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M 289.

Montag, dm 16. D^ember. -

1889

fiiliiner W jfitiniß.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Deutsches Reich.

Berlin, 14. Dezember.

* Stanley hat rach Brüssel berichtet, er werde unmittelbar nach einem Brüsseler Aufent­halt nach Berlin abreisen, um sich Sr. M. dem Kaiser Wilhelm vorzustellen.

* Bei der Kongoregierung in Brüssel find recht ungünstige Nachrichten über das Befinden Emin Pascha« eingegangen. Danach hat stch der Zu« stand de« Genannten verschlechtert und man be­fürchtet da« Schlimmste.

* Ein Telegramm der .Time»' au« Sansi­bar meldet von einer Reihe von Kämpfen de« portugiesischen Major»SergaPinto mit den Mickololo«. Serga Pinto habe nach voraufge- gegangener Kriegserklärung die Makolos angegrif­fen und denselben durch die Gatlingsgeschütze, die er mit fich geführt, nach Hunderten von Tobten zählende Verluste beigebracht. Derselbe habe bei dieser Gelegenheit auch zwei englische Fahnen er­beutet, welche angeblich den Matolor jüngst vom englischen Konsul geschenkt worden seien. Serga Pinto habe die Abficht ausgesprochen, das ganze Land bis zum Nyaffa für Portugal zu erobern.

* Der Kalender des „Evangelischen Bundes" 1890 ist die neueste Erscheinung, die wieder ein Mal einem „dringenden Bedürfniß" abhilft. Herausgeber ist H. Faulhaber, Pfarrer am Dtakoniflenhaur in Hall. Eine Hauptrolle spielt, wie zu erwarten, darin die katholische Kirche. Gleich auf der ersten Seite schreibt (nach Aus­zügen de» ,D. Vvlksbl.') der Kalender an seine Leser: „Du hältst e» für unnöthtg, gegen Rom zu kämpfen und weiß nicht» von dem alt bösen Feind unserer evangelischen Kirche, dem „groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist." „Die Siegespalme de» echten christlichen Glauben», die auf dem Titelbilde liegt, fie wird einst wehen über alle« deutsche Land von de« Schwarzwald« hohen Tannen bi« zu den fernsten Grenzen der Ostmark." Seite 28 erschallt da« bekannte Frie- denslied, an da« längst kein Mensch mehr glaubt: „Der Bund will danach streben, daß wir Protc- stanten und Katholiken wieder neben und mit ein­ander leben, duldsam und friedlich al« Christen, wie e« vor 50 Jahren war." In einer Geschichte muß ein Jesuit eine traurige Rolle spielen. Da wird über da« Vatikanische Konzll zu Gericht ge­sessen in einer Weise, die lauter Friede athmet l Da heißt e« z. B. Sette 31: „Wohl ist e« wahr,

Evelirrerrsrrrhe.

Novelle von I. von Dirkink.

(3. Fortsetzung.)

„Da« fatale Geld!" rief Frau Merten», die Arme fröstelnd unter dem Busen verschränkend. „Denn diese GeldHeirath hat ihn ja doch nicht glücklich gemacht; trotzdem werden die materiellen VerhÄtnisse immer wieder bei den Herzenrbünd« «iffen nach wie vor maßgebend sein; o, die fatale Wett!"

Merten» zuckte die Achseln; ein spöttische« Lächeln umschwebte seine vollen Lippen, während sein wafferblaue« Auge Eoeline streifte, deren Be­fangenheit sichtlich wuch«: denn diese Redensarten, al« ob e« sich von selbst verstände, daß mate­rielle Güter Veranlassung zu Ehebündniffen wür­den, erschienen ihrem weltfremden Gemüthe so unlauter und empörend, daß fie nur mtt großer Selbstüberwindung auf ihrem Platze blieb.

