Einzelbild herunterladen
 
  

Der Postbote hat seinen Gang angetreten. Er liest die erste Abress; und lenkt seine Schritte quer über die Straße. Da» ist ein ihm wohl bekannte« Hau«, denn fast täglich hat er da etwa« »u be­stellen. Hier wohnt Frau Müller, eine Tante nach echtem Muster, da« Noch- und Hllfrbüchlein der ganzen Familie. Wenn irgend eine Sorge fich im weiten Kreise der Angehörigen regt, oder wenn ein kleine« Mißverständniß die Seelen entzweit,

Berzweistung.

Während der Alte in seiner unselige« Freud« schwelgt, bei welcher die Engel ihr Antlitz ver­hüllen, schreitet der Briefträger die Straße ent­lang. Dort steht eia Eckhau« und au« beffen Erkerfenster schaut eto gar anmuthig rosige» Mädchengestcht. Wären wir ihr näher, dann

H-lm; die Bataillon« - Kommandeure begeben stch ; zu ihren Abteilungen zurück. In wenigen Minuten find die vom O-erst anbesohlenen Bewegungen ausgeführt. Die Bataillone bewegen stch in Kom­pagnie «Kolonnen auseinandergezogen gegen da« Dorf, au« baffen Häusern hier tmb da ein Licht ^Hauptmann von Ehreufelb's Kompagnie befinbet fich bei bem Bataillon, welche« ben Eingang des Dorfes stürmen soll. Man ist schon ziemlich nahe gekommen, als der Bataillons-Kommandeur zwei | Kompagnien vornimmt und zum Angriff mit dem i Bajonett auf den Dorf-Eingang bestimmt. Fritz von Ehrevfeld befindet stch mit seinem Zuge bei dieser Angriffs-Kolonne.

„Jetzt muß ich Dir schon da« Gewehr zurück- le’iett," sagt Hauptmann von Ehrenfeld zu ihm. „Hier, und halte Dich nur dicht an meiner Seite. Em Nachtgefecht steht fich schlimmer an, al« c« in der That ist. — Vorwärts!"

So ermüdet Fritz ist, so rafft er jetzt doch seine letzte Kraft zusammen und das Gewehr fest um­klammernd stürmt er schweigend mit den Käme- tttbett auf den Eingang zu. Finstere Nacht ist es geworden. Man sieht nicht fünf Schritte weit. Man weiß nicht, welche feindlichen Streitkräfte, ob Infanterie ober Artillerie, man vor fich hat. Man steht bett Weg nicht. Man weiß nicht, ob nicht tiefe Gruben oder Löcher in die Straße gegraben find--nichts steht man vor fich, al« eine

dunkle Häusermaffe, in der einzelne, kleine Lichter aufflimmern; nicht« hört man, al- zuweilen da« leise Klirren der Waffen oder den gedämpften Ruf einer Kommando'«. So find die Angreifenden wohl einige hundert Schritte im eiligen Sturm- marsch vorgerückt. Manchem, der am Hellen Tage furchtlos der feindlichen Stellung entgegengestürmt ist, pocht jcht da« Herz mit rascheren Schlägen gegen die Brust in der tiefen Dunkelheit, bei der urcheimlichen Stille, die nur da« Sausen der Win­de« unterbricht. Hauptmann von Ehrenfeld fühlt, daß die« stille Vorrücke« den Much niederdrückt.

„Zur Attacke geschlagen, Tambour!" ruft er, und die eintönigen, immer rascher und rascher fich folgenden Trommelschläge hallen dumpf durch die Nacht. (Schluß folgt.)

Der Briefbote.

„Der Gang war schwer, der Gang war rauh. Kalt weht' es und stürmisch aus Norden; ES trieft mein Haar vom Abendthau, Fast wär' ich müde geworden. Chamifso.

E« hat fieben Uhr geschlagen, und di« rührige GeschäftSthättgkeit hat wieder aller Orten begonnen. Auch im Postbüreau ist e« lebendig geworben. Im bunten Durcheinander liegen da die während der Nachtstunden eingelaufenen Briefe und Packete. Hätten fie eine Sprache, diese stummen Boten, wie müßten die grauen Mauern «iderhallen von Schmerz und Jubeltönen aller Art, und ständen fie plötzlich verkörpert da, alle diese Schreiber, welch' ein bunte« Grmisch der Armen und Reichen

Vermischtes.

• Die Weihnachtszeit veranlaßt zu vielen und größere« Einkäufen. Wie alljährlich, so richten wir auch Heuer die Mahnung an unsere Leser, bei diesen Emkäufen die Geschäftsleute am hie­sigen Platze zu berücksichtigen. Wer am Platze kaust, hat die Gewähr, daß der Verkäufer, um seinen geschäftlichen Ruf zu wahren, nur solide Waare liefert, während der entfernt wohnende Lieferant um jiden Preis lorschlägt und wenig danach ragt, wie der Käufer mit der Waare zu­frieden ist und ob er ein zweites Mal wieder kommt. Die Annahme, daß man in Frankfurt oder Berlin den gleichen Artckel in gleicher Qua­lität billiger haben könne al« hier, ist eine total falsche. Wenn man bei auswärtigen Einkäufen die briefliche Wahl und Bestellung, da« Porto u. s. w. berechnet, so werden stch die Preise in den meisten Fällen gleich hoch stellen. E« sollte auch schon der Lokalpatriotirmu« die hiesigen Pri­vaten antreiben, nur in loco zu kaufen. Denn machen unsere Kaufleute, Handwerker u. s. w. gute Geschäfte, so bleibt da« Geld am Platz; und kommt wieder der Allgemeinheit zu Gute.

