1889
Samstag, den 7. Dezember.
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Zweites Blatt.
* Die Schlacht der Zukunft.
Im gemeinnützigen Verein in Dresden sprach kürzlich der Major v. Broizem vom Generalstabe Über Kriege und Schlachten der Zukunft. Trotz unserer Millionenheere werde cs in einer Schlacht der Zukunft schlechterdings unmöglich sein, mehr als 10—12 Armeekorps einander gegenüber;»- stellen; deren Schlachtlinie würde schon eine Ausdehnung von 5 Meilen haben. Napoleons längste Schlachtlinie war diejenige von Liebcrtwolkwitz. Möckern, da« find l1/» Meilen, diejenige von Gravelotte betrug auch nur 2 Meilen. Bei letzterer war schon eine völlige Ueberficht unmöglich; in der Schlacht dir Zukunft wird daher ein Eingreifen de» Oberbefehlshaber«, wie es z. B. bei Austerlitz und Watterloo stattfand, ganz undenkbar fein. Der Kampf selbst entzieht fich völlig dem Oberkommando, desien Gestaltung ist Sache der Unterführer. Die Moltke'fche Schlachtleitung beschränkte sich schon in erster Linie auf die Heranführung der Truppenmaffen zum Kampf. Drei Faktoren werden für die Gestaltung der künftigen Kriege von Werth und Wichtigkeit sein: Verkehrsmittel, Heeresstärke und Feuerwaffenwirkung. Von den modernen Verkehrsmitteln «erden die Eisenbahnen beim Aufmarsch zum Kampfe, nicht aber in demselben, dienstbar sein, dergleichen zur Herbeischoffung von Munition und Proviant, sowie zum Abtransport von Verwundeten und Gefangenen. Luftballon und Brieftauben können im Fest- ungrkrieg verwendet werden, der F.ffelballon aber auch im Feldkriege zum Einsehen de« VorgeländcS au» der Vogelschau; Zwei« und Dreirad wird fich im Meldedienst zwischen Festungen und deren Avßenwerken nützlich zu machen vermögen. Die Stärke der Heerermassen ist im Kampfe meist entscheidend, die oben angegebene höchste ä ffet wird aber kaum zu überschreiten möglich sein, weil die Schwierigkeiten der Verpflegung dann kaum zu überwältigen find. Die Feuerwaffenwirkung von heute ist furchtbar; mit einem Magazingewehr vermag man in der Minute 15 gezielte und 20 ungezielte Schüsse abzugeken, die Flugbahn der Gewehrkugel beträgt */* Meile, die Geschütze schießen 8/< Meilen weit. Dar menschliche Auge reicht auf diese Entfernungen nicht aus und die Ausrüstung jeden Mannes mit dem Feldstecher wird nur eine Frage der Zeit fein. Das furchtbare Fcuir, welches im stehenden Gefecht die höchsten Ansprüche an die Infanterie stellt und riestge Verluste yerbciführen wird, ist aber andererseits Gewähr dafür, daß die früheren jahrelangen Kriege nie wiederkehren werden, ebensowenig solche graustge M.uschevopfer, wie fie Zorndorf und Bmodiro gefordert. Die Schlacht der Zukunft wird in Folge der langen Schlachtlinie au« mehreren seitMündigen Gefechten bestehen und immer mehrere Tage dauern: die Erstürmung dcr Stellung de« Vcrtheidiger« wird, wenn diese sehr stark ist, sehr ost Nacht« erfolgen müssen. Die Reiterei wird auf dem Schlachtfelde wegen de« vernichtenden Jnfanteritfeuer« nicht mehrerscheinen, sondern uur im Aufklärungsdienst vor und in der Verfolgung oder Deckung des Rückzuges nach der Schlacht Verwendung finden, abgesehen von Ordon- nanzdtenst, der nach wie vor durch beritte ne Offiziere und Kavalleristen besorgt und nie durch T-.legreph oder Telephon erfitzt werden wird. Da» rauch-, aber keineswegs knallfreie Pulver erschwert die Aufgabe der Reiterei ebenso, wie das Einschieben der Artillerie.
