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aber beim besten Willen, au« der Noch eine Tugend zu machen, kann man doch die Vorzüge der Lenzes und des Sommer« nicht aus der Welt schaffen. Weihnachten ist zwar ein herrliches Fest; aber Ostern läßt stch doch nicht so leicht in den Schatten drücken. Um froh zu genießen, was uns augenblicklich beschieden ist, brauchen wir nicht zu tendenziöser Ueberschwmgltchkeiten zu greifen. Jede Jahreszeit und jede Festzeit hat ihre eigerartigen Vorzüge; fie laffen stch nicht mit demselben Maß­stock meßen.

Von „erfahrenen" Leuten soll ein milder Winter prophezeit sein. Der November hat diesen Pro­pheten seine Unterstützung geliehen; aber wir haben erst den Anfang vom Anfang hinter un«. In­zwischen wollen wir dem November unser» Dank aussprechen, daß er die unangenehmste seiner Gabe«, nämlich den Schmutz, mit dem er uns sonst so reichlich zu bedenken pflegte, in recht mäßigen Grenzen gehalten hat. Die Ouvertüre zur Oper „Winter" war recht erträglich; doch soll man da« Stück nicht vor dem letzten Aktschluß loben. Die Bauern fordern nach den alten Wetter­sprüchen einen Dezember „mit vielem Frost und Schnee"; da« gebe „Korn in Thal und Höh'." Damit kann man gern einverstanden sein, wenn nur die Schnee- und Frostperioüe dauernd ist und nicht da« Thauwetter un« wiederholt in den Sumpf führt.

Von dem Bischen Tageslicht, was wir jetzt «och haben, müffen wir noch eine halbe Stunde ab- geben; aber am 21. Dezember Nachmittag» 4 Uhr bekehrt stch die Sonne von ihrer Gefunkenheit und strebt langsam aber ficher einem höheren Wandel zu. In die Hoffnungsfreude der winterlichen Sonnen­wende können freilich diese« Jahr leicht einige bittere Tropfen fallen. Denn am 22. Dezember ist Neumond, am 23. steht der Mond in Erd­nähe ; zugleich hat die Sonne um diese Zeit nahe­zu die Erdnähe erreicht. E« kommen also drei Momente zusammen, um „kritische Tage" herbei­zuführen, da« Gleichgewicht der Kräfte im Luft- und Waffermeer, sowie im Innern der Erde zu stören. Hoffen wir, daß diese Wetter-Revolution ebenso glatt und schnell verlaufe, wie die Staat«- Revolution in Brastlien.

Derselbe Neumond vom 22. Dezember bescheert eine Sonnenfinsterniß, und zwar eine totale. Leider ist da« Schauspiel in Europa nicht stchtbar, son­dern nur in einem Stück der heißen Zone.

Im Dezember de« vorigen Jahre« beschäftigten uns die afrikanischen Angelegenheiten sehr lebhaft; der Afrika-Verein der deutschen Katholiken feierte damals seine Entstehung, hat also jetzt da« erste Geburtsfest. Der diesjährige Dezember wird wieder recht afrikanisch angehaucht sein; denn die bevorstehende Heimkehr von Emin, Stanley, Pater Schynse und ihren Genoffen au» dem Innern de» dunklen Welttheil» wird die intereffantesten und wichtigsten Enthüllungen und Erörterungen bringen.

Zum Fest der Liebe geziemt stch Mildthätig- kett. Von unserer nächsten Nachbarschaft bi» zum Innern Afrika'» gibt e» Nöthen in Hülle und Fülle, welche auf Abhilfe durch die christliche Liebe rechnen. Besonders möchte den Besuchern der Krippe an'r Herz zu legen sein, daß es gilt, dem Christkindchen in Berlin Obdach zu bereiten. Nach Bethlehem kämm die drei Könige, um neben Weihrauch und Myrrhen Gold zu opfern; die Abhllfs der kirchlichen Noth in Berlin ist nicht

