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Brdürfniß als auch der Wunsch in unserer Bevölkerung besteht, eine reichsgesetzliche Regelung eintreten |u laffm. Früher hat der Herr Reichskanzler Alles von dieser En­quete abhängig gemacht, ob die Arbeiter sich bereit er­klärten, auf bett Verdienst deS siebenten Tages zu verzich­ten; jetzt, nachdem wirklich die Mehrheit der Arbeitgeber und Arbeiter sich in diesem Sinne erklärt haben, wird der Standpunkt auf einmal verlassen, jetzt hören wir von solchen Erklärungen seitens des Herrn Regierungskom- missärs nicht mehr. (Schluß folgt.)

s Aich riet «Wbeschtm,«.*)

Eine einfache Weihnachtsgeschichte von Erich Krafft.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willen» finvl" Hell und rein verkündeten am Wsihnachtrmorgen de« Jahre« 1877 die Kirchenglocken diesen Engel«- gesang der altehrwürdigen Kaiser- und Krönung«- stadt Frankfurt am Main. Wie von Winde«, fittichen getragen, schwebten die Klänge feierlich- ernst und doch so freudigbewegt über da« Häuser- meer der Großstadt; manchem Herzen brachten ste Trost und Labsal im Leiden, vielen Hunderten aber zauberten ste auch hohe Freude und Festrag«, stimmung in die Seele. Selbst die Natur schien eine Ahnung besten zu durchzucken, wa« heute vor nahezu zwei Jahrtausenden geschehen, ste schien der Ehre und de« Segen« inne geworden, den damal« der Gottessohn durch seine Menschwerdung der Erde gebracht: Sie hatte sich ringsum in da« schimmerndweiße Gewand der Unschuld und Rein» hett gehüllt; e« glitzte und gleißte und funkelte wie Milliarden von Diamanten, wenn die goldigen

*) Nachdruck nicht gestattet.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Dezember.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Abg. Hitze über die Arbeiterschutz­anträge des CentrumS.

ß(Rach dem offiziellen Reichstags-Stenogramm vom |25. November 1889.)

Unsere ursprünglichen Anträge gingen viel weiter; wir haben aber darauf verzichtet, diese Anttäge wieder zu er­neuern, um ein möglichst einheitliches Votum dieses Hauses zu erzielen. Ich möchte daran die Bitte knüpfen, daß alle Parteien dieses Hauses sich in gleicher Weise bemühen mögen, durch ein möglichst einheitliches Votum dem An­trag sowohl im Lande wie gegenüber den verbündeten Regierungen möglichsten Nachdruck zu geben. Ich muß weiter bemerken, daß in demselben Augenblick, wo von Seiten anderer Parteien mit Erfolg Versuche gemacht werden, die vorliegenden Gesetzentwürfe abzuschwächen, wir auch unsere Versuche wieder aufnehmen müffen, ver­schärfende Bestimmungen hineivzubMgen. Die vorliegen­den Gesetzentwürfe, die Forderungen derselben sind ja relativ recht gemäßigt, aber eS sind wenigstens präzise, positive Forderungen. Es kommt nicht allein darauf an, oaß die verbündeten Regierungen mit einem Gesetzentwurf hervortreten; es kommt vor allem auch auf den Inhalt des Gesetzentwurfs an, und, wenn für uns diese Anträge die Mindestforderung find, daß auch der Inhalt sich mit dieser Forderung deckt. Wir können uns daher mit einer allgemeinen Anregung, mit einer Resolution nicht begnügen.

Meine Herren, wenn ich nun zur Begründung der Au, träge selbst übergehe, so bin ich selbstverständlich mit dem Herrn Abg. Frhrn. v. Stumm dahin einverstanden, daß die Sonntagsruhe viel wichtiger ist als die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit. Um so mehr Bebaute ich, daß der Herr Abg. Frhr. v. Stumm gegen unseren Gesetzent­wurf eine so eingehende Kritik geübt hat, daß ich gezwun­gen bin, darauf einiges zu erwidern.

Der Herr Abg. Frhr. v. Stumm hat e8 bedauert, daß wir den Bdden von 1878 verlassen haben, und vor Allem

