1889
Dienstag, den 17. Dezember.
M 290.
Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg-, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Die Post Abonnenten werden gebeten, das Abonnement auf die .Fuldaer Zeitung' für das I. Vierteljahr 1890 möglichst bald bei der nächstgelegcnen Postanstatt — auch Landbriefträger nehmen Bestellungen an — zu erneuern, damit Unterbrechungen in der Zusendung de» Blattes beim bevorstehenden Wech- fei des Quartals vermieden werden. Preis 1 Mk. 50 Pfg. pro Quartal (nebst Best-.llgeld.)
Die,Fuldaer Zeitung' wird vom 1. Jan. 1890 ab in DM' vergrößertem 'MDL Formate erscheinen und zwar ohne Erhöhung des Abonnementspreises. Das Sonntagsblatt ,Sterne und Blumen' wird auch in Zukunft jeder Samstagsnummer der ,Fuld. Ztg.' gratis beigefügt. Indem wir unseren Lesern, welche seit der Gründung unseres Blattes eine stattliche Reihe von Jahren hindurch 'treu zu demselben hielten, durch die erwähnte Vergrößerung uns entgegenkommend und erkenntlich erweisen wollen, hegen wir die zuversichtliche Hoffnung, daß sie die ,Fuldaer Zeitung' auch ferner durch Abonnements nnd Inserate freundlichst unterstützen und sich nach Kräften bemühen werden, derselben neue Abonnenten zuzuführen.
Re« hinzutreteude Abonnenten erhalten bi» Ende dieser Monat« die .Fuldaer Zeitung' unentgeltlich, wenn sie der Expedition die Postquittung für da» I. Quartal 1890 übersenden.
Iim Oiartalsmchscl.
Ein Wort für die gute Presse.
* Zum Gedeihen der guten Preffe muß neben der Redaktion und ihrer Mitarbeiterschaft auch da« Publikum Mitwirken durch Abonnement, Inserate u. s. w.
Evelinensruhe.
Novelle von I. von Dirkink.
(4. Fortsetzung.)
„Habe Geduld mit meinem armen Sohne," hatte ja auch die Mutter mit umflorten Bücken und ge- faltenen Händen zu ihr ausichauend g> fleht, al« er mit ihr zu Ende ging. „In Deiner Hand liegt da» Glück Waldemar'«, und dereinst, wenn er Deinen Werth, Deine selbstlose Liebe erkannt hat, wird er Dich wie seinen Augapfel hüten, Dich mehr wie fein eigene« Herzblut lieben, und ich «erde im Himmel für Euch beten, damit Ihr glücklich werdet.
Diese Betheuerungen von den bleichen Lippen der edlen Frau, deren Urtheil für Eveline meß« gebend war, hatte schon damals Balsam in die Wunden geträufelt, die Waldemar'» launischer Wesen ihrem Herzen geschlagen. Ein weniger «armsühlevde», selbstlose» Mädchen hätte ganz andere Ansprüche erhoben und nicht nur bescheiden den großherzigen Wunsch geäußert, den Verlobten beglücken zu dürfen, wie fie e» that. Aber er stand so hoch über ihr, er war so klug und kennt- nißreich, so stattlich, so männlich schön und fie
In der Generalversammlung der Katholiken Deutschland» zu Freiburg am 6. Sept. 1887 sagte der Führer de» Centrum», Exzellenz Dr. Windthorst, unter Anderm: Wir müffen die katholische Preffe unterstützen, wo immer e« geschehen kann, mit materiellen Mitteln, vor allem aber mit Abonnement; und e» soll nach meinem Dafürhalten in keinem katholischen Hause, wo irgendwie die Mittel aufzubringen find, ein tüchtige» Organ fehlen. fi JB
Die Inserate lasse man hauptsächlich den gut- gefinnten Blättern zukommen; gerade dadurch hilft man ihnen zu größerer Verbreitung. Jeder befördere, so gut e» ihm möglich ist, die Prefie, welche für Recht und Gerechtigkeit da» Wort führt, und welche Religion und Christenthum, Kirche und Staat mit Ehrerbietung behandelt uud für ihre Ver- theidigunq einsteht. Man halte un« nicht entgegen, man müsse solche Blätter halten de» Geschäfte» halber wegen der Anzeigen und Nachrichten. Gut« gestnnte Blätter können ebenso gut wie andere solche Anzeigen und Nachrichten bringen, man braucht fie ihnen nur einzusende«.
Unsere hier ausgesprochenen Grundsätze über die Pflichten gegenüber der guten Preffe mögen vorzüglich berückstchttgt werden von demKleru«; denn manche Predigt wird wenig nützen, wenn in den Familien täglich durch eine Zeitung da» Ge> gentheil gelehrt und die Autorität de« Geistlichen untergraben wird. Wie viel mehr aber wird genützt werden, wenn de« Seelenhirten Worte fortlaufend ein Echo finden in einem gutgesinnten Blatte! Der Klerus werde daher nicht müde, diesem allerdings dornigen, aber überaus wichttgen Theile seiner Hirtenpflichten alle Aufmcrksamkctt zu schenken.
Und die christlichen Eltern sollen nicht zugeben, daß ihre Heranwachsenden Söhne und Töchter durch die stumme Verführung eine» un- religiösen Blatte« zu Grunde gerichtet werden; sondern war belehrt und erbaut, war im Glauben und in der Trgend stärkt: das allein sollen Kinder und Untergebene im Hause sehen, hören und leseu.
Da» Gleiche gilt, und zwar im erhöhten Maße für öffentliche Lokale, Wirthschasten u. s. w. Tenn schlechte Zeitungen find ein Gift, welche» zwar langsam, aber um so sicherer wirkt.
