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jtl 288. Samstag, den 14. Dezember. 1889

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Erstes Blatt.

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Wo stehen wir in der Auti- sklaverei-Bewegnng?

Unter dieser Ueberschrist lesen wir in dem eben erschienenen 12. Hefte von „Gott will e«l":

Diese Frage ist mehr als je berechtigt am Jahrerschluffe.

Gewiß hat es im Laufe diese» Jahre« vielen unserer Freunde geschienen, als ob die großen Hoffnungen, welche man zu Anfang an die Be- wegung gegen dis Sklaverei geknüpft hatte, stch nicht verwirklichen wollten, und nur zu Viele find kleinmüthig geworden. Ohne Grund! Ein großes Werk will die nöthige Zeit haben. Gehen wir kurz die Ereigniffe de» Jahres durch.

Der ostafrikanische Aufstand, die Ermordung unserer Missionare in Pugu, die Vertreibung der christlichen Missionare au» Uganda, der Verlust de« Emin-Pascha-Lander — da« find Thatsachen welche wir auf unser Verlust-Conto schreiben müffen. Aber e» fehlt auch nicht da« Ge- g enge wich t.

Der Aufstand in Afrika ist durch da« entschie­dene Einschreiten unsere« Majors Wißmann nahe­zu bewältigt, dis deutschen Mtffionare kehren zu­rück, um die Benedictus-Miffton größer und schöner als bisher wieder aufzubauen, die übrigen Mffionen, mit Ausnahme von Kipalapala, haben trotz der Kriegswirren fich dank ihrer großen Be­liebtheit bei den Eingeborenen und unter offen­barem göttlichem Schutze behauptet, die Araber find au« der Herrschaft über Uganda, da« mäch­tigste Negerkönigreich Ostasrika», wieder verdrängt die Christen haben an dem von ihnen wieder ein­gesetzten neuen König Muanga einen warmen und hoffentlich auch dauerhaften Freund gefunden; der tapfere Kapitain Joubert, seit 10 Jahren der Beschützer der Mffionen am Tanganyka-See, ge­winnt täglich an Macht und ist der Schrecken der arabischen Menschenfleischhändler geworden.

Zählen wir dazu die hochbedeutsame Thatsache, daß die Mächte augenblicklich ernstlich über die Mttel und Wege berathen, wie dem Unwesen der Sklaverei gesteu-rt werden könne, daß in den meisten christlichen Ländern, in Deutschland, Schweiz, Oesterreich, Frankreich, Belgien, England, Italien, Portugal, Spanien, Holland u. s. w. die Antisklaverei-Vereine au« dem Boden hervorwach­sen, so berechtigt un« da« Alle« zu dem Urtheil, daß unsere Sache «»«gezeichnet gut steht. Gott selbst ist mit «nr — wer könnte un« da widerstehen!

Wie zu Beginn de« ersten jetzt schließenden Jahrganges unserer Zeitschrift lasten wir also von Neuem, aber noch lauter den Ruf ertönen: „Gott will e«l" Der Sieg ist unser, wenn un« nur die Thatkraft und der gute Wille nicht wangeln. Mehr al« je ist die Ehre der christ­lichen Welt engagirt. Die Araber haben längst Kunde davon, welche Bewegung fich in bett christ­lichen Ländern gegen fie vorbereitet; fie bieten Alle« aus, um den Ansturm abzuwehren — sollen wir jetzt zurückweichen, sollen wir zögern, die kost­bare, unwiderbringliche Zett verlieren, wo in jeder Stunde die armen Schwarzen zu Dutzenden abgeschlachtet werden?

Unsere Leser «isten, daß wir keine Freunde abenteuerlicher Unternehmungen find, welche vor- aurfichtlich mit einem Triumphe der Gegner enden würde«, aber wir find eben so bereit, an da« Schwert zu appelliren, wenn der friedliche Weg nicht zum Ziele führt, wen« die Anhänger be« falschen Propheten zu Gewaltmaßregel« gegen unsere Missionare greift«, wenn fie unter de«

Augen bet europäischen Mächte ihren infamen Menschenraub fortzufttzen fich erfrechen.

