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1889

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zogen sich in Masse der Abstimmung) in „Cri»- pi'i" des Gewaltigen alleinigem Namen. Dahin hat der Konstituttonalismu« in seiner Verlotterung geführt, daß e« der Loge gelingen kann, ir­gend eine» ihrer Werkzeuge an die Spitze der Staatsgewalt zu bringen, um durch ihn ein Ge­setz diktiren und vor allem die katholische Kirche knebeln zu können. Niemand muß al« kompetenter gelten, die Reform der Opere pie zu beurtheilen, al« die Kirche und die Bor- stände und Mitglieder der Oper« pis selbst. E« wäre wohl denkbar, daß letztere, zmnal fie allen Ständen und politischen Bekenntniffen an­gehören, entgegen dem Urthelle der Kirche, selbst eine Reform befürworteten; daß die» nicht ge­schieht, ist ein eklatanter Beweis sür den gewallt- thätigen kirchenfeindlichen Charakter dr» Re-

Seit Jahren gingen die kirchcnpolitischen Wogen nicht so hoch, wie jetzt in Folge der beabsichtigten Opere Pie-Reform. In der Kammer selbst ge­währen die wenigen anwesenden Jasager Crtspi'« da« Schauspiel eingefrorener Nordpol­fahrer, im Lande aber ist die Auftegung groß und durch alle katholischen Elemente Italien« geht ein Sturm der Entrüstung und findet in der Presse kräftigen Widerhall.

Daß der hl. Vater die nächste besonder« feier­liche Gelegenheit benutzen wird, um vor aller Welt zu protestiren, ist zweifellos, nicht als ob Jemand zu diesem Beweise fich auf eine vertrauliche Mtt- theilung berufen könnte, sondern weil jeder über- zeugungstreue Katholik die Nothwendtgkeit eingetreten sieht, daß die Vergewaltigung der Opere Pie ein Akt, der fich würdig an den 20. September anreiht, durch die Stimme de« Vater« der Christenheit gebrandmarkt werde. E« fehlt natürlich auch diesmal nicht an Versuchen der Revtllien« und kirchenseindlichen Presie, den Mohren weiß waschen resp. den Katho­liken Sand in die Augen streuen zu wollen. Da läßt fich ein liberales Blatt von Rom schreiben, „daß der klerikale Protest gegen da« neue Gesetz unberechtigt fei, daß durch da« Gesetz die Opere Pie praktisch reorgantstrt (derorganistrt, weit der Kirche, der Mutterpflanze, milder fie organisch verwachsen, entrissen), deren Verwaltungskosten herabgemindert (wer glaubt daran?), den Miß- bräuchen und Unterschleifen ein Ziel gefetzt (resp. Thor und Thür geöffnet) und überhaupt keine kirchenfeindlichs T«nd«r»r versÄat. sondern nur bp« Gedeihen der Wohlthätigkeit,-Anstalten beabsichtigt werde". Hoffentlich wird auch das liberale Lese- Publikum nicht so naiv sein, dem Katholiken- und Papstfeind Crifpi so fromme Ab-

seidenen, mit Pelz gefütterten Radmamel gehüllt, die blaue, mit Schwan verbrämte Kapuze über die dunkle Flechtenkrone geworfen, und reichte j.tzt der Tante ihr Handkörbchen von feinem Strohge­flecht hin, da« sie mit Obst Men ließ, um Kin­dern, denen fie auf ihren Spaziergängen begeg- nete, gewohnheit«gemäß kleine Gaben au«zutheilen.

„Laß anspannen, Kindl" antwortete die Tante während sie ihr noch ein weiße« Schultertuch um den Lal« legte. Es ist kühl, Eveline, und Du hustest seit einigen Tagen; ich sürchte. Du denkst zu wenig an Deine Gesundheit und stets nur an Andere", schmollte fie. „Soll ich den Kutscher

*e*rinl Dieser Spaziergang thut mir gut", wehrte Eveline mit beiden Händen ab. Sprich nur zu Waldemar nicht von meinem Husten, ich fürchte es beunruhigt ihn. Mit den Worten eilte fie hinan».

