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Freitag, den 6. Dezember.

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3rit«iig.

1889

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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o Deutschland und die Neugestalt­ung Brasiliens.

I« Europa und namentlich in Deutschland steht man den Vorgängen in Brasilien mit aller Ge- müthrruhe zu. Man denkt augenscheinlich nicht daran, irgend einen Schritt zu thun, sondern scheint abwarten zu wollen, wie fich die Dinge entwickeln, um dann — auch nicht« zu thun. Aller­dings steht ein mächtiger Hüter im Wege — „Uncle Sam" mit der „Monroe-Doktrin", der schon zweimal europäischen Mächten, die bei gün­stiger Gelegenheit drüben hatten zugreifen wollen, zugerufen: „Hände weg!" Seitdem find die euro­päischen Mächte restgnirter geworden und haben sich in den Gedanken gefügt, daß dort drüben wirklich nicht« zu holen sei, und fitzen nun in ihrem etwa« engen Käfig beisammen, Löwe, Tiger, Bär und Wolf u. s. w., die Augen voll Miß- Kauen ohne Unterlaß auf einander gerichtet: die Vorstellung könnte jederzeit beginnen!

Rur der „dunkle Erdtheil" gibt dann und wann einige Ablenkung und Zerstreuung. Dort stößt man noch nicht bei jeder Bewegung!mit dem Ell­bogen an einen knurrigen weißen Nachbar, auch überraschende Neuigkeiten dringen in abgemessenen Zwischenräumen von dort herauf, nur leider wird e« von Jahr zu Jahr klarer, daß im „dunklen Erdtheil" noch eine größere Macht al« „Uncle Sam" den Europäern, wenn fie kühn zu werden beginnen, ein „Halt I" zuruft: die Natur.

Handelsfakloreien, die wie Blutegel an der Küste hängen, da« nächste Hinterland aursaugen, und al« einzige Segnungen der Livilisation den Eingeborenen Schnaps, Baumwollzeug und Mord­werkzeuge bieten, find keine Kolonien. Nur die Roth, die auch um sda« Geringste froh ist, der Neid, der dem „Nächsten" auch da« Geringste mißgönnt, und die Eitelkeit vermögen da« zähe Festhalten der Europäer an diesen „Niederlaffun- gen" zu erklären. Außer den Aktionären einiger Handelsgesellschasten, die dem Volke vorlügen, fie verfolgten Kolonisationszwecke, ein paar Schnapr- brenner u. s. w. hat Niemand ein Inten ff« an jenen kränklichen, künstlich ernährten Ntederloffun- gen, und deßhalb steht auch da« deutsche Volk der neuen „KoloMalpolirtt" de» Reicht« tu seiner über »ältigenden Mehrheit kühl, sehr kühl, gegenüber.

Die Fra« in Nordamerika.

In Nordamerika fleht da» Weib in vieler Be­ziehung höh«, al« der Mann. Nordamerika, ina- besondere die Vereinigten Staaten, ist da« Eldo­rado de« Weibe». Kein Gebiet menschlicher Thätigkeit ist dem Weibe in Nordamerika ver­schlossen. Ich hab', so erzählt W. Wilken» in der .Neuen Freien Presse', zwar niemals weibliche Holzfäller gesehen, auch keine weiblichen Hufschmiede und Volksvertreter in Staaten und Gemeinden. Da« Letztere ist ihnen gesitzlich v.rwehrt; aber wenn Weiber nicht in den Urwald gehen, um d«ffen Baumriesen zu fällen, und wenn fie keine Pferde beschlagen oder andere schwere Arbeit ver­richten, so ist c» nicht, weil fie c« nicht können, somern weil fie er nicht wollen.