vöser Bewegung fuhr die schlanke, weiße Hand über die Goldstickerei des Kiffen«. Nach einer Weile erwiderte Frau Volmer: Nichts ist voll­kommen in der Welt und alle unsere Rsichthümer können unserem einzigen Sohne sein heiß ersehnter Glück nicht erkaufen. Sehen Sie, fuhr fie ver- traulich fort, „mein Mann hat mit Kleinem an­gefangen und hat e« durch Fleiß und Sparsam­keit so weit gebracht, daß er als Wohlthäter einer Anzahl Mmschen betrachtet wird. Alle«, wa« die Humanität für die Fablikarbeiter verlangt: Kohlen­kaffe, Altersversorgungskaffs, gesunde Wohnungen, hat er schon vor Jahren bet un» eingeführt. Wir leben und laffm leben — aber Jeder hat sein Kreuz" seufzte sie.

„Da» ist M-nschenloo»", versetzte Fräulein Falkner „aber Sie wollten mir ja da» BUd Ihre» Herrn Sohne» zeigen", lmkte fie ab.

Die Hausfrau erhob stch und nahm von der Console ihr Album zu Hand. Mit mütterlichem Stolze zeigte fie auf da» Blld eine» stattlichen,

von bett Gaben der Großen dieser Erde, sondern von den vereinten Kräften de» Volke» zu er­warte«.

Aus Stadt, Provinz rmd Nachbargebiet.

Fulda, 2. Dezember.

? In der vergangenen Woche hat stch in hiesi­ger Stadt eilte Diözesan - Hauptstelle de« Boni- fatius-Sammel-Verein« unter dem Vor­sitze de« Herrn Stadtkaplan Gut beriet gebildet. Wie in anderen Diözesen, so hat sich auch der htestge Sammel-Verein die schöne Aufgabe gestellt, durch Erhebung von kleinen Geldbeiträgen unb durch Sammlung von solchen Gegenstänben, bie int täglichen Leben unbenutzt bei Seite gelegt wer­ben, aber in größeren Mengen einen ansehnlichen Verkaufswerth habm, Mittel zur Grünbung unb Unterhaltung katholischer Waisenhäuser rc. zu be­schaffen. Solche Gegenstände find insbesondere: Cigarren-Abschnitte unb beschädigte (aber nicht an- gerauchte) Cigarren, Staniol, Abfälle von Metal- len, welche wieder eingeschmolzen werden können, ausländische und alte deutsche (Thum und Taxi«, Bayern, Norddeutscher Bund, alle deutsche Reich«» marken rc.) Briefmarken, ganze Postkouvert«, ganze Postkarten und Kreuzbänder mit eingedruck­ter Marke u. s. w. Wie durch emstge« Sammeln solcher Kleinigkeiten ansehnliche Geldbeträge erzielt werden, davon gibt der Jahresbericht de 1887 der Centralstelle de« Bonifatius-Sammel-Verein» in Paderborn, welcher auch der htestge Sammel-Vsr» ein unterstellt wird, einen Überblick. Danach hat sich nach Abzug aller Unkosten in den Jahren 1885/86 und 1887 ein Reinertrag von 51,656,68 Mk. bezw. 53,656,63 Mark ergeben. Das Vor­gehen nach dieser Richtung hi« in der alten Boni- fatiusstadt Fulda und in der Diözese Fulda über­haupt, muß daher mit Freuden begrüßt werden. Mögen diese Zeilen daher einen Jeden, der ein milde« Herz für die armen Waisen hat, bewegen, in allen, auch dm geringsten Kleinigkeiten für den Sammel-Verein zu sparen und auch nach Kräften Geldbeträge dem Verein zuzuwmden. In der Kürze werden dieserhalb Sammetkästen in hiesiger Stadt aufgestellt und auch den auswärtigen Pfarreien zugesandt. Möge Gott die Opferwilligkeit und dm Sammelfleiß w.'cken und verbreiten. Zur Erthei- lung näherer Auskunft ist der Vorstand, bestehend au» den Herren: StadtkaplanGutberlet (Vor- fitzmder), Kaufmann Otto Göbel, Domkaplan Helfrich, Kaufmann Karl Kalb (Kasstrer), Kaufmann Wilhelm Kalb, Stadtprobstor Weh­ner (Schriftführer), gern bereit, auch nimmt die Fuldaer Aktiendruckerei schon jetzt gesammelte Ge­genstände entgegen. Unerwähnt bleibe nicht, daß soweit bi» jetzt bekannt, in der Diözese Fulda, und zwar in Kassel, bereit« ein Bonifatius-Sammel- Verein mit Erfolg besteht.