Vermischtes.
• Um die Uebertragung ansteckender Krankheiten durch Schulen möglichst zu verhindern, haben die Regierungsbehörden bestimmte Weisungen erlassen. Za den Krankheiten welche vermöge ihrer Ansteckungsfähigkeit besondere Vorschriften für die Schulen nöthig machen, gehören: 1. a) Cholera, Ruhr, Masern, Rötheln, Scharlach, Diphtherie, Pake«, Flecktyphus und Rückfalls fieber, b) Unterleibstyphus, contagiöfe Augenentzündung, Krätze und Keuchhusten, der letztere, sobald und solange er krampfartig auftritt. 2. Kindern, welche an einer der in Nr. la oder b genannten ansteckenden Krankheiten leiden, find vom Besuche der Schule auszuschließen. 3. Das Gleiche gilt von den gesunden Kindern, wenn in dem Hausstande, welchem fie angehören, ein Fall der in Nr. la genannten Krankheiten vorkommt, cs müßte denn ärztlich bescheinigt sein, daß da» Schulkind durch auszcichnende Absonderung vor der Gefahr der Ansteckung geschützt ist. 4. Kinder welche gemäß Nr. 2 oder 3 vom Schulbesuch ausgeschlossen werden, dürfen zu demselben erst dann wieder zugelaflen werden, wenn entweder die Gefahr dcr Ansteckung nach ärztlicher Bescheinigung für beseitigt anzuschen, oder die für den Verlauf der Krankheit erfahrungsmäßig als Regel geltende Z-it abgelaufen ist. Als normale Kiankhertsdauer gelten bei Scharlach und Pocken 6 Wochen, bei Mosern und Rötheln 4 Wochen. Es ist darauf zu achten, daß vor der Wieder;»- loffung zum Schulbesuch da« Kind und seine Kleidungsstücke gründlich gereinigt werden.
* Mund zu! Diesen Rathschlag für den Winter ertheilt ein Arzt. Die Natur hat Alle« weise eingerichtet und unS zu unserem Nutzen mit vielen Schutzmitteln gegen allerlei Gefahren ausgerüstet. Ein solches Schutzmittel ist die Rase, denn sie ist keineswegs nur ein Riechorgan, sondern dient noch anderen wichtigen Zwecken. Zur Aufnahme fester und flüssiger Speisen ist uns der Mund bescheert worden. Zur Aufnahme der Luftspeise dient die Nase. Die Luft, die wir athmen, soll zuerst diesen Respirator durchlaufen, und wird in ihm vorgewärmt, wenn sie zu kalt ist; feucht gemacht, wenn sie zu trocken sein sollte, und außerdem vom Staub gereinigt. Leider unterlassen Biele, diese natürliche Athmungsvorrichtung zu benutzen, und gewöhnen sich das Athmen durch den Mund an. Diese Gewohnheit ist nicht schön und auch nicht für die Gesundheit förderlich. Wer darunter zu leiden hat, das ist der Rachen oder der Hals, wie man zu sagen pflegt. Es ist leicht erklärlich, daß ein kalter Luftstrom, der plötzlich den erhitzten Rachen trifft, Katarrhe zur Folge haben kann, und abgesehen von Staub und uvnöthiger Verweichlichung dürfte der „schlimme Hals" oft auf jenes unvernünftige Athmen zurückgeführt werden. Der Rachenkatarrh ist an und für sich etwas Lästiges, er wird leicht chronisch, d. h. dauernd, geht dann aus den Kehlkopf über und verdirbt die Stimme; er ist schon darum ernst zu nehmen. Für die Kinder ist er aber noch von besonderer Bedeutung. Es steht fest, daß ein ge- sunder Hals ein treffliches Schutzmittel gegen die fürchterliche Diphtheritis bildet, da die gesunde Schleimhaut keinen günstigen Boden für di« Aufnahme des Ansteckungsgiftes bietet, während die erkrankte ihm keinen Widerstand entgeglnzusetzen vermag. Aus diesem Grunde ist es dringend geboten, im frühen Alter der Entstehung von Halikatarrhen vorzubeugen. Das Halstuch, von dem früher ein so übertriebener Gebrauch gemacht wurde, ist heutzutage auf das