„Oho, Frau Hilfeweg war kein gewöhnlicher Typur," bemerkte Waldemar gepreßten Tone«. „Ich habe fie gut gekannt, ein geistreiche«, pikante« Geschöpf «ar fie; sehr stolz, sehr unnahbar, dieser

daß die meisten unserer jetzt lebenden katholischen deutschen Brüder von jenen bedenklichen Sätzen (der Vatikanischen Konzil«) nicht« wissen wollen; auch bemühen fich die Bischöfe der katholischen Kirche, den Sinn jener Beschlüsse abzuschwächen und alle Befürchtungen al» unbegründet hinzu­stellen. Die Mttglieder de» Konzll» waren nur dazu nach Rom gekommen, um, was schon zum voraus feststand, mit verbundenen Augen zu unter­schreiben. Nie hat man von einer schlimmeren Tyrannei gehört . . . Damals wäre es bei der herrschenden Stimmung der deutschen Bischöfe viel­leicht möglich gewesen, eine von Rom unabhängige deutsch-katholische Nationalkirche zu gründen. Bei alle» urtheilsfähigen Laien der katholischen Kirche wäre dieser Gedanke gewiß auf empfänglichen Boden gefallen. Dann hätte für unsere katho­lischen deutschen Brüder, die jetzt unter dem päpst­lichen Joche seufzen, die Stunde d r Freiheit ge­schlagen." Ueber die Altkatholiken ist der Kalender voll des Lobes. Nun kommt ein Kapitel über R-liquien-Verehrung mit den alten bekannten Vor­würfen. Eine kurze Betrachtung über Louise Lateau schließt mtt der Frage: „Haben wir recht oder unrecht, solches Gebahren mit dem heidnischen Fetischdienst in Vergleichung zu bringen?" In dem Art!!cl über „Afrikanischen Sklavenhandel" wird der römischen Kirche und dem Papst der Vorwurf gemacht, fie haben bi» in die neueste Zett fast nicht» gegen den entsetzlichen Sklaven­handel gethan. Der Antisklaverei-Kongreß werde eine „rein katholische Versammlung zur Stärkung der seither recht geringe Erfolge aufweisenden katholischen Heiden-Missisn." Der Kalender-Ver­fasser de» „Evangelischen Bunde»" mögen die vielen katholischen Kalender durchgehen und fich bemühen, zu finden, ob dort in ähnlicher Weise über Anders­gläubige geurtheilt und hergefallen wurde.

* Ja Düren in der Rheiuprovinz hat man einem Jesutten etwa« verboten, war keine „Ordens- thätigkeit" ist. Auf Veranlassung einer Herren- Vereinigung hielt nämlich der Jesuttevpater Pro­fessor Pesch vom 1. Dezember ab populär­wissenschaftliche Vorträge im Gesillenvereins- Saale, die nur für einen durch Einladungskarten (Zutrittrkarten) legitimirten Kreis von Herren zugänglich waren. Wie e» von den Vorträgen eine« so gründlich gelehrten, formgewandten und schlagfertigen Redner« zu erwarten war, fanden die Vorträge großen Beifall. Sech« Tage lang fanden fie auch kein sonstige« Hinderniß; dann

Schlag wird fie vernichten, denn fie hat ihn sehr geliebt."

„Dann hätte er ihr vertrauen, ihr reinen Wein einschenken sollen," rief Merten« überlaut.

„Ganz recht," bestätigte seine Frau; „ein Feig­ling also, Pfui, ein Selbstmörder, wenn man nur Schulden und eine reiche reizende Frau hat. Was sagen Sie, Eveline, war er nicht ein Narr?"

Eoeline wechselte die Farbe, ein Schauder über­flog ihren Körper, und al« ihr Auge zufällig Waldemars Blick ausfing, fuhr fie unwillkürlich mit der Hand nach dem Herzen; denn wie flehende Angst mit Verzweiflung gemischt, flackerte e« ihr au« seinem Auge entgegen. War in diesem Momente der Spiegel feinet Seele? Unmöglich I Frau Mertens' Stimme rief ste zur Wirklichkeit zurück.