2) Der nächste Museumaben dswird Donners­tag den 5. d. M. im Pult'schen Saale abgehaltm werden. Neben einem Vortrag über Friedrich den Großen werdm verschiedene Kompositionen de» König» zur Aufführung gelangen.

* Mit Rücksicht auf die eingetretene Winters­zeit werden nachstehende straßenpolizeiliche Anord­nungen durch da» kgl. Landrathsamt wiederhott zur öffentlichen Kennmiß gebracht:

schönen Manne», deffm Züge Jattlligenz, Energie und Herzensgüte vrrriethen.

Fräulein Falkner war entzückt. „Er verdimt es gewiß, glücklich zu werdm" rief fie begeistert.

Die Mutter nickte. Ihr volle» Herz erschloß fich. Sie ließ sich neben ihrem Gast nieder.

„Erich hat stch in ein armes, schöne» junge» Mädchen au» unserer Nachbarschaft verliebt, und er muß ihr entsagen!" rief fie.

Fräulein Falkner stutzte.

„Hören Sie," fuhr die Hausfrau fort. „Al» Erich im vorigen Herbst meinem Manne seine Neigung gestand, warm wir zuerst ein wenig peinlich überrascht. Man hat seine Pläne, seine Verbindungen und geheimen Wünsche, und Erich» Neigung lies ihnm schnurstrack» entgegen. Mein Mann erkundigte stch indeffen nach dem Charakter und der Lebensweise de» jungen Mädchen« unb ihrer Familie. Wir erfuhren, ste fei bie Tochter eine« berühmten Maler« und, schon früh verwaist von ihrer Tante, einer Steuerrathrwittwe, an

Wenn die Straßen in hiesiger Stadt mit Schnee be­deckt sind, so hat jeder Hausbewohner, soweit seine Ge­bäude mit Zubehör gehen, einen vier Fuß breiten Pfad kehren zu laffen und dieses so oft es nöthig wird, zu wiederholen, bei Vermeidung der in § 23 der Anordnung vom 7. Mai 1850 angedrohten Strafe. Es ist untersagt: 1) das Anlegen und Benutzen der sog. Schurrbahnen, 2) das Fahren mit Kinderschlitten jeder Art an den ab­hängigen Stellen der Straßen und Plätze in der Stadt z. B. am Luckenberge, Severieberge, an der Pfarrkirche, in der KarlSstraße, am Schlöffe, bei den Ecken am Stift Wallenstein, am Bonifatiusplatze und in der Rittergaffe, in der Hinterburg vom Schulthor nach der KronhofS- und Langebrückenstraße herab rc. 3) das Werfen mit Schneebällen auf den öffentlichen Plätzen, in den Straßen, bezw. Trottoirs in der Stadt, bei einer Strafe bis zu 15 Mark event. 3 Tage Hast und haben für die Zuwider­handlungen der schulpflichtigen Kinder, deren Eltern, Pflegeeltem oder Vormünder einzustehen. Zugleich wird den Eigenthümern der Wohnhäuser, sonstigen Gebäude, Gärten und anderen Grundstücken in der Stadt und, so - fern solche dahier nicht wohnen, denjenigen Personen, welche solche Namens derselben inne haben, bei gleicher Strafe aufgegeben, bis zur Hälfte der Straße nach Maß­gabe ihrer Besitzungen die Schurrbahnen oder sonstigen glatten Eisstellen durch Aufhauen und Bestreuen mit Asche u. s. w. gefahrlos zn machen.