richtige Maß der Anwendung zurück- giführt worden. Wünschenswetth wäre es nun, daß man auch der Rasenathmung mehr Beachtung schenken wollte. Die Gefahr der Erkältung ist namentlich bei dem schroffen Uebergang aus der warmen in die kalte Luft vorhanden und vergrößert wird sie noch, wenn der Hals durch Sprechen und Singen vorher angestrengt worden ist. Wir sollten im Freien nur durch die Nase athmen und das Sprechen unterlassen. Das thun aber die Schulkinder in der Regel nicht. „Mund zu beim Verlassen der Schule!" ist darum ein gesundheitlicher Wink, den wir der Beachtung der Lehrer in kälteren Jahreszeiten empfehlen möchten, ebenso, wie die Eltern darauf halten sollten, daß die Kinder ftühzeitig sich die Rasenathmung angewöhnen. Daß man auch vermeiden sollte, die Singstunde während der Wintermonate als die lktz'e Unterrichtsstunde anzusetzen, ist im Interesse der Erhaltung der Stimme der Schulkinder gleichfalls zu wünschen.
* (Wurstgift.) Von der Hohenzollernschen Grenze kommt eine betrübende Mittheilung: In Gammertingen sind in den letzten Tagen 30—40 Personen unter Anzeichen von Vergiftung erkrantt, und zwar eine größere Anzahl in recht bedenklicher Weise. Zwei der Erkrankten, Familienväter, sind bereits gestorben. Es hat sich her- ausgestellt, daß der Genuß verdorbener Würste die Erkrankungen hervorgerufen hat. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. Von Hechingen ist ein Arzt nach Gammettingen geeilt, um den dortigen Ortsarzt in Behandlung der Kranken zu unterstützen.
* (Wie Emin Pascha aussieht.) Ueber die Persönlichkeit des jetzt wieder nach Europa zurückkehrenden halbblinden Emin Pascha macht Dr. Junker in seinem Buche „Dr. Wilh. Junker's Reisen in Afrika 1875—86" (Wien, Ed. Hölzel's Verlag), dessen 1. Band soeben abgeschlossen vorliegt, einige interessante Mittheilungen. Junker kam mit Dr. Emin zum dritten Male 1878 in Lado zusammen, als Emin eben von einer Reise in das Land Uganda zurückkam, die er im Auftrage Gordon Paschas nach dort übernommen hatte. Er schilderte ihn Seite 588 folgendermaßen: Dr. Emin ist ein schlanker, fast magerer Mann von etwas mehr als Mittelgröße, mtt schmalem, von einem dunklen Vollbart umrahmten Gesicht und tiefliegenden Augen, welche durch die starken Crystall- gläser der Brille beobachtend hervorfchauen. Seine starke Kurzsichtigkeit zwingt ihn zur Konzenttirung seines Sehvermögens auf die vor ihm befindliche Person, was seinem Blick einen harten, mitunter scheinbar brennenden Ausdruck verleiht. Der auch malerisch interessante Kopf, in welchem sich unverkennbar eine bedeutende Intelligenz ausspricht, läßt in Nichts den Deutschen vermuthen; das unleugbar orientalische Gepräge desselben erleichterte Dr. Emin wesentlich die Rolle eines Türken, welche er gegenüber der Beamtenwelt und dem Volke angenommen hatte, und die er vorzugsweise in den ersten Jahren seines Aufenthaltes im Sudan und den Negernländern unentwegt durchführte. An jedem Frestag sah man ihn nach der Moschee gehen, wo er die vorgeschriebenen Gebete sprach. In seiner Haltung wie in seinen Bewegungen drückt sich eine beabsichtigte stets kontrollirte Gemessenheit aus, welche berechnet ist, würdevoll selbstbewußt zu erscheinen. Insbesondere konnte man dies beobachten, so oft Dr. Emin in seiner Eigenschaft als egyptischer Beamter mit den Untergebenen verkehrte. Sein äußerer Mensch verrieth eine fast peinliche Sauberkeit, bei großer Sorgfalt des Anzugs.
