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M 284. Dienstag, den 10. Dezember. 1889

Mm M Jrihing.

«“f 22,913 gestiegen ist. Diese Thatsache wird an­geführt, sie wird bedauert, auch von Seiten des Herrn Staatssekretärs von Bötticher; aber diese Entwick-lung zu hemmen, davon ist keine Rede, eS bleivtL bei den all­gemeinen Ausdrücken der Theilnahme.

Meine Herren, es ist bezeichnend, daß die Hälfte dieser Kinder allein auf das Königreich Sachsen kommt. Wenn man bei uns im Westen auf die Kinderarbeit verzichten kann, weshalb in Sachsen nicht? Auch hier sage ich: die Einheit des Wirtschaftsgebietes erfordert eine ein­heitliche Regelung, am Ende könnten unsere westlichen Arbeitgeber auch wieder zur Kinderarbeit übergehen mit der Begründung, sie seien durch die Konkurrenz im sächsi­schen Gewerbe dazu gezwungen. Damit würde erst recht die Entwickelung zum Bösen kommen.

S Auch trat Ehri-dkschkttW.

®ne einfache Weihnachtsgeschichte von Erich Krafft.

(Fortsetzung.)

Rur stockend und in Pausen vermochte der' Junge, dessen blendend weiße Zähne vor Frost klapperten, diese kleine Erzählung hervorzubriugen. «in Stein hätte fich erbarmen mögen bei dem . herzzerreißenden Aussehen der Kinde« — und doch eilten Tausende der wohlhabenden und fest- ^'geschmückten Menschen an ihm vorbei, ohne « ?,nb s^ne« Elende« auch nur eine« Blicke« zu würdigen.

Ehrhardt« edle« Herz erbebte ob de« Ausblicke«, ee» der Kleine ihm in sein erbarmung«würdige« ^5'"" «öffnet hatte. Der junge Gelehrte schwankte remen Augenblick, wa« er thun sollte. Hier mußte geholfen werden!

entnahm rasch feinem feinbestickten Täschchen Ae Visitenkarte, warf einige flüchtige Züge mit ^"darauf und übergab dem welschen Knaben °'e Zellen mit den Worten: „So, mein Lieber! *7* mit dieser Karte zu meiner Mutter. Sie ^oDich freundlich aufnehmen, Dir zu essen und •" Muken geben und all' Deine Waaren abkavfen.

Em Strahl de« Glücke« irrte flüchtig über die Züge de« braunen Jungen. Neue Thränenperlen zitterten auf seiner Wange, al« er die prächtigen Augen klar und in tiefer Dankbarkeit zu Karl aufschlug und seine Hände an die Sippen preßte. Der Mund bewegte fich, al» wolle er einen Dank irpeln, allein er stammelte nur unartikulirte Laute: Die überschäumende Herzbewegung ließ jede« Wort auf der Zange ersterben.

„Nmr laß e» nur gut sein V* meinte Erhardt. Ein Schwarm von Gaffern hatte fich bereit« um le versammelt und starrte fie neugierig an. In Eile gab Karl dem Knaben noch einige Anweisun- jen über seine Wohnung und veranlaßte ihn so- rann durch eine Handbewegung zum Gehen. —

Ja den großartigen Hallen de« Frankfurter Kat­erdome« hatte da« hohe festtägliche Amt bereit« Kgonnkn, al« Ehrhardt eintrat. Voll und brau­end empfingen ihn die herrlichen Klänge der Orgel, und al« diese zuletzt sanft verklungen waren, Hub ein vorzüglich geschulter Chorgesang an: „Ehre ei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten W llen« find," sang eine Solostimme, so klangreich, so melodisch süß, so ergreifend, daß e«zunserem jungen Helden immer

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Abg. Hitze über die Arbeiterschutz- anträge des Centrums.