Von ben Mächten erwarten wir, baß fie al« erste Mandatare ihrer christlichen Völker bett Sklavenhandel verbieten, daß fie den Menschen­schacher Überall dort vollständig unterdrücken, wo ihnen Gott die Macht in die Hand gegeben hat, daß fie Mttel finden, die Aurfuhr von Sklaven über'« Meer nach bett türkischen Staaten zu ver- Hinbern, bis Einfuhr be« bis Eingeborenen ruini- renden Schnaprgifte« abstellen unb bett christlichen Missionären, gleichviel welche« Otden«- kleib sie tragen, vollen Schutz unb volle Freiheit gewähren.

Von ben Völkern aber müffen wir erwarten, daß fie endlich erkennen, wie unverantwortlich, wie unchristlich, unkatholisch e« wäre, wollte man hier angeficht« der laut sprechenden That­sachen noch zögern, noch warten. Die Redensart: „Ich will mir die Sache noch einmal ansehen," hat keinen Sinn mehr, der Kampf ist ent­brannt, er verspricht stcheren Sieg, e« gilt, ihn mit Kraft und Muth fortzusetzen und zu Ende zu führen. Je größer die Betheiligung ist, je reichlicher die Mittel fließen, um so rascher kom­men wir zum Ziele. Und welcher Christ muß e« nicht als Ehrensache betrachten, für eine so er­habene, so christliche und humane Sache einzutreten? l

Unsere nächste Aufgabe ist kräftige Unterstützung de» bereits Begonnenen. Das Königreich Uganda muß ein christlicher Staat werden: es wird vielleicht der Ausgangspunkt aller weiteren Unternehmungen in Central-Afrika sein. Daneben ist der heldenmüthige Hauptmann Joubert in den Stand zu setzen, allen Anstürmen seiner Feinde, der Araber, siegreichen Widerstand leisten zu kön­nen. Dieser tapfere ehemalige Zuaoen - Kapitän steht dort mitten in Afrika an den großen Seen als alleiniger Vertreter echt christlichen Rttterthum», ein Held vom Scheitel bis zur Sohle. Ganz allein hat er »eite Gebiete auf friedliche Weise seinem Etvfluffe unterworfen, die Negerstämme folgen ihm wie ihrem König und lieben ihn wie ihren Vater. Er ist so recht der Generalissimus an bett großen Seen. Die Kämpfer stellt er selbst, baß er ihm nicht an Kriegsbebarf unb Geld mangelt, dafür werden zunächst die französischen und belgischen Antifllaverei-Gesellschasten Sorge tragen.

Ferner müffen wir auf eine gleichzeitige, mög­lichst rasche Ausdehnung des Christen- thum» bedacht sein, die Missionen kräftig unterstützen. Kein Werk hat Bestand, dessen Fundament nicht auf Gott ge­baut ist. Emin Pascha'« Reich stützte stch aus den Islam — der Islam hat es verschlungen. Unsere Gebiete müffen also nicht bloß vom Islam gereinigt, es muß ihnen ba« Christenthum eingepflanzt werden, da« Christenthum wird der Mörtel fein, welcher die neuen Staatengebilde allein zusammenhalten kann.

Mso, Katholiken, Gott will e«! rufen wir nochmal«. Da« Jahr 1889 hat erhebende Be- weise unserer Op? «Willigkeit gesehen, da« Jahr 1890 soll glänzendere zu Tage fördern. Borwärt«, gründet neue Afrika-Vereine, leget Eure Liebesgabe auf den Altar der christliche« Liebe, es wird nicht verlöre« fein, sondern reichliche Früchte tragen für die Kirche Christi, für die armen Neger, für Euch selbst unb Eure Kinder.

♦ Deutsches Reich.

Berlin, 13. Dezember.