„Ich lese den Abscheu von einer solchen grauen­vollen That aus Ihren Zügen, liebes Kind!" tief fie. „See starren in'« Leere, al« sähen Sie ein Gespenst. Ein solche» Thema ist Ihnen, junge» Dmg, noch ganz neu ; später gleiten solche Er­lebnisse leichter an Ihnen ab; wenn ste erst mit den landläufigen Anschauungen unserer Kreise ver-

aber — mußte der hochwürdige Herr auf Ver­anlassung de« Landrathe« seine wissenschaftlichen Vorlesungen unterbrechen und wurde au« Düren polizeilich au« gewiss en. In dem amtlichen Schreiben de« Bürgermeister« heißt e«: Nach einem eben eingetroffenen telegraphischen Bescheide de« Herrn Regierungs-Präsidenten zu Aachen von heute (7. Dezember) find „wissenschaftliche Vorträge von Jesuiten unstatthaft," Der Landrath von Düren mußte auch in einer mündlichen Unterredung zu­geben, daß nicht« Ungesetzmäßige« vorliege, glaubte aber doch, nach Aachen telegraphireu zu sollen — mit dem obigen Erfolg. Die Ausweisung de« Professor» Pesch aus DüreN hat noch um so mehr Aufsehen erregt, al» die Vorlesungen in durchaus patriotischem Sinne gehalten waren.

* Am Freitag f anbin Dortmund eine Kon­ferenz der Landräthe der Oberbergamtsbezirks Dort­mund unter Vorsitz de« Oberpräsidenten der Pro­vinz Westfalen Studt. Später erschienen die Bergarbetterführer Schröder und Bunte welch letztere der Oberpräfident ermahnte, bei ihre« Kameraden für den Frieden einzutreten, an dem nöthigen Entgegenkommen würden er die Behörden und die Zechenverwaltungen nicht fehlen lassen. Bergmann Schröder sprach die Bitte au», die Knappschastrkaflen möchten auf ihren Listen die entlassenen Bergarbetter nicht streichen, damit diese ihrer birher gezahlten Beiträge nicht verlustig gingen. Oberpräfident Studt versprach die Bitte zu berückfichtigen. — Wie von anderer Sette ge­meldet wird, soll beim Kaiser eine Amnestie für alle Ausstandsvergehen beantragt werden. — Rach einer Meldung der ,Köln. Vztg.' au» Saarbrücken erhielt die Bergleutedeputation am Frettag vom Oberpräfidenten der Rheinprovinz, von Berlepsch, den Bescheid, nach Vereinbarung mit dem Berg- Hauptmann sei die neunstündige Schicht gewährt, die unbestraften abgelegten Bergleute werden an­geklagt, die bestraften sollen nach der Hast wegen Arbeit anfragen.

* Prinzregent Luitpold vonBayern hat Fähn­chen für Lanzen zu sofortiger Einführung geneh­migt. Die Mannschaften erhalten blau-weiße Fähnchen, die Unteroffiziere weiße mit färbigem bayerischen Wappen.

Ausland.

• Der französische Kriegsminister de Frey- einet hat die Zeitungen auffordern lassen, künftig über die Sitzungen der hohen Kriegsraths, die

traut find; die Welt ist Ihnen bi« jetzt noch ein mit fieben Siegeln verschlossenes Buch, Kleine l"

Eveline, deren Augen groß aufschauend au den Lippen der Freundin gehangen, schüttelte den Kopf, ein Schatten flog über ihre Stirn.

„Nein, nein," tief fie mit trotzig aufgeworfener Lippe, während die feinen Nasenflügel bebten. „Niemals werde ich mich mit solchen Ansichten befreunden, al» ob der gräuliche Selbstmord unter Umständen erlaubt fein könnte. Niemals auch werde ich es in der Ordnung finden, daß Alle» im Leben käuflich und ideale Liebe nur Chimäre ist. Ein Mann, der ein Mädchen nur de» Geldes wegen freit, ist in meinen Augen ein erbärmlicher Wicht, und ein Mädchen, da» stch für Geld einem Manne verkauft, den es weder lieben noch achten kann, ist verächtlich und ganz und gar nicht zu entschuldigen."

„Ach, nicht gar zu hitzig, lieb« Seelchen," warnte mit aufgehobenem Finger Frau Merten».

„Dar All« spricht die Jugend au» Ihnen; da» gährt noch wie junger Most in Ihrem Köpf­chen, aber diese unreifen Ideen verlieren stch, vom