(Rach dem offiziellen Reichstags-Stenogramm vom

25. November 1889.) 1 (Schluß.)

Der Vertreter der verbündeten Regierungen, meine Herren, hat dann weiter geltend gemacht, bei der Rege­lung der Sonntagsarbeit sei es nicht bloß nothwendig, die verschiedenen Gewerbszweige besonders zu berück­sichtige», sondern auch die verschiedenen Gegenden und deren Bedürfnisse und tatsächlichen Verhältnisse. Nun, da muß ich sagen, da weicht unser Standpunkt und auch der der Majorität des Reichstags entscheidend von diesem Standpunkte ab. Wir sagen- Deutschland ist ein ein- hertliches Wirthschaftsgebiet, folglich muß auch für Deutsch­land eme einheitliche Regelung der Frage eintreten. Wir ttnnen uns nicht damit einverstanden erklären, daß Gegenden, in welchen die Regierungen weniger streng find, m Bezug auf die Sonntagsarbeit weniger gewissen­haft sind, bevorzugt werden auf Kosten der Gegenden, wo die Behörden und Arbeitgeber gewissenhafter sind. Wir haben bei unseren Bestrebungen immer auf die Düsseldorfer Regierung exemplifizirt. Nun, die Düffel"

Regierung hat ausdrücklich erklärt, daß sie auf die Durchführung einer ganzen Reihe von Bestimmungen ver- »ichten müffe mit Rücksicht durauf, daß in Nachbarbezirken üblich sei, und sie ihre Industriellen

Tochter stellen könne als andere. In der Enquete ftwst finden sich Klagen, daß in Sachsen es bezüglich der <twanr?fl5£ar6ett Zimmer steht wie im Regierungsbezirke Düsseldorf, und es wird auch von diesen Stimmen ver­langt, daß eine Gleichstellung stattfinde.

_ . Der Herr Vertreter der verbündeten Regierungen meint, eme landesgesetzliche und örtliche Regelung »et« otene den Vorzug. Nun, ich möchte beinahe den Herrn Vertreter der verbündeten Regierungen beim Wort neh» mkn. Wenn wir in unserem Sonntagsentwurf, der von ««ten des Bundesraths al« unannehmbar hingestellt ist,

Ath vielleicht Bereit sein, seine Zustimmung zu geben? wenn solche Wünsche in der Kommission geäußert wären, würde die Majorität dieselben vielleicht berücksichtigt haben mü> damit hätte ja den Bedürfnissen der verschiedenen Gegenden Rechnung getragen werden können.

Es gehört eine ganz außerordentlich eingehende tech­nische Kenntniß dazu, um urtheilen zu können, welche Büriebe ununterbrochen arbeiten müssen, und diese Kemtt- wß können wir der Ortspolizeibehörde nicht zutrauen, jedenfalls besitzt der Bundesrath dieselbe eher, und inso- sern bietet unsere Regelung, wonach der BundeSrath die «ttscheidende Instanz ist, eine Verbesserung nicht blos der

der Arbeiter, sondern auch der der Arbeitgeber. Dann wissen jedenfalls Arbeitgeber wie Arbeiter, wie eS "Astglich ihres Rechtes steht, und ist nicht alles der »Willkür" der OrtSpolizei überlasten.

. Was die Frauen- und Kinderarbeit anlangt, so will «6 mich auf einige Bemerkungen beschränken. Zunächst sst die Thatsache zu eonstatiren, daß die Zahl der Kinder *” ®en Fabriken wieder seit der letzten Zählung im Jahre *886 um 1806 zugenommen hat, daß diese seit 1881'von

I von Seiten der Fabrikanten ebenfalls behauptet: dann werden lerne jugendlichen Arbeiter mehr beschäftigt wer- ”e.tben die Fabriken lieber darauf verzichten, als sich aus diese Chikane einlassen. Die Entwickelung der Thatsachen hat aber erwiesen, daß, wenn überhauptiBe- schattigung da ist, die jugendlichen Arbeiter ebenso'"be­schäftigt sind, wie ftüher. Die Industrie richtet sich eben daraus ein.

