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jg 275. Frettag, den 29. November. 1889

Fiiliuer M Münz.

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Deutsches Reich.

Berlin, 28. November.

* In der Antisklaverei.Konferenz wer­den, wie aus Brüssel gemeldet wird, England und Italien mit Deutschland zusammengehen. Deutsch­land nimmt, sowohl wegen seiner Stellung im europäischen Areopag, al« auch wegen seiner aus­gedehnten Besitzungen und Schutzgebiets in Afrika, auf der Konferenz eine hervorragende Stelle ein. Oesterreich wird sich voraussichtlich Deutschland in allen wesentlichen Punkten anschließen. Da die Ausführung der von der Konferenz zu beschließen­den Maßregeln Deutschland, England, Frankreich und dem Kongostaat zum größten Thril zufallen wird, so hat die Haltung der betreffenden Länder einen nicht unbedeutenden Einfluß auf die Ent­scheidungen der übrigen auf der Konferenz ver- ttetenen Regierungen. Bemerkung verdient eine Korrespondenz der .Rcpublique Franoaise, au» Brüffel, in welcher der französischen Regierung empfohlen wird, auf ihrer Hut zu sein, da in der Konferenz mächtige Feinde Frankreich« säßen. Bei einer Audienz, die er der Deputation eine« englischen Antisklaverei-Verein« erthellte, sprach König Leopold sein Vertrauen zu den zu erwar- tenden Beschlüffen der Konferenz au« und fügte bei, daß er persönlich fest entschlvffen sei, den Sklavenhandel im Kongostaat auf jeden Fall zu unterdrücken.

* Die katholikenfreundlichen Anwandlungen, welche die .Köln. Ztg.' wiederholt bekundete, schei­nen nicht« al» Maske zu sein, um das Cin- trum für kolouialpolittsche Bewilligungen zu ködern. Man scheint hier auch in Regierung«- kreisen eine intensivere Thätigkeit auf kolonialem Gebiete zu wünschen. Die Beförderung Wiß- mann'« zum Major außer jeder Tour bildet nicht blo» ein militärische» Novum, sondern zeigt, welch großen Werth man auf sein bisherige» Vorgehen legt, das allerdings große Erfolge aufzuweisen hat.

* An die Mannschaften de» Gardekorp» ist eine Aufforderung zur Meldung für freiwillige Dienstleistung in Afrika ergangen. Zahl­reiche Bewerber haben sich gefunden. Die Absend­ung der Leute erfolgt erst nach Neujahr.

• Am Sonntag ging von Bagamoyo eine Expedition unter Führung v. Gravenreuth's mit Lebensmitteln Emin Pascha und Stanley entgegen, welche nur noch acht Tagemärsche von der Küste entfernt sein sollen. Die Expedition ist 2000

HMlttchk.

Novelle von I. von Dirkink.

(4. Fortsetzung.)

Ein Stöhnen war die Antwort — dann lange Pause — endlich unterbrach Mike da« k «ängstigende Schweigen. „Du wirst doch meinen Antrag wohl al» ein große» Glück betrachten, oder Du müßtest mit sehenden Augen blind, rein blind sein. Und taub dazu und nicht recht gescheidt. — Die Worte übersprudelten sich ordentlich. — „Welche« Mäd­chen in Deiner Lag« würde bei einer solchen Partie nicht mit beiden Händen zugreifen? Ja, man sollte an Deinem Verstand verzweifeln. — Aber sprich doch, Mädchen, und starre nicht sol Du bist ja todtenbleich, wie ein Steinbild, stierst Du; meine ich e» denn nicht gut mit Dir? Hand auf« Herz und der Wahrheit die Ehre, war ich je müßig, wenn e« Eurer Hülfe gatt? Habe ich Un­gemach und bösen Leumund gescheut, wenn Euer Vorthetl in Frage kam? Kein Weg und Steg «ar mir zu uneben, keine Nacht z« finster, kein Wetter zu schlecht —"

„Ja, ja, ich weiß/ bebte «« von de» Lippen

Mann stark und theilweise vom New-York Herald ausgerüstet. Major Wißmann wohnte dem Ab­gang der Expeditton bei. Es heißt, Major Wiß­mann werde demnächst nach Berlin zurückkehren und v. Gravenreuth erhalte den Oberbefehl. Die Beziehungen zwischen Stanley und Emin Pascha sollen nicht die besten sein; er heißt, Stanley solle Gouverneur von Btitifch-Ostafrika werden; Emin gedenke wetter im Dienste der ägyptischen Regierung zu bleiben.

