JK 265. Montag, den 18. November.
Zeitim
1889
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5 Revolution in Brasilien.
Etwas überraschend iß die Kunde von dem Ausbruch einer Revolution in Rio de Janeiro, der Hauptstadt Brasiliens, doch gekommen, obgleich schon seit langen Jahren ein Zusammen« bruch des brasilianischen Kaiserreiches in Aussicht gestellt wurde. Aber in letzter Zeit war ja wenig bekannt geworden, das auf die nunmehr eingetretenen Ereignisse hätte vorbereiten können. Kaiser Dom Pedro ist lange Zeit von Brasilien abwesend gewesen, während dem führte seine Tochter die Regentschaft. Der Umstand, daß während seiner Abwesenheit die Staatsmaschine ruhig ihren Gang fortsetzte, war geeignet, den Glauben zu erwecken, daß die Monarchie in Brasilien in ernster Weise nicht gefährdet -fei. Jetzt scheint auch das Ende des einzigen und letzten monarchischen Staatswesens auf dem amerikanischen Kontinent gekommen zu sein. Das parlamentarische Regiment hat dieser Ende nicht verhindern können. Ein Urtheil über die Vorgänge in Rio de Janeiro ist augenblicklich noch nicht möglich. Die vorliegenden Meldungen find sehr lückenhaft; wir wissen nur: eine revolutionäre Bewegung zum Umsturz der bestehenden Regierung und zur Errichtung der Republik ist ausgebrochen, die Armee hat sich derselben angeschloffen und eine provisorische Regierung ist eingesetzt worden. Was aber ist au« dem Kaiser Dom Pedro und seiner Tochter, der Kronprinzessin Jsadella, der Gräfin D'Eu, geworden? Beschränkt sich die Bewegung auf die Hauptstadt, oder ist das ganze Reich davon ergriffen? Wie stellen sich die südlichen Provinzen mit ihrer zahlreichen deutschen Einwohnerschaft dazu? Das find Fragen, deren Beantwortung vorläufig noch aus- steht. Aus dem Umstande, daß die vorliegende Meldung den Kaiser überhaupt nicht erwähnt, darf geschloffen werden, daß diesem sowohl wie der Kronprinzesfin kein Leid widerfahren ist. Als das deutsche Reich noch keine selbstständige Kolonialpolitik trieb und solche nur theoretisch ^erörtert wurde, ist mehrfach auf die südbrasilianischen Provinzen hingewiesen worden, als auf ein Gebiet, welches sich dereinst für eine deutsche Kolonialpolitik empfehlen würde. Ein Zerfall des großen brasilianischen Reiches wurde damals in sichere Aussicht gestellt. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen, wo diese Voraussetzung eintritt. Es .Mnt übrigens nicht, daß sich die Reichrregierung mit dem ihr nahe gelegten Gedanken, dereinst festen
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Zu den höchst legensreichen und bedeutsamen Einrichtungen, welche der um die Laudeswohlfahrt so hochosrdieute Fuldaer Fürstbischof Heinrich von Bibra (t am 25. September 1788) in seiner nahezu neunundzwarrzigjährigen Regierungs- Periode geschaffen hat, gehört besonder» auch die Anlage trefflicher Landstraßen. Wir, die wir heute den Segen überaus hochentwickelter Verkehrsverhältniffe genießen, .können uns kaum eine Vorstellung davon machen, wie mangelhaft es noch vor hundert.Jahren in dieser Beziehung in Deutschland autzfah. Aber. Heinrich von Bibra erkannte, welch' gewaltig Mdeznden Einfluß auf Handel und Verkehr, ja aus da« gejammte öffentliche Leben gut gebaute Verbindungswege ausüben Mußten und verschaffte dem Buchenländchen bereits diese Woylthat, ehe noch andere deutsche Fürsten für ihre Länder daran dachten.
Der Ausbau der ersten Straße von F u l d a durch Hünfeld bi» an die Grenze von Vacha, und von Fulda durch Neuhof bis an dir Grenze von Schlüchtern ist in den Jahren 1764 bis 1771 fertig gestellt worden; auch wurde gleich-
Fuß in Südbrastlien zu fassen, je ernstlich beschäftigt hat.