* Eine Einrichtung, welche Nachahmung verdient, ist von einem Wirth in Erfurt ins Leben gerufen worden. Der Betreffende hat die Wasserleitung mit dem im Gastzimmer befindlichen Bierapparat in direkte Verbindung bringen lassen und die Anordnung getroffen, daß vor der jedesmaligen Anzapfung eines Fasses Bier die Leitung des Apparates vom Wasser durchspült wird. Daß durch diese Maßnahme der Reinlichkeit ein großer Dienst getriftet und der Geschmack des Bieres gefördert wird, wird von jedem Biertrinker bestätigt und unterschrieben werden.
^Geistreich« Unterhaltung.^ Eine Dame frägt eine Freundin, die am Abend vorher von einem als sehr einfilbig bekannten Herrn nach Hause begleitet worden ist: „Nun Lieschen, hast Du Dich gestern mit Herrn S. gut unterhalten?" — Lieschen: „Ach nein, nur einmal, als ich stolperte, sagte er: — Hopsa!"
sD er Stil] „Meine Wohnung hab' ich mir jetzt komplett eingerichtet, und ich sage Ihnen, Alles nagelneu." — „In was für einem Stil?" — „Rohrstühl!"
sMacht der Gewohnheit.) Jtzig (dem ein Sohn geboren): „Rosa, gehen Se schnell zur Behörde und lassen Se nter d^s Jüngelche buchen!"
^Klassiker-Illustration.) Das Alte stürzt— Es ändert fich die Zett — Und neues Leben blüht aus den Ruinen: — Aus dem vergilbten Gaze-Sommerkleid — Macht Tante Klärchen — neue Tüllaardinen.
SSottesdiesft Ordrunrg in Fnlda-
Sonntag, 8. Dezember.
Dom. Um fii/i, 6, 6»/«, 7i/i Uhr HI. Wessen, um 9 Uhr Hochamt mit Predigt Christenlehre um 10»/< U. für die Jünglinge und um 1 U. für die Jungftauen. Um 4 Uhr Predigt und Abendandacht, um 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Stadt Pfarrkirche, bi/i Uhr heil. Messe, 7 Uhr heil. Messe, 8 Uhr heil. Messe mit Predigt, 9i/i Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Messe, 11 und li/i Uhr Christenlehre, 3 Uhr Sakramentsbruderschaft. — Mtchaeliberg. 10Uhr Gottesdienst. — Hospitals- kirche. 8 Uhr Gottesdienst, 4 1!. Abendandacht. Mütter v erei n: 6'l< u. 2 U — Frauenberg. 5 Uhr Hochamt für den 3. Orden, 6 u. 7 Uhr hl. Messen, 8 Ü. feiert. Ami. Nachm. l*/i U. Bruderschaft. Vollk. Ablaß. Die General-Absolution wird nach den beiden Aemtern und nach der Brudersebaft er« heilt.
rrlrsriphtschrr Schiff,»«richt >« „krd St« ji«r" A»t»kr,e».
Der Postdampfer „Westernland" der ,Red Star Line' in Antwerpen ist laut Telegramm am 5. Dezbr. wohlbehalten in New-Uork angekommen.