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294. Samstag, den 21. Dezember. ■

Muer W 3eiiii|.

1889

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Inserate? Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg-, bei Wiederholungen entsprechender Rabatts,

Erstes Blatt.

Berlin. 20. Dezember.

Zn den nächsten Reichstagswahle«.

• Die nächsten Reichstagkwahlen nehmen da« öffentliche Interesse bereit« jetzt in ungewöhnlichem Maße 'n Anspruch. Ein höchst unerbauliche« Schauspiel bietet der eben erst so geräuschvoll wiedererneuerte Kartellbund. Die Herren Kartell- hübet liegen sich Tag sür Tag in den Haaren. Nach dem Buchstaben de« Kartell-Verträge« find auch die Hochkonservativen a la v. Hammer stein, Stöcker und Genossen in die Wahlverficherung«- aesellschast auf Gegenseitigkeit ausgenommen. Aber die Wirklichkeit scheint fich wesentlich ander« zu aestalten, al« der geschriebene Vertrag. Die Nationalliberalen wollen nur solche Mitglieder der deutschkonservativen Partei urterstützen, welche ihrem Geschmcck zusagen und ihnen politisch un­gefährlich erscheinen. Leute dagegen, wie z. B. v. Hammerstein, der Oberste der Kreuzzettungr- rittet, bewiesen haben, daß sie gegebenen Falle« ihre eigenen Wege gehen und die nationalliberale Obe,Herrlichkeit nicht anerkennen, «erden vom Kartell geächtet. Auch Puttkamer, der auf dem Altäre der Nationalliberalirmu« geopferte preußische Exminifler, gefällt den Nationalliberalen al« Kartell« kandtdat so schlecht, daß sie gegen ihn zu striken drohen. Daß e« au« bett konservativen Wäldern in benselben Tönen herausschallt, wie man natio- nalliberalerseit« hineinrust, ist selbstverständlich. Und so droht den« der Kartellverband schon vor der Hauptschlacht in Hellem Hader au« den Fugen zu gehe«, zur Freude der — Freisinnigen, welche au« diesem Zank Vortheil ziehen werden.

Ueberhaupt kann man, ohne Prophet zu sein, schon heute sagen, daß e« um die Kartell ache bei den Wahlen nicht sonderlich gut stehen wird. Ein außerordentliche« Zugmittel, wie bei den Sep- tmnatrwohlen die Kriegsangst und der Brette^ und Meliuitschwindel, wird aller Voraussicht nach fehlen. Das Kartell wird fich wohl zweimal be- stnnen müffen, ehe e« die bekannte Parole ,Mr oder wider den Kaiser" zum Feldgeschrei.bei den Wahlen macht. Denn e« ist ein zweischneidig Schwert, mit dem man hier spielt. Die Kartell« Parteien verhehlen fich auch selbst!nicht, daß die „Gefahr" einer „oppositionellen" Mehrheit, d. h. einer Mehrheit, in welcher auch da« Centrum

eine entscheidende Rolle Spielen würde, nicht ge­ring tst.tz , ,, L

Daß die Centrumrpariei in ganz Deutschland ihre Standarte gegen da« Kartell aufpflanzen wird, ist sozusagen selbstverständlich. Zu allem Uebeifluß hat Wtndthorst diesen Satz jüngst im Reichstage klar und deutlich pioklamirt. Ja erster Linie gilt unser Kampf wieder dem Nationallibera- lismu», der fich bei der Berathung der jüngsten kirchenpolitischen Centrum«anträge wieder in seiner wahren Gestalt gezeigt hat.

Die Csntrmuspartei wird fich nur auf sich selbst verlassen müffen, fie darf ihre Selbst« ständigkeit weder nach recht« und nach link» preisgebe«, fie muß fich darauf einrtchten, daß sie den Kamps gegen die sämmtlichen übrige« Parteien, namentlich gegen Nationalliberale, Freikonservative und Sozialdemokraten aufzunehmen haben wird. Der heutige Besitzstand der Zentrum«- partei tat deutschen Reichstage ist geeignet, die Katholiken mit Muth und Hoffnung zu erfüllen, aber e« wäre ein großer Fehler, wenn man fich im Hinblick auf die gegenwärtige Parteistärke für die ungewiffe Zukunft in falsche Sicherheit wiegen ließe. Allzufrühe«, geräuschvolle« Eintreten in die Agitation ist von der Eentrumrpartei niemal« be­liebt worden, aber e« müffen doch rechtzeitig alle Vorbereitungen getroffen werden, damit man schließ« sich nach der alten Kavallerie-Regel „Spät ge­sattelt. scharf geritten" um so energischer dem Ziele zustreben kann.