• Der Reichstag setzte heute beim Etat des Auswärtigen die kolonialpolitische Debatte fort. Abgg. Dr. Barth und Dr. Bamberger bekämpften die Kolonialpolttik im Allgemeinen; Ersterersuchte nachzuweisen, daß weder England noch Frankreich noch Holland, noch Portugal Bortheil von der Kolonialpolitik hätten. Abgg. v. «ardorff (Rp.) und Woermann (ntl.) traten für die Weiterführung unserer überseeischen Politik ein. Die Forderung für die westafrikanische Truppe wurde genehmigt. Graf Bismarck begründete sodann die Nachtrags­forderung für die Wißmanncxpeditton und ge­dachte der Verdienste Wßmann's. Abg. Richter bemängelte die Nachtragsforderung. Dr. Windt- horst befürwortete dieselbe al« Konsequenz der früheren Beschlüsse. Schließlich wurde der Nach­ttagsetat angenommen. Morgen Bankgesetz.

* Die Budgetkommission des Reichstags setzte heute die Berathung des Militäretat« fort. Gestrichen wurden die für Magazingebäude in Hanau, sowie für Kasernen in Stolz, Frankfurt a. O., Erfurt, Posen, Neiffe, Düffeldorf und Koblenz eingestellten Summen. Die für eine Kon­servenfabrik in Spandau, für eine Infanterie- Kaserne in Berlin und für eine kathol. Garnison­kirche in Berlin eingestellten Bettäge wurden von den Freisinnigen bekämpft, von der Kommission aber genchmigt.

* Bonn, 27. Nov. Drei katholische Theo­logen, von denen Einer schon die ersten niederen Weihen erhalten hat, find bei dem Infanterie- Regiment Nr. 28 eingezogen worden. Alle drei stamme« au« dem Elsaß.

Ausland.

• Pari«, 27. Nov. Die diesjährige Versamm­lung der Katholcken de« Nord - Departements zu Lille unter dem Vorsitze de» Grafen Nikoley hat einen glänzenden Verlauf genommen. Er haben hervorragende Männer gesprochen, die Palme ge­bührt dem Vortrage de» Herrn Crechin über die

der Anderen — „aber warum soll ich heirathen, ich kann'» nicht, — ich bin noch so jung —"

„Lari fari", grollte Mike. „Du bist zwanzig Jahre alt und vielleicht darüber, da» find Finten aber ich laffe mich nicht daraus ein. Entweder Ja oder Nein, damit der gute Bernhard weiß, wie er daran ist. Er erwartet mich heute und so entschließe Dich kurz; meine Zett ist knapp und ich habe keine Lust, lange zu reden. Aber Ein» bedenk« wohl, wa« willst Du anfangcn, wenn ich meine Hand von Dir abziehe? Dein Vormund ist ein harter Man»; ohne Nebelkappen keinen Verdienst, ohne Verdienst keine Selbstständigkeit und wehe für ein Gemüth wie Deine», wenn e» seinen Nacken unter ein fremde« Joch der Dienst­barkeit beuge« muß/

In diesem Augenblicke rollte ein Wagen heran und hielt unter den Fenstern von Fräulein Falk­ner»'« Zimmer still. Sie fuhr empor. Es war da« Gefährte, welche« sie bestellt hatte, um noch an demselben Tage ei« kleine« Landstädtchen zu erreichen.

Im Hausflur stand da« Ehepaar Vollmer reise- fettig. -

Schulbrüder. Erzbischof Thibaudier von Cambray hielt eine herrliche Eröffnungsrede und ermunterte die Katholtten zu einer eifrigen Bethättgung ihrer Gesinnungen auch im öffentlichen Leben. Auch die Sklavenfrage fand eingehende Besprechung.

