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Mittwoch, den 13. November.
1889
Deutsches Reich.
Berlin, 12. November.
* Nach der englischen Regierung aus Sansibar zugegangenen Nachrichten ist an dem Tode dcr Führers der deutschen Emin Pascha-Expedition, Dr. Peters, leider nicht mehr zu zweifeln.
• lieber den Besuch Kalnoky's in Friedriche- ruh wird den ,Hamb. Nacht.' anscheinend offiziös von Berlin gemeldet, er habe wesentlich den Zweck gehabt, die österreichisch-ungarische Diplomatie von der Nothwendigkeit zu überzeugen, daß den russischen Bestrebungen im Südosten Europa« innerhalb gewsset Grenzen mehr Spielraum als bisher zu lassen sei.
* In der Sozialistenkommission de» Reichtagcs wurde Abg. Tr. Winbthorst^'zum Vorsitzenden gewählt.
* Der Reichstag trat heute in die zweite Berathung dc» Etats für 1890/91 ein. Beim Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei erklärte Staatssekretär v. Bötticher auf Anfrage des Abg. Richter, daß eine Entscheidung über die Frage de» Platze« für das Kaiser Wilhelm- Nationaldenkmal noch nicht getroffen sei und daß eine Meinungsäußerung des Reichskanlers über die von Herrn von Bennigsen gewünschte Schaff- ung der Stellung eines Reichtfinanzminister« nicht vorliege. Abg. Böckel (Antisemit) sprach gegen die Abzahlungsgeschäfte. Staatssekretär von Bötticher erwiderte, daß die Behandlung der Sache schwierig sei, doch werde es hoffentlich gelingen, den au«- saugen', en Geschäften einen Riegel vorzuschieben. Beim Etat des Relchr-Justizamts erklärte Staatssekretär v. Oehlschläger auf eine Anregung des Abg. Dr. Baumbach, daß sich ein Termin für die Einsührung de» neuen bürgerlichen Gesetzbuch« nicht angeben lasse. Die vorliegenden Kritiken würden sorgfältig geprüft und danach weitere Ent- schließungen gefaßt. Beim Etat des Innern suchte Staatssekretär von Bötticher die Fabriktnspektorm gegen den sozialdemokratischen Vorwurf einseitiger Vertretung der Arbeitgeber-Jnteressen zu rechtfertigen. Für später sei ein besonderer Quali- fikationsnachweir der Fabrikinspektoren in Aussicht genommen. Morgen: Anträge aus dem Hause.
* Der Nachtrags-Etat für die Wiß- mann'fche Expedition beläuft sich auf 1,950,000 JL liebet die Verwendung der auf-
See Mitthi».
Novelle von R. O.
(30. Fortsetzung.)
Bernhard folgte dem Wunsche der freundlichen Beamten und fügte die Versicherung hinzu, daß er in wenigen Stunden mit der erforderlichen Legitimation wieder in der Stadt sein würde. Er mußte sich dieselbe unter allen Umständen von dem Grafen Loris oder von Iwan Petrowitsch verschaffen, und zu diesem Zwecke auf dem schnellsten Wege in das Waldhaus eilen. E« gelang ihm leicht, ein Reitpferd aufzutreiben, und bald befand er sich wieder auf dem bekannten Wege, den er diesmal mit schwerem Herzen und banger Erwsrt- ung zurücklegte. Als er eben in den Wald eingebogen war, auf dessen vielfach gewundenen und zum Theil ziemlich stark ansteigenden Wegen da« Pferd eine langsame Gangart einschlagen mußte, durchfuhr e« ihn plötzlich wie jähe« Erschrecken, al» er bei einer Biegung de« Pferde« in geringer Entfernung vor sich die gebeugte Gestalt desselben silberhaarigen Greises sah, dessen Erscheinung in der letzte» Nacht den Ausbruch der Katastrophe herbeigeführt hatte. Gleich einem grellen Blitz- strahl zuckte ein seltsamer, ungeheuerlicher Gedanke
gebrauchten 2 Millionen wird u. A. Folgender mitgetheilt: Die Lohnansprüche der Neger stellten sich doppelt so hoch, wie angenommen worden war; auch mußten 800 statt 600 Neger angeworben, sowie die Weiber und Kinder der Schwarzen mitgenommen werden, was die Transportkosten erhöhte. Hierzu kommen die größeren Kosten für die Ausrüstung der Schiffs Wißmavn'», die eingetretene Nothwendigkeit de» ©Utern« noch weiterer Transportschiffe. Inzwischen hat sich die Nothwendigkeit ergeben, die Trupps um weitere 300 Schwarze zu verstärken und zahlreiche Nachschübe von Oifizieren, Mannschaften und Kriegs- material vorzunehmen.