• Hebet die vorgestrige Reichrtagsfitzung, in welcher drei wichtige An träge de« Centrums, wie schon in unserem gestrigen Blatte kurz ge­

meldet, zur Annahme gelangten, bringt die .Ger­mania' nachstehenden Bericht: Nachdem der Reichs­tag in die zweite Lesung des Antrages Huene be­treffend die Wehrpflicht der Geistlichen eingetreten war, bedauerte der Abg. Richter, daß bet Bunbestathrttfch vollständig leet und selbst nicht bet zuständige Ressortminister, bet Kriegs­minister, bei bet Betathung eines so außerordent­lich wichtigen Gegenstandes anwesend sei. Bei bet Abstimmung stimmten bis Fteistnnigen nttt einigen Ausnahmen (darunter bte Abgg. Richter unb Golbschmidt), einige Nationalliberale unb mehrere Freikonservative (darunter Abg. Fürst Hatzfelbt) mit bem sehr stark vertretenen Centrum für den Antrag Huene. In Folge bet Vollzähligkeit be« Centrum« war trotz bet Gegnerschaft bet Kartell­parteien ba« Resultat unsicher unb erforderte so­mit Auszählung, bei welcher zur allgemeinen Hebet- raschung bet Antrag Huene mit 127 gegen 111 Stimmen angenommen wurde. Die überaus inte* reffante Abstimmung hatte auch den hohen Bundes- rath angelockt. Abg. v. Kleist-Retzow zog seine« Antrag zurück. — Da» Hau» trat hierauf in die Berathung de» Anträge» Windthorst auf Auf­hebung de« Priesterausweisung«ge­setzt r (vom 4. Mai 1874) ei«. Nach einer kurzen Begründung de« Abg. Dr. Windthorst er­klärten die Abgg. v. Marquardsen (natl.), Rickert (dfr.), v. Rheinbaben (Reichspartei), Fürst Rad- ziwill (Pole), MWer-Marienwerder (Reichrpattei), Singer (Soz.) und Hahn (kons.) kurz ihre Zu­stimmung zu dem Anträge. In der sofort folgen­den zwetten Lesung bemerkte der Abg. Windthorst «och, daß er, da ein Regierungsvertreter nicht an­wesend sei, annehme, daß die Regierung für seinen Antrag sein werde — »qui tacet, consentire videtur“. Sodann wurde der Antrag gegen die Stimme be« unversöhnlichen Abg. v. Cuny (natl.) unb weniger seiner Genoffen angenommen. — Er folgte ble Berathung be« Anträge« Windthorst auf Ausdehnung der Kongoakte auf die deutschen Schutzgebiete. Abg. Dr. Windt- horst begründete seinen Antrag unter einer großen Unruhe be« Hause«, so daß er leider auf der Tribüne meist unverständlich blieb. Abg. Hahn (kons.) meinte, e« läge kein Grund vor, ein Ge­setz zu schaffen, wie e« der Abg. Dr. Windthorst wolle, da die Reichsregierung jetzt schon praktisch in ganz demselben paritätischen Sinne verfahre. Er machte dann bett Einwanb, ob bet Abg. Dr. Winbthorst denn auch dem Islam, wenn er fich in unseren Schutzgebieten ausbreiten sollte, freie Religionrübung in denselben gewähren wolle? Sein Fraktionsgenoffe Stöcker habe einen Anttag ein- gereicht, demzufolge - Vorsorge getroffen werden soll, daß die beiden christlichen Konfesstonen stch nicht gegenseitig in den Misstonen in den Weg treten. Abg. Woermann (natl.) rühmte zunächst die segensreiche Thätigkett der katholischen Glau­bensboten, meinte dann aber auch, daß ter Antrag da» Eindringen de» Muhamedanirmu» befördern könne. Et müsse deßhalb dagegen stimmen. Abg. Frht. von Ow von bet Reichspartei erklärte das Verhalten bet beiden Vorredner für „unverständ­lich und unbegreiflich", da der Antrag doch ein­fach fich selbst rechtfertige. (Lebhafte» Bravo im Centrum.) Eiligst erhob fich hierauf der Abg. Robbe von derfelben Partei, um zu erklären, daß diese nicht auf dem Standpunkte de» Freiherr« v. Ow stehe; er zog stch wie die Abgg. Hahn und Woermann hinter da» Argument von dem Vor­dringen de» Islam zurück. Ja seinem Schluß­worte bemertte der Abg. Dr. Windthorst, daß man die Gew ssevsfreiheit und Gleichberechtigung bet Konfessionen zwar stet« laut proklamite, doch immer einige haltlose Einwendungen bereit hatte,