damit auch zur Stützung des Thrones und des „König- thums von Gottes Gnaden." ,
Wenn wir in der Bekämpfung der Sozialdemokratie etwas erreichen wollen- dann erfüllen wir ihr« berechtigten Forderungen. Das ist bte beste Bekämpfung der Sozialdemokratie. (Bravo! im Centrum.)
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Dezember.
* Zweifel an der Durchführung des Wahl- Kartells äußert die Nationalliberale Korrespondenz wie folgt: Man wird gut thun, abzuwarten, wie in der Praxis nunmehr die Dinge sich entwickeln werden. Es haben dabei die einzelnen Wahlkreise ein entscheidende» Wort mitzuredev, denen gegenüber alle Abmachungen der Central-Leitungen nur die Bedeutung eines Rathe» und einer Ermahnung haben können. Daß in einzelnen Wahlkreisen aus örtlichen und persönlichen Gründen die Durchführung des Kartells wahrscheinlich nicht gelingen wird, haben die die Uebereinkunft schließenden Partei-Leitungen sich nie verhehlt; ste haben vielmehr gleich in den aufgesetzten Stipulationen auf diese Fälle Rücksicht genommen und für die Beilegung entstehender Differenzen so weit al« möglich Vorsorge getroffen.
• Ueber das Befinden EminPascha's wird au« Saufibar gemeldet: Emin Pascha befindet sich noch immer in gefährlichem Zustande, indeß glaubt Dr. Parke fortgesetzt an eine Wiederherstellung, wenn keine Komplikation eintrete. Der Patient hustet viel und leidet an der Schwierigkeit die Lunge frei zu machen; im Uebrigen find die Symptome günstig.
* Der Reichstag setzte die Etatsberathung bei den Verbrauchssteuern fort. B-i der Tabak- steuer wurden von verschiedenen Rednern Erleichterungen hinsichtlich der Veranlagung und Erhebung der Steuer gewünscht. Bei der Zuckersteuer Hellte Staatssekretär v. Maltzah« mit, daß die Zuckerkonserenz nächsten Sommer zufammentrete. Bei der Branntweinsteuer wurde eine Neuregelung der Kontingentimngsftage, namentlich im Jntereffe der kleinen Brennereien, befürwortet. Die einzelnen Positionen wurden genehmigt, ebenso die ®^m£a»^^lueaiieu®oeB8yemngau)e», vblui uiiu Edler Herr zur Lippe-Biesterfeld-Weißen- fel«, preußischer Justizminister in den sechsziger Jahren, ist hier am Sonntag im Alter von fast 75 Jahren gestorben.
• Der Kaiser ist am Sonntag mit dem Groß- Herzog von Hessen in Worms eingettoff en und glänzend empfangen worden. U. A. überreichte eine Deputation von Arbeitern dem Kaiser eine Adreffe und einen Lorbeerkrauz. Auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters erwiderte der Kaiser, er freue sich, das alte Worms habe besuchen zu können. Sofort nach der Ankunft begab sich der Kaiser «ach dem neuen Festspiel-Hause, um der Aufführung de« Luther-FMpiel« beizuwohnen. Nach der Vorstellung kehrte der Kaiser nach Darmstadt zurück. Heute früh ß1^ Uhr alar- mirte der Kaiser die Schloßwache und die Garnison und ritt sodann an der Spitze der Truppen
völlig andere« Aussehen al« heute Morgen zeigte. Gesicht nnd Hände de« Knaben waren wahlgereinigt, da« schwarze Kraushaar war hübsch geordnet, so daß die zierlichen Löckchen sich anmuthig um Stirn und Nacken ringelten, die schlanken, elastischen Glieder umhüllte der Anzug seines verstorbenen — Bruder« Otto. Tiefe Rührung kam über den jungen Gelehrten, als das Kind feine Hand faßte, ste zärtlich streichelte und ihm au» seinen großen Argen einen Blick unverkennbarer Liebe entgsgenbrachte.
„Ich glaube", begann Karl zu seiner Mutter mit einer Stimme, der deutlich eine tiefe Seelenerregung nachzitterte, ich glaube, Mutter, der liebe Gott hat uns heute ein Entgelt geschickt für unseren theuren kleinen Otto. Willst Du an der armen Waise Mutterstelle vertreten? Statt aller Antwort öffnete die alte Dame ihre Arme gegen den Jungen, der stürmisch auf sie zuellte, ihren Nacken mit seinen Armen umstrickte und zärtlich sein Köpfchen an ihre Brust schmiegte.
