Mittwoch, den 20. November.-
M 2V7.
1889
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Die deutschen Katholiken und die Kolonialpolitik.
Geschehen noch Zeichen und Wunder? Fast steht es so aus; denn die ,National-Ztg.', die kultur- kämpferische .Nationol-Zeitung', tritt für die Forderung b(S Centrums ein, alle katholischen Orden in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten zuzulassen. Verschwunden ist die Jesuiten-Angst, verschwunden die Besorgniß der Staatsgefährlichkeit, verschwunden find die Deklamationen über „Störung des konfessionellen Friedens," „Gefährdung der öffentlichen Ordnung" u. s. w. „Man darf es," sagt bas Blatt, „als unbedenklich erachten, auf Unterscheidungen zwischen den verschiedenen, zur Misfionsthätigkeit in den deutschen Schutzgebieten zu verzichten." Es versteht sich von selbst, daß ein so großmüthiges Zuge- ständniß von solcher Seite nicht ohne die Erwartung eines Gegendienstes gemacht wird. Dieser soll darin bestehen, daß das Centrum „den kolonial- politischen Bestrebungen der National-Liberalen und der Konservativen endgiltig beitritt," und so die deutsch-freisinnige Opposition dagegen vollends bedeutungslos wird. Als Anhaltspunkt für diese Erwartung dient der ,Nat.-Ztg/ dis Antisklaverei-Bewegung unter den deutschen Katholiken.
Von vornherein ist nun zu bemerken, daß die deutschen Katholiken grundsätzliche Gegner der Kolonialpolitik nicht find und nie waren. Wie sollten sie, schon vor ihrem Standpunkte als gläubige Christen, Bestrebungen einen grundsätzlichen Widerstand entgegensetzen können, welche, in die rechten Wege geleitet, der Gewinnung zahlloser Völkerschaften für Christenthum und Civilisation förderlich sein müßten. Am Erwerbsleben Deutschlands mit dem eigenen Jntereffe so gut betheüigt wie die übrige Bevölkerung, haben sie natürlich die Erschließung neuer Gebiete für den deutschen Handel nicht mit schelem Auge angesehen, aber die Hauptsache, Herzenssache war ihnen doch „die Gewinnung des afrikanischen Welttheils für die christliche Gesittung", wie die Thronrede vom 22. November 1888 sich ausdrückt. Was ihren Beifall nicht hat finden können, das war die Ab en- teurer Politik, die leichtfertig Hunderte und Tausende von Quadratmeilen „erwarb", unter deutschen „Schutz" stellte, dann durch unvernünftiges und leichtfertiges Gebühren Konflikte mit
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(Fortsetzung.)
In unserer Zeit des Dampfes, „wo offen alle Weiten und jede Ferne nah", wird man diese genauen, umständlichen Aufzeichnungen zwar uninter« effant finden, damals aber, als Alles noch gar eng und begrenzt war, galten die aufgezählten Straßenanlagen für Ereignifle von höchster Wich- tigkeit, welche der Kalendermann gewiffrnhaft regi- strirte unter der anspruchsvollen Rubrik: „Denkwürdigkeiten zur vaterländischen Geschichte für einen Echannat nach hundert Jahren." Und auch im Auslande fand Heinrich von Btbra's Thun die größte Bewunderung. Zum Beleg dafür mag hier ein etwas wortreiches Gedicht eine Stelle finden, das sich in den „Fuldatfchen Wöchentlichen Po- licey- und Commercien-Anzeigen" für das Jahr 1769 mit folgender Vorbemerkung abgedruckt findet:
Zur Nachricht.
Eine unbekannteGesellfchaft, wie man vermuthet von fremden Kauf- und Handelsleuthen hat Jüngsthin die Einleitung dahin zu machen gewußt, baß nach deren Abreiß von hier Jhro Hochfürstl. Gnaden, unserem Gnädigsten Fär
ben Eingeborenen hervorrief und uns so in unabsehbare Unkosten stürzte, ohne einen sichern Gewinn und ein Ergebniß für die Kultur in Aussicht stellen zu können. SBas sie bekämpften, war ferner die „Civtlifirung" mittels Schnaps und Pulver. So sehr sie sich an dem Aufschwung des deutschen Handels erfreuen, an den hohen Ausfuhrziffern für die genannten Gegenstände konnte ste keinen Gefallen finden, weil sie der Civilisirung der wilden Völkerschaften nur hinderlich find.