In neuerer Zeit haben die Bischöfe oft und vielmal in ihren Hirtenbriefen ihre Stimme gegen die verderblichen Schriften erhoben, und zur Unter
erschien fich ihrem vollkommenen Ideal gegenüber so unbedeutend, so unvollkommen und unschön — da hieß er denn um seine Gunst werben nach wie vor. Daß fie um ihrer uneigennützigen, heißen Liebe willen seiner Gegenliebe werth sei, ahnte fie ebenso wenig, al» daß fie ihn durch ihre Fügsamkeit und übertriebene Zärtlichkeit verwöhne, so daß er auf fie wie von einem Throne herabsah. Hatte die Mutter ihm nicht versichert, daßEveline sein Glück al» den Zw:ck ihre« Dasein« betrachte?! Ja, ihm blieb daher nur die Aufgabe, ihr die Leere seine« Herzen«, die Trostlostgkeit seiner Existenz zu verbergen; denn seit dem Wechsel sei- m« Berufe« erschien er fich wie ein steuerloser Schiff auf wlldbewegtcr Fluth, und nur die stet« wechselnden Reisc-EindrÜcke hatten der ihm drohenden Verzweiflung da« Gegengewicht gehalten, einer Verzweiflung, die in der Nähe der Heiwath mit den Gedanken an die Oebe und Langeweile de« Landleben« mtt aller Gewalt wieder über ihn kam.
II.
Ohne Wissen ihrer Gatten hatte Eveline der Tante Aurelie den Tug ihrer Ankunft auf dem Gute angezeigt, und die alte Dame hatte mit Hilfe
stützung und Förderung der guten Preffe mit dem größten Nachdrucke ermahnt. In dem Hirtenschreiben der im Jahre 1885 in Wien versammelt gewesenen Erzbischöfe und Bischöfe wurde dieser Gegenstand ausführlich den Gläubigen zu Gemüthe geführt, mit dem Ernste eifrigster Hirtensorge. Er hieß unter Anderem:
„Anstatt die schlechte Preffe zu unterstützen, widmet vielmehr der guten Preffe Eure Theil- nähme. Man sagt mit Recht, daß die gute Preffe in der Gegenwart eine große Aufgabe hat. Diejenigen, welche mit reiner Abficht, au« Liebe zur Wahrheit und zur Religion, mit Begeisterung für höhere Ideale, der guten Preffe ihre Kräfte leihen, find in gewissem Sinne Missionäre, d. h. Herolde der Wahrheit, Vertheidiger de« Glauben« und der Kirche, Förderer der höchsten Jntereffen der Menschheit. Ihre Aufgabe ist schön und groß k Denn nur die gute, auf dem Boden de» Christenthum« stehende Priffe kann heut zu Tage einen festen Damm gegen die Strömungen de« Zett- geiste«, eine sichere Schutzwehr gegen Lüge und verkehrte Grundsätze bllden. Ihr ist dar Ziel gesteckt, die wahren Bedürfniffe de« Volke« zum Ausdrucke zu bringen und auf die öffentliche Meinung einen maßgebenden Einfluß zu übeul Gewiß, Grund genug dafür, daß ihr der katholischen Tagerpreffe eine rege Aufmerksamkeit schenket und dieselbe in aller Weise kräftig unterstützet."
Wahre Worte!
Deutsches Nsrch.
Berlin, 16. Dezember.
♦ Der Landes-Eisenbahnrath hat sich in seiner letzten Sitzung mit den zahlreichen Anträgen von allgemeinerem Jntereffe beschäftigt, die zu den allgemeinen Tarifvorschristen und derGüter- klasfifikation de« deutschen Eisenbahn - Gütertarif« gestellt, von der ständigen Tarif-Kommission der deutschen Eisenbahnen vorberathen find, und über welche die in der nächsten Woche Hierselbst zusammentretende General-Konferenz der deutschen Eisenbahnen beschließen soll. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle stimmte der Lande«. Eisenbahnrath den B.schlüffen der ständigen Tarif-Kommisfion zu. Jn«besondere erklärte er fich einverstanden mit einer grundsätzlich wichtigen Aenderung der allgemeinen Tarif-Vorschriften dahin, daß besondere Bestimmungen für die Fracht-
ihrer ländlichen Untertanen Alle« aufgeboten, den Empfang der jungen Herrschaft recht festlich zu gestalten. Ehrenpforten waren errichtet und Freu- denschüffe hallten wett hinan« in der klaren Herbst- lust, al« der mit den munter wiehernden Grauschimmeln bespannte Wagen des Gute«, der da« junge Ehepaar vom Bahnhofe gehott, die große Pappel-Allee entlang fuhr und in da» masfioe, uralte, mit Fahnen und Guirlanden verzierte Thor einbog.
Zu seiner Inschrift: „Willkommen, willkommen auf Hau» Welhofen", wie e« in großen, vergoldeten Buchstaben auf einem weißen, ton Epheu und Blumen umkränzten Papierschild weit hinaus- leuchtete, lieferte die harrende, festlich gekleidete Dienerschaft die lebendige Illustration. Die Gewehrsalven und Hochruse, welche fich, al» Waldemar seine junge Frau au« dem Wagen hob, zum Festgruße vereinigten, dünklen ihm da« Grabge- läute seine« Glücke». Er hätte stehenden Fuße« umkehren und in die Welt hrnausfliegen möget. Allein e« hals ihm nicht». Dis Rette saß fest; er mußte ausharren und seine Rolle mit Anstand zu Ende spielen. Seiner Uebung im Selbst zwang gelang ee den auch, fich den Anschein zu geben,