* sAmerikanisch.) Ein alter Freund auS dem Westen besuchte einen Redakteur in Philadelphia und er« xäbtte ihm, daß er „drüben" eine Zeitung gegründet habe. „Ist sie gut ausgestattet?" fragt- der Redakteur. „Das wollte ich meinen!" entgegnete selbstgefällig der Hinter- wäldner. „Wir haben 3 Revolver im Redakttons,immer, 17 Winchester»Repetirgewehre im Setzersaale und 2 Grt- ling-Kanonen am Eingang."

oder wenn die Hoffnung leuchtet al» aller ernste» l Streben, oder wenn irgend ein Einkauf in der । Stadt zu machen ist: dann muß Tante Müller । beistehen mit Rath und That.

Auf dem heutigen Briefe ist die Adreffe mit ] jenen kräftigen Schriftzügen geschrieben, welche 1 eine Manneshand verrathen und auf Eile deuten. 1 Tante Müller, die überall Geschäftige, öffnet dem Briefträger selbst die Thür«; es scheint, sie hat ihn fast ängstlich erwartet. An ihrem Kleide halten sich zu jeder Seite frische Kinderhändchen, ein «nabe und ein Mädchen, erst seit acht Tagen der Tante von ihrem Bruder anvertraut. Mit dem freudigen Rufe: „Von eurem Papa!" öffnet sie den Brief augenblicklich, während die Kinder be­gierig zu ihrem lieben Gesichte emporfchauen, da» beim Lesen de» kurze« Briefe» gar freudig er­glänzt. „Was schreibt der Papa? sag' es un«, liebe Tante!" rufen die beiden Kinder einstimmig. Und die Tante zieht die Kinder in die Stube und sagt: „Wißt ihr «och, wie ihr euch immer ein Schwesterlein gewünscht habet, und wie ihr vor eurer Abreise dielleine Puppe in» Bettchen legtet und der Vater geheimnißvoll sagte, daß sie bi« zu eurer Wiederkehr lebendig werde, und dann nicht mehr eure Pupp;, sondern euer liebe« und her­zige« Schwesterlein sein würde? Und e« ist ge­schehen, wie der Vater versprochen hat. Ein kleine«, lebendige« Schwesterlein liegt zu Hause in der Wiege, und der Vater schreibt, wir sollen gleich kommen und e« ansehen und recht lieb haben/ Die Kinder hatten mit seligem Erstaunen zuge- hört. Sie jubelten nun und hüpften vor Freude und eilten fort, um ihre sieben Sachen zusammen­zutragen und einzupacken.

Inzwischen ist der Briefträger weitergegangen, indem er nach der Adreffe de« zweiten Briefe« sah. Da« ist ein in langem Formate zusammengelegter, mit einer Oblate und einem Gerichtrstegel vrr- schloffener Brief. Darauf steht al« Nachnahme die Taxe von 9 M. 20 Pfg. Wie da« der Brief- träger liest, lächelt er still unb etwa« schadenfroh vor stch hin; denn so ein Mann hat auch seine I Erfahrungen gemacht. „Der alte Geizhals wird I brummen," schmunzelte er.

„Herein!" ruft'« in ärgerlichem Tone. Noch 1 hört der Briefträger da« Klingeln de« Goldstücke, hört, wie die Geldlade behutsam geschloffen wird. Da fitzt der Alte im fadenscheinigen Rocke, die Brille mit den blauen Gläsern auf der Nase, über denen sein Blick lauernd hervorschielt. Wie er bett Brief empfängt unb die Taxe liest, fährt er er- schrocken zusammen unb will fich fast besinnen, ben Brief arzEhmen. Aber ba« Gerichtsfiegel erweckt doch allerlei Bedenken; er öffnet also zögernd die I Börse, sucht die abgenutztesten Markstücke, N ckel I unb Pfennige zusammen unb legt fie mit zittern­den Händen dem Briefträger hin. Der Alte wartet, I bis der Bote dar Han« verlassen hat, denn er ist mißtrauisch und liebt keine« Zeugen. Nun erst I öffnet er ben Brief. Was? Kann in bieses von | der Leidenschaft de« Geize» so verwitterte Gestcht auch noch ein Fceuvenschimmer — dieser Engels­bote — kommen? Doch manch' böser Geist hüllt sich in» Gewand der Freude, und solch' einer fitzt in dem Lächeln de» Geizhalses. Und doch ist e» eine Toderbotschast; — aber der Alte ist de« Entschlasenen Erbe, e'n lachender Erbe, denn er war im Leben fein Feind, obgleich ein Stamm- unb Sinnerverwandter: Beide hängend am irdi­schen Gute. Da kam der Tod plötz'ich, ehe der eine fein Testament gemacht hatte. Und nun ist der zusammengescharrte Reichthum da« Egenthnrn dessen geworden, den er bitter haßte, und die arme Marie, da« angenommene Waisenkind, die ihn treu und uneigennützig verpflegte, und an der sein Herz hing mit jener dürftigen Liebe, deren sein im Geld und Gut verlorene« GernÜth noch fähig war, ist nun al« Lohn für Jahre lange unbezahlte Dienste obdachlo« und muß bei Frem- ben ihr Brod suchen. Aber, tröste Dich Kind!