Welche Vortheile den Brasilianern die Umwandlung des Kaiferthums in eine Republik bringen soll, ist schwer einzusehen. Die süd- und centralamerikanischen Republiken find mit wenigen Ausnahmen nicht aus blutigen Bürgerkriegen herausgekommen und einige derselben haben fich trotz der republikanischen Staatsform ein geradezu despotisches Regiment gefallen lassen müssen. Brasilien hat unter der langen Regierung Dom Pedro DE. nach jeder Richtung hin einen großen Aufschwung genommen. Das Land wurde parlamentarisch regiert und die Republik wird nach dieser Richtung hin schwerlich größere Freiheiten bringen können. Ob sie für die Einführung und Aufrecht- Haltung geordneter und gesetzmäßiger Zustände — in dieser Beziehung hoperts freilich noch sehr — mehr vermögen wird al» die Monarchie, muß bezweifelt werden. Im Interesse unserer nicht unbedeutenden Handelsbeziehungen zu Brasilien wäre zu wünschen, daß wir uns in letzterer Hinsicht täuschten.
Das^gesammte Ministerium hat, wie nicht anders zu erwarten stand, demisfionirt. Der bisherige Marineminister wurde von Soldaten, die an der Empörung theilnahmen, schwer verwundet.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. November.
• Die .Aordd. Allaem. Ztg.' dementirt die Blätter-Meldung, daß bereits ein auf die bevorstehenden Reichstags-Wahlen bezügliches Rundschreiben an die Bundes-Regierungen gerich- tet worden ist. Die .Nordd. Allgem. Ztg.' fügt hinzu, daß selbstverständliche Bestimmungen über den Wahltermin nicht früher getroffen werden können, als bi» sich übersehen läßt, zu welchem Zeitpunkte der gegenwärtig versammelte Reichstag die ihm obliegenden Arbeiten erledigt haben wird. Wenn die Regierung ihre diesbezüglichen Entschlüsse vom Gange der Reichstags-Geschäfte abhängig macht, so folgt daraus, daß die Wahlen auch schon bald nach dem Sessionsschluffe stattfinden können. Und da noch immer möglich ist, daß der Reichstag vor Weihnachten seine Berathungen zu Ende führt, so haben wir zu erwarten, daß eventuell im Januar die Wahlen stattfinden. Das muß ein Ansporn auch für unsere Parteigenoffen im ganzen Reiche sein, mit den Wahl-Vorbereitungen zu beginnen.
zeitig mit dieser wichtigen Chauffee die Haupt- wache und das Paulusthor einerseits sowie die Kohlhäuser Brücke andererseits errichtet.
Früher hatte das Nicolaithor den Ausgang nach Norden eröffnet; dasselbe hatte fich weiter oben, ungefähr da, wo jetzt die Hauptwache steht, neben der alten Pauluskapelle befunden, war aber mit dieser beim Bau des gegenwärtigen Schlöffe« eingelegt worden. Die anderen Thore — Fulda besaß deren steben — welche die Verbindung der mauerumzogenen Stadt mit den Vorstädten vermittelten, waren da» Heerthor, Abtrthor, Schulthor, Kohlhäuser-Thor, Floren- thor und Petertthor. Die beiden letzteren mit ihren hohen Thürmen find auf Merians bekannter Abbildung de» .alten Fulda, zu sehen.