Die bi« in die einfachsten Beschäftigungen ein­dringenden Maschinen gestatten e« dem Ameri­kaner, seine Körper kraft zu schonen. Davon hat auch da» Weib den größten Nutzen, denn e« bc» treibt hier Gewerbe, welchen — ohne Maschinen 77 feine Körper kraft nicht gewachsen wäre. Aber stlbst tu häuslichen Beschäftigungen, welche in Europa in der Regel mit der Hand verrichtet werden, haben Maschienen die Arbeit erleichtert und den meisten» weiblichen Dienstboten die Mög-

Nur Einer vermöchte dar Blut de« Volke« in Wallung zu bringen: wenn die Staaten fich dazu verstehen könnten, einen Thril der überschüssigen Kräfte ihrer Völker jenem afrikanischen Unter­nehmen zu widmen, da« allein eine innere Be­rechtigung Hot, und da« allein, wenn auch nicht sofort, so doch nach einigen Menschenaltern, auch nennen«werthe materielle Gewinne für Europa erwirken könnte: dem Unternehmen Kardinal Lavigerie'». Aber in diesem Punkte find wieder die Regierungen kühl bi« an'« Herz hinan.

Während die Europäer sich allmählig in den mageren, saftlosen Brocken so sehr verbissen haben, daß fie schwerlich wieder davon lorkommen mögen, haben die D anker'« still und geräuschlo«, aber er­folgreich immer mehr ihrem großen Ziele entgegen­gearbeitet, da« fie seit mehr al« einem halben Jahrhundert selten au« den Augen verloren haben: den reichsten und den einzigen für europäische Kolonisation in großem Stile in Betracht kommen­den Erdtheil europäischem Einflüsse gänzlich zu entziehen. Al« tt fiter vorbereitender Schritt zur Verwirklichung de» panamerikanischen Gedanken« ist die Beseitigung der einzigen amerikanischen Monarchie anzusehen. Nun kann dar große Werk beginnen.

Und Europa sollte fich ohne jeden Gedanken an Widerstand darein fügen und anerkennen, daß die Monroe-Doktrin au» einem politischen Prinzip in ein panamerikanische» Staatigrundgesetz umgewandelt werde?

Die Erläuterung, daß jede europäische Macht mindesten» dasselbe Jmm<xtion««cht in amerikani­schen Angelegenheiten hat wie die Union, daß die „Monroe-Doktrin" in der Anwendung, die ihr namentlich in neuester Zeit von der republikanischen Partei der Vereinigten Staaten gegeben werden will, nicht« ist al« ein brutaler Uebergiiff de« Starken gegen die Schwachen, können wir un», fall« fie überhaupt nothwendig sein sollte, auf ein ander Mal vorbehalten. Für jetzt soll nur die Frage erörtert werden, ob Europa und Deutsch­land insbesondere wirklich so wenig Interesse daran haben, daß die Monroe-Doktrin: „Amerika den Amerikanern!" dorthin verwiesen werde, wohin fie gehört: in die Rumpelkammer veralteter politischer Maximen.

D utschland, so verlautete e» in den letzten

lichkeit gegeben, Kraft und Zeit zu sparen. Man putzt hier keine Karte ff In mit der Hand, auch kein Messer, denn fie find hier von plattirtem Metall (um fie nicht putzen zu müssen), man schlägt keinen Eierschaum, man quetscht keine Kar­toffeln und Früchte, man schneidet keine Bohnen, wan wäscht und reinigt keine Wäsche mit der Hand, Alle die dazu gehörigen Maschienen find auch in Europa in Gebrauch, aber nicht al» Regel — wie hier — sondern al» Ausnahme und mehr der Merkwürdigkeit wegen. Diese Kraft und Z it- sparung kommt den weiblichen Dienstboten und den deutschen Frauen in Amerika zu Gute, nicht der Amerikanerin, denn fie kümmert fich gewöhn­lich sehr wenig um die Küche.

Der Bildungsgrad de» Weibe« ist in den 93er« einigten Staaten von Amerika entschieden höher al« der de» Manne». Dee Knaben gebildeter Familien besuchen die Schule durchschnittllch bi» zum sechzehnten und stebenzehnten Leben« jähre, die Töchter bi» zum stebenzehnten und achtzehnten. Da« gilt für die größeren Städte. Auf dem Lande geht der Knabe durchschnittlich bi« zum vierzehnten Lebensjahre, während da« weibliche Bildung«bedürfniß auf dem Lande nicht geringer ist, al« in der Stadt.

