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Montag, den 2. Dezember.
1889
Sie Fuldaer Bettung erscheint ta g li ch, Sonn- und Feiertage ausgenommen Bicrieliährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristlichen Lochende,läge ,«Steine und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psennia 9
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Deutsches Reich.
Berlin, 30. November.
* Der Kaiser hat folgende Kabinetsordre an den Generalfeldmarschall Grafen M o l t k e qertchtet:
„Mein "lieberGeneralfeldmarschall! Fünfzig Jahre find verflossen seit dem Tage, an welchem Män in Gott ruhm- der Urgroßvater Ihnen für Ihr rühmliches Verhalten in der Türkei den Orden pour le mSrite verlieh. In wie gutem Andenken der Name des scharfblickenden und thätigen Generalstabs-Offiziers von 1839 noch jetzt an dem Schau platze seines ersten kriegerischen Wirkens steht, davon habe Ich Mich bei Meinem jüngsten Aufenthalte in dem fernen, an Interessantem reichen Lande zu Meiner Freude persönlich überzeugen können. Aber heute lassen Sie Mich vor Allem und immer auf's Reue der unsterblichen Verdienst» gedenken, die es Ihnen seit jener Zeit um Ihr Vaterland zu erwerben vergönnt war. Den äußeren Ehren, mittelst deren Ihre Könige der Dankbarkeit für Ihre ruhmvollen Thaten Ausdruck gegeben haben, vermag Ich kaum eine neue Anerkmnung hinzuzufügen. Und doch liegt es Mir am Herzen, den heutigen seltenen Gedenktag nicht ohne eine solche vorübergehen zu lassen. In diesem Sinne verleihe Ich Ihnen beifolgend die Krone zu dem vor 50 Jahren erworbenen Ehrenzeichen, und zwar, als Beweis Meiner besonderen Zuneigung, in Brillanten. Mit Mr hofft die Armee und das Vaterland, daß Sie sich der neu verdienten Auszeichnung, so Gott will, noch lange in der bisherigen Frische und Rüstigkeit erfreuen mögen. Pleß, den 29. November 1889. Ihr in tiefer Dankbarkeit treu ergebener König gez. Wilhelm. R."
• Au« den Aeußerungen des Regierungsver- treter« in der Kolonialdebatte ging hervor, daß Major Wißmann einen neuen Zug und zwar nach den südlichen Gegenden Ostafrika« unterneh. men werde. Die gegentheilige Meldung, daß Major Wißmann demnächst au« Ostasrika mit Urlaub nach Deutschland bezw. nach Berlin zu kommen gedenke, ermangelt der Begründung. — Au« London berichtet die .Kreuzzeitung': Der amerikanische Afrikareisende Chandler, der soeben au« Sanfibar hier eingetroffen ist, erklärt Dr. Peters sei zweifelsohne im Somaliland umge- kommen; alle Weißen, welche versuchten, das Somaltland zu bereisen, seien ermordet worden.
• Endlich ist eine Wahlparole für da« Kartell gefunden. Die.Post' hat da«Verdienst, dm Kartellbrüdern au« der Verlegmhett geholfen zu haben, und fie alle werden erleichtert auf- athmen. Der Student, sagt die ,Post', nennt eine Gesellschaft, in de« sich alle« Mögliche und Unmögliche zusammenfindet, eine „Blase". Die Gegner der Kartell« haben einander wtderstrebmde Grundsätze, führt die Post weiter au», also „find sie eine Blase". „Kartell gegen Blase." Unter
+ HMlnchr.
Novelle von I. von Dirkink.
(6. Fortsetzung.)
Ja Annettens Brust erwachte der weibliche Stolz. Wenn e« sich doch so verhielt, wie Mike von Volmer'« vermuthete, daß fie ihnen al» nicht ebenbürttg gelte — wenn ihnen jede« Mittel recht wäre, eine Scheidewand zwischen ihr und Erich aufzurichten I Sie fuhr mit der Hand nach dem Herzen, wie ein Meffer bohrte fich der Schmerz dieser bitteren Enttäuschung in ihre Brust. War konnte man ihr vorwerfen? Nicht« al« ihre Armuth. War da« ein Grund zur Geringschätzung für Leute, die im Ueberfluffe saßen, den fie sich von der Pike auf erworbm hattm? Annette wurde irre an fich, an der ganzen Welt. O, hätte »e Erich niemal« kennen gelernt; ihrm Herzen«- frieden, ihre Ruhe hatte fie ihm geopfert, und war war ihr Lohn? Ein Uebermaß vonDemüthi- gungen stand ihr bevor. Aber nein, nein, ha« wollte und konnte fie nicht ertragen I Sie durste Zu nicht wiedersehm; fir mußte fort au« seiner Nahe; unmöglich konnte fie Zeugin seine» Glücke» m, wmn er einer Anderen die Liebe und Treue
welche Rußland eine Gebietsabtretung und gewisse pekuniäre Vortheile fichern solle, bementiten. Angesichts der neutralen Politik der Pforte könne von solchen Verhandlungen keine Rede sein.
