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M 27k.

Samstag, den 30. November.

1889

fiilbnn W Jeilxng.

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Zw eites Blatt.

* Aas Inner-Afrika.

Von der Familie der in den letzten Tagen viel genannten P. August Schynse, welcher in Gesell- schäft Stanley'« und Emin Pascha'« an die Ost- raste Afrika'« zurückkehlt, wurden der ,Köl. Vztg.' Briefe desselben zur Verfügung gestellt, welche, ab­gesehen von den persönlichen Erlebnissen de« Schrei­ber«, da« höchste Interesse durch die Nachrichten über die Zustände in dem Negerreiche Uganda'« nördlich und westlich de« Viktoria-See'« bean­spruchen. Bekanntlich haben stch dort im vorigen Jahre arabische Abenteurer der Gewalt bemächtigt, obigen Nachrichten zufolge aber scheint jetzt da- selbst der arabische Einfluß gebrochen zu sein. P. SLynse schreibt:

In diesem Jahre haben stch die Verhältnisse, wie man au« dem Vorhergehenden steht, sehr ver­ändert. Uganda befreit sich au» denHän- den derJrlamund öffnet sich denGuro- p ä e r n. Der direkte Weg von der Küste zum Ryanza-See wird dadurch für die Europäer pasfir- bar. Wir können dann auf diesem Wege unsere Zufuhren erhalten. Doch wird die« ja noch einige Jahre danern. Doch habe« wir glücklicherweise Tauschgegenstände für drei bi« vier Jahre, werden aber Mangel leiden an europäischen Dingen (Klei­dern, Schuhen, Thee, Wein, ArbeitSgeräthen ic.) Kaffie haben wir im Lande selbst; wir erhalten mehr wie genügend von Uganda und der Küste de« Nyanza, wo er wild wächst. Zucker ersetzen wir durch Honig. Unser Garten liefert Gemüse und Weizen, so daß wir von Zeit zu Zeit Brod haben. Ein tiefer und langer Graben führt Wasser zum Garten, und können wir so stet« pflanzen. Rei« bringen un« die Eingeborenen in Uebsrfluß. Fleisch ist billig, ein Ochse kostet in deutschem Gelbe etwa 16 bi« 20 M. Unsere gut aurge- stattete Apotheke von K palapala ist ohne den ge­ringsten Schaden hier angekommen, so daß wir e« wohl einige Jahre aurhalten können bi« der Weg offen ist.

Man spricht in Uffambiro von blutigen Nieder­lagen der Araber an der Küste. Wißmann lockte Buschiri in einen Hinterhalt und schlug ihn voll- ständig. Buschiri wollte stch dafür an dem deut­schen Posten rächen; doch unsere zwei braven Landsleute wurden durch die Eingeborenen vom Herannahen der Bande unterrichtet, bewoffneten stch bczw. verthsilten Pulver und Blei an einige Hundert Wagogo, ihre Verbündeten, und über« fielen im Morgengrauen dar nichts ahnende ara­bische Lager, wo ste ein schrecklicher Blutbad an­richteten. Emer der hervorragendsten Araber, nach andern Berichten Buschiri selbst, blieb tobt auf dem Kampfplätze. Beruhen diese Gerüchte auf Wahrheit, was man in Deutschland wissen muß, so wird stch die Straße bald öffnen. Die Araber von Tabara haben daran noch größere« Interesse al» wir. Sie haben Elfenbein in den Vorraths­häusern, aber nur wenige Tauschgegenstände. Ein Diora (Stück von 32 Meter) Sativi (schlechter Stoff) kostet zehn Piaster, doppelt so theuer wie gewöhnlich. 20 Pfund Pulver (für un« völlig un­brauchbar) steht im Preise von 55 Piaster zu je 3 M. 75 Pfg. Dieser Nothstand der Araber mag wohl mit dazu beige tragen haben, daß die mit der Küste verkehrenden Araber den P. Hautecour in Schutz gegen die nicht direkt mit der Küste ver­kehrenden und da« Wangaua-Gcfindel in Schutz nahmen. Sie wollen da« Wohlwollen der Europäer er­werben, damit ihre Karawanen ungestört da« von den Deutschen befi tzte Gebiet pat firen können. Bei Seif ben Heid müssen fteilich noch bessere Beweggründe voran«-