! Am selbsterworbenen Heller hängt mehr Glück und Segen, al« an den Golde de« Geizigen; denn daran kleben nicht selten die Thränen der Ver­lassenen, da« Blut der Armen, der Fluch der

könnten wir an bem unruhigen Wogen der Brust die ängstliche Spannung und die bange Hoffnung errathen, die ihr noch junger Herzchen füllt. „Ach, daß fie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!" Er steht in Feindesland. Zwar hat fie noch vor wenig Tagen seine Botschaft er­halten, daß der Schlachtenengel ihn bi» jetzt ver­schont habe und fie hat auf Flügeln der Liebe ihm sofort geantwortet. Aber kann in wenig Tage« sein dunkle» Loo» nicht doch gefallen sein? Da winkte der theilnehmende Bote mit bem bekannten Bries unb tot Fluge eilt fie ben Schatz an bet Haurthüre in Empfang zu nehmen. Er lebt! fie hat bie Zellen schnell überflogen und dankt in Jubeltönen, daß bem theure« Leben kein Haar gekrümmt ist. Der Waffmstillstanb ist in Au»stcht, hat er geschrieben unb dann, o ba» Uebermaß bet Freude, wenn e» wahr wäre, wenn fie ihren Liebsten heil und gesund wieder empfangen würde. Schnell an den Schreibtisch; fie kann da» volle Herz nicht bändigen und muß er dem Papier ver­trauen an ihn.

(Schluß folgt.)

fände fich hier zusammen. ä .

Ob diese Gedanken wohl auch den Kopf der Briefträgers durchkreuzen, der feit vielen Jahren, wie heute wieder, täglich die Briefe nach Haus­nummern und Straßen ordnet, um fie dann in fein Ränzchen zu schieben und dahin zu tragen, wo fie wirklich Sprache und Leben erhalten?

Gut, daß er nicht weiß, was er da alles mit stch herumträgt, die Last möchte ihm doch zuweilen gar zu schwer werden. Aber der Dichters Pqan- taste, welche bett wortlosen Sang bet Vögel, ihren Lust- unb Klageton, ba« Plaudern der Waffer- wellchen, da« Rauschen de« Schilfe« im Abendwinde und bie buftige Sprache bet Blumen versteht; fie dringt durch die sorglich gefalzten Papiere trotz de« Gummi unb be« verschließenden Siegel« unb fie jubelt und seufzt mit all' den stummen Buch­staben da drinnen. Dmm ist der Dichter auch einer der Glücklichsten «und Unglücklichsten im Erdenleben. Hört, war er alle« erlauschte.

Kinder-Wünsche «ud Hoffnungen.

Liebes Christkind, wie so lange Bleibest du doch diesmal aus! Wird uns manchmal angst und bange, Könnst nicht komm?« uns in's Haus! Unsres Herzens lautes Pochen Zeigt die heiße Sehnsucht an, Tage scheinen uns jetzt Wochen Kaum, daß man nochlwarten kann. Hast wohl viel noch abzumachen Droben in dem Himmelssaal? Ordnest dort an schönen Sachen, Die du schickst ins Erdenthal? Nimm doch ja der goldnen Nüsse Und der rothen Aepfel viel, Auch recht süße Pfeffernüsse Bringe mit und manches Sprel. Meinen lieben Nachbarsmädchen, Wie dem kleinen braven Fried, Unserm Willi und dem Gretchen Bring auch schöne Sachen mit. Jenes kleine Hau« ich meine. Dorthin deine Gab auch trag, Daß kein armes Kind hier weine An dem frohen Weihnachtstag. Ach, es gibt auch kranke Kinder, Die da seufzen laut im Leid, Und sie werden nicht gesünder Weil so dünn ihr schlichtes Klerd.

Wecke ihnen milde Herzen, Die fie kleiden warm und gut, Und auch ihnen Weihnachtskerzen Zünden an in Liebesgluth.

Kannst ja alle Herzen lenken Wie di- Bächlein groß und klern; O so lad' zu reichem Schenken Recht viel gute Menschen ein.

Noch znm Schluffe wir dich bitten: Komm bald zu uns Kindern her l Wenn du dann in uns'rer Ritte« Singen ftoh wir Gottes Ehr'.

I. L, Fischer.