In den Vereinigten Staaten Amerika« ist der

Tagen au« offiziösen Kreisen, fieht der Entwick' lung der brastlianischen Angelegenheiten mft aller Gemüthsruhe zu, beimc« ist nur wenig deut­sche« Kapital dort beteiligt. Da« war wieder einmal etwa» au« der Schule geschwätzt I Nur wo da« Kapital beiheiligt ist, rühtt fich der Staat: die 200,000 Deutsche, die in den südlichen Provinzen Brastlien« fich eine neue Heimath ge­gründet, deutsche Sprache, deutsche Sitte und deutscher Wesen bewahrt und zu Ansehen gebracht haben, — fie find kein Kapital, da« Schutze« bedürfte l Man läßt die Dinge gehen, wie fie gehen, und läßt „Nncle Sam" seine gierige Hand, die, wo fie hingreift, deutsche« Wesen vernichtet, auch auf jene Länder legen. Und wenn, wie da« ja mehr al« wahrscheinlich ist, der ungeheure Staatenbund, der an Stelle de« ehemaligen Kaiser­reiche« treten soll, — ein loser Konglomerat von divergirenden Elementen! — gleich den anderm romanischen Republiken Südamerika« eine lange Periode innerer Unruhen durchzumachen haben wird, untt wenn im V-rlaufe dieser Unruhen fich die Blicke der dortigen Deutschen sehnsuchtsvoll um eine starke schätzende Macht umsehen werden, — Deutschland robb fich nicht rühren, denn 1) ist kein deutsche« Kapital dort bethelligt, 2) steht die Monroe-Doktrin entgegen!

Kurzfichttge Leute sagen vielleicht: „Mit Recht! Denn die bisherigen Kolonial - Unternehmungen Deutschland« waren durchaus nicht dazu angethan, zu wetteren Versuchen, die zu ernstlichen Zerwürf- niflen mtt anderen Mächten führen könnten, zu ermuthigen."

Mt Leuten, welche Deutschlands aftikanische Versuche im Ernste mit dem Titel „Kolonial-Un- ternehmungen" beehren und meinen, Kolonisation ist Kolonisation, gleichviel ob in Afrika ober in Amerika, läßt fich biese Frage allerbings nicht bi«* kutiren. Dieselben müssrn fich vor Allem barüber klar werben, baß Deutschland« Bedürfnisse in xmckta Kolonien fich nicht auf SchnapS-Faktoreim richten — viel mehr läßt fich für da« nächste Halde Jahrhundert in Afrika nicht erhoffen — sondern auf die Gewinnung von Ländern, in denen der Bevölkerung«-Ueberschuß de« Haupt­lande« al« Ackerbauer und Gewerbetrei­bende sich ansiedeln kann, ohne dem Mutterlande für immer verloren zu gehen

öffentliche Unterricht frei und gleich zugänglich für Knaben und Mädchen. Die sämmtlichen Schulen, niedere und höhere, werden von Knaben und Mädchen gemeinsam besucht. Nur die Privat­schulen find für getrennte Geschlechter, und die Polytechniken die nur al« Privatschulen bestehen, find ausschließlich für Jünglinge bestimmt.

Ich habe in großen und kleinen Städten, im Osten und Westen, dem Unterricht beigewohnt, wo Knaben und Mädchen, (wan nennt die jungen Leute, so lange fie die Schule besuchen, boys und girls, auch wenn fie mehr al« 20 Jahre find) gem°insam unterrichtet werden. Nur tu den Volksschulen der größeren Städte find bfe Ge­schlechter getrennt. In den Gymnasien und den Universttättn (die allerding« nicht mit unseren Gymnafieu unv Univerfitäten auf gleichem Range stehen) find stet« Knaben und Mädchen im Un­terrichttraum vereinigt. Ich fand Überull, daß die Mädchen beim Unterrichte .aufmerksamer und beim Antworten besser unterrichtet und schlag­fertiger waren, al« die Knaben. So kommt e», daß die Mädchen die gleichen und zum Thell bessere Unterrichttgrade erlangen, oU die Knaben und daß fie überall al« Aerzte, Rechttauwälte und Syrerinnen thäitg find. Nur der theologische Unterricht ist den Mädchen verwehrt.