Als das Centrum zu Anfang dieses Jahres zwei Millionen Mark für die Wißmann'fche Expedition bewilligte, dachte es nicht sowohl daran, der Ostaftikanischen Gesellschaft zum Dank für ihre leichtsinnige Wirthschast Hilfe zu leisten, sondern an die „Bekämpfung des Sklavenhandels." Nicht Jedem, der für die zwei Millionen stimmte, wird der mit der Bekämpfung des Sklavenhandels ver- quickte „Schutz der deutschen Jntereffen", so weit darunter die Auslöffelung der von der genannten Gesellschaft eingebrockten Suppe zu verstehen war, zugesagt haben; aber bas Eine war ohne bas Anbere nicht zu haben. Daß bie Sklaverei bas größte Hemmniß für bie Ausbreitung bes Christen- thums in Afrika ist, barüber find alle Kenner ber Verhältniffe einig. Ob Karbinal Lavigerie, bem bie erste Anregung zu ber brutschen Antisklaverei- Bewegung zu verbanken ist, seinen Plan, „einen internationalen He reszug gegen bie central-afrikanischen Sklavenjäger zu Staube zu bringen", wie bie ,Rat.-Ztg.' vermuthet, als undurchfüchrbar hat fallen lassen, wissen wir nicht. Von deutschen Freunden ber Bewegung haben jebenfalls nur wenig ernstlich an ben phantastischen Gebanken geglaubt, bet anfangs austauchte, mit ein paar Hunbert Mann Freiwilliger bie Sklavenjägerei ausrotten zu können. Das wäre ungefähr so, als wenn man, um bem Wildschaden in ganz Deutsch- land ein Ende zu machen, eine Treibjagd in der Hasenhaide bei Berlin anstelle» wollte. Wenn Jemand, so hatte sicher Hauptmann Wißmann das Zeug dazu, den Sklavenjägern ernstlich auf den Leib zu rücken. Sein bisheriges Voraehen hat wohl alle etwa vorhanden gewesenen Illusionen zerstört; über einige Zerstörungen in der Küsten- gegend ist er nicht hinausgekommen.
Gegen die Sklaverei kann zunächst nur die europäische Diplomatie etwas ausrichten, die nötigenfalls ihren Forderungen bei den mo
sten und Herrn, ein sehr zierliches W'rk zu Höchsten Händen gekommen, worinnen Jene sich beeiferet, von wegen dem durch die hiesige Lande all- schon guten Theils zu Stand gediehenen Chausseö-vau den lebhaftesten Dank zu erstatten. Man verfehlet um da weniger, dem Ehrsamen Publico den Inhalt der Erkenntlichkeit, welche von Fremden abaeleget worden, in seiner getreuen Verhältniß mitzutheilen, je mehr man hoffen darf, daß dieser reitende Vorgang, wodurch die weltknnbige Verdienste unseres theuersteu Landes-Regenten, auch bey auswärtigen ihren glänz-nden Werth erhalte«, von allen redlich denkenden Patrioten, mit innigster Herzens-Freude ausgenommen, und annebst mit einem gleichen Opfer der Liebe und Ehrfurcht, die wir unserem würdigsten Fürsten vor andern schuldig fetjnb, durch ein stilles wiederholen aller hiernach ersichtlicher Wünschen vergesellschaftet werden möge.
An
Sr. Hochfürstl. Bischöflichen Gnaden HERRN HERRN Heinrich
Fürsten und Bischoffen zu Fulda rc. rc.
von
einer reffenden Gesellschaft Leipzig
gedruckt bei Bernhard Christoph Breittopf 4 Sohn,
hamedanischen Staaten den erforderlichen materiellen Nachdruck zu geben vermag. Zwingt man diese Staaten zum Aufgeben des Instituts der Sklaverei, so ist dem Sklavenhandel und den Sklavenjägern das Wasser abgegraben. In Zanzibar hat man ein Verbot dis Sklavenhandels und die Abschaffung der Sklaverei durchgesetzt. Hält der Sultan an seinen Zusagen fest, so ist damit hundert Mal mehr erreicht, als wenn Wißmann zehn Mal Saadani „erobert" und zwanzig Mal Buschiri „besiegt".