zwei Aussetzungen gemacht. Zunächst polemisirt er da­gegen, daß wir die Feiertage in unseren Gesetzentwurf an­genommen haben. Zunächst weist er darauf hin, daß früher auch vom Centrum der Standpunkt vertreten wor­den sei, die Frage der Feiertage sei Sache der Landes­gesetzgebung der Einzelstaaten. Meine Herren, das ist ja in dem vorliegenden Gesetzentwurf ausdrücklich beibehalten. Die Festsetzung, „welche Tage als Festtage gelten“' bleibt nach wie vor den Landesregierungen überlassen. Weiter macht der Herr Abg. Frhr. v. Stumm al« Grund geltend: wenn er auch in erster Linie aus religiösen Gründen für die Sonntagsruhe sei, so gäbe es doch auch solche, resp. hStte.es 1878 solche gegeben, die nicht so sehr aus reib giöfen Gründen, als vielmehr aus allgemein Humanitären Gründen wohl für die Ruhe des siebenten Tages einträ­ten, aber nicht sür die Feiertage. Wenn das damals der Fall war — ich kann daS nicht beurtheilen, daS wird Herr Dr. Lieber ja vielleicht konstatiren können — heute ist dies absolut nicht der Fall. Ein solcher Wunsch ist von keiner Seite des Hauses geäußert worden, und ich kann sogar dem Abg. Freiherrn v. Stumm versichern, daß selbst die Sozialdemokraten, die gewiß vom christlichen Stand- puntte sehr weit entfernt sind, ebenso für die Feiertage wie für die Sonntage eingetreten sind.

Wer auf dem Standpuntt steht, den der Herr Abge­ordnete v. Stumm für sich in Anspruch genommen hat, auf dem des positiven Christentums, so müffen wir doch die Feiertagsruhe ebenso gut wünschen, wie die Sonntags­ruhe. Für das religiöse Gefühl auch des Herrn Abgeord­neten Frhr. v. Stumm, meine ich, ist der zweite Weih­nachtstag, der zweite Ostertag, der zweite Pfingsttag, der Charfreitag ebenso heilig, wie der Sonntag; man braucht selbst nicht auf religiösem Standpuntt zu stehen, wenn man mit dem hochseligen Kaiser Wilhelm I. es wünschens- werth erachtet, daß „dem Volke die Religion erhalten werde“, dann muß man diesem religiösen Gefühl ebenso gut Rechnung tragen, ob es sich um den Sonntag oder den Feiertag handelt, dann darf man auch am Feiertag den Arbetter weder dirett noch mderekt in Versuchung führen, sich mit feinem Gewissen in Konflikt zu setzen Selbst vorn Standpunkt der persönlichen Freiheit muß der persönlichen Ueberzeugung des Arbeiters Rechnung getragen werden. Es ist traurig, wenn manche Arbeit­geber in dieser Beziehung ihre eigene Anschauung zum Maßstabe auch des Urtheils der Arbeiter machen. Ich verurtheile jeben katholischen Arbeitgeber, bet seine evan­gelischen Arbeiter zwingt, am Charfreitag zu arbeiten. Umgekehrt ist es aber auch nicht entsprechenb, wenn ein evangelischer Arbeitgeber z. B. die katholischen Arbeiter zwingen wollte, an katholischen Feiertagen zu arbeiten, mag der Zwang direkt oder indirett fein. Ich meine, man könnte verlangen, daß, wenn die Majorität der Arbeiter einer Konfession angehört, der ganze Betrieb Rücksicht nehme auf die Majorität. (Sehr richtig im Centrum.)

Ich wende mich nun mit einigen Bemerkungen gegen den Standpunkt, wie er vertreten worden ist von Seiten des Herrn RegierungskommiffärS, als im vorigen Jahre die Anträge zur Debatte standen. Der Herr Vertreter der verbündeten Regierungen leugnete zuerst das Bedürf- ni6,| daß „die Sonntagsarbeit bei uns ein Maß erreicht habe, welches ein Einschreiten der Reichsgesetzgebung als dringlich erscheinen lasse." Run das kommt auf den Maß' sta» an, »cn man unugi.

von dem Standpunkte aus betrachtet, daß dieselbe den Ausfall des Verdienstes des siebenten Tages bedeutet, dann haben wir noch zu viel Sonntagsruhe. Aber für Denjenigen, der die Sonntagsruhe als die Bedingung jedes sittlichen, religiösen und hygienischen, ja auch wirth- schastlichen Fortschrittes unseres Volkes betrachtet, stehen die Verhältnisse anders. Wir haben ja die Resultate der Enquete erhalten und diese hat für 16 Regierungsbezirke ergeben, daß die Sonntagsarbeit in der Großindustrie in 40 Prozent der Betriebe und für 29 Prozent der Arbeiter bestehe. In dem Handwerke besteht die Sonntagsarbeit in 47 auf je 100 Betriebe, für 42,# Prozent der Arbeiter im Handel und Verkehr in 77,# Prozent der Betriebe, für 57,8 Prozent der Arbeiter.