Meine Herren, damit will ich schließen. Der Herr Abg. Schmidt hat das vorige Mal den Vorschlag gemacht, nicht eher das Sozialistengesetz zu genehmigen, als bis der Arbeiterschutz gewährt sei. Das mag als ein Witz be- werden, sein; aber der innere Zusammenhang laßt sich m der That nicht verkennen. Der Herr Reichs­kanzler hat seinerzeit darauf hingewiesen, daß die Ent­wickelung der Sozialdemokratie wenigstens das Gute ge­habt habe, daß durch sie die Industriellen sich mehr bereit gefunden hätten, den Maßnahmen der Regierung, wie sie in der Kaiserlichen Botschaft angekündigt sind, entgegen« I zukommen. Nun, meine Herren, diese Gesichtspunkte haben auch heute noch ihre volle Berechtigung. Der Herr Abg. Oechelhäuser hat seinerzeit geltend gemacht, das Sozia- listengesetz sei vorübergehend nothwendig, um freien Raum zu lassen für die positiven Schöpfungen und Maßnahmen der Arbeitgeber wie der Gesetzgebung und ihnen die ver­söhnende Wirkung zu sichern. Wenn ich dies« Auffassung teilen könnte, könnte man eine gewisse Beruhigung haben; aber die Entwickelung wird, glaube ich, eine ganz andere fein. Je mehr äußere Ruhe hergestellt wird, um so mehr wird das Gewissen, das durch die Entwickelung der Sozialdemokratie aufgeweckt ist, wieder einschlafen; dann wird erst recht kein Fortschritt zu verzeichnen sein, der zu wünschen ist. Das wird von allen Seiten aner­kannt: d,e Repressivmaßregeln, die Bekämpfung der Sozialdemokratie muß Hand in Hand gehen mit der posi­tiven Bekämpfung der Sozialdemokratie.

Run, meine Herren, die Sozialdemokratie bekämpft Familien, Gigenthum, Thron, Altar. Wollen wir das EigenthumSrecht schützen, wollen wir im Volke wieder das auch das Eigenthum deS Arbeiters: feine Arbeitskraft, fein einziges Kapital. Wollen wir das Familienleben schützen, bann setzen wir vor Allem wieder die Frau zu­rück an den häuslichen Herd, an die Wiege ihres KindeS, erhalten wir das Kind der Familie, so lange es geht! Geben wir der Familie wieder den Sonntag durch die Sicherung der Sonntagsruhe, geben wir der Familie wieder den Feierabend durch Festsetzung des Maximal« arbeitstage« I Geben wir wieder Gelegenheit zurBethätig- ung des Familienlebens, der Familienfteude!

Und, meine Herren, wenn wir Thron und Mar schii« tzen wollen, dann vor Allem setzen wir den Sonntag wieder in sein Recht ein, lassen wir das Gebot Gottes wieder das grundlegende Gesetz für unsere soziale Ord­nung sein! Das dritte Gebot ist gerade so heilig, wie das siebente Gebot. Wenn wir Thron und Altar stützen wollen, wenn wir der Kirche wieder ihren Einfluß sichern wollen, bann beugen wir uns vor Allem roieber vor die­sem GotteSgebot, zwingen wir auch den Arbeitgeber, den Sonntag zu refp'ktiren. Dann weiden wir wirksam bei­tragen, zur positiven Bekämpfung der Sozialdemokratie, eigener, wundersamer zu Sinne wurde. Ja, er wollte guten Willen« sein, er wollte Gute« thun an der armen Waise, die ihm der barmherzige Vater im Himmel heute in den Weg geschickt, und deren traurig inniger, bittender Augenausdruck ihm noch immer tief in der Seele brannte. Stet« festere, greifbarere Formen nahm beim Fortschritte de« Gottesdienste« sein Vorhaben an, und al« nach Schluß de« Amte» ein ehrwürdiger Priester, auf deffen Scheitel bereit« der Schnee de« Alter« glänzte, die Kanzel bestieg, und an die Schilderung der ärmlichen Verhältnisse, unter denen fich die Geburt de« Heilande« vollzog, die Ermahnung an die Gläubigen knipste, aller Orten und alltmmer menschliche« Elend und menschliche Roth nach Kräf­ten zu lindern, da kniete Karl nieder und that dem göttlichen Kinde in der Krippe da« Gelöbniß, den armen Italiener-Knaben zu erziehen und zu einem braven M-nschen heranzubilden.