Das Uebrigs, die innere Urberwindnng der Sklaverei, muß dann die Christinnisirung und Civilisirung der heidnischen Völkerschaften leisten. Hier ist am leichtesten Erfolg zu erzielen, wenn der Kaufmann und der Missionar Hand in Hand gehen; wenn der Kaufmann zugleich zum Kulturbringer und Kolonisator, nicht aber lediglich zum Ausbeuter und Vergifter der Eingeborenen wird. Eine Kolouial-Polidk, welche diesen civi» lisisatorische« Zweck verfolgt, wenigstens ihm nicht geradezu entgegenarbeitet aus blinder Gewinnsucht, und die auf solider Grundlage beruht, nicht mit Sicherheit mehr Unkosten als Nutzen voraussehen läßt, wird jeder Katholik in den für unsere Ver« hältnifle möglichen Grenzen gern unt rstützen. Auch die Katholiken haben zu Anfang, wie die meisten übrigen Deutschen, für die Kolonial-Po- litik „geschwärmt"; nur bie Abenteurer-Politik hat sie stark ernüchtert.
Jabem bis Nat.-Ztg. bie Zulassung aller Orden in ben Schutzgebieten befürwortet, schließt sie sich bem „Wunsche" des Unterstaatssekretärs Grafen Berchem an, daß aus national-politischen Gründen in den deutschen Kolonien deutsche Ordensgeistliche verwendet werden mögen. Wenn dieser Wunsch zur Bedingung erhoben werden soll, so wird das Zugeständniß allerdings ziemlich werthlos. Es sind zunächst nichtdeutsche Ordens- leute, die als Mffonare zur Verfügung stehen, und es nimmt sich doch sehr sonderbar aus, wenn man nun, nachdem man die deutschen Orden vernichtet hat, großmüthig sagt: wir wollen nur deutsche Ordens-Mtffionare in den Kolonien.
Gegen den Antrag Windthorst auf Ausdehnung des Toleranz-Artikels der Kongo-Akte auf die deutschen Schutzgebiete hat die,Nat.-Ztg? Bedenken. Wenn ste ernstlich befürchten sollte, daß mit der Zulassung aller Kulte auch „die öffent-
Zu lange schon verschloß sich im Gemüthe, Nur uns bewußt, und Dir noch unentdeckt Die Dankbarkeit, zu der uns Deine Güte Durch das Verdienst, dir etg’ner Großmuth weckt; Doch länger kann die Ehrfurcht unsrer Seelen Erhab'ner Fürst! sich nicht ror Dir verhehlen.
®‘e AW?“ ">it schüchternem Verlangen, Dir ihr Gefühl bescheiden zu gestern.
O möchtest Du sie mit der Huld empfangen, Für die wir Dich, stillschweigend, ost erhöh'n! Dich ehrt die Welt, o Stütze Deines Landes, Zum Thron bestimmt und würdig Deines Standes!
Wie groß ist der, nach beffen weisem Rathe Der Unterthan sich seiner Wohlfahrt freut. Wenn väterlich dem anvertrauten Staate Der Fürst daS Ziel von seinen Sorgen weiht;' Wenn überall auch wo Er straft und schrecket. Er seine Lieb', als Patriot entdecket!
Ihm bient das Volk mit eifrenbet Begierde, Das seinem Schutz in sich'rer Hoffnung traut; Gerechtigkeit ist des Gesalbten Zierde, Der seinen Thron auf Gnad' und Weißheit baut. Im SchooZ der Ruh', von Haß und Grimm verschonet. Wie glücklich ist daS Land, das Er bewohnet!
Dein Unterthan dankt Dir für sein Gebeyen, Doch bies Verdienst begrenzt nicht Deinen Ruhm: Auch Fremdlinge wohlthätig zu erfreuen Bleibt Deines Lob's unsterblich Eigenthum.
Aus Menschen Huld der ganzen W-lt zu nützen. Dies ist Dein Wunsch, nicht nur Dein Bott zu schützen.