E« war ein recht frohes Wechnachtsmittag«- mahl, das die kleine Gesellschaft bald darauf einnahm. Franzeako, — so hieß der kleine Italiener
von der Infanterie - Kaserne nach dem Exerzier- ilatze, wo er die Truppen besichtigte und die Dir- wfitionen zum Manöver gab. Um 11 Uhr kehrte Se. Majestät mit dem Großherzog an der Spitze des hesfifchen Leibgarde-Jnfanterie-Regiment» Nr. 115 unter klingendem Spiel vom Manöverfeld in’« Schloß zurück. Heute Mittag ist der Kaiser nach Frankfurt a. M. abgereist, wo er bi« heute Abend verbleibt. Die Ankunft im Neuen Palais erfolgt morgen Vormittag gegen 9^/, Uhr.
• Sulzbach (Kr. Saarbrücken), 8. Dez. Die heutige Vertrauensmänner-Versammlung in Altenwald wählte eine Deputation, drei Mann, zum Vortrage beim Kaiser und Oberpräsiden, t e n. Am Mittwoch findet eine allgemeine Bergarbeiter - Versammlung unter freiem Himmel auf dem nahen bayerischen Gebiete statt. Die Stimmung ist allgemein gespannt. Weiter wurde be- schloffen, wenn bis Donnerstag nicht die Forderungen der früheren Bffchlüffe gewährt worden feien, solle der Ausstand erfolgen. (Köln. Vztg.)
• Zum Bischof von Passau ist der Münchener Dompropst von Rampf ernannt worden.
Ausland.
• Pater Agostino dr Montefeltro, beffen Fastenpredigten in Rom so große» Aufsehen erregten, ist vor einigen Tagen in Neapel angelangt, wo er mit seinen Predigten dieselbe Wirkung erzielt wie in Rom.
* Rom, 7. Dez. Die Feinde der Kirche werden jetzt gemäß der von Crispi in der Thronrede gemachten Andeutungen ihre Hand wirklich auf die frommen Stiftungen legen, um auch da» Vermögen der Armen und Nothleidenden, der Witt- wen und Waisen für den Staat zu kapern. Betete ist eine genaue Aufnahme aller Stiftungen und Fonds angeordnet worden, damit der Staat eine Ueberficht beffen erhält, wonach er fpäter feine Hanb ausstreckt. — Die „Encyclika" über die Pflichten derKatholiken ist nunmehr fertig gestellt, wird in die wichtigsten Sprachen übersetzt und im Januar k. I«. erscheinen. In dem bevorstehenden Konfistorium wird der Papst Protest erheben gegen das Gesetz über die „Reform" (aus gut deutsch: Beraubung), der „Opere pie“ und gegen den rechtswidrigen Eingriff der Regierung ui feine mecgie Uuiig trte Absetzung bo» Bischof» Pellegrini.
* Au« Serbien kommen sehr bedenkliche Nachrichten über Unzufriedenheit in der Armee; da» fortgesetzte Schüren panslavistischer Hetzer hat einen bösen Geist in die Armee gebracht.
-London, 8. Dez. Die Thatsache, daß die englische Regierung eine eigene Gesandtschaft beim apostolischen Siuhl in Rom unterhalten will hat den Neid und Aerger der protestantischen Fanatiker in England wie in Deutschland wach- gerufen. E» hat jetzt die „protestantische Allianz" in einer eigenen Denkschrift an Lord Salisbury einen förmlichen Protest gegen die Mission des Lord Lietone in Rom erhoben, well sie davon eine „Schädigung" des Protestantismus befürchtet. Die protestantischen Eiferer stellen sich aber damit ein sehr schlechte« Zeugniß ihrer eigenen Sache au».
— war schon völlig zutraulich geworden und erzählte mit südländischer Lebhaftigkeit und einer Gewandtheit, die auf reiche Geistergaben schließen ließ, von seiner schönen, sonnenhellen Heimath, von ihrem tiefblauen, fafi immer wolkenlosen Himmel von der Pracht der dortigen Natur und Städte. Und dabei war sein freudestrahlende» Gcfichtchen, auf da» die ungewohnte Pflege und Aufregung de» Tage» betete liebliche Rosenfarbe gemalt hatte, schon selber für die sonst so einsamen Glieder der Ehrhardt’schen Famllie ein kleiner Himmel geworden, von dem ihnen yne, Augen entgegenleuchteten, die an Glanz kühn mit ein paar Sternlein wetteifern konnten. Nur zu- wellen trübten sich diese zwei Sterne ein wenig, nur zuweilen verdüsterte die sreudeklaren Züge de« Kinde« ein Wehrnuthranflug» dann nämlich, wenn die Rede auf seine Mutter kam, die indem Angedenken be« Kleinen al« wahre Lchtgestalt lebte, umfloffen von der Glorie und allen Reizen einer eblen Frauenseele.
In diesen Augenblicken genügte ein freundlicher Blick der zweiten Mutter, die herben Gedanken be« Knaben zu verscheuchen. (Schluß folgt.)
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
?Fulzda, 10. Dezember.