Zu Anfang diese« Jahrhundert» find sie abgetragen worden, da» Paulusthor aber blieb erhalten, da dieser stattliche, sinnvoll geschmückte Thor- bau wirklich eine monumentale Zierde für unsere Stadt bildet und besonder» der schönen doppelten Lindenallee einen sehr wirkungsvollen architektonischen Abschhrß und Hintergrund gibt. Mit seiner dreifachen Bogenwölbung und den in Sandstein ausgeführten Skulpturen erinnert es etwa»
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* Die Reichstags-Kommission zur Vorberathung des Sozialisten-Gesetze» hat die Bestimmungen über das Verbot von Druckschriften mit einigen Abänderungen angenommen. Danach muß da» Verbot des ferneren Erscheinens erfolgen, sobald innerhalb eine« Jahres das Verbot einer zweiten Nummer erfolgt ist. Ferner soll die Beschwerde, wenn es fich um das Verbot des ferneren Erscheinens einer Druckschrift handelt, ausschiebende, in allen anderen Fällen aber keine aufschiebende Wirkung haben. Die Bestimmungen über die Zusammensetzung der Beschwerde-Kommission wurden nach der Regierungs-Vorlage angenommen. — Der Kommission ist vom preußischen Minister de« Innern, Herrfurth, eine Zusammenstellung der 1888 und 1889 auf Grund de» Sozialisten-Gesetzes erfolgten Ausweisungen aus Berlin und Umgegend, Stettin mit Umgegend, Hamburg, Altona, Harburg mit Umgebung, Frankfurt a.M., Offenbach mit Umgebung, Leipzig mit Umgebung zugegangen. Au« Berlin mit Umgebung ist 1888 eine Person, aus Hamburg, Altona-Harburg mit Umgebung find 1888 5 Personen, 1889 keine Person, aus Frankfurt a. M., Offenbach mit Umgebung 1888 5 Personen, aus Leipzig mit Umgebung 1888 8, 1889 8 Personen, im Ganzen 1888 19, 1889 9 Personen ausgewiesen worden. Außerdem hat eine Erneuerung der früher erfolgten Ausweisungen insoweit stattgefunden, al« den Betheiligten der Aufenthalt in ihrem früheren Wohnorte wieder gestattet worden ist.
♦ Die ReichStagS-KoMMiffion zur Vorberathung der Bankgesetz-Novelle hat gestern die Regierungs-Vorlage mit 8 gegen 4 Stimmen angenommen.
*Privat-DozentDr.Bramann Hierselbst, der am 9. Februar 1888 in San Remo an dem damaligen Kronprinzen den Luftröhrenschnitt meisterhaft vollzog, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor der Chirurgie nach Greifswald abgelehnt.
* Der Besuch der Königin von Italien in Bersin soll, wie die .Franks. Ztg/ meldet, M Anfang des kommenden Sommers erfolgen.
* Heiligenstadt, 13.Nov. Nach der Katho- liken-Verfammlung fand noch ein Festessen im Hotel Eichsfelder Hof statt. Nach Verlesung eines Telegramms des Papstes, das allen Versammelten Gruß und Segen sendet, brachte Dr. Z-hrt den ersten Trinkspruch auf Leo LUI. und Kaiser Wil- Helmau». Der etste Vorsitzende, Hartmann, feierte die Bischöfe von Paderborn und Htldesheint, Vorn
an einen römischen Triumphbogen, nur daß e» nicht wie ein solcher freisteht, sondern den Schloß- und bischöflichen Garten mit einander verbindet, oder vielmehr zu verbinden scheint. Die in die Luft ragende Blldsäule de« Weltapostel» mag wohl zur Erinnerung an die ehemalige Paulurkapelle und gewiffermaßen al» Ersatz für sie, das Bauwerk bekrönen. Die beiden geharnischten Krieger aber, welche auf beiden Seiten mit Speer und Schild Wacht halten, find un« al« unsere stiftr- heiligevRitter Ht. Simplicips undSt.^au- st in u s .schon von der Farads der Domkirche her bekannt, wo fie ebensall» in Wehr und Waffen sichen und al« Schildzeichen dar Kreuz und die dreisiensliLe Zilie führen. 'Auch die alte, bemalte Restnstatue über dem r örtlichen, Eingang zur Bonifatiurgruft stellt St. Sinplicius dar.
Die Außenseite de« Prulusthore« ist zwar einfacher und schmuckloser, doch immerhin mit bedeutungsvollem B.ldwerk vom Baumeister geziert worden. Unter dem Kreuzeszeichen prangt in einem Medaillon ein Relies-BrustbÜd de« hl. Bonifatiu«, der in der Rechten den Bischofsstab, in der Linken den Dolch mit dem durchbohrten Eyangelienbuche hält; — der in die ehrwürdige Bonifatiusstad