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280. Donnerstag, den 5. Dezember.

Jilher W Rillig.

1889

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♦ Die katholische Kirche in Nord­amerika

war am 6. Nov. 100 Jahre alt. Am 6. Noo. 1789 erließ nämlich Papst Pius VI. eine Bulle, durch welche die Hierarchie der kath. Kirche in den Vereinigten Staaten errichtet und John Carroll zum ersten Bischof von Baltimore ernannt wurde, besten bischöfliche Jurisdiktion stch über da« gesammte Gebiet der damaligen Bundesvereinigung erstreckte. Ja der Kapelle der Burg Bulworth in England wurde er von dem Bischof Walmonsley, dem Apo» Mischen Vckar de» Londoner Distrikt«, am 15. August 1790 geweiht und traf am 7. Dezember in Baltimore ein. Nachdem er 25 Jahre diesen ersten Bischofssitz in den Vereinigten Staaten inne» gehabt, starb er reich an Verdiensten am 3. Dez. 1815 in einem Alter von 81 Jahren. Al« Bischof Carroll im Jahre 1790 geweiht wurde, zählte die Bevölkerung der Vereinigten Staaten kaum 4.000,000 Freie und Sklaven. Die katholische Bevölkerung wurde aus 40,000 gesckätzt. Eine kleine, aber heldenwüthtge Schaar von 30 Priestern, fast ausschließlich der Gesellschaft Jesu angehörig, arbeitete al« Seelsorger in dieser wett zerstreuten Heerde. Im ganzen Lande gab e» kein Holpital und kein Waisenhaus. Auch gab e« noch keine eigentlichen Kirchen, sondern nur einige wenige au» rchen Baumstämmen gebaute Gotteshäuser. Bei der Feier de» hundertjährigen Jubiläum» waren über 80 amerikanische Bischöfe zugegen. E» gibt heute in den Vereinigten Staaten 14 Erzbischöfe, 75 Bischöfe, 8000 Priester, 10,500 Kirchen und Kapellen, 27 Priester-Seminare, 650 Kollegien, 3100 Pfarrschulen und eine katholische Universttät. Die katholische Kirche unterhält 250 Hospitäler und Waisenhäuser. Da» find Zahlen, welche über­zeugender als virle Wort« das merkwürdige Wachs» thum der katholischen Kirche im ersten Jahrhundert des Bestehen» der geordneten Hierarchie in den Vereinigten Staaten beweisen.

Vor 100 Jahren, wo die Bevölkerung der 13 Kolonien etwa 4 Millionen Seelen betrug, zählte die katholische Religion 40,000 Anhänger. Heute hat sich die Bevölkerung auf 60 Millionen ver­mehrt; hätte die katholische Bevölkerung in dem» (eiben Maße zugenommen, so müßte ste 600,000 Anhänger Men, während fie aber in Wirklichkeit deren um 7*/, Millionen mehr hat. In den 8er»

I St. Nikolaus.*)

Er ist ein gar beliebter und sehr sehnsuchtsvoll herbeigewünschter Menschen» und besonder« Kinder» freund: der heilige Nikolaus, den manche« alte Sprüchlein feiert, und dessen Name nicht umsonst Volksbefieger zu bedeuten hat, denn wie bei seinem Leben die edle Tugend der Wohlthätigkett ihm dem frommen Bischöfe von Myra in Lyci'N, in so hohem Grade eigen war, daß er sein ganze« Hab' und Gut den atmen weihte, so ist noch heute sein Gedächtnißtag ein F-st de« Schenken«, und seine Persönlichkeit und sein Name unzertrennlich von dem Zauber geheimnißvoller Gabe« und fröhlicher Bescheerungen.