• Nachdem die Kandidatenliste für bie ertebigte Domkapstularstelle gestern Morgen, den 9. b. M., unbeanstandet von Sr. Kaiserl. und König!. Ma- estät zurückgekommen ist, haben Seine Gnaden jer Hochwürdigste Herr Bischof, dem diesmal da» Ernennungsrecht zustand, den Herrn Geistlichen Rath und Profeffor am Pciesterfeminar Philipp Enael zum Domkapitular ernannt.
□ In der gestern abgehaltenen Sitzung be» ordentlichen und außerordentlichen Bütgeraur- chuffes wurden in Ergänzung des letzteren al« Mitglieder gewählt die Herren: Richard Atzert, Ludwig Fleischmann, Wilhelm Kalb, Karl Kräh, Wilhelm Mollenhauer, Philipp Nridhardt, Gwrg Schwarz und Benedllt Trabert. Ueber den Verlauf der hiernach abgehaltenen regelmäßigen Bür- gerauSschuß-Sitzung werden wir morgen berichten.
=r Herr Musiklehrer Giger hat einen Ruf nach London al» Dirigent einer größeren musikalischen Gesellschaft erhalten, wird demselben Folge leisten und schon in Kürze nach London übersiedeln. Der Wegzug de« Herrn Giger wird in den musikalischen Kreisen Fulda’« sehr bedauert, da derselbe ein vorzüglicher Lehrer ist und sich außerdem al, tüchtiger Violinist, sowie al« energischer Orchester- Dirigent eingeführt hat.
• Da» van der hiesigen Straflammer in dem bekannten Prozesse de« früheren Landrath« Krekel er von G-rsfeld gegen den Redakteur der .Fuldaer Zeitung’ am 20. September d. I. gefällte Urtheil wurde gestern vom Reichsgericht in Leipzig auf gehoben und die Sachs zur andsrweiten Verhandlung und Entscheidung an die Strafkammer in Hanau verwiesen. Die Aufhebung des Urthell» erfolgte in erster Linie weg« Ablehnung be« Beweisantrage« und ferner deßhalb, well bie Frage be« Bewußtsein» bet angeblichen Beleidigung nicht geprüft worden, und well die Straflammer bei Nichtanwendung de»8 193 R.-St.-G., welcher von Wahrung berechtigter In- tereffm handelt, von einem Recht»irtthum aurgegangen sei. Ein direkte» eigene# Jntereffe be« Redakteur» an der von ihm vertretenen Sache weebe »ow S 103 nicht erfordert. Die Entscheidung de» R-ichrgertcht« ist so günstig, al» sie unferetfete nur erwartet »erben konnte, und haben wir somit alle« Grund, von der Hanauer Strafkammer ein fr eispr e chende« Erkenntniß zu erhoffen. Wir werden in der morgigen Nummer unsere« Blatte« auf die vorstehende Entscheidung dc« Reichsgericht« in ausführlicher Weife zurückkommen. _,
• Der Ober - Forstmeister Guss zu Raffet ist auf die durch Pensionirung de« Ober-Forstmeister» Tramnitz erledigte Ober - Forstmeisterstelle bei bet königl. Regierung zu Frankfurt a. O. versetzt worben.
• Fritzlar, 6. Dez. Gestern Mittag ließ der Kommandeur der hiesigen Artillerie-Abthellung Herr Major Kehrer, die Abtheilung ganz unverhofft allarmiren. Nachdem die Batterien zu einer kompletten Kriegs-Batterie formte, ging bet Marsch in der Richtung nach Haddamar, in welcher Gegend eine Felddienstübung stattfand. Um 4 Uhr kehrte die Artillerie wieder zurück. Nach einer kriegrministetiellen Verfügung sollen von fitzt ab alle 14 Tage derartige Allarmirunge« stattfinden. ,
• Kassel, 8. Dez. Die 12. ordentliche Generalversammlung be« Verein« zur Beförberung bet Fischzucht im Regierung«bezitk Kassel, findet Freitag den 13. b. M., Abends 6 Uhr im Saale be» Hotel« „Prinz Friedrich Wilhelm dahier statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1) Kurzer Jahresbericht. 2) Kassenbericht, Entlastung des Rechnnngsstellers für 1889, sowie zweier Revisoren zur Prüfung der Rechnung für 1890. 3) Statutenänderung. 4) Ort und Zeit der nächsten Generalversammlung. Vereinsorgan. Ben* | ffigung aber Vereinsinventar. Bestimmung btt I Plätze für Aussetzung von Forellenbrut burch be« Verein. 5) Wahl des Vorstandes für bie Wahl« I periobe 1890 bis 1892. 6) Anträge aus dtt Verfammlung (Statuten S 14b). Er wirb gebeten, 1 solche sowie etwaige Mtttheilungen über bemerkens 1 werthe Vorfälle int Fischereiwesen thunlichst vorhtt 1 schriftlich einzusenden. Zu recht zahlreicher »e* I Heiligung - wird mit dem Bemerken eingeladen