* Auf dem Umwege über New-Dork wird gemeldet, Frankreich habe die Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien anerkannt. Das wäre doch wohl verfrüht. Zunächst besteht in Brafilim noch eine provisorische Regierung, und es sind doch wohl erst definitive Zustände, die nur in der Mitwirkung des Parlaments statt- findm können, abzuwartm, bevor eine Anerkennung seitens fremder Mächte am Platze ist.
* Kap St. Vincent (Südwestliche Spitze von Portugal). Der Kaiser Dom Pedro ist mit der kaiserlichen Familie an Bord der Dampfers „Alagaos" wohlbehalten eingetroffen.
* Rio de Janeiro, 30. Roo. In den letzten Tagm fanden wiederholt blutige Zusammm- stöße zwischen Monarchisten und Republikanern statt. Die liberale Presse schweigt fich über diese Kämpfe vollüändia au«.
# Dezember.
Da find wir ja wieder einmal am Anfang de» Ende«, im letzten Monate de« Jahres. „Hurrah, bald ist Weinachten und Neujahr I" jubeln die Jungen; „wie doch die Zett vergeht I" sagen be- dächlig die Alten.
Es gibt verschiedme Sprichwörter, welche ben Letzten nicht« Gute» in Aurficht stellen, z. ben Letztm beißen bie Hunbe; ba» Enbe trägt bie Last. Auf ben letzten Monat be« Jahre» paffen diese Sprichwörter nicht. Die Lasten, welche er zu tragen hat, bestehen bloß in bet Verpflichtung be» braven Hausvater«, für bie Geschenke zu St. Nckolau« unb Weihnachten etwas Klein- oder Großgeld bereit zuHalten. Viele schlimmere Hunde beißen bett ersten Monat im Jahre, nämlich bie fatalen Jahresrechnungen. Ein Uebermaß von Arbeitslast gibt es auch im Dezember nicht: 7 Ruhetage unter 31, da« läßt fich allmfalls noch erttagen. Nun könnte ich ja leicht unter Benutzung von überreichlichen Vorarbettm den Beweis antretm, daß der Dezember mit feinem' Weih- nachttzauber überhaupt der schönste und beste Monat der Jahre« sei; aber vor der nüchternen Verstandrkrttik hält ein solcher Superlativ nicht Stand. Frellich hat der Winter viel Schöne« und Erquickliche«, wmigsten« für gesunde Menschen;
oder Handwerker zu werden. Hatte fich nicht Herr Volmer vom Schmiedegesellen zum Fabrikbesitzer emporgeschwungen? Man mußte fich nur vom Vorurtheile zu befreien suchen. So hatte die Tante gemahm, und Annette wurde nach und nach ruhig, »etmd sank fie vor dem Kruz'fize in die Knie unb flehte zum Himmel um Stärke und Ergebung in ihrem L-td, um Geduld und Ausdauer.
5.
Um di-selbe Z4t saß Fräulein Falkner in dem behaglich au-gestatteten Erkerzimmer ber Fräulein Volmer, unter beten Dache fie übernachtet hatte. Es wat ein hertlichet Motgen; bie Sonne schien glänjenb übet Berg und Thal und lockte zu einem Gang ins Freie hinaus. Von ihrem Ätze au» am Fenster konnte Fräulein Falbaer ben prachtvoll angelegten Garten unb einen Theil ber lieb- lichen Umgebung be« einsam gelegenen Lanbhanse» bequem übersehen.
„Sie Haden boch Alle«, war bar Herz begehrt, Ihre Besitzung tst ein kleine« Parabie« I" wanbte sich sich an die Hausfrau, die ihr gegenüber im Sopha lehnend nachdenklich an der Rüsche eine» schwarzatlarseidenen Ruhek.ffm« zupfte.