* Rom, 27. Nov. Die Thronrede, mit der da» neuttalienische Parlament eröffnet wurde, hat wegen ihre» dürftigen Inhalt» sehr enttäuscht und gefällt selbst bett Gesinnungsgenossen Ciirpi'« nicht. Denn sie enthält nur ganz allgemeine Andeutungen über die politische Lage in Europa mtt den üb­lichen Friedensverficherungen, aber sie enthält kein wirthschaftliche», soziale» und finanzielle» Pro­gramm, fonderv begnügt sich mit bloßen banalen Phrasen. E» dürste wohl selten eine Thronrede inhaltsleerer gewesen sein, als jene, welche König Humbert vorgestern verlesen hat. Allgemein hatte man erwartet, daß Crispi der traurigen Lage der Landwirthschaft und der sozialen Misere gedenken und daß die Thronrede Vorschläge zur Befferung enthalten werde, allein diese Hoffnung ist jetzt gründlich enttäuscht worden und deßhalb regnet e» auch von allen Seiten heftige Anwürfe gegen den Kabinetrchef, unter dessen Regime die Ver­armung Italiens riesige Fortschritte macht und das Land immer mehr dem allgemeinen Bankerott entgegengeht. — Der hl. Vater soll sich dahin geäußert haben, daß er, wenn er gezwungen werde, Rom zu verlaffen, nur aus englisches Gebiet gehen würde. Gemeint ist wohl die Insel Malta.

* Madrid, 27. Nov. In der spanische« Kammer wurde vom Kabinet Sagasta ein Antrag auf Einführung des allgemeinen Stimmrecht» gestellt und zwar wahrscheinlich um sich der Ver­legenheit über die immer schwieriger sich gestaltende innere polttische Situation zu entziehen. Die kath. Partei verhält sich vorläufig noch ablehnend.

* Kaiser Dom Pedro von Brastlten trifft am Sonntag in Liffabon ein.___________________

® Die Sonntagsheiligung.

(Schluß.)

Welchen Ersatz, so ftagt nach Durchführung der obigen 4 Punkte der Pater in zweiten Thelle seines Vorttages, geben denn jene Menschen dem Volke für die Festtage die fie ihm rauben wollen? Sie versprechen ihm materielle« Wohlbefinden, aber geben fie e« ihm auch? Ohne Zweifel ist da» materielle Wohlbefinden ein Gut, es ist da« letzte Element der Civtlisation Da man heutzu­tage so sehr darnach ttachtet, so will ich j-tzt de-

„Ist da« nicht mein Kutschtt? fragte Fcäulei« Falkner, auf den Burschen deutend, der hereintrat.

„Er ist mein Wagen, wenn Sie erlaube«, Fräulein", sagte Vollmer mtt einer artigen Ver- veugung. „Aber er steht Ihnen zur Verfügung, wen« Ihr Weg Sie in der Richtung von D . . führt; dort in der Nähe wohne« wir."

Wie Sonnenschein flog e« über Fräulein Falk­ner'» Gesicht.

„Da. ttifft sich ja prächtig," tief Fräulein Falkner, „ich nehme Ihr Anerbieten mtt Freuden an. Mein Reiseziel ist D . . Aber ob der Wirth nicht schon ein Gefährt für mich bestellt hat?",

„Mtt Nichten, da» Fuhrwerk ist hier selten. Meine Kutsche hat reichlich Platz für 4, auch 6 Personen. Bitte, steigen Sie ein!"

Al» der Wagen davon rollte, flog Mike an'» Fenster. WUder Triumph sprühte au» ihre« Blicken, mit denen fie da» Gefährt verfolgte.

„Da fahre» fie hin, die hochtrabenden Volmer'»", rief fie höhntfch, indem st« zu Annette zurückkehrtt. „Welch' eine Geuugthuung für die stolz« Race, Dich gedemüthigt zu sehe». Dein Bruder Schank- junge tm Dors« beim groben Mrth, Da Laden-