gefitzt werden. Er verkehrte viel mit un«; wir sahen ihn jede Woche komme«, und bewies er stch bei den vielen Geschäften mit uns stets loyal. Ali ben Sultan dagegen ist ein Schurke, wie auch Sike, der Melmi von Unyanyembe, dessen Sohn den P. Chevalier «»«plünderte und ohne da« Dazwischenkommen der Leute Seif ben Seid'« ge- töbtet hätte. Sike selbst stellte Posten an sämmt- liche Wege, um die Missionare beim Verlassen von Unyanyembe zu tödten, wa« ihm nicht gelang. Am folgenden Tage sandte er eine Mitumba (Traglast von Stoff, Zeug) nach Uynt, um den Metmi Kanoni von Uyni zu überreden, die Mis- fionare mit den Kindern Unyanyembe zurückzu­senden oder zu tödten, doch Kanont, ein Feind Sike'« schlug e« ab. Die den Misstonaren ge­raubten Gegenstände nahmen fast alle den Weg nach Sike'« Hau», welcher stch so al« „königlicher" Räuber bezeigte. Doch mag e« ihm bei den er­wähnten Gerüchten etwa« schwül um's Herz wer­den. Er sendet birweilen Karawanen mit Elfenbein an die Küste und fürchtet nun, da wir glücklich entkommen find, wir würden dieselben mit Be­schlag belegen lassen, um uns sür den an uns be­gangenen Raub schadlos zu halten.

Anderersettr hat sich das Gerücht verbreitet, Bwana Makonga (der bekannte und gefürchtete Afrika-Reisende Hr. Reichard) komme mit einigen Hundert Mann, um Unyanymenbe den Wadeutschi (Deutschen) zu unterwerfen und, wie er bei seiner Durchreise vor drei Jahren gedroht hatte, den Kopf Sike'« auf eine Stange zu stecken, was den Unterthanen gar nicht unlieb wäre; denn Sike verbietet ihnen, sich als Träger anwerben zu lassen. Ein deutscher Posten in Unyanyembe würde freilich einen großen Einfluß auf die Araber des Innern ausüben und wäre die Errichtung eines solchen im Interesse der Civilisation und der Sicherheit der Europäer zu wünschen. Man brauchte sich nur in unserem Hause festzusktzen, und keine Neger-Armee wäre im Stande, 50 gut bewaffnete und geübte Leute daraus zu vertreiben. Doch Deutschland hat noch genug mit der Küste zu thun, und ist ein Posten in Unyanyembe schon so bald au« diesem Grunde nicht zu erhoffen. Ein solcher Posten wäre anderseits nur al» Etappe auf dem Wege nach dem Tanganyika und dem Nyanza zu betrachten: denn Elfenbein, der einzige Aurfuhr- Gegenstand, findet sich nur wenig mehr zwischen beiden Seen. E» kommt au» Uganda, Karagwe und Manyema.

Ich würde gern mehr Briefe schreiben; doch müssen wir unsere Packeis so klein machen, daß außer der Korrespondenz für die Obern nur da» Nölhigste mitgehen kann. Die Couriere müssen alle» sorgfältig zwischen L:ben«mittel und ihren Kleidern verbergen, um sich durchschleichen zu können, da dieselben, wenn al» Leute der Weißen erkannt, ausgeplündert, wenn nicht getödtet «er­den. Wir find alle in einem Sack, Engländer, Franzosen und Deutsche.

Stanley'» Zusage, daß weitere Aufklärungen folgen würden, ist durch einen neuen Brief an Mackinnon, batirt 17. August 1889 au» dem Lager bei Kizinga in Ufivjr, erfüllt. Der Brief befchreibt hauptsächlich die Schwierigkeiten, die dem Abzug von Kavalli iheil« durch beispiellose Schwäche Emin'« bereitet wurden, der bi» zum letzten Augenblicke da« Spielzeug in den Händen der Egypter blieb. Fast scheint e», al« hege Stanley neben aller Anerkennung der Güte und de» Edelmuthe« eine Verachtung für Emin'« Cha- rakter. Stanley'« Stellung war schließlich uner- träglich; denn nachdem er zur Entsetzung Emin'« in Eentral-Afrika angekommen, findet er Em'n in der Gewalt einer türkischen Bande, welche seine