* Die von Hauptmann' Wißmann in die Küstenlsndschaften Usegura und Usambara entsandten Streifkorp» der deutschen Schutztrvppe haben ein befestigte« Lager der aufständischen Araber erstürmt und die dort befindlichen Banden zersprengt. Die Beruhigung der genannten Küstenlandschaften nimmt einen günstigen Verlauf.
* Im Auftrage der deutschen Regierung weilt gegenwärtig in Rom ein Beamter, um diejenigen Weinsorten ftflzustellen, die sich hauptsächlich zur Einfuhr auf den deutschen Markt eignen.
* Der türkische Botschafter am hiesigen Hofe ist vom Sultan zum Vezir ernannt worden, al» welcher derselbe von jetzt ab den Titel Pascha führt.
* Der .Kreuzztg.' gegenüber, welche auf Grund der Berichte der Fabrikinspektoren die Zunahme der Frauen und Kinderarbeit scharf getadelt halte, schreibt die .Köln. Ztg.': „Die Berichte der Fabrik-Inspektoren lassen ja noch manche» in unfern Arbeitsverhältniffen al» bisse« rungsbedürftig erscheinen, im ganzen aber beweisen sie, daß die Zustände bei uns nicht nur besser sind al» irgendwo, sondern daß sie in der Hauptsache überhaupt gut find. Ganz besonder» bilden sie eine Warnung vor dem gänzlichen Verbot der Kinder- und Frauenarbeit." — Wenn mann wie die .Köln. Z.' die Lage der Arbeiter im deutschen Reiche, obwohl die dürftigen Berichte der Fabriktnspektorm da» Gegentheil liefern, für gute hält, für den existirt natürlich weder ein Bedürfniß nach Arbeiterschutz noch nach irgendwelcher Sozialreform. Wir möchten vor einer solchen optimistischen, wir möchten beinahe sagen leichtfertigen Auffassung der sozialen Lage
in seinem Geist auf — ein Gedanke, den er jedoch sogleich wieder al» eine Unmöglichkeit weit von sich wie». Aber e» war begreiflich, daß der Mann, der sich da mit Hilfe eine» Stocke» mühselig vorwärt« schleppte, und dessen Dürstigleit jetzt in der hellm Beleuchtung des Tages noch unverkennbarer zu Tage trat, al« im unsicheren Mondlicht der veifloffenen Nacht, sein ganze« Interesse in Anspruch nahm, und daß er ihn um jeden Preis sprechen wollte, mochte auch die Versäumniß, die dadurch herbetgesührt werdm mußte, noch so schwer ins Gewicht fallen.
Da« Geräusch, welches die Pferdehufe auf dem weichen Waldboden hervorriefen, war so gering, daß der Wanderer die Annäherung des Reiters erst bemerkte, al« Jener ihn beinahe erreicht hatte. Gr drehte sich heftig um «nd trat dann, zum Gruße an seinen Hut greifend, einen Schritt zur Seite. Er erkannte Bernhard offenbar nicht wieder, aber er kam trotzdem der Anrede des jungen Manne» mit einer Frage zuvor.
„Verzeihen Sie, mein Herr!" sagte et in einem seht schlechten und mühsam zusammengestoppeltm Devtsch, „man sagte mit, daß hier in der Nähe ein russischer Herr, ein Landtmann von mir wohne! Aber mir scheint, daß ich auf falschm Wege bin!"
der Arbeiter allen Ernstes warmn/ Die Enttäuschung dürste eine» schönen Tage» eine zu schreckliche fein!