Seufzend schaute die Tante ihr nach. „Harm- lose« Kind, mögtest Du nie sehend werden! mur­melte die alte Dame: „oder ob er Dich wirklich schätzen lernt?" Dann ging sie in die Küche.

„Ja, ja," bestätigte die alte Lönne. „Die

formgesetze«.

Da die Vergewaltigung längst beschloffene Sache ist, so möge sie geschehen: Die Kanonen vom 20. September haben zwar die römischen Ringmauern aber nicht da« Pa pst t hum ntedergelegt, da« Gleiche wird von den Schlägen gelten, die man gegen die Wohlthäng- ketttanstalten der Kirche führt. Nur die Früchte fallen den Feinden in die Hände, die Wurz es und der Stamm bleibt stehen und mit ihm die Kraft, neue Früchte hervorzubringen. Nur möge man so ehrlich sein, den Akt bei seinem rechten Namen zu nennen und einen Kirchen­raub nicht mit dem Heiligenschein einer guten Werke« umgeben und auf die Naivi­tät resp. Dummheit der Leser, namentlich wenn er «ary f* *«v, ; - --

zu wollen. Er ist bekannt, daß Crispi nttt Entrüstung sich über die Jntereffelosigkeit der Kammer gegenüber dem hochwichtigen Reformgesetz geäußert hat. Ec hätte gewünscht, alle 500 De- putirte zu Komplizen zu haben und muß sich mit 30 bi» 50 begnügen, in der That ein Sieg so mühelos, daß er mit Recht sich dessen schämt. Man schreibt die Abwesenhett der Deputtrtm während der wichtigen Berathungen insgemein der gesteigerten Indifferenz und dem in Verwesung«- zustand übergetretenen Parlamentari«mu« zu, ich wage e«, eine andere Ansicht zu vertreten und berufe mich (zum ersten Mal) auf den allerding«

Zur Vergewaltigung der Wohl- thätigkeits-Anstalten in Italien.

S Rom", 11. Dezember.

E« ist bekannt, wie die piemontestsche Regierung in den Tagen, die dem 20. September vorangin- gen, und al« schon die Okkupatton« • Armee von zwei Seiten mit flagrantem meineidigen Kontor- datsbruch in'« päpstliche Gebiet eingebrochen war, all' ihreDiplomaten-Kniffe aufbot, Papst Pin« IX. zu beruhigen, indem man nur „die Aufrecht­haltung des Frieden» und der öffent­lichen Sicherheit bezwecke." Piu«IX.ging aber nicht in Hefe letzte Falle und ließ e» ab­sichtlich darauf ankommen, daß vor Porta Pia aus 100 Feuerschlünden der Welt kund gethan werden mußte, daß Rom nicht steiwillig nach­gegeben, sondern vergewaltigt worden sei. Nachdem die Bollwerke aus Stein um den heil. Stuhl gefallen waren, ging der Kampf gegen die moralischen Gründfesten de» katholischen Glauben« und Leben« in Rom Io«: Aufhebung der Klöster, Entchristlichung der Schule u. s. w. Der Papst hörte nicht auf, zu protestiren, konnte e« aber nicht hindern. Alle Versuche, Staats-Kreaturen unter dem Episkopate zu schaffen, schlugen fehl- der Episkopat Italien«, so zahlreich er ist, weist keinen einzigen Juda»auf. Tem- poralien-Sperre, Absetzung und andere Gewalt­maßregeln von Setten der Regierung schufen nur leuchtende Vorbilder standhafter Ueberzeugungr- treue. Glücklicherweise hat man dem Papst und den Bischöfen die Freche« nicht nehmen können, den Mund auszuthun und Klage zu führen, so daß alle Katholiken, die Ohren haben, e» gehört haben müssen, daß die gegenwärtige Situation de» hl. Stuhle« und de« Epi«- kopate« in Rom und Italien eine unerträg­liche und de«halb erlösungsbedürftige ist. Die Logen- und liberale Lügenpreffe bemühte fich zwar übermal« (gleich den piemontefischen Friedensboten, die den 100 Kanonen und 80,000 Soldaten anno 1870 vorangingen), die Stimme des Hirten von den Schüflein abzuwenden, aver die Katholiken find heutzutage durch Schaden klug ge­worden und wissen sehr wohl, wo fie fich über vatikanische und kirchliche Fragen Auffchluß holen müffen. Jeder weiß selbst am besten zu sagen, wo ihn der Schuh drückt, so viel elementare Weis­heit muß man auch dem Vatikan und den Bi­schöfen zutrauen.