Einst war do» fteilich noch weit mehr der Fall, al» der „Klaustag" in katholischen Gegenden überall statt de« Weihnachts-Heiligabends ßgurirte, al« da« Christfest wohl kirchlich, doch noch nicht al« Familienfest begangen wurde, — da war der Rikolau» allemhalben ein gar hochgeehrter Gast, und wo er auch erschien, durch Schmaus und Mummerei gefeiert, bi« der Strahlenglanz de» Christkinds und de« Christbaum« vlelerort« die dunkle Pelzgestalt, wenn auch nicht minder will»

*) Nachdruck nicht gestattet.

einigten Staaten bestehen 24 Mönchsorden, 11 Brüderschaften und 77 Nonnen» und Schwester» Orden-Klöster und sonstige Niederlassungen. Stark ist der Jesuiten-Orden vertreten, denn in der Union befinden fich von deren Ordensmitgliedern rund 1200. Sie haben Ordenshäuser und Schulen in den meisten größeren Städten. Was sür ge­waltige Fortschritte die Jesuiten übrigen« in anderen Theilen Amerika'« machten, beweist die Thatsache, daß in Kanada ein Gesetz erlassen wurde, wonach dem Orden Jesu alle« unter Georg III. beschlag» nahmte Eigenthum zurückgegeben werden soll. Die katholische Kirche hat e» auch verstanden, die zweite und die weitere Generation der Einwanderer stch zu erhalten, indem ste den Gläubigen stet« Geist» liche eigener Nationalität zuwies und in ihren Kirchenschulen Gelegenheit bot, die Kinder neben dem unerläßlichen Englisch auch noch in ihrer Muttersprache zu unterrichten. Die« ist auch eine Erklärung sür die ungeheure Zunahme der katho» lischen Kirchenschulen und deren Schulbesuch; diese Schulen find überfüllt, auch in Folge dessen, weil die Katholttm, wie keine andere Sette, darauf bedacht find, ihren Kindern den Religionsunterricht nicht vorzuenthalten. Während andere Religions» genossenschaften jedem Kirchenmitglied schwere Steuern (in einzelnen Fällen bi» 250 Dollars pro Jahr) auferlegen, Nichtmitgliedern selbst den Eintritt in da« Gotteshaus verwehrten oder min­destens einen gewissen Betrag für die Benützung der Kirchenbank festgesetzt haben, find sämmttiche katholische Kirchen Allen zugänglich und die Sitze find frei.

Wie viel die Einigkeit der katholischen Kirche ihr genützt hat, beweist indirett die Ge­schichte und die Stärke der drei bedeutendsten protestanttschen Religions-Genossenschaften. Die stärkste derselben find die Methodisten. Deren erste Gemeinde ward 1766 gegründet; im Jahre 1844 machte stch der erste Z-vielpalt wegen der verschiedenen Anstchteu über die Sklaverei geltend, und heute find fie bereft« in 14 Sekten zerfallen mit 4,700 000 Seelen. Ebenso verhält es stch mit den Baptisten, welche stch im Laufe der Jabre in 13 Sekten zersplitterten mit zusammen 4,000 000 Anhängern. Auch au« dem Verzeich» niß der 9 Setten der 1.200,000 Presbyteri- aner kann man ersehen, daß neben religiösen Fragen, ebenso wie in den beiden vorherbesproch-

kommen machte, so doch mehr in den Schatten drängte, um die Spenden der Liebe fortan größten» theil« aus'« Fest der Liebe zu verlegen: Weih­nachten. — Doch darum kam der gute Rikolau« trotz)em nicht mit leeren Händen! Al« jubelnd be­grüßter Vorbote de« heiligen Cyriste« streut nach wie vor er seine Gaben unter die liebe Jugend, deren ganz spezieller Günstling er noch immer ist, gleichviel, ob er sich an seinem eigenen Tage zeigt, ober erst im Gefolge de« Christkindl», al« emer der hilfreichen Begleiter, die diese« mit sich bringt, weil doch die Arbett auf der weiten Erde gar zu groß ist. Zuwellen taucht St. Nckolnu« auch schon in der Advent«zett auf, in ben sogenannten „Klopf- nächten", ben Donnerstag«-Nächten vor Weih­nachten, bereu Ursprunz von jenen heimlichen Zu­sammenkünften und Gottesdiensten ber ersten Christen herbaiiren soll, welche biefe einanber kund­gaben, indem fie sich als Zeichen Erbsen an die Fenster warfen, während anderersett« behauptet wird, e« seien die Klopfaächte eine Rück-Erinnerung daran, baß beim Wüthen der fürchterlichen Pest- Seuche man zur Nachtzett, da« heißt wer so viel waghalfigen Muth besaß, Lrnfm ober Erbsen an die Fester ber abgesperrten Häuser warf, um durch diese» »nklopfen stch zu erlunblgen, ob die

enen Religionsgenoflenschaften, die Eklavenfrage viel zur Splitterung beitrug.