Meine Herren, wir haben aus dieser Enquete weiter erfahren, daß ungefähr »/, der Unternehmer und »/# der Arbeiter eine gesetzliche Regelung der Sonntagsruhe ge­fordert und befürwortet hat. Man kann diese Zahlen und die ganze Enquete beurtheilen, wie man will, aber jeden­falls hat der Reichskanzler selbst sie als ausschlaggebend für die Stellung des BundesrathS erklärt und so weit sie Überhaupt benutzbar ist, spricht sie dafür, daß sowohl das

Blitze der Morgensonne auf die Schneedecke der Erde spielten, und leise ließen die bereiften Bäume fitterne Stäubchen in jedmöglicher Form auf die Wege rieseln, wie um dem menschgewordenen Gotteskinde ihre Huldigung auf seine Pfade zu streuen, liebet all' diese Winterpracht aber spannte sich wolkenlos und lichtblau der Himmel aus; auch er wollte seinen Tribut liefern zu der allgemeinen F stessreude. —

Dr. phil. Karl Ehrhardt stand, zum Kirchgänge gerüstet, am offenen Fenster und schaute in bte eigenartig schöne Winterlandsä ast. Auch in seinem Antlitze spiegelte stch der Friede und die Herzens­freude, die da» hehre Fest der Geburt Chrrstr den Menschen zu bescheeren pflegte. Zudem mochte zu seiner inneren Besriedtgung der Umstand bet- tragen, daß er seine Mutter, die er nach Absol- virung seiner Studien und nach dem Antritte seiner jetzigen Amtsstellung al« Lehrer einer höhe- ren Schule Frankfurt« zu stch genommen, und die nunmehr seinem Hau«stande vorstano, soeben reichlich beschenkt und ihr dadurch ein groß-« Ber- gnügen berettet hatte. ,

Der eherne Mund der Kirchenglocken hatte sich soeben geschloffen, al« stch eine Hand sanft auf

* Der Kaiser wird am Montag den groß­herzoglichen Hof in Darmstadt verlassen und um 1 Uhr Nachmittags in Frankfurt a. M. ein» treff n. Am Abend dtffelben Tage« erfolgt die Rückreise nach Berlin.

* Aus eine von dem Kaiser ergangene Anfrage über da« Befinden Emin Pascha« ist am 6. d. M. nachstehendes Teleoramm des Major Wiß« mann eingetroffen: „To Hia Majesty Wilhelm the Second, Emperor of Gennany Darmstadt, Schloß. Emin befindet stch etwa» besser. Er bleibt in Bagamoyo und beauftragt mich, Ew. Majestät zu sagen, daß Seines Kaiser« Glückwunsch die beste Belohnung für seine Arbeit fei. Er bitte dafür seinen unterthänigsten Dank erstatten zu dürfen." — Da« bereit« erwähnte Telegramm de« Kaiser« an Emin Pascha hatte folgenden Wortlaut: An Dr. Emin Pascha. „Bei ihrer endlichen Rückkehr von dem Posten, welchen Sie über 11 Jabre mit echt b-utscher Treue und Pflichterfüllung yetvenmüthtg ocyuupler yaoen, oe« grüße ich Sie gerne mit Meinem Glückwunsch und Meiner Kafferlichen Anerkennung. E« hat Mr zur besonderen Freude gereicht, daß die Truppe de« deutschen Reichrkommiflar« Ihnen den Weg an die Küste gerade durch unser Schutzgebiet bahnen konnte. Wilhelm Imperator R-x.

* Wie die ,Times' aus Sansibar meldet, hat sich da» Befinden Emin Pascha'» etwa» ge­bessert. Ec war etwa 10 Stunden lang bewußt­los und erlangte danach die Sprache wieder. In 10 Tagen hisst der Kranke nach Sansibar über­siedeln zu können.

• Ein Extrablatt der .Darmstädter Zeitung' veröffentlicht folgende» bei S. M. dem'Kais er gestern in Kranichstei» eingetroffine« Telegramm: „Imperator Rex, Darmstadt. Unsere Expedition hat heute ihr Eave erreicht. Ich habe die Ehre de» jungen Gelehrten Schulter legte. Er drehte stch um und sah in da» thränenfeuchte Auge seiner Mutter.

„Ich danke dir herzlich für deine liebevollen Weihnachtsgeschenke, Karl," begann ste und reichte ihm die Hand. „Gott vergelt'« dir I Aber j tzt ist e« Zett, daß du zur Kirche gehst, in einer Viertel- stunoe beginnt der Gotte«dienst."

„Ich stand eben im Begriffs, mich auf den Weg zu machen. Aoieu also, lieb' Mütterlein! Auf Wredersrh'n l" In wenigen Minuten bewegte stch die jugendlich-frische Gestalt Ehrhardt'» bereit» in der Menschenmenge, die in den Straßen auf» und abwogte. Wie anheimelnd war da» Blld, da» stch ihm hier darbot, wie verschieden voa dem Treiben de» Alltag«leben« da» den Großstädter in seiner Hast und uustäten Jagd nach Geld und Gewinn und Vergnügen nicht selten in einem wenig vorthetthasten Lichte erscheinen läßt. Ruhig und friedlich wandelte heute die festlich gekleidete Menge einher, und selbst die empfindliche Kälte, die manche Rasen- und Ohrenspitze merklich rökhete, vermochte weder die fernen Herren in pelzbesetzte Mänteln uno glänzendschwarzen Chliudern, no die zierlichen Damen, die in großer Toilette et

1889

Montag, den 9. Dezember.

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