* Dr. Schmidt, dem die Gefangennahme Bufchiri« zu verdanken ist, befindet fich seit Oktober 1885 in Ostafrika. Er ist ein geborener Braunschweiger, zur Zeit Reservc-Limtenant tat 3. baver. Inf. Reg., hatte al» Geologe den Auf- . — — — — D- trag, bie geologische Untersuchung be» Kiliman« arbeiten, wozu außer bett Marinesoldaten mtd dscharo vorzunehmen;

Auftrage» wurde aber durchkreuzt nnd so schloß fich Schmidt zunächst der Expedition Hornicke an. Mft Major Wißmann scheu wir ihn wiederholt an hervorragender Stelle an der Beruhigung der Gegend dethelligt. Bei dem Angriff auf da» Lager Bufchiri» bet Bagomoyo am 8. Mai führte er die linke Flügelabtheilung. Ende Juni zerstörte

Worten:

„Hättest Du mir damals, bevor Du um meine Hand warbst, Deine Verhältaiffe offen dargelegt, und mir verira«en»voll mitgetheilt. daß Ehren- und Spieljchulden Dich in die Hände der Wucherer geführt nnd Dir nur eine Geldheiralh übrig bleibe, dann hätte ich einen andern Au«weg für Dich gefunden, denn ich Ü bte Dich und halte ja den Schwur: nur Dein Giück fördern zu wollen, in die Hand Deiner sterbenden Mutter abgelegt. Wenn aber ein Mann fich nur um materieller Interessen Men zu einer Ehestand»«Komödie er-

unwiderruflichen Entschluß zu begründe«. Keine Falte ihre« Herzen« blieb dem leichtstanigev Manne verborgen, uad ost fielen die heißen Tropfen auf da« Papier und löschten die Buchstaben au«, aber

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. die Ausführung diese« Arbeitern auch Sträflinge aufgebote« find, werd« *i voraurfichtlich mehrere Tage deauspruch««.

• Nicht weniger al« 5 derzrittge französische Minister leiden an der Influenza, nämlich Tirard, Frkvctaet, Rouvier, Spuller und Fay. — Die Militärschule Saint Eyr ist wegen der Grippen-Epidemie bi» zum 3. Januar; geschloffen

• QnrnM traten in ihre Auaen. Xieine» greunutB qi um uuu -w. ,

setzte sich an den Schreibtisch, zog die eine Geldheiralh au» niederer Abficht geschlossen, Sie setzte, sich an ven vqretvrtuy^ ^arta und von Rechtswegen von seiner Frau

verlaffen worden; — ich aber werde Dir meta Vermöge«, da» Du um den kostbaren Prei» Dri- ner Seele erworben, nur um einen kleinen Bruch« thell schmälern, der mir und der Tante, unter deren Schutz ich mich begebe, eine dürftige Existenz

sichern.

Eveline legte die Feder hin, sauk erschöpft ta die Polster de» Gefiel« zurück und schlug beide

Mappe mtt Briefpapier hervor und bald flog die Feder rastlo« über da« Papier; noch einmal strömte ihr volle«, heiße«, aber bi« in bett Tod verwundete» Herz über, und sie beschwor alle guten

influenzakrank.

• I« dem Steinkohlendepot der Schiff«werft auf Maddalena (Italien) ist eine gewaltige Feuersbrunst aurgebrochen. E« lagern dort 40,000 Tonnen Kohlen. Sie im Gange befindlichen Lösch­

er ein befestigte» Lager bei Kwake, dann war er bei der Einahme von Pangani betheiligt. Bei einem Ausflugs, den er zu Pferde allein gemacht hatte, wurde er im August von Magandaleuten über« fallen und entkam mit knapper Roth. Gleich am nächsten Tage griff er Maganda an, schlug die Empörer, zerstörte ihre Dörfer und vertrieb fie nach Westen. Im November hatte Dr. Schmidt nord­westlich von Pangani ein Rebellenlager mtt dem Bajonett genommen. Zur Zeit ist er Chef be« ganzen Norddistrikts be« beutfch.ostastikanischen Ge­bietes. Nicht zu verwechseln ist er mit „Lieute­nant Schmibt", welcher fich bei der Wißmarm'schen Expedition befindet.

* Jrn Elberfelder Sozialistenprozeß beantragte der Staatsanwalt gegen Bebel 15 Monats, gegen Grillenberger 12, gegen Harrn 12, gegen Schuhmacher 6 Monats Gefägniß, ferner gegen 4 Angeklagte 12, gegen 32 Angeklagte 6 bi» 9, gegen 25 Angeklagte 3 Monate Gefängniß. 5 Angeklagte sollen freigesprochen werden.

• Im Saarbrücker Prozeß gegen die Bergleute Marken und Genossen wegen Beamten- beleidigung find vier Hauptbetherligts zu Gefäng- nifstrafm von sechs, drei, einem Monat und einer Woche verurtheilt; zwei Bergleute wurden fteigc- sprachen.

* München, 20. Dez. Da» Gemeindekolle­gium hat mit 33 gegen 18 Stimmen einen An­trag auf Einführung der fakultativen Leichen« Verbrennung abgelehnt. Der Antrag war vom BoArparteiler Kröber etagebracht.

Ausland.

• In Brüssel ist ein Drittel der Garnison

Evelinensrirhe.

Novelle von I. von Dirkink.

(8. Sortierung.) IV.

Born Morgenstrahl, der fich durch den Spalt der weißen Mullgardine am Fenster hereinstahl, geweckt, fuhr Eveline ftöstelnd, abgespannt und verwirrt au» fieberhaftem Halbschlummer empor, der fie vor ein paar Stunden überwältigt hatte.

Die Glieder schienen ihr wie zerschlagen; ihr Kopf brannte im Fieber, aber eine seltene Willens­kraft sprach fich in ihren Zügen, in ihrer Haltung au«. „Ich M stark sein; ich darf nicht krank werden: ich muß handeln, er soll mich nicht län­ger al» ein schwache«, willenlose« Weib verachten; al« ein Spielzeug für müßige Stunden über die Achseln ansehen; mtt spöttischem Lächeln meine Hingebung lohnen." Sie schnellte au« dem Lehn­sessel empor; Alle«, wa» fie gelitten, wa« fie durchdakbt, wa« fie niedergekämpft in dieser ent- ,------------■ - -

setzlicheuNacht, stand wieder vor ihrerSeele; aber und bösen Gerster der Vergangenheit heraus, ihren fie war um Jahre gereift; fie hatte eine völlige Wandlung an sich erfahren. E« hatte nur ge­schlummert in ihr, jene Kraft einer energischen Natur; jene Kraft, die man al« kindlichen Eigen-

stnn in ihr bekämpft hatte und die voch den Keim zu der Energie und Charakterfestigkeit bildete, die fich schon in ihrer Leidenschaft für Waldemar, in ihrer Hingebung, Opferfähigkett und Selbstverleug­nung ««gedeutet hatte.

Jetzt wandte sich diese Willensstärke mit der Gewalt einer entfesselten Raturkraft gegen Den­jenigen, der ihr Lebensglück zerstört, der ihr jeden Halt, leben Glauben an die Menschheit geraubt hatte. Sinnend ging fie auf und ab; «och war e« Ihr nicht klar, welchen Weg fie einschlagen wollte; denn immer wieder tönte bie Stimme in ihr: „Er ist nicht der allein Schuldige, der Onkel , <■ , „ »

inner er der beste, edelste Mensch, hat seine Hand nledrigt, bann verdient er im besten Falle nur z?dem schändlichen Hanbel geboten"; unb Thränen Verachtung. Dein Entsetzen über den Selbstmord b(6 Rotne« traten ta ihrs Augen. Deines Freundes ist mir nun klar; auch er, der

de» Zornes traten in w« »ujsu. ___ .... „us»r»r ai.Mt aetoloffen.

worben.

sie schrieb und schrieb und schloß endlich mit de«