* Nach einer Bekanntmachung ber kgl. Eisen­bahnbirektion zu Frankfurt a. M. tritt mit bem 1. Januar be« neuen Jahre« im diesseitigen Lokal­güterverkehr, sowie im Verkehr mit sämmtlichm übrigen preußischen Staatreisenbahnen ein- er­mäßigter Ausnahmetarts für Dünger, Erbe, Kartoffeln unb Rüben be» Spezialtarif» III in Kraft.

• Mit bem 30. November trat für Preußen eine Polizeiverorbnumg in Kraft, welche die bauliche Anlage unb innere Einrichtung von The­atern, Cirkusgebäuben und öffentlichen Versammlungsräume« betrifft. Danach müffen Theaterneubauten, sobald ste mehr als 800 Personen auf Sitz- unb Stehplätzen aufzu- nehmen vermögen, elektrisch beleuchtet werden. In allen bestehenden Theatern soll, sofern fie mehr al« 1200 Personen fasse«, ebenfalls elektrische Beleuchtung binnen längsten» zwei Jahren einge­richtet werbe«. Durch Anlage hinlänglich breiter Gänge, Thüren, Treppe«, Flure« unb Durch- führten, sowie burch andere Einrichtungen soll da­für gesorgt werden, daß da» Publikum unter allen Umständen leicht, schnell und stcher in» Freie ge­langen kann. Durch große Abzugsöffnungen über Bühne und Zuschauerraum, sowie Lüstungseinricht- ungen an Korridoren und Treppen soll eine Verqual­mung der menschenerfülltenRäume verhindert werden. Für alle Theater wird ausnahmslos Feuer» und rauchficherer Verschluß der Bühnenöffnungen ge­fordert.

* E» ist in letzter Zeit mehrfach wahrgenom­men worden, baß von ben Versicherten der Hes­sischen Brandversicherungs-Anstalt bei den die Versicherung ihrer Gebäulichkeiten betref­fenden Angelegenheiten anstatt be» neuesten Branb- Versicherungsschein trgenb eine ältere Ausfertigung, welche abfällig, bezw. ungültig geworden, zur Vorlage gebracht worben ist. wodurch oft Wetter­ungen zum Nachtheil der Versicherten entstanden find. Zur Vermeidung derartiger Unzuträglich- lichkeiten erscheint e« geboten, alle abfällig gewor­denen Exemplare, fowett fie in den Händen der Verstcherten find, einzuziehen und zu kasfiren.

* Die Direktion der Landeskreditkaffe veröffentlicht im Amtsblatt das Rückstandsver- zeichniß der in Folge diesseitiger Kündigung fällig gewordenen und noch nicht eingelösten Schuldver-

Kmdesstatt angenommen. Beide Frauen lebten von dem Ertrage der Handarbeit. Sehen Sie, dieses Sophakiffen ist ein Kunstwerk ihrer fleißigen Hände. „Gut, Erich", sagte eine« Tage« mein Mann zu ihm, „ich ha e nichts gegen Deine Wahl, wenn e« Dir wirklich ernst ist. Aber eine Probe muß Deine Liebe bestehen; Du bist noch jung unb wenig in die Welt hinauigekommen. Schau Dich 'mal erst in größeren Städten in unseren Kreisen um. Ich erlaube Dir eine län­gere Reise; lerne Berlin, Wien, Paris kennen, ehe Du Dich mit Deiner Turteltaube hier in der Provinz begräbst. Kommst Du nach Verlauf von einem Jahre wieder al« der Alte, fo sollst Du ste habe«, fall« ste selber nicht« dagegen hat. Nun stelle ich aber noch eine Bedingung: störe ihren Frieden nicht. Reise, ohne vorher von ihr Abschied zu nehmen. Zudem ist die Tante krank und Du könntest da« Mädchen in ein üble« Ge­rede bringen, wenn Du ste jetzt hinter dem Rücken der Tante aufsuche« würdest. (Forts, folgt.)