fie gefefielt war. Ja, ihre Nähe hatte ihn veredelt und vertieft und da« unmöglich Scheinende möglich gemacht: beim fie hatte ihn mit dem Wechsel seine« Berufe« sogar au«gc- söhnt.
Und mit welcher Verachtung schaute er auf jene Epoche seine« Leben« zurück, in der ihm da« flache Gesellschaftttreiben, äußerer Glanz und Lvxa» und die Leidenschaft de» Spiel« einzig Be-
und Treue Trost und Freude zu bereiten; -un« selbst aber durch Sei« Beispiel und Seinen Segen zu stärken und neu zu beleben in unserem Glauben, im Vertrauen auf die götttiche Vorsehung und in der Liebe zu Gott und zu seiner Kirche.
Um die Wallfahrten gleichzellig al» Betheiligung an der Frier de« Jubiläumr-Jahre« erscheinen zu laffen, und um andererseit« den heil. Vater nicht durch zr läufige Gesuche um Audienz-Erlheilung in Anlpiuch zu nehmen, ist e« erforderlich, für die PUgerzüge eine bestimmte Zeit in Aussicht zu nehmen; ich schlage daher vor, die Zeit zwischen weißen Sonntag uno Pfingsten zu wählen. Nach der Feststellung be« Audienztage» muß der Reiseplan eingerichtet werden.
E« ist wünschenrwerth, daß au» jeder der Diözesen Deutschland» ein selbstständiger Pilgerzug, sei er auch noch so klein, abgeheund inRom mitden übrigen zur Audienz-Zeit zusammentreffe. Dabei bleibt e« unbenommen, daß die Züge auch früher schon sich vereinigen und die Reise gemein-« sam zurücklegen."
Deutsches Reich.
Berlin, 21. Dezember.
• Der Kaiser hat bett Generalmajor Graf von Webel nach Weimar gesenbet, um bem Großherzog heute zu bem 50jährigen Jubiläum al« Osfizier im preußischen Heere seine Glückwünsche zu überbringen. — Der Großherzog wurde au« diesem Anlaß vom Kaiser zum General- Oberst der Kavalerie ernannt.
• Die Eröffnung de« Landtage« soll, wie jetzt mitgethellt wird, am 14. Januar möglicherweise durch den Kaiser selbst erfolge«.
* Schon vorige« Jahr sputten Gerüchte in bett Zeitungen, im Osten ber preußischen Monarchie wolle man bett Mangel an lanbwirthschaft- licher Arbeitskraft burch bie Einführung von chinesischen Arbeiter (Kulis) ersetzen. Damals wurden über diesen Plan faule Witze gemacht; schließlich wollten selbst die Anreger zu demselben die Vaterschaft leugnen. Jetzt hat die Sache indeß den Anschein der Ernsthaftigkeit gewonnen. Die Powmer'sche ökonomische Gesellschaft hat bereit« einen Ausschuß gewählt, der fich mit dem chinefischen Gesandten in Berlin zur Heranziehung chinestscher Arbeiter in Verbindung fitzte. Jnwie-
friedtgung gewahren konnten, well er, vom Strudel be« Wettleben» erfaßt, die edelsten Güter de» Leben«, zu denen auch der Befitz eine« tugendhaften Weibe« gehört, gering geschätzt hatte. Eve- Httett war e« vorbehalten, ihm die Augen zu öffnen, ihn vom Rande de« Abgrunde« zurückznhalten und wie anmuthrvoll hatte ste diese Umwandlung bewirft? So ohne alle Vorwürfe und Zorn unv Elfer; nur mit den Rosenketten einer sanften, stillen, unermüdlichen Liebe, hatte fie ihn zu sich herüber geleitet; mit einer Liebe, die ihren Lohn in fich selbst sucht, hatte ste da« Wunder voll- bracht, fich da« Herz ihre« widerspenstigen Manne» erobert. Helle Schamröthe bedeckte unter diesen Gedanken sein Gesicht. Mll welchem Widerwillen hatte er sich zu dem Landleben vorbrrettet, be» ihm neue Muße bot, an seiner Bildung zu arbeiten, fich mit den Wiffenschiften zu befaffen und die Lücken seine« Wissen» auszusülle«. Und seine von ihrer Umgebung vergötterte Frau, wie verstand ste e«, ihm da« Daheim anziehend zu machen, durch ihr stille«, poetische« Wirken; durch de« Zauber ihrer Herzensgüte im Umgang, der auch ihn mit forttiß zu einem regen Int.reffe an ihrem Wirkungskreise, bei dem er bereit» Gelegenheit