• Die Kaiserin Friedrich hat sich sehr un- günsti g über die Freytag'sche Charakterzeichnung ihre» verstorbenen Gatten aurgedrückt und namentlich die Darstellung als verkehrt hingestellt daß sie ihren Gatten geistig überragt und beherrscht habe.
* Brerla u, 11. Novbr. Durch Anordnung de» Polizei-Präsidenten ist die Vieh sperre auf dem hiesigen Schlachtviehmarkte aufgehoben worden.
* In Heiligenstadt, wo heute der Katholikentag der Provinz Sachsen und de» Eichsfeldes stattfindet, ist auch Abg. Windthorst eingetroffen. Begeisterter Empfang durch ein zahlreiche« Publikum. Die Stadt ist geschmückt, viele Fremde sind anwesend. Windihorst fieht vorzüglich aus. Damen überreichten ihm Bovquets, worauf er launig erwiderte.
* München, 10.Nov. Die Schlußworte au» dem Testamente des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Antonius v. Steichele lauten:
„Indern ich sterbend vorn Bischofsstuhle des hl. Korbinian herabsteige und den Hirtenstab an meinem Grabe niederlege, sende ich noch meinen letzten Segen und meine letzten Grüße hinaus in meine weite Diözese. Allen, di« mit je Liebe und Liebesdienste erwiesen haben» danke ich auf's Innigste, insbesondere meinem geliebten Diözesan- Klerus, der mir stets in aller Liebe und Ehrerbretung so freundlich entgegenkam. Und ist mir Jemand gram, so reiche ich ihm hiermit die versöhnende Hand. In Liebe und Frieden versöhnt mit Gott und aller Welt will ich aus dem mühevollen Leben scheiden und getreu und voll Ergebung heimkehren zu Gott, meinem Herrn. Und daß mich mein göttlicher Erlöser Jesus Christus gnädig richten möge, darum bitte ich Alle noch um ihr frommes Gebet."
Der hochwürdigste Herr Erzbischof hat den Hauptbestandtheil seiner Hinterlassenschaft dem erz- bischöflichen Seminar in Freifing zum Baue der Münchener Pfarrkirchen und anderen kirchlichen und wohlthätigen Zwecken vermacht. Der edle Verblichene ruhe im Frieden!
Ausland.
* Das Profi fforen-Kollegium der neuen Uni- veifität zu Freiburg (Schweiz) beschloß, wie bekannt, int, feiner ersten Gesammtfitzung einstimmig, auf die Bezahlung eines Honorars für die Vorlesungen inon Seiten bet Studirenden zu verzichten. Wie die junge Hochschule international
Wie ein eiskalter Strom rieselt e» über Bern- Hardts Körper. Dieser Fremde war also wirklich ein Russe. Die Aehniichkeit, welche die Züge seines Geficht» mit dem tobten Bruder des Grafen Lotis aufweifen sollten, erhielt dadurch einen noch wunderbareren Charakter, und wenn nicht die bestimmte Erzählung de« unglücklichen Mörder» vor- g<legen hätte, so würde Bernhard wohl versucht gewesen fein, hier an jene merkwürdigen Zufall«- fögungen zu glauben, die zuweilen mit fo entscheidender Bedeutsamkeit in dar Leben des Menschen eingreisen. Aber zum zweiten Male verwarf er den Gedanken an die Möglichkeit einer solchen glücklichen Wendung und er beantwortete die Frage de» Greise» in französischer Sprache, indem er zugleich hinzufügte, daß Herr von Kirsanoff leider schwer krank fei und den Besuch seine« Landsmanne« kaum werde empfangen können.
„Es ist mein alte« Unglück", seufzte der Fremde, der sich nun ebenfalls der französischen Sprache bediente, die ihm um Viele« geläufiger war. „Wohin ich mich wende, überall finde ich Abweisungen und Enttäuschungen! Wann endlich wird dieser dornenvolle Weg zu Ende sein?"
Bernhard empfand ein innige« Mitleid mit dem Manne, dessen Aussehen und Sprache trotz feine«