Da« römisch-katholische Bekenntniß ist vielfach die Kirche der weniger Bemittelten, de« armen Manne« und in Folge dessen auch dasjenige eine« größeren Theil» der Arbetterbevölkerung, al« irgend eine andere Religion. Auch zeigt ste große Arbeiterfreundlichkeit. So sagt Kardinal» Erzbischof Gibbon« in einem feiner Erlasse an feine bischöfliche Gemeinde über da« Recht der Arbett und der Arbeiter: „Die Arbett hat ihre gehelligten Rechte und ihre unantastbare Würde. Zu ihren Rechten zählt in allererster Linie da» der Organisation, d» gegensettigen Schutz», wie der gegenseitigen Unterstützung." Auch die vom Katholikenkongreß in Baltimore angenommenen Platsorm zeugt von Arbeiterfteundlichkett: „In den unausgesetzten Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit liegt eine große Gefahr für unsere Re- publtt. Gleich unserer Kirche verdammen wir Sozialismus, Kommunismus und Nihllismu» ; wir verdammen aber auch dis herzlose Gier de» Kapital»." Im Gegensätze zu der Arbettersreund» lichkett der katholischen Kirche findet fich, wie die ,Allg. Zig.' Nr. 331 sagt, in den protestantischen Selten weniger davon. Der Nationalität nach find die Katholiken der Union fast zur Hälfte Irländer bber irischer Abkunft (nahezu 4 Mill.) während e» 1,300,000 Deutsche ober von deut­scher Abkunft gibt; in den Rest thellenfich Fran- zosen, Polen, Böhmen, Italiener, Spanier und deren Nachkommen. Bei den j tzt lebenben Prä­laten herrscht die ttische Nationalität vor ; denn e« befindet stch nur ein Deutscher darunter, wäh­rend die anderen irischer Geburt oder Abkunst find. Boa den verstorbenen 171 Prälaten waren 50 aus Irland, 31 aus Frankreich, 13 au« Deutschland gekommen, 42 in den Vereinigten Staaten geboren, während der Rest fich ans alle Länder der Welt verthellte. Da« Verhältniß de» Katholizismus zu den protestantischen Setten ist in jeder Beziehung befriedigend, und die Berein­igten Staaten Haden den Ruhm, jm» Land auf Erden zu fein, wo die verschiedensten Religion«- genoffenschaften am friedlichsten neben einander wohnen. Die katholische Kirche fühlt fich jetzt mächttg genug, amerikanisch-katholisch zu werden, nicht wie früher irisch- ober deutsch-katMisch.

Inwohner wohl noch am Leben seien, denn war bi» der Fall, so erschienen ste in Folge dessen grüßend am Fenster, um auf diese W.ise die nächt­liche Rachftage zu beantworten. — Auch in diesen geheimnißvollen „Klopsnächten" der Adventtzett also läßt er fich blicken, der gute Kinderfreund St. Nckolau«, mit Lepfeln, Nüssen, Lebkuchen zur großen Freude ber Jugend, die schon pränume- rando gern dar in Empfang nimmt, wa« da« nicht mehr ferne Christkind ihr durch seinen Herold sendet.

Der Haupt- und eigentliche Tag aber de« Pelz» Nickel«, H.l-Ntto«, St. Nckla», Santa Klaa», Sumttlau«, Santtki.au«, Zarnmllla», Sännet Ria«, Suita Niklaus, Nikolo, Riklo, des heiligen Mann, und wie sonst die vielverschiedenen Namen in ben verschiedenen Gegenden noch lauten, ist und bleibt nach wie vor — find auch die Tage mittelalter­lichen Glanz» längst vorüber — der 6. Dezember, al« Gedächtnißtag be« heiligen Nikolaus, welcher am gleichen Tag im Jahre 352 einst tiefe Stadt verließ, um in seinem Feste fortzuleben, abgesehen feiner kirchlichen Bedeutung, welche ihm zu Ehren eine so große Anzahl von Nckolaus-Kirchen und -Kapellen emst-hen ließ, daß z. B. in Böhmen 114 St. Nckolauskirchen stch befinden sollen,