Güte mißbraucht, um ihn und Stanley zu plün­dern und zu vernichten. Stanley erzählt: Am 17. Februar langte Emin vom Dampfer mit 8 Offizieren im Lager von Kavalli an. Am 18. Februar wurde ein großer Divan abgehalten; alle Offiziere Emin'« und Sianl-y's waren zugegen. Stanley erklärte, er habe ein volles Jahr auf Antwort auf seine Frage, ob Emin abziehen wolle, gewartet; er wolle auch jetzt einen anständigen Aufschub zum Zwecke der Abholung der Familien in Wadelai bewilligen. Alle Leute Emin'« willig­ten mit merkwürdiger Bereitwilligkeit ein, obgleich Stanley, wie er bemerkt, später entdeckte, daß dies ihre Gewohnhit war, wenn ste auch kein Wort glauben. Emin, welcher sein Töchterchen Frieda mitgebracht hatte, erklärte sich mit 20 Tagen Auf­schub zufrieden; aber Stanley bewilligte einen Monat, und darauf begann denn die Komödie einer endlosen Herbeischaffung des Gepäckes. Große Kupfelkeflel, 200 Bettstellen, gewaltige Körbe, fürchterliche Koffer, Viehtröge, Riefenkrüge, Tau­ben, Papageien, Alles sollte auf da« 2800 Fuß hohe Plateau geschleppt werden, und zwar durch unsere Träger. Letztere aber verloren bald die Lust Hiera«, fintemal ste dazu von den übel ge­launten Egyptern geschlagen wurden, und strikten, und schließlich, nachdem 1255 Lasten hinaufge­schleppt waren, ließ Stanley am 31. März die Arbeit etnstellen.

Bald wurde Stanley'- Geduld auf eine neue Probe gestellt. Von Wadelai langte eine Botschaft rebellischer Offiziere an, welche plötzlich Stanley als Gesandten unserer großen Regierung begrüß­ten und stch erboten, alle Leute von verschiedenen Akguatorial-Stationen herbeizuschoffen, war unge­fähr noch 3 Monate beansprucht hätte. Der gut- müthige Emin war entzückt von diesen guten Nach­richten; Stanley aber durchschaut- den Plan, der darin bestand, möglichst viele Soldaten nach Kavalli zu schaffen, um stch der Flinten und de« Schieß- bedarfs zu bemächtigen. Er berief sofort seine eigenen Offiziere Stair«, Nelson, Parkes, Jephson und Bonny zusammen und hielt .hnen in Gegen­wart Emin'« eine lange Standrebe, welche im Briefe Stanley's wörtlich angeführt ist. Ec be­leuchtete die Geschichte der Expedition, das .Schick­sal und die Gefangennahme Emin'«, die Meuterei seiner Offiziere und schloß mtt den Worten: „Kön­nen wir sicher sein, daß, wenn wir die Egypter al» gute Freunde und loyale Soldaten in unserem Lager zulassen, sie nicht de» Nacht» aufstehen, sich der Munition bemächtigen und un» der Mittel zur Rückkehr nach Sansibar berauben? Dürfen wir nach den gemachten Erfahrungen die Wartezeit über den 10. April aurdchnen?" Alle Offiziere antworteten mit Nein. Darauf bemerkte Stanley: „Emin Pascha, da haben Sie Ihre Antwort. Wir mar chiren am 10. April ab." Emin; ließ sich darauf noch einmal förmlich versichern, daß er da­mit nicht sei« Volk im Stiche lasse."

Leider blieb Emin'» italienischer Gefährte Crsatt dabei, daß Emin nicht ohne feine Leute abziehen dürfe, und da Emin viel auf Casati'» Urtheil gab, so blieb er schwankend. Schließlich riß Stanley die Geduld, al» nächtlicherweile die Leute Emin'« au» dem Lager der Sanstbariten Flinten zu steh­len versuchten. Trotz Emin'» Abneigung ließ Stanley sofort alle Egypter im Lager versammeln, und ste, da ste zögerte«, durch die Sanstbariten mit Stöcken au« den Hütten treiben und prügeln. Im Lageroiereck angekommen, ließ Stanley sie von Schützen umgeben und forschte ste nach dem Flintenrauv an«. Al« alle leugneten, ließ er ihnen durch Emin sagen, daß beim ersten Anzeichen, daß sie Rebellenstreiche, wie ihre in Wadelai und Dufile verübten, wiederholen wollten, sie niedergeschossen