Sm Seufzer war bie Antwort. Wie in net
bem Zeichen werben wir Regen", jubelt bann bas freikonservative Blatt. Für biefe nette Blüthe ber Fuchsenlogik stattet bie .Germania' ber ,Post' ihren Dank ab.
• In Preußen fanben in ber letzten Zeit Stabt- verordnetenwahlen statt, von benen einige politische Bebeutungenhaben. In Köln, Trier, Aachen, Krefelb, siegte da» Centrum mit verstärkter Majorität in ber dritten Abteilung. In der zweiten Abtheilung auch in Aachen; für diese Abtheilung bestehen Hoffnungen für'» nächste Mal in Köln, Trier und Krefeld, weil die Centrum«. stimmen fich verbesserten. In der ersten Klasse ist da« Centrum in den genannten ©täbten nicht burchgebrungen. Dagegen siegte e« in allen brei Klaffen in Neuß unb anbeten kleinen rheinischen Stäbten. In ber hessischen Stadt Mainz sorgte bas Centrum bafür, baß bie Nationalliberalen von 16 Stabtverorbnetensitzen auf 9 sanken; ba- für hat ba« Centrum j-tzt 16, bie Demokraten 10 ber Deutschfreisinn 4 Stimmen im Stadtrath; leider wurde dort auch ein Sozialist gewählt.
* Au« Erfurt wird der ,Post' gemeldet, daß zu dem am 15. Januar in Rom zusammen- tretenden Bahnenkongreß 104 mitteleuro- päische Verwaltungen eingeladen worden seien.
* Breslau, 30. Nov. Zu den Jagden des Kaffer« Wilhelm in Schlesien haben sich, wie schlesische Blätter melden, viele angesehene Männer, um den Kaiser sehen zu können, al« Tret- ber gemeldet, find jedoch abgewiesen worden.
Ausland.
* I« ungarischen Abgeordnetenhause theilte am Frettag der oppostttonelle Abgeordnete Kaa« mit, während der Wehrgesetzdebatte sei gegen Tirza ein Attentat geplant gewesen. Da« Dynamit mit Zündschnur hätte bereit gelegen. Ein Gegner Tisza's aber habe dar Attentat noch in letzter Stunde vereitelt.
* In Pariser Finanzkreisen ist wieder ein- mal von der Emisston einer neuen russtschen Anleihe im Betrage von 400 Millionen Franks die Rede. Die plötzliche Steigerung der Pariser Dynarnttaktien um 20 Prozent wird auf größere Bestellungen einer an«wärttgen Regierung zurück- geführt.
* Die Pforte läßt Londoner Zeitungsrneld- ungen von geheimen Verhandlungen Rußland« und der Türkei zweck« Abschlüsse« einer Allianz, gab, die er ihr schuldete. Alle Qualen der Eifer- sucht folterten ihr Herz; ihre Schläfen brannten wie im Fieber, ihre Gedanken verwirrten fich. Sie konnte selbst die Rähe Lenen« nicht länger ertragen. Die Einsamkeit allein that ihr noth, um sich unbeachtet recht von Herzen satt weinen zu können.
Annette verbrachte eine schlaflose, kummervolle Nacht. Am folgenden Morgen sandte sie Lene mit Aer Menge fertiger Maaren zeitig zur Stadt. Der »ruber war zur Schule, unb so war sie wieder allein mit ihrm Gedanken, die sich grübelnd um die nächste Zukunft bewegten. O, diese Zu- kunst erschim ihr völlig umnachtet. Kein Hoff- nung«schimer, wohin fich ihr Blick auch romben mochte! Trotzdem dachte fie nicht daran, die rettende Hand ihre« Bewerber« anzunehmm. Sie schauderte bei dem Gedanken, sich für immer einem ungeliebten Manne verbinden zu sollen. Würde ihr ganze« fernere« Lebm nicht eine große Lüge sein? Mußte fie sich nicht selbst verachten, sobald fie am Mare dm Meineid geschworm?! Nie unb nimmer sollte e« geschehen! Gab « nicht taufenb Au«, »ege für fie, ba fie arbeiten konnte und »o&te! Vielleicht war e« kein Unglück für Ernst, wenn er ben Stubien entsagen mußte, um Kaufmann •