Zu Hause angelangt, empfing ihn seine brave Mutter mit einem Händedruck, der ihm sofort be­sagte, daß seine herzensedle That bei ihr ange­klungen war. Wie erstaunte er aber, als ihm beim Eintritt in da« Wohnzimmer fein kleiner Schützling frohen Antlitze« entgegenhüpfte und ein

Hb" Dr. v. Frege hat besonbers batauf hingewiesen, °aß die Fabnk.Jugenb ba8 größte Kontingent zur Sozial­demokratie stellt; die religiöse und sittliche Verwilderung habe zugenommen. Wenn das ist, dann möchte ich dop. pelt und dreifach bitten, wenigstens die Kinder dieser ver­derblichen Umgebung so lange zu entziehen, als es geht, wenigstens die Schulkinder. Meine Herren, denken Sie doch daran, daß es sich nicht bloß um diese Kinder han­delt, sondern um die Gefahr der Ansteckung auch der übrigen Schuljugend.

, Meine Herren, bezüglich der Regelung der Frauen­arbeit möchte ich zunächst den Herrn v. Stumm dahin be­ruhigen, daß für die Nachtarbeit die Arbeiterinnen die Ausnahme-Befugniß dem Bundesrath bereits zugewiefen ist in 8 139 Abs. 2. Also ich hoffe, daß Herr v. Stumm nach seinen Ausführungen, wie ich sie wenigstens habe verstehen müssen, jetzt mit dem Anträge einverstanden fein wird. (Zuruf.) — Also es scheint nicht. Dann möchte ich konstatiren, daß die Nachtarbeit der Arbeiterinnen in der Schweiz, England, Oesterreich allgemein und in Frank­reich für Mnderjährige verboten ist, und daß ich eS wirklich nicht für einen besonderen Grund zum National- stolz erachten würde, wenn wir diesen konkurrirenden Län­dern gegenüber glauben, auf diese Nachtarbeit nicht »et-

möchte ich dem FraktionSgenoffen deS Herrn v. Stumm, Herrn Abgeordneten Lohren. überlaffen, der ja die Nacht­arbeit ohne Ausnahme für Arbeiterinnen verboten wissen will, möchte übrigens noch beifügen, daß sogar der „Cen­tralverband deutscher Industrieller", der wahrhaftig nicht in dem Verdachte steht, daß er zu weit geht, mit diesem Anträge einverstanden ist.

Eine Bemerkung möchte ich mir noch erlauben bezüg­lich der Beschäftigung der verheirateten Frauen. Di« Arbeitszeit ist auf höchstens 10 Stunden festgesetzt. Unser ursprünglicher Antrag ging viel weiter. Es ist unS oft entgegengehalten worden, eine solch« Beschränkung der Arbeitszeit würde dahin führen, daß überhaupt keine Frau mehr beschäftigt würde. Ich erinnere nur daran, daß diese Mündige Brbeüszett qich für die jugendlichen Arbeiter oder — ich mitt mich genauer ausbrücken — für die ungen Leute festgesetzt ist. Nun ist früher bereits ton« statirt worden, wie außerordentlich die Zahl der jungen Leute in den Fabriken zugenommen hat; sie ist gestiegen in 2 Jahren um 34,663. Seiner Zett, als die Beschränk­ung für die jugendlichen Arbeiter eingeführt wurde, wurde