JK 271. Montag, dm 25. November. 1889
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Deutsches Reich.
Berlin, 23. November.
* Da» deutsche Emin-Pascha-Comitö erhielt heute au» Sansibar folgendes Telegramm des Hauses Hansing: „Borchert meldet aus Polo- moni: Somalis zersprengten eine englische, nicht die deutsche Expedition. Peters und sämmt- liche Begleiter wohlauf. Peter» errichtete eine befestigte Station am Kenia-Gebirge. — Die Depeschen de» Emin-Pascha-ComitS, welche an Peter« den Abmarsch Emin» au» Wadelat meldeten, werden durch Borchert an Peter« zum Kenia-Gebirge, eventuell nach dem Baringo-See nachgesandt wirden." — Ferner wird der .National» Zeitung' aus Sansibar gemeldet: Nachdem die Karawanenstraße nach Mpuapua geöffnet worden, beabsichtigt derReichskommiffar Wißmann, am 25. d. M. eine weitere Expedition nach dem Kilia- nusfcharo zu entsenden, um auch diese Karawanenstraße dem Verkehr wieder zu erschließen und in«» besondere den Häuptling Simbodja, welcher Feindseligkeiten gegen die Deutschen verübt hat, zu bestrafen.
• Die .Nordd. Allg. Ztg.' schreibt offiziös: Nach amtlicher Meldung de« Sansibarer Konsulats ist dort au» einer sicheren Quelle die Nachricht eingegangen, daß Peter» und Gefährten sich wohlbehalten am Kenia befinden. — Ein gestern hier eingetroffener Brief Emin Paschas an Echweinfurth vom 28. August lautet: „Englische Misfionsstation Uflambiro am Viktoria-See, 28. August. Soeben ist Stanley mit seinen Leuten, sowie die wenigen Leute, die mit mir gekom» men find, hier eingetroff-n. Ich beelle mich Ihnen zunächst diese zwei Zellen al» einfaches Lebens- zeichen zuzusenden. Halten wir hier einige Tage, so bin ich wohl im Stande, Ihnen ausführlicher zu schreiben, obgleich ich halb blind bin. Militär- Revolution in meiner eigenen Provinz; Gefangen-
+ Heidelerche.
Novelle von I. von Dirkink.*)
Welcher Wanderer, der jemals da» romantische Westsalen durchstreift hat, erinnert fich nicht der großartigen Landschastsbilder, die das Ruhrthal dem entzückten Auge bietet Wildmalertsche Punkte, die an ein Stück schottischen Hochlandes erinnern, wechseln mit Thalgründen ab, voll poetischen Reize», voll von dem Zauber einet ursprünglichen Natur. In stlbernen Windungen schlängelt fich der Fluß durch blumige, waldum- schlungere Auen an sanften Abhängen vorüber, die mtt üppigem Haidkraut und großblätterigem Epheu umsponnen find. In der Ferne ragen bleiche, zerklüftete Felsen über dunkle Waldungen empor, in denen der Eser haust und die Adler horsten, mährend dumpfe» Getös« die Nähe mächtiger Wafferfälle verkündet. Und in diese» Ge- Uffe mischt sich da« Pochen der Eisenhämmer, deren säulenförmigen Essen dicke Rauchwolken ent» qualmen, die sich gleich Riefenschlangen um die Baumstämme winden, und über graue, verwitterte
*) Nachdruck nicht gestattet.
Haltung Jephson» und meiner in Dufile; Ankunft der Wahllisten in Lado und Eroberung und Zerstörung Redjah's Maffacre der gegen sie gesandten Soldaten unb Offiziere; unsere Abreise nach Wadelei und Flucht nach Tungurn, Angriff der Mahdisten auf Dufile und ihre gründliche Nieder» läge, unsere schließliche Vereinigung' mit Mr. Stanley und der geographisch und anderweise so hochinteressante Marsch vom Albert-See hierher, davon hoffe ich Ihnen in einer müßigen Abend« stunde erzählen zu können, auch habe ich einige» Gute an Pflanzen für Sie. Darf ich Sie bitten, die Herren Junker, Ratzel, Supan und Hassen« stein, sowie Perthes freundlichst zu grüßen. Ich werde versuchen, zu schreiben, aber meine Augm!"
* Die Stichwahlen für die Berliner Stadt- Verordnetenversammlung finden am 11. Dezember statt. Es handelt fich um 4 Stichwahlen. Die Sozialdemokraten erwarten mit Bestimmtheit, bei drei derselben zu fiegen. Sie würden dann im Ganzen 7 Sitze in der Berliner Stadt» verordneten-Versammlung neu gewonnen haben.
* Der Kaiser trifft am 8. Dezember, nach Darmstadt kommend, in Frankfurt a.M. ein.
• Die Kaiserin Friedrich hat am Freitag Athen verlaffen und fich zunächst nach Olympia begeben.
* Die Kartellparteien haben vereinbart, in sämmtliche» thüringischen Reichstagswahlkreisen gemeinsame Kandidaten aufzustellen.
Ausland.
* Brüssel, 24. Nov. In der gestrigen Sitzung des Antisklaverei»Kongresses wurde einstimmig beschlossen, daß die Territorialfragen außerhalb der Kompetenz des Kongresse» lägen. Er wurde eine au« den Delegirten Deutschland», Belgien», Frankreich», England«, Italien«, Persien», Portugals, Rußlands und der Türkei bestehende Kommission zur Prüfung der Fragen, welche den Sklavenhandel auf dem Meere betreffen, ernannt.
• Der französische Ministerrath hat fich für die Auffassung emschieden, daß die Abstimmung über das Zündhölzermonopol da» Kabinet nicht in Frage stelle.