Evelirrensrrrhe.

Novelle von I. von Dirkink.

(6. Sortierung.)

Einige Monate nach dem Tode des Oheim« warm vergangen. Der erste heftige Schmerz um den Tobten hatte fich in Eveline gemildert, fo daß fie fich stark genug zu einem Gang in die Stadt fühlte, wo fie da« vom Oheim bewohnte Hau« aufsuchen und fich nach einem Andenken von ihm um- schauen wollte. Dort wo er unzähligen Roth- leidenden und Bedürftigm Hüfe und Wohlthaten gespendet, wollte fie gleichsam ungestört und ein­sam ihre Erinnerung«feier halten und da« gelang ihr nur, wenn Niemand etwa« von ihrer Wall- fahrt nach dem Tuskulum erfuhr. Zufällig hatte ein Gmsbefitzer der Nachbarschaft eine Jagd ver­anstaltet, wozu auch Waldemar geladen war und diese Abwesmheit ihre« Manne« wollte fie zu ihrem Ausflug benutzen.

„Ich werde heute einen Sang in He Stadt machen, liebe Tante," sagte Eveline, der hohen Gestalt ihre« Manne« nachschauend, die durch den Thorweg verschwand. Sie hatte fich in ihren

gnädige Frau muß leidend sein; ichi kenne mich nicht mehr au» mit ihr; mein alter Wtldfang ist fie längst nicht mehr unb da« ist vom Hebel, denn es widerstrebt ihrer Natur, so sanft, so fügsam, so gar nicht mehr fie selbst sein zu bfltfen. O, du liebe Zeit! Früher war fie der Uebermuth in Person, und nun? Aber wie sagte unser seliger Herr Baron noch? — Ach, so: man kann die Natur wohl aurtreiben, aber fie kehrt doch Hal» über Kopf immer wieder zurück I Ich warte aber nun schon, so lange die junge Frau wieder zu Hause ist, darauf, daß ihre alte, lebendige, krmz- fidele Natur wiederkehren foll, aber —", seufzte die Alte, den grauen Kopf schüttelnd, ,,e» bleib immer wie c» ist." 1

Unterdkß schritt Eveline finnend am Rande de« Walde» dahin, in btfien Schatten Hau» Welhofen geborgen lag. Es war im Spätherbst; der Boden leicht gefroren und vom R-is wie mit einem filbernen Flor bedeckt. Wie duftige, goldgeränderte Schleier erschienen die Wolken, al« hätten fie die Aufgabe, da« strahlende Tagc«gestirn zu ver. hüllen, damit auf dem Grunde de« goldgedämpfteu Aether« sich die Farbenpracht der Wälder, d

sichten zuzutrauen.

Die „Opere pie" find in Italien sammt und sonder« nicht vom Staate fundirt, sondern im Schooße der Kirche etjeugt und auf dem Boden der Kirche genährt und groß gezogen worden, e« find die einzig noch übrig gebliebenen gol denen Aepfel, die vom Lebenrbaum der katholischen Kirche nicht gepflückt resp. geplündert worden find.

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A« SRniime rein an der Kirche gerüttelt, vielgelesenen römischen „Mefsaggiero .dessen kir-

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nich?schlecht genug ist (die Deputirten ent- steht. Zur Widerlegung der liberalei^Pceffe,

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