* Nach einer Brüsseler Meldung hätten Boulanger und Dillon Jersey verlassen und fich nach Spanien begeben.
* Die Nachricht de» .Standard', wonach die
Felsentrümmer dahinrollen. E« war im Mai. Interessante Zeitungsartikel über die Dechenhöhle hatten die Wanderlust nach dem Lande der topf- steinglänzenden Klüfte neu angeregt, und jeder Eisenbahnzug beförderte einen Schwarm Gäste in der Richtung von Letmathe hinaus. Da» einsame ländliche Gasthaus unweit der Höhle war mit Fremden überfüllt. Auf der Landstraße, an der das Haus lag, erschien an einem köstlichen Sonntag Morgen eine jugendliche Wanderin, die elastischen Fuße« diesem ihrem Ziele zustrebte. Es war eine schlanke Mädchevgestalt, in schäbiger Trauerkleidung mit bleichen, seinen Zügen, von kastanienbraunem Haar umwallt, mit aurikelfarbenen Sammet äugen, die heute von Thränm verdunkelt find. Das zierliche Krepphütchen hängt ihr am Arm und der Lufthauch, der ihre schmalen Wangen fächelt, hebt ihr da« in der Sonne wie flüssige Bronce schimmernde Haar an den Schläfen empor, so daß ein Netzwerk blauen Geäders auf der zarten weißen Haut hervortrttt. Sinnend eilt sie dahin. Wie köstlich still war es ring« um fie herum I Grüngoldig schimmerten die zartbelaubten Waldgehänge int Sonnenschein herüber. Nur leise« Vogelgezwitscher und da« Flüstern der Baum
russische Grenzarmee zwischen Galizien und der Bukowina um 8 Regimenter Kavallerie und 6 Regimenter Infanterie verstärkt worden (sei, und der russische Generalgouverneur, General Jgnatteff, die Rüstungen in seinem Distrikte auf« eifrigste betreibe, entbehrt, wie au« Kiew gemeldet, wird, jeglicher Begründung.
* Das .Jurnal de St. Petersbourg' bedauert den Umsturz des Throne« Dom Pedro'S und sagt, der Kaiser habe sich während seines wiederholten längeren Aufenthalte« in Europa Achtung und allgemeine Sympathe durch feine hervorragenden Eigenschaften erworben; allerseits werde das Geschick, welche» ihm die Undankbarkett eines Theiles seiner Unterthanen soeben berettet habe, lebhaft beklagt werden; was Brasilien anbetreffe, so sei zu befürchten, daß das Land für lange Ordnung und Sicherheit verloren hab«.
* Dem Kaiser Dom Pedro von Brasilien ist von Lissabon aus eine königliche Dacht nach Madeira entgegengesendet worden.
* Washington, 22. Novbr. Der amerikanische Gesandte in Rion de Janeiro unterhält freundschaftliche Beziehungen mtt der Provisorischen Regierung Brasilien«, eine förmliche Anerkennung derselben Seitens der 83er. Staaten soll jedoch noch nicht unmittelbar bevorstehen. Argentinien und Uruguay haben die Republik amtlich anerkannt.
Was die Verhandlung iidre das Mohrmivvfrr Gtfenvahn- «nglück gelehrt hat.
* München, 19. November.
Die furchtbare Eisenbahn-Katastrophe vom 7. Juli l. I., bei welcher neun Personen ihren plötzlichen Tod fanden und wettere zehn, zum Theil auf Lebenszeit, an der Gesundheit schwer geschädigt wurden, hat durch die gestern gepflogene Gerichtsverhandlung ihren Abschluß gefunden, indem die drei als Veranlasser de« Unglücks Beschuldigten zu Gefängnißstrafen in der Dauer von 6 bis 15 Monaten verurtheilt wurden. Wie noch erinnerlich, sprach fich unmittelbar nach dem Unglück ein großer Theil der Presse, ebenso auch wir, dahin aus, daß nicht diese drei Bediensteten allein, sondern auch da« System und mit diesem unsere bayerische Eisenbahnverwaltung ein großer Theil der Schuld treffe. Daß dem in der Thal so ist, hat die gestrige Gerichtsverhandlung aus'« Evi»
kronen, wenn der Windhauch hindurchfährt; sonst Alle« fHC. Doch plötzlich stockt ihr Fuß fie lauscht. Dumpfe« Gepolter schlägt an ihr Ohr. Er tönt deutlicher herüber; Stampfen eilender Rosse, Kreischen von Wagenrädern im Sande. Sie schaut fich um, eine Säule von weißem Chauffeestaub wirbelt empor. Näher und näher dringt die Wolke, Annette wendet fich seitwärts, während dunkle Gluth ihr Antlitz bedeckt. Denn fie erkennt dar Gefährte, die Apfelschimmel vor dem eleganten Landauer und dar stattliche ältliche Ehepaar in den rothplüschenen Polstern neben einander geschmiegt, die jetzt im Fluge an ihr vor- beisausrn. Der Fabrikbesitzer Volmer und seine Frau find e». Jener Hammerwerk nahe der Waldkluse, die Annettens Heimath ist, gehört ihnen und später ihrem einzigen Sohne Erich. Und tiefer färbt fich der Purpur auf Annetten» Wangen unter diesen Gedanken. Plötzlich schießen ihr die Hellen Thränen in die Augen; wie Gewichte hängen sich die Sorgen an ihre Glieder; fie spürt eine Mattigkeit, al» ob sie nichl weiter könnte. Dort der weiße Markstein bietet ihr einen Richtpunkt. Sie läßt fich nieder. Und al» ihre schmale